Geniale Ausrüstung für Wanderweg und Campingkomfort

Der Weg zum Waschhaus ist normalerweise keine Expedition. In Ontario brauchte ich dafür abends trotzdem eine Lampe. Auf einigen Campingplätzen war es so dunkel, dass selbst die paar Meter vom Camper zu den Sanitäranlagen ohne eigenes Licht schwierig geworden wären. Die Stirnlampe gehörte entsprechend oft zu meiner Abendgarderobe.

Auf unseren Reisen durch Tirol, Südtirol und Kanada haben wir einiges an Ausrüstung ausprobiert. Wanderstöcke mussten auf Bergwegen und Waldboden Halt geben, Schuhe einen ganzen Tag bequem bleiben. Bei der Kleidung freute ich mich über Teile, die nach einer Tour auch noch ins Restaurant passten. Und im Van halfen ein paar ziemlich praktische Behälter dabei, Schuhe, Campingmöbel und Einkäufe unterzubringen. Hier sind 15 Produkte, die uns unterwegs begleitet haben.

Mammut Aenergy Trail All Mountain Low Men: Bequeme Schuhe für lange Tage

Die Wanderschuhe von Mammut passen perfekt in die Umgebung / © Gerd Blank

Bei diesen Schuhen hat sich für mich eine Nummer größer als üblich bewährt. So saßen die Aenergy ausgesprochen bequem, auch nach einem ganzen Tag auf den Beinen. Ich war damit in den Alpen und in Kanada unterwegs, bin mehrere Kilometer auf unterschiedlichen Untergründen gewandert und habe sie auch beim Radfahren getragen. Meine Füße haben sich abends nicht beschwert.

Die Belüftung funktionierte gut, die Geruchsentwicklung blieb gering. Auf unebenen Wegen fand das Profil zuverlässig Halt, ich fühlte mich im Schuh sicher. Nach einem Tritt in eine Pfütze trockneten die Schuhe schnell wieder. Viel Regen hatten wir allerdings nicht. Dazu kommt die schlichte Optik, mit der ich auch abseits des Wanderwegs etwas anfangen kann. Für meine Touren eine sehr angenehme Wahl. Die passende Größe würde ich vor dem Kauf unbedingt anprobieren.

Fakten Atmungsaktives Polyester-Obermaterial mit umlaufendem TPU-Schutzrand; Mammut CORE Plus-Zwischensohle; 8 mm Sprengung.

Preis 160 Euro · Zum Hersteller

Mammut Runbold IV Pants Men: Wandern und anschließend ins Restaurant

Meine Runbold ist schwarz. Natürlich. Das Logo fällt kaum auf, und auf den ersten Blick sieht die Hose erfreulich wenig nach Wanderausrüstung aus. Ich konnte sie nach der Tour auch im Restaurant tragen, ohne mich umziehen zu müssen. In den Alpen und in Kanada war sie entsprechend häufig im Einsatz.

Der leichte Stoff trägt sich angenehm, die Beinlänge passte perfekt und hätte auch mit hohen Wanderstiefeln funktioniert. Bei großen Schritten hatte ich genug Bewegungsfreiheit, im Schritt rieb nichts unangenehm. Die Beine lassen sich am Knie nicht abnehmen. Wer auf der Tour von einer langen zu einer kurzen Hose wechseln möchte, braucht also ein anderes Modell. Bei Wärme ließ sich die Runbold dank des leichten Materials trotzdem gut tragen. Eine Wanderhose, die ihren Zweck erfüllt und dabei unauffällig bleibt.

Fakten 85 % recyceltes Polyamid, 15 % Elastan; 4-Wege-Stretch; vier Reißverschlusstaschen; Herstellergewicht 268 g.

Preis 120 Euro · Zum Hersteller

Black Diamond Sequence Pants: Fast wie eine Jogginghose

Der Gummibund mit seinem Bändchen erinnert mich an eine Jogginghose. Das ist als Kompliment gemeint. Die Sequence sitzt weit und ausgesprochen bequem, bei mir dürfte sie allerdings einen Tick länger sein. Mit Stiefeln ließ sich das gut auffangen, zu meinen niedrigen Wanderschuhen passte sie ebenfalls.

In Kanada habe ich sie bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten getragen, auch in der Stadt. Ich fühlte mich darin wohl und immer richtig angezogen. Mein schwarzes Exemplar wirkte dabei eher etwas bläulich. Die Mammut Runbold empfinde ich stärker als Wanderhose, die Sequence fast als Freizeithose. Wer eine bequeme Hose für die Reise sucht, mit der er auch wandern kann, sollte sie sich ansehen. Vor allem größere Menschen sollten bei der Anprobe auf die Beinlänge achten.

Fakten Polyester-Ripstop mit wasserabweisender Ausrüstung; elastischer Bund; gerades Bein; Herstellergewicht 290 g.

Preis 95 Euro in Black · Zum Hersteller

Mammut Base T-Shirt Women Mini Logo: Ein gutes schlichtes Shirt

Es gibt Produkte, über die man erfreulich wenig sagen muss. Diese T-Shirts gehören dazu. Meine Frau hat sie in den Alpen getragen, eines außerdem beim Sport in Lüneburg. Die Qualität gefiel uns, die Shirts passen gut und sind etwas weiter geschnitten. Die schlichte Gestaltung macht sie unkompliziert kombinierbar.

Unter einer weiteren Schicht funktionieren sie als bequeme Grundlage fürs Zwiebelprinzip. Mammut verwendet dafür reine Bio-Baumwolle. Wer ein schlichtes Shirt für leichte Wanderungen, die Reise und den Alltag sucht, bekommt hier genau das. Große Funktionsversprechen braucht es dafür nicht.

Fakten 100 % Bio-Baumwolle; Regular Fit; Rundhalsausschnitt; Herstellergewicht 173 g.

Preis 28 Euro im Outlet, regulär 40 Euro · Zum Hersteller

Black Diamond Diverge Full Zip Hoody: Die Jacke für fast jeden Tag

In Kanada habe ich den Diverge fast täglich getragen. Beim Wandern und vor dem Camper, aber auch im Heli, auf der Fähre und an der Zipline. Manchmal reichte ein T-Shirt darunter, manchmal kam noch eine dünne Jacke darüber. Der Fleece passt mir perfekt, sein weicher Stoff fühlt sich ausgesprochen angenehm an. Er ist vergleichsweise dünn, trotzdem hatte ich immer das Gefühl, ordentlich angezogen zu sein.

Der Hoody wärmte mich und hielt unterwegs auch Wind ausreichend ab. Die Daumenöffnungen an den Ärmeln gefallen mir, ebenso die kleine Brusttasche, in der mein Smartphone Platz fand. Auf einer Bootstour habe ich die Kapuze zu schätzen gelernt. Diese Jacke würde ich ohne großes Überlegen wieder einpacken.

Fakten Fleece aus recyceltem Polyester; Kapuze und Daumenöffnungen; Brusttasche und zwei Einschubtaschen mit Reißverschluss; Herstellergewicht 452 g.

Preis 150 Euro · Zum Hersteller

Mammut Snow Beanie: Rot bleibt im Gedächtnis

Beim Rest meiner Kleidung mag ich es meist monochrom. Bei Details wie Socken und Mützen darf Farbe ins Spiel kommen. Die rote Snow Beanie passt dazu: Sie sitzt gut, trägt sich bequem und sieht gut aus. Mehr muss eine Mütze manchmal gar nicht leisten.

Ich habe sie in den Alpen und in Kanada getragen, aber auch in der Stadt und auf einer Veranstaltung. Eine rote Mütze hat schließlich einen gewissen Wiedererkennungswert. Selbst bei Wärme fand ich sie angenehm. Dazu muss man allerdings wissen, dass ich auch im Sommer gern Mützen trage. Das ist eine persönliche Vorliebe und vermutlich keine Empfehlung für jeden. Für mich stimmen hier Sitz, Optik und Preis.

Fakten 65 % Merinowolle, 35 % Polyamid; Einheitsgröße; Herstellergewicht 98 g; gezeigte Farbe Mammut red.

Preis 40 Euro · Zum Hersteller

Black Diamond Midweight ScreenTap Liners: Ein bequemer erster Eindruck

Für einen ausgiebigen Handschuhtest war das Wetter in Kanada schlicht zu gut. Die Midweight ScreenTap Liners habe ich zweimal angezogen: beim Radfahren und an der Zipline. Bei beiden Einsätzen saßen sie bequem. Viel mehr kann ich aus dieser Reise noch nicht über sie berichten.

Interessant ist die vom Hersteller beschriebene leitfähige Oberfläche an Handflächen und Fingern, mit der sich Touchscreens bedienen lassen sollen. Wie zuverlässig das bei mir funktioniert und wo die Handschuhe bei längerer Kälte an ihre Grenzen kommen, habe ich nicht ausreichend ausprobiert. Deshalb bleibt es hier bei einem kurzen Praxiseindruck mit gutem Sitz.

Fakten 93 % recyceltes Polyester, 7 % Elastan; leitfähiges Material an Handflächen und Fingern; Größen XS bis XL; Herstellergewicht je nach Größe 42 bis 57 g.

Preis 40 Euro · Zum Hersteller

Helinox Passport TL120 Adjustable: Klein verstaut und schnell einsatzbereit

Wanderstöcke von Helinxo – beim Sitzen © Gerd Blank

Im Pitztal und rund um Lana hatten die Passport-Stöcke reichlich Gelegenheit, sich auf bergigen Wegen zu bewähren. Sie lassen sich sehr klein zusammenfalten und sind schnell wieder auseinandergezogen. Die Konstruktion wirkte stabil, auf dem Untergrund hatte ich guten Halt. Besonders praktisch finde ich, dass sich die Länge etwas verändern lässt. Meine bevorzugte Einstellung liegt ungefähr bei 118 Zentimetern.

In den Bergen nutzte ich die Metallspitzen, die dort bestens funktionierten. Für festen Untergrund liegen Gummikappen bei. Eine größere Auswahl an Aufsätzen hätte mir trotzdem gefallen. Vor dem Kauf sollte man prüfen, ob der Verstellbereich zur eigenen Nutzung passt. Günstig sind die Passport nicht. Wer auf ein kleines Packmaß Wert legt, bekommt dafür stabile Stöcke, die sich auf meinen Touren ausgesprochen nützlich gemacht haben.

Fakten DAC-Aluminiumlegierung; verstellbar von 109 bis 120 cm; Faltmaß 35 cm; Herstellergewicht 360 g pro Paar; Gummi-Spitzenabdeckungen inklusive.

Preis 174,95 Euro pro Paar · Zum Hersteller

Black Diamond x norda Distance Carbon Z FKT: Diese Handschlaufen gefallen mir besonders

Die Handhalterungen musste ich mir erst einmal genauer ansehen. Hat man verstanden, wie sie angezogen werden, ist das System großartig: Die Schlaufen verbinden sich magnetisch mit dem Stock und lassen sich auf Knopfdruck wieder lösen. Auf einer hügeligen Waldwanderung im Algonquin Park gefiel mir das ausgesprochen gut. Zum Aufbau zieht man die Segmente auseinander, bis sie einrasten und fest sitzen.

Gegenüber den Helinox wirken die Black Diamond noch leichter, und ihr Design gefällt mir besser. Auch beim mitgelieferten Zubehör für verschiedene Untergründe sind sie großzügiger ausgestattet. Beim Verstauen liegen für mich dagegen die Helinox mit ihrem kleineren Packmaß und den Klettverschlüssen vorn. Die Black Diamond haben außerdem eine feste Länge. Die muss vor dem Kauf passen. Mein Favorit an diesen Stöcken bleibt die Handschlaufe. Den höheren Preis gegenüber den Helinox finde ich dennoch etwas happig.

Fakten Carbon-Schäfte; magnetisch ankoppelbare Handschlaufen; feste Längen von 105 bis 130 cm; Herstellergewicht je nach Länge 294 bis 324 g pro Paar; Gummispitzen und Schneeteller inklusive.

Preis 210 Euro pro Paar · Zum Hersteller

Black Diamond Distance 15 Backpack: Viel Platz an den richtigen Stellen


Regenjacke, Kamera und ein paar Snacks: Auf unseren Ausflügen in Kanada passte in den Distance 15 alles hinein, was ich unterwegs dabeihaben wollte. Besonders gut gefällt mir, wie Black Diamond den verfügbaren Platz aufteilt. Die Wanderstöcke fanden ihre Halterung, kleine Wasserflaschen steckten in den Schulterriemen. Dort gab es sogar ein eigenes Täschchen für mein Smartphone.

Der Rucksack ist leicht und ließ sich bei meinen verschiedenen Einsätzen sehr angenehm tragen. Gerade die Aufteilung mit den zusätzlichen Fächern an den Schultergurten hat mich überzeugt. Für meine Ausflüge mit überschaubarem Gepäck war das eine ausgesprochen praktische Lösung.

Fakten 15 Liter Volumen; Herstellergewicht 330 g; Größen S bis L; Stockhalterung und zwei Flaschenfächer an den Schultergurten; Softflasks nicht enthalten.

Preis 180 Euro · Zum Hersteller

Black Diamond Storm Plus: Licht für die dunklen Wege am Abend

Die Storm Plus habe ich in Ontario sehr häufig benutzt. Gerade auf den teilweise unbeleuchteten Wegen am Campingplatz war eine Lampe nötig. Die Kopflampe saß dabei ausgesprochen gut. An die Bedienung musste ich mich allerdings erst gewöhnen. Das Dimmen der Lichtstärke und die verschiedenen Lichtfarben waren zunächst ungewohnt, erwiesen sich dann aber als praktisch.

Besonders angenehm auf einer Camperreise: Ich konnte sie per USB-C an meiner Powerbank laden. Während der Reise musste ich das nur einmal zwischendurch tun. Für die vielen Wege im Dunkeln hat sich die Lampe bewährt. Nach der kurzen Eingewöhnung bei der Bedienung gehörte sie zu den Dingen, die ich gern griffbereit hatte.

Fakten Maximal 750 Lumen; Akku mit 2200 mAh; USB-C; weißes sowie rotes, grünes und blaues Licht; Schutzart IP67; Herstellergewicht 114 g.

Preis 90 Euro · Zum Hersteller

Gregory Alpaca Camp Box 50: Ein fester Platz für die Schuhe

Die Camp Box wandert natürlich nicht mit auf den Berg. Auf unserer Alpentour hat sie sich trotzdem nützlich gemacht: Wir transportierten unsere Schuhe darin. Im Van hatten sie so ihren festen Platz. Und falls Schuhe nach einer Tour müffeln, gefällt mir eine geschlossene Kiste dafür deutlich besser als der offene Wohnraum.

Brauchten wir drinnen mehr Platz, stellten wir die Box einfach vor die Tür. Einmal blieb sie dabei auch im Regen draußen stehen. Der Inhalt war anschließend trocken. Praktisch ist der Deckel, der sich von beiden Seiten öffnen lässt. So kommt man an die Schuhe, ohne erst die ganze Kiste umdrehen zu müssen. Die stabile Bauweise passt zum Einsatz im Camper. Wer regelmäßig Ausrüstung im Wagen verstaut, kann mit so einer Box erstaunlich viel anfangen.

Fakten 50 Liter Volumen; Herstellergewicht 2,6 kg; Staub- und Wasserstrahlschutz nach IP65; transparenter, beidseitig zu öffnender und abnehmbarer Deckel.

Preis 65 Euro · Zum Hersteller

Gregory Alpaca Gear Tote 30: Ich würde ihn Einkaufskorb nennen

Gear Tote klingt nach einer ziemlich speziellen Aufgabe. Einkaufskorb würde es für unseren Einsatz auch tun. Wir haben den Korb unterwegs für unsere Einkäufe benutzt. Der robuste Stoff und der stabile Rahmen machen dabei einen guten Eindruck, auch voll beladen ließ er sich ausgesprochen angenehm tragen.

Bei Nichtgebrauch kann man ihn flach zusammenlegen und in der mitgelieferten Schutztasche verstauen. Das ist im Camper willkommen, wo ein leerer Korb möglichst wenig Raum beanspruchen sollte. Auch für den Transport von Wäsche bietet er sich an. Ein unkomplizierter Helfer mit einem etwas aufwendigen Namen.

Fakten 30 Liter Volumen; faltbarer Aluminiumrahmen; Aufbewahrungstasche inklusive; Herstellergewicht 844 g.

Preis 65 Euro · Zum Hersteller

Gregory Alpaca Gear Basket 70: Ein Korb für fast die ganze Campingmöblierung

Zwei Helinox-Stühle, ein Tisch, das Zubehör für die Stühle und zusätzlich ein Schlafsack: Das alles habe ich im großen Gear Basket transportiert. Damit bekommt man eine recht konkrete Vorstellung davon, was in diesen Korb hineinpasst. Gerade für die Campingmöbel fand ich es praktisch, die einzelnen Teile gemeinsam unterzubringen.

Voll beladen ließ sich der Basket gut tragen, die Griffe gefielen mir besonders. Auch das Verstauen im Van funktionierte gut. Ist der Korb leer, lässt er sich flach zusammenlegen. Wer mit mehreren kompakten Campingmöbeln reist, bekommt damit eine praktische Möglichkeit, sie gemeinsam zu transportieren. Bei uns war er auf der Alpentour genau dafür im Einsatz.

Fakten 70 Liter Volumen; faltbarer Aluminiumrahmen mit integrierten Griffen; Aufbewahrungstasche inklusive; Herstellergewicht 1,18 kg.

Preis 90 Euro · Zum Hersteller

Mammut Relax Down Bag 0C: Mein bisher liebster Schlafsack

Ich habe in meinem Leben viele Schlafsäcke benutzt. Keiner hat mir bisher so gut gefallen wie dieser. Der Stoff ist weich und richtig kuschelig, die Füllung wärmte mich gleichmäßig. In Größe L habe ich den Relax zuerst ein paar Nächte im Garten in Lüneburg ausprobiert. Bei ungefähr sieben Grad habe ich keinen Moment gefroren.

Nach Kanada kam er eigentlich mit, damit ich abends bei Bedarf eine bequeme Decke hatte. Am Ende habe ich auch im Camper darin geschlafen. Häufig eher darunter: Durch den mittigen Reißverschluss kann ich ihn öffnen und als Decke nutzen. Der Einstieg ist bequem, die Kapuze lässt sich eng um den Kopf legen. In der kleinen Innentasche sind zum Beispiel Kopfhörer gut aufgehoben.

Daune bleibt ein tierisches Material und kommt für Veganer entsprechend nicht infrage. Mir gefallen hier die Wärmeleistung und das kleine Packmaß sehr. Auch die Farben passen: außen grau, innen orange. Schlicht, mit einem erfreulichen Farbakzent. Als Extra liegen Ohrstöpsel und eine Schlafbrille bei. Die Brille hatte ihren ersten Reiseeinsatz schon auf dem langen Flug nach Kanada. Den Schlafsack selbst würde ich jederzeit wieder mitnehmen.

Fakten Getestete Größe L; 300 g Füllung aus 90 % Entendaune und 10 % Entenfedern; Herstellergewicht 960 g ohne Packsack; mittiger Zweiwege-Reißverschluss; Schlafmaske und Ohrstöpsel inklusive.

Preis 370 Euro · Zum Hersteller

Schwarz sitzen: Helinox Sunset Chair (re) und Table One Hard Top im Test

Campingmöbel sehen häufig so aus, als hätten sich die Designer nicht zwischen Anglerbedarf und Kindergeburtstag entscheiden können. Ich bin eher der Schwarz-Weiß-Typ und habe mich deshalb für zwei schwarze Sunset Chair (re), den ebenfalls schwarzen Table One Hard Top und einiges an Zubehör von Helinox entschieden. Mitgenommen habe ich die kleine Kollektion auf meiner Reise mit dem Hobby-Van durch Tirol und Südtirol. Die erste Überraschung gab es noch vor der Abfahrt: Sämtliche Teile passten gemeinsam in eines der Fächer im Heck. Campingmöbel für zwei Personen, verstaut auf dem Raum einer eher überschaubaren Sporttasche.

Helinox in the box: In die Gregory-Faltbox passen zwei Stühle, ein Tisch und alles weitere Zubehör © Gerd Blank

Sunset Chair (re): sitzen, wärmen, schaukeln

Der Sunset Chair (re) wiegt inklusive Tasche knapp 1,7 Kilogramm, also ungefähr so viel wie drei große Dosen Bier. Dafür trägt er bis zu 145 Kilogramm. Der Aufbau erklärt sich beim ersten Mal noch nicht komplett von selbst, ist aber schnell verstanden: Gestänge zusammenstecken, Sitzbezug darüberziehen, fertig. Inzwischen steht der Stuhl bei mir nach rund 20 Sekunden. Beim Abbau zeigt sich ein Detail, das man erst dann richtig schätzt, wenn man schon einmal mit widerspenstigen Campingmöbeln gekämpft hat: Die Packtasche lässt sich dank ihrer großen Öffnung und der beiden Reißverschlüsse weit aufklappen. Man muss das Gestänge also nicht millimetergenau hineinoperieren.

© Gerd Blank

Das „(re)“ im Namen steht nicht bloß für eine neue Farbe oder ein kleines Facelift. Helinox hat die Konstruktion überarbeitet und nennt das Ergebnis „(re)Tension Design“. Eine zweite Spannungslinie verteilt das Gewicht besser über den Rahmen und verhindert, dass der Stoff zu stark durchhängt. Genau das spürt man beim Sitzen. Der Bezug ist so über das Gestänge gespannt, dass eine erstaunlich bequeme Sitzschale entsteht. Man sitzt nicht einfach auf einem Stück Stoff, sondern wird gestützt, ohne darin zu versinken. Dazu kommen verstärkte Ecken, neue Verbindungselemente und längere Beine, die das Aufstehen erleichtern. Das Gestänge besteht außerdem aus wiederverwendetem Aluminium, für Bezug und Netzflächen verwendet Helinox recycelte, bluesign-zertifizierte Stoffe.

Mit meinen 1,93 Metern bin ich bei Campingstühlen ein eher unangenehmer Testfall. Im Sunset Chair (re) kann ich trotzdem bequem sitzen und den Kopf an die 97 Zentimeter hohe Rückenlehne legen. Seitlich befindet sich eine Einschubtasche für Smartphone oder Buch. Das klingt nebensächlich, verhindert aber, dass beides irgendwann im Gras liegt. Mit einer Packlänge von nicht einmal 48 Zentimetern verschwindet der Stuhl nach Gebrauch wieder im Heck des Campers.

© Gerd Blank

Richtig interessant wird er durch das Zubehör. Der High-back Seat Warmer wiegt knapp ein halbes Kilo und verwandelt den luftigen Sitzplatz in eine gefütterte Höhle für den Hintern. Gerade an kühlen Abenden ist das deutlich angenehmer, als der etwas sachliche Name vermuten lässt. Die Air Headrest wiegt samt Beutel nur 85 Gramm, weniger als eine Tafel Schokolade, und polstert Kopf und Nacken ordentlich. Ganz überzeugen konnte mich die Befestigung allerdings nicht. Trotz der Kopfstützenlasche des neuen Stuhls rutschte das Kissen bei mir immer wieder etwas hin und her.

Mein Lieblingszubehör sind ohnehin die Rocking Feet. Die beiden Aluminiumkufen werden unter die Stuhlbeine gesteckt und machen aus dem Campingstuhl einen Schaukelstuhl. Braucht man das? Natürlich nicht. Will man nach fünf Minuten noch einmal darauf verzichten? Ebenfalls natürlich nicht.

Table One Hard Top: weniger als ein Liter Wasser, belastbar wie ein Umzugskarton

Der Table One Hard Top wirkt beim Auspacken zunächst wenig vertrauenerweckend. Die zusammenfaltbare Tischplatte fühlt sich in der Hand eher nach einer flexiblen Unterlage als nach einem richtigen Tisch an. Sobald sie jedoch aufgeklappt und an vier Punkten in das Gestänge geklickt wird, ändert sich das Bild. Im Inneren versteckte Polycarbonatplatten erzeugen eine ebene und erstaunlich stabile Fläche. Der Tisch wiegt verpackt etwas mehr als 900 Gramm, damit weniger als eine Literflasche Wasser, soll aber bis zu 50 Kilogramm tragen. Für Getränke, Snacks, Bücher und den üblichen Kleinkram vor dem Camper reicht das locker. Selbst gefüllte Gläser standen darauf sicher. Mit 38 Zentimetern ist der Table One Hard Top niedrig, passt damit aber gut zu den Sunset Chairs. Man kommt bequem an Getränke und Snacks, ohne sich jedes Mal aus dem Stuhl falten zu müssen. Steffi hat den Tisch zwischendurch sogar als Fußablage benutzt. Das funktionierte ebenfalls, auch wenn Helinox ihn dafür nicht gebaut hat und ich daraus keine offizielle Empfehlung ableiten würde. Bemerkenswert bleibt, wie viel Tisch aus einem Paket kommt, das zusammengefaltet gerade einmal 41 Zentimeter lang ist.

© Gerd Blank

Ich hatte noch einen Becherhalter bestellt, um ihn an einen Stuhl zu befestigen. Nun ja, lesen hilft: Der passt zwar an fast allen älteren Modellen, aber am Sunset Chair (re) kann er nicht befestigt werden. Dieses Modell führt Helinox sogar ausdrücklich als nicht kompatibel auf. Immerhin lässt er sich am Tisch befestigen und erfüllt dort seinen Zweck – auch wenn das eigentlich etwas sinnlos ist. Außerdem wirkt die Halterung mit dem harten Kunststoff unnötig starr. Ein weicheres, flexibleres Material würde besser zum leichten Tisch passen und sich vermutlich auch angenehmer verstauen lassen.

Hier sitzt man richtig gut – und teuer

Ja, Helinox ist teuer. Zwei Sunset Chair (re) kosten zusammen knapp 390 Euro, der Table One Hard Top noch einmal rund 170 Euro. Mit Sitzwärmer, Kopfkissen, Kufen und Becherhalter wird aus der Campinggarnitur schnell eine kleine Investition. Dafür wirken die Möbel nicht wie Ausrüstung für zwei Sommer, sondern wie eine Anschaffung für viele Jahre. Das Gestänge ist stabil, die Stoffe sind kräftig, das Design ist angenehm zeitlos und das Packmaß passt auch in einen Van, dessen Stauraum nicht im Überfluss vorhanden ist. Helinox gibt zudem fünf Jahre Garantie auf Herstellungsfehler.

Einen Nachteil haben die Stühle trotzdem: Nicht nur ihre Besitzer finden sie ziemlich gut. Wer am Abend in den Camper geht, sollte sie deshalb besser einpacken, statt sie als freundliche Einladung vor dem Wagen stehen zu lassen. Das geht ganz fix. Und am nächsten Morgen sind sie noch da und stehen wieder in 20 Sekunden.

Süd Frankreich im neuen VW Grand California

Es gibt Autos, in die steigt man ein, um irgendwohin zu kommen. Und es gibt Autos, in denen die Reise schon beginnt, bevor man den ersten Kilometer gefahren ist. Der VW Grand California gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Als wir an diesem Sommermorgen in Hamburg losfahren, steht vor uns kein vertrauter VW T5 namens „Bussi“, sondern ein ziemlich stattlicher Neuling: fast sechs Meter lang, hoch genug, dass man sich selbst als Erwachsener nicht ständig ducken muss, und mit einem Innenraum, der eher an ein kleines Apartment als an ein Auto erinnert. Das Modelljahr 2026 hat an vielen Stellen nur behutsam nachgelegt – aber genau diese kleinen Verbesserungen machen den Unterschied. Mehr Ordnung, mehr Komfort, mehr Wohngefühl. Und unterwegs fährt sich der große Kasten erstaunlich gelassen und agil.
Für meinen Sohn Flynn ist das Auto zunächst weniger Reisemobil als Forschungsstation. Was ist das? Wo kommt das hin? Kann man hier schlafen? Und warum ist der Kühlschrank größer als gedacht? Ich kenne diese Fragen. Erwachsene reisen mit einer Route. Kinder reisen mit Fragen.

Erster Stopp: Regen in Esneux

Unser erster Zwischenstopp heißt Esneux. Belgien empfängt uns nicht mit Postkartenwetter, sondern mit strömendem Regen. Das ist vielleicht der Moment, in dem wir zum ersten Mal verstehen, was dieser Grand California auf dieser Reise eigentlich sein wird. Draußen ist alles nass. Drinnen ist es warm. Wir sitzen am Tisch, während der Regen gegen die Scheiben läuft. Der Tisch ist nicht bloß ein Tisch, sondern Frühstücksplatz, Arbeitsplatz, Spieltisch und irgendwann Ablage für Dinge, die eigentlich längst hätten weggeräumt werden sollen. Der Grand California ist an diesem Abend weniger Fahrzeug als kleines Haus, das zufällig an der Rue de l’Athénée in Esneux steht.
Regen kann einem Campingurlaub ziemlich schnell die Romantik nehmen. Oder er kann sie ins Innere verlagern. Wir entscheiden uns für Letzteres.

Honfleur: Frankreich beginnt langsam

Am nächsten Tag wird der Regen weniger und Frankreich rückt näher. In Honfleur angekommen, ist die Stimmung eine andere. Der alte Hafen, die schmalen Häuser, das Wasser, die Cafés. Ein Ort, an dem man automatisch langsamer wird. Der Grand California bleibt auf seinem Stellplatz zurück. Das ist vielleicht die eigentliche Kunst eines Reisemobils: Es muss nicht immer dabei sein. Es reicht zu wissen, dass es wartet.

Wir laufen durch Honfleur, schauen Schiffe an, bleiben hier und dort stehen, essen etwas und schlendern ohne großen Plan durch die Gassen. Flynn entdeckt Dinge, die auf keinem Reiseblog stehen würden. Einen Laden mit irgendeinem Spielzeug. Einen besonders großen Eisbecher und auf dem großen Karussell versteckt er sich vor dem Kontrolleur auf der oberen Ebene und fährt so nicht nur einmal. Normalerweise hätte ich ihn ermahnt, dass so etwas nicht gehe – aber es ist Urlaub und die Paar runden mehr machen ihm so viel Spaß, dass ich mich meinen Kommentar nach der Schwarzfahrt kurzhalte. Reisen mit Kindern ist auch eine Lektion darin, Wichtigkeiten neu zu sortieren.

Zwei Tage am Mont Saint-Michel

Wir reisen wie in der Business-Klasse eines Flugzeugs, der Grand California schaltet weich in den 8 Gang und die 163 PS des 2,0-l-Turbodiesel beschleunigen uns fast lautlos auf unsere Reisegeschwindigkeit von 120 Km/h pro Stunde, alle Assistenten sind aktiv und passen akribisch darauf auf, dass ich nicht über die Spur fahre, halten automatisch den Abstand zum Vorderauto und weisen mich darauf hin, dass es Zeit ist einmal eine Pause zu machen. Gute Idee, Rosie muss sowieso mal Gassi. So entspannt bin ich lange nicht gereist. Dann taucht er auf. Zuerst nur als Silhouette. Dann wird aus dem dunklen Punkt am Horizont ein Felsen, aus dem Felsen eine mittelalterliche Stadt und aus der Stadt der Mont Saint-Michel.

Wir bleiben zwei Tage. Das klingt nach viel Zeit für einen Ort, den die meisten Besucher in wenigen Stunden abhaken. Aber genau deshalb fühlt es sich richtig an. Wir können bleiben, wenn andere zu den um 18 Uhr schließenden Parkplätzen eilen oder mit Bussen abreisen. Wir können noch einmal durch die Gassen laufen. Noch einmal nach oben schauen. Noch einmal warten, bis das Licht sich verändert.
Das Kloster thront über allem, aber das eigentliche Erlebnis ist das Dazwischen: die Wege, die Mauern, die Blicke aufs Meer und das Gefühl, dass sich dieser Ort nicht beeilen lässt.

Abends radeln wir zurück zu unserem Zuhause auf vier Rädern. Rosie läuft ohne Leine, wir sind fast alleine vor der imposanten Silhouette der ikonischen Insel und alles fühlt sich leicht an, frei. Ich glaube ich werde diesen Moment aus Kinderlächeln, warmem Wind und Ruhe nie vergessen.

Die Île de Noirmoutier und die Kunst, einen Platz zu finden

Je weiter wir nach Süden kommen, desto mehr verändert sich die Reise. Die Luft wird wärmer, die Landschaft weiter. Unser Ziel ist ein Zwischenstopp an der Atlantikküste. Aber wegen der Feuer in Gironde haben sich die Gästeströme verändert und im August sind zudem Ferien in Frankreich und viele gehen Campen. Vorbei an einem uninspirierten Stellplatz den wir über die Camping Car Park gefunden haben und wo wir noch Platz untergekommen wären, lassen wir sein. Wir wagen das Risko und fahren einfach weiter. Und irgendwann sind wir auf der Île de Noirmoutier. Christoph, der auf dieser Reise meinen „Bussi“ fährt hat damals seiner Tochter aus einem Buch vorgelesen, das auf der Insel spielte.

Im August hier einen Stellplatz zu finden, ist kein Selbstläufer. Wir haben Glück und bekommen einen Platz für zwei Autos auf dem Campingplatz Les Oncheres. Für uns bedeutet das vor allem: kleines Abenteuer, kleines Glück.

Schnell einparken und ab ins Meer. Wir machen uns gar nicht die Mühe viel aufzubauen. Bussi und der Grand California passen genau auf den Platz. Mehr war nicht verfügbar, aber er passt auch mit seinen fast 6 Metern und zusätzlichem Fahrradgepäckträger von Thule gut in die Lücke. Etwas schief und wir haben keine Böcke dabei, aber für eine Nacht wird es gehen. Gekocht wird heute nicht, auf dem kleinen Platz vor dem Restaurant wärmt sich ein DJ für die abendliche Party auf, es gibt frische Austern, Pizza und Bier.  

Durch die Gironde

Dann kommt die Landschaft, über die wir auf der Reise am wenigsten unbeschwert sprechen. Schon die Wochen vor der Abreise waren vom Blick auf das Feuerradar der NASA bestimmt und wie sich die verheerenden Brände ausbreiten werden. Zum Glück wurde unser Ziel durch die zahlreichen Feuerwehrmänner geschützt.

Auf dem Weg durch die Gironde sehen wir die Spuren der Waldbrände. Stellenweise wirkt die Landschaft verwundet. Wo eben noch Wald war, bleibt eine verbrannte, dunkle Fläche zurück. Man fährt daran vorbei und kann trotzdem nicht einfach vorbeisehen. Auch weil wir Urlaub machen. Und wenn dann ein verwaistes Haus mit ausgebrannten Fahrzeugen am Straßenrand an uns vorbeifliegen, entsteht ein reales uns sehr mulmiges Gefühl.
Dieses Gefühl begleitet uns bis zum Cap Ferret. Im Kopf die Bilder der Zerstörung, vor uns der Campingplatz Truc Vert. Hier bleiben wir sieben Nächte. Der Platz ist sehr leer für diese Jahreszeit. Dort sprechen wir mit den Betreibern. Sie beruhigen uns. Gerade jetzt seien Gäste wichtig. Während der Brände mussten viele Betriebe schließen, und für die Menschen vor Ort geht es darum, wieder auf die Beine zu kommen.

Plötzlich bekommt Camping eine andere Bedeutung. Wir sind nicht nur Durchreisende. Wir bringen auch ein bisschen Leben zurück. Am Abend sitzen wir vor dem Grand California und dimmen die große Lichtleiste vor dem Ausstieg, das praktische zweiteilige Mückenplissee ist geschlossen und der Innenraum glüht im Ambientelicht zwischen den Klappen. Das Auto ist inzwischen voller Sand, Krümel, Spielzeug und kleiner Reisegeschichten. Genau genommen sieht es längst nicht mehr neu aus. Und das ist gut so. Ein neues Auto ist schön. Ein Auto, das eine Reise erlebt hat, ist etwas anderes.

Paris

Dann Paris. Für Flynn beginnt der Höhepunkt der Reise schon lange vor dem Eiffelturm. Wir fahren in die Stadt, beziehen unseren Platz auf dem Campingplatz Maison Laffitte und machen uns auf den Weg. Der Eiffelturm ist tatsächlich so groß, wie man ihn sich vorgestellt hat. Und irgendwie noch größer. Es ist sehr voll und Besucher aus aller Herren Länder warten wie wir auf den Eingang zum Eifelturm. Ganz rauf geht es nicht, nur zu Fuß auf die zweite Ebene. Der Ausblick ist atemberaubend. Wir schauen auf die Metropole, machen Fotos und atmen die Stadt ein. Paris ist laut, voll und ein bisschen überwältigend. Aber vielleicht gehört genau das dazu.

Am nächsten Tag wartet Disneyland Paris. Für Flynn ist klar: Das ist der Hauptgewinn. Für uns Erwachsene beginnt der Tag zunächst mit dem Versuch, unsere Hunde in eine Station zu geben, wo sie den Tag bleiben können, denn im Disney Land sind keine Tiere erlaubt. Die Station direkt am Eingang und hat Platz für 25 Tiere. Resevieren geht nicht, aber ein Telefonat vor Monaten hat ergeben, dass die Station noch nie ausgebucht war. Esko und Rosie sind Hund 23 und 24. Puh, das war knapp. Das Personal ist sehr professionell, freundlich und alles geht ganz schnell. Ihr müsst unbedingt den Impfpass mitbringen, sonst könnt ihr eure Lieblinge nicht einchecken. Kosten pro Tag: 25 Euro inklusive Futter – das ist fair. Das Gefühl, Rosie und Esko zurück zu lassen ist unfair, aber wir sehen sie ja etwas später zum Gassigehen, denn das dürfen die Mitarbeiter der Hundestation nicht.

Jetzt heißt erst erstmal einen Überblick zu bekommen. Zwei Parks, Sicherheitskontrolle, unglaubliche Liebe zum Detail, überall Disney-Figuren aus der Kindheit und mein Sohn der fast vor Freude zerspringt. Dann geben wir die Kontrolle ab, es übernehmen die Attraktionen.

Wir laufen. Und laufen. Und laufen.

Am Ende stehen mehr als 31.000 Schritte auf der Uhr. So viel zu der Idee, dass Erwachsene irgendwann vernünftig werden. Wenn man Disneyland Paris besucht, lohnt es sich, beide Parks einzuplanen. Wer möglichst viel erleben möchte, kann außerdem den Disney Premier Access Ultimate nutzen, um bei vielen Attraktionen lange Wartezeiten zu umgehen. Alternativ lassen sich einzelne Premier-Access-Pässe über die App buchen. Die App selbst ist ohnehin praktisch, weil sie Wartezeiten, Attraktionen und gebuchte Pässe zusammenbringt. Und wer in einem der Restaurants essen möchte, sollte früh reservieren. Aber all diese Tipps sind am Ende Nebensache. Denn irgendwann steht Flynn einfach da, mitten in diesem künstlichen Wunderland, mit großen Augen und einem Gesichtsausdruck, der sagt: Genau dafür bin ich hier. Und dann weiß man wieder, warum man reist.

Flynns Top 3 Attraktionen: 1. Big Thunder Mountain, 2. The Twilight Zone Tower of Terror 3. Star Wars übernimmt Space Mountain

Hennings Top 3 Attraktionen: 1. Ratatouille, 2. The Twilight Zone Tower of Terror 3. Peter Pan

Ein Auto, das Zuhause war

Am nächsten Morgen fahren wir zurück Richtung Hamburg. Die Strecke ist lang. Aber sie fühlt sich nicht mehr wie der Anfang der Reise an, sondern wie deren Nachspann. Der Grand California hat inzwischen alles gesehen: belgischen Dauerregen, französische Hafenromantik, mittelalterliche Klostermauern, Atlantikluft, verbrannte Wälder und 31.000 Schritte Disneyland. Er war Schlafzimmer und Küche, Rückzugsort und Transportmittel. Er hat uns vor Regen geschützt, unsere Sachen getragen und uns immer wieder ein kleines Stück Zuhause gegeben. Vor allem aber hat er etwas verändert. Mit „Bussi“ hätten wir diese Reise wahrscheinlich anders erlebt. Nicht schlechter. Nur anders.

Der Grand California hat uns mehr Raum gegeben. Für Gepäck. Für Regentage. Für müde Kinder. Für Frühstücke, bei denen niemand aufstehen musste. Für spontane Pausen. Und für die Erkenntnis, dass ein Urlaub nicht unbedingt daraus besteht, möglichst viel zu sehen. Manchmal besteht er darin, genug Zeit zu haben, um etwas wirklich zu erleben.

Für Flynn wird wahrscheinlich nicht der neue Innenraum des Grand California in Erinnerung bleiben. Nicht die Gepäcknetze hinter den Klappen der Gepächfächer, nicht der Tisch der im Innenraum und draußen vor dem Küchenblock eingehängt werden kann, nicht die smarten Funktionen und wahrscheinlich auch nicht die Frage, wie souverän sich ein fast sechs Meter langer Camper durch enge Straßen bewegt. All diese Dinge machen das Reisen angenehmer – und genau das kann der neue Grand California. Aber unvergesslich werden andere Dinge sein. Der Mont Saint-Michel. Der Eiffelturm. Disneyland Paris. Und vielleicht dieses große grau weißes Auto mit schicken schwarzen Felgen, in dem wir morgens aufgewacht sind und abends wieder angekommen sind.

Ein Auto kann einen von A nach B bringen. Der Grand California machte aus A und B eine Geschichte. Unsere begann in Hamburg. Und irgendwo zwischen Esneux und Paris wurde aus einer Sommerreise eine Erinnerung, die bleibt.

Campingplätze entlang der Reise:

Unser Reisemobil: VW Grand California
Campermen Podcast zur Reise: Family Business in Frankreich

  1. Disney Land Tipps:
    Tickets für beide Parks buchen:Es lohnt sich auf jeden Fall, beide Parks mitzunehmen – so holt ihr das Maximum aus eurem Besuch heraus.
  2. Premier Access Ultimate:Für das maximale Erlebnis empfehle ich den Disney Premier Access Ultimate Pass. Damit könnt ihr lange Warteschlangen umgehen und euch entspannt von Attraktion zu Attraktion durch den Park bewegen.
  3. Premier Access über die App:Alternativ könnt ihr auch bis zu drei einzelne Premier Access Pässe mit einem vorgegeben Zeitfenster über die Disney App buchen – praktisch, wenn ihr gezielt bestimmte Fahrgeschäfte ohne lange Wartezeit erleben möchtet.
  4. Disney App nutzen:Die App ist superpraktisch! Dort findet ihr Informationen zu den Attraktionen und aktuellen Wartezeiten. Außerdem könnt ihr eure Pässe hinterlegen und bei den jeweiligen Attraktionen ganz einfach wie in einer digitalen Wallet aufrufen – und schon geht’s los.
  5. Restaurant frühzeitig reservieren:Wenn ihr in einem Restaurant essen möchtet, solltet ihr unbedingt frühzeitig über die App einen Tisch reservieren. Die Plätze sind sehr begehrt und schnell ausgebucht.

Ford Nugget im Test: Viel Platz in kleiner Hütte

Eine kurzfristige Planänderung machte aus der Radreise durch Fyn eine Tour mit Van und E-Bike. Was zunächst nach einer Notlösung klang, erwies sich ziemlich schnell als Glücksfall. Denn der Ford Nugget konnte nicht nur Fahrrad, Gepäck und Anhänger schlucken. Er passte auch erstaunlich gut zu dieser Reise.

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Johnny Cozy von Qeedo im Test: einfach aufgebaut, doppelt gemütlich

Im Podcast habe ich schon öfter von unserem Campingstuhl-Leid erzählt: Wir besitzen zwar ein Set Campingstühle, die sind allerdings so sperrig und nervig aufzuklappen, dass wir sie oft gar nicht erst aus der Heckgarage geholt haben. Gerade wenn wir nur eine Nacht an einem Ort standen, war uns der Aufwand zu groß und wir haben aus Bequemlichkeit lieber drinnen gefrühstückt. Für unseren letzten Urlaub in Frankreich musste also dringend etwas Neues her! Eine Sitzgelegenheit, die sich unkompliziert transportieren lässt, schnell steht und trotzdem gemütlich ist. 

Unsere Wahl fiel auf die Johnny Cozy Double von der Outdoormarke qeedo. Dabei handelt es sich nicht um einen klassischen Campingstuhl, sondern um eine zusammenfaltbare Outdoor-Couch für zwei. 

Sofa-Feeling für den Campingplatz

© Nadine Wenzlick

Der Zusatz „Cozy“ ist durchaus treffend, denn gemütlich ist die Couch tatsächlich. Sitzfläche und Rückenlehne sind weich gepolstert und super bequem. Der Bezug in dem schicken Farbton Mokka besteht aus Polyester. Mit einer Sitzhöhe von rund 48 Zentimetern sitzt man angenehm hoch. Die Sitzfläche ist beim Double rund 98 Zentimeter breit und 51 Zentimeter tief. Zwei Erwachsene finden dort bequem Platz – bei uns hat sich oft sogar noch das Kind in die Mitte gequetscht.

Das Stahlgestell macht einen stabilen Eindruck und hält laut Hersteller bis zu 300 Kilogramm aus. Praktisch sind außerdem die seitlichen Organizer-Taschen. Smartphone, Sonnenbrille, Buch oder Getränk sind damit schnell griffbereit, ohne dass man extra einen Tisch braucht.

Schnell aufgebaut und trotzdem kompakt

Der größte Vorteil gegenüber unseren alten Campingstühlen zeigt sich beim Aufbau: Die Johnny Cozy Double steht wirklich in wenigen Sekunden. Sie lässt sich zusammenfalten und anschließend in der mitgelieferten Rucksack-Packtasche verstauen. Das Packmaß beträgt 100 × 33 × 28 Zentimeter, das Gewicht liegt bei 8,65 Kilogramm. Damit ist sie zwar schwerer als ein einzelner Faltstuhl, lässt sich durch die Rucksacktasche aber bequem tragen und kann zum Beispiel auch mal zum Strand mitgenommen werden. 

Unser Fazit

Für uns löst die Johnny Cozy Double tatsächlich unser langjähriges Campingstuhl-Dilemma: Draußen sitzen wollen, aber keine Lust auf großes Auf- und Abbauen haben. Die Couch ist schnell aus der Tasche geholt und bietet gleichzeitig deutlich mehr Gemütlichkeit als ein klassischer Faltstuhl. Anders als unsere alten Campingstühle bleibt die Johnny Cozy Double garantiert nicht ungenutzt in der Heckgarage. Mit 99,95 Euro (UVP) ist sie zudem ein echtes Schnäppchen. 

15 % Rabatt für Campermen-Hörer

Ihr wollt die Johnny Cozy Double oder ein anderes Produkt von qeedo selbst ausprobieren? Als Campermen-Hörer bekommt ihr mit dem Rabattcode CAMPERMEN26 bis zum 26. August 2026 15 % Rabatt auf alle qeedo-Produkte, ausgenommen Dachzelte. Hier geht es direkt zum Shop: https://www.qeedo.de

Der Rabattcode kann einmal pro Kunde eingelöst werden. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht, allerdings ist der Rabatt nicht mit anderen Aktionen oder Rabatten kombinierbar.

Links
Qeedo: https://www.qeedo.de
Johnny Cozy Double (Sofa): https://www.qeedo.de/products/johnny-cozy?variant=Z4195

Lil’ Buddy von Ruff Cycles im Test: Auf großer Fahrt mit dem Mini-Bike

Klassische Radreise-Romantik sieht gewöhnlich anders aus: hochgezogene Funktionssocken, neonfarbene Packtaschen-Türme und ergonomisch geschwungene Lenker. Wer so durch Dänemark rollt, geht in der Masse der Radtouristen unter. Mein Plan für die Insel Fyn war ein anderer: Ich wollte Gepäck transportieren, ohne wie ein mobiler Outdoor-Laden auszusehen. Die Wahl fiel auf den Lil’ Buddy von Ruff Cycles. Ein E-Bike aus Regensburg, das optisch irgendwo zwischen 70er-Jahre-Mofa, BMX und Strandcruiser rangiert. Für die Stadt hatten wir den kleinen Flitzer bereits ausprobiert. Aber taugt so ein kompaktes Rad auch als echtes Gefährt für eine mehrtägige Camping-Tour?

Platzsparer im Campervan

© Gerd Blank // Campermen

Ursprünglich sollte die Reise komplett auf zwei Rädern an der Küste starten. Eine kurzfristige Planänderung verlegte die Anreise jedoch in meinen Ford Nugget. Was bei zwei klassischen 28-Zoll-E-Bikes regelmäßig in ein nervenaufreibendes Tetris-Spiel ausartet, erledigte sich hier von selbst: Dank der kurzen Bauweise und den kompakten 20-Zoll-Laufrädern passten das Bike und der Anhänger problemlos quer zwischen Vordersitze und Rückbank. Der Wohnraum blieb frei, ein Heckträger überflüssig. Vor Ort auf Fyn folgte der Aufbau des Gespanns. Wenn schon Auffallen, dann konsequent.

Die Basis: der Lil’ Buddy Performance (Testbericht) in komplett mattem Schwarz („Sombra Black“). Dazu kamen weiß gefankte Tyron-Weißwandreifen (20×4.0 Zoll), die dem matten Rahmen einen sauberen Retro-Touch verpassen. Weil ich mit meinen 1,93 Metern auf der Serienbank etwas gedrungen sitze, hatte das Team des Herstellers schon eine dreifache Sitzerhöhung (+45 mm) montiert. Das reicht aus, damit die Knie beim Treten nicht am Lenker anschlagen.

© Gerd Blank // Campermen

Für das Gepäck setzte ich auf ein dreiteiliges System:

  • Frame Bag (19 Liter): Die maßgeschneiderte Rahmentasche füllt das Dreieck unter der Sitzbank komplett aus und nimmt Regensachen, Schloss und Werkzeug auf.
  • Front Rack & Bag: Ein massiver Frontträger mit passgenauer Tasche für Dinge, die schnell griffbereit sein müssen.
  • E-Bike-Trailer Premium: Ein einspuriger Anhänger auf denselben breiten Fatbike-Reifen, auf dem ich eine wetterfeste Cargo-Box von Yeti festgeschnallt hatte.

Vollgas an der dänischen Küste

Die erste Etappe führte entlang der Küstenstraßen rund um Svendborg. Fyn bietet sanfte Hügel, aber der Gegenwind von der Ostsee bläst unerbittlich. Wer hier mit voll beladenem Hänger unterwegs ist, lernt den verbauten Bosch-Performance-Motor schnell schätzen. Ich habe den stromsparenden Eco-Modus gar nicht erst ausprobiert, sondern den Schalter fast durchgehend auf Turbo stehen lassen. Durch das verhältnismäßig geringe Eigengewicht des Rades zieht der Antritt überraschend kräftig durch. Die Kehrseite der Dauerunterstützung: Bei rund 50 Kilometern war der Akku leer. Für meine Tagesetappen zwischen den Campingplätzen reichte das punktgenau. Nachmittags kam das Ladegerät an die Dosen der Campingplätze, während die Beine pausierten.

Auf den Plätzen funktionierte das Gespann wie ein Schaufenster. Es verging kaum ein Zwischenstopp, an dem nicht jemand stehen blieb. „Wo gibt’s denn so was?“ oder „Geiles Teil“ gehörten zum Standard-Soundtrack der Reise. Und mit der richtigen Klamotte von POC war Sicherheit und der guter Style garantiert (Testbericht).

Keine Federung, viele Dornen

Auf den Schotterwegen und dem Kopfsteinpflaster kleinerer Fischerdörfer zeigte sich allerdings die Kehrseite des minimalistischen Rahmendesigns. Der Lil’ Buddy ist starr konstruiert. Eine Federgabel oder Dämpfung fehlt komplett. Die tiefen 20×4.0-Reifen nehmen feinen Vibrationsspitzen zwar den Schrecken, ein echtes Fahrwerk ersetzen sie aber nicht. Wenn die Piste ruppig wird, geht jeder Schlag ungefiltert ins Gestell. Ein weiteres Detail der breiten Profilreifen: Sie sammeln auf unbefestigten Feldwegen mit Vorliebe kleine Dornen und Kletten auf. Nach einigen Kilometern durch die Natur gehörte das Kontrollieren der Laufflächen zum festen Abendprogramm, um Plattfüßen vorzubeugen.

Wer steckt hinter Ruff Cycles?

Hinter der Marke steht kein anonymer Asien-Importeur, sondern eine Regensburger Fahrradmanufaktur. Gründer Pero Desnica kommt ursprünglich aus der Custom-Cruiser-Szene und baute jahrelang Einzelanfertigungen. Diesen Ansatz hat das Unternehmen auf E-Bikes übertragen: Die Rahmen werden in eigener Fertigung in Europa geschweißt, montiert wird in Deutschland. Statt klassischer Diamantrahmen setzt Ruff Cycles auf prägnante Formen, die sich deutlich vom Standard-E-Bike auf den Radwegen abheben.

Unterm Strich

Mit der POC-Ausrüstung sicher unterwegs © Gerd Blank // Campermen

Der Trip durch Fyn hat bewiesen, dass der Ruff Cycles Lil’ Buddy weit mehr ist als nur ein hübsches Lifestyle-Spielzeug für den Weg zur Eisdiele. Mit dem passenden Zubehör – allen voran dem durchdachten Anhänger und den robusten Taschen – verwandelt sich das Rad in ein voll taugtliches, unverschämt lässiges Reisegespann für Kurztrips und Camping-Abenteuer. Ein tolles Reisegespann, wenn man die Grenzen des starren Rahmens kennt. Die Kombination aus kompakten Maßen, kräftigem Bosch-Schub und hoher Zuladung über den Anhänger macht den kleinen Cruiser zu einer echten Alternative für kurze, unkomplizierte Camping-Trips. Wer auf Komfort verzichten kann und lieber entspannt mit 25 km/h an der Küste langrollt, bekommt hier verdammt viel Fahrspaß geliefert.

Die Touren auf Fyn haben Spuren hinterlassen – und zwar im besten Sinne. Das war garantiert nicht die letzte Ausfahrt im Bonanza-Style. Fazit nach etlichen Kilometern dänischer Seeluft: Das macht definitiv Lust auf mehr.

Steckbrief & Ausrüstung

KomponenteDetailsBezugsquelle
E-BikeLil‘ Buddy Performance (Sombra Black, Bosch Performance Line)Ruff Cycles Store
ErgonomieSeatbench Risers Triple (45 mm Sitzerhöhung)Ruff Cycles Store
BereifungTyron 20×4.0 White Wall (Weißwand)Ruff Cycles Store
RahmentascheBag Frame Big (19 Liter Fassungsvermögen)Ruff Cycles Store
FrontträgerFront Rack Lil‘ Buddy (Schwarz)Ruff Cycles Store
FronttascheBag for Front RackRuff Cycles Store
AnhängerE-Bike Trailer Premium (20×4.0 Bereifung)Ruff Cycles Store

Weiterführende Berichte:

Tex-Lock im Test: Drei Schlösser in Dänemark

Irgendwann auf einem Campingplatz auf Fyn kam ein Holländer auf mich zu, zeigte auf mein Schloss und fragte, ob das wirklich sicher sei. Ich habe kurz überlegt und dann gesagt: Mein Fahrrad steht noch, insofern ja. Das war keine besonders erhellende Antwort, aber eine ehrliche. Wer ein Schloss kauft, kauft eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit. Tex-Lock hat mir dabei geholfen, diese Wette etwas selbstbewusster einzugehen. Diese Schösser hatte ich im Gear-Test: Tex-Lock Orbit, Eyelet-Set mit U/X-Lock, Eyelet-Set mit D-Lock

Tex-Lock. Leipzig. Zwei Frauen. Ein Patent.

Alexandra Baum und Suse Brand haben Tex-Lock 2014 in Leipzig erdacht und 2016 auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter war simpel und trotzdem neu: ein Fahrradschloss aus Hightech-Textilfasern, die auch in der Automobilindustrie und der Raumfahrt verbaut werden. Leicht, flexibel, lackschonend – und mit einem Stahlkern, der Sägen und Bolzenschneider auf Abstand hält. Das Unternehmen produziert bis heute in Leipzig, im Westteil der Stadt, von Hand, Stück für Stück. Made in Germany ist bei Tex-Lock kein Aufkleber, sondern eine Adresse: Ludwig-Hupfeld-Straße 16, 04178 Leipzig. Materialausschuss nahezu null, regionale Lieferanten, reparierbare Produkte. Für diesen Ansatz gab es 2020 den Titel „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“. Das klingt nach Preis für gute Absichten, zeigt aber in diesem Fall auch, was aus einer Idee werden kann, wenn man sie konsequent verfolgt. Kein Schloss ist unknackbar. Das sagen übrigens auch Baum und Brand selbst. Es geht immer nur darum, den Aufwand für einen Diebstahl so hoch zu machen, dass sich jemand ein einfacheres Ziel sucht.

Orbit: das Seilschloss für jeden Tag

© Gerd Blank // Campermen

Das Orbit ist Tex-Locks Seilschloss. Aufbau klassisch: ein Schlosskörper, ein textiles Seil mit gehärtetem Stahlkern, zwei Schlüssel. Man legt das Seil um den Gegenstand, führt das Ende in den Schlosskörper, zieht zu. Ohne Schlüssel, einfach durch Zuziehen – Tex-Lock nennt das Click & Go. Zum Öffnen braucht man den Schlüssel. Zum Verbinden zweier Orbits gibt es das System Click & Connect: Man kann ein zweites Schloss anhängen und so die Reichweite verdoppeln. In Orange macht das Schloss auf dem schwarzen Ruff Cycles Lil‘ Buddy eine exzellente Figur. Das ist keine Nebensache. Wer ein Rad fährt, das gut aussieht, will kein Schloss daran, das wie ein Stück Kette aus dem Baumarkt wirkt. Das Orbit passt. Die textile Oberfläche ist weich, hinterlässt keine Kratzer am Lack, klappert nicht beim Fahren. Kleine Details, die nach einer Saison anfangen, einem wichtig zu sein.

© Gerd Blank // Campermen

Die Sicherheit ist ART2-zertifiziert, die höchste Stufe der niederländischen ART-Stiftung für Fahrradschlösser. Der Schließzylinder ist pickingsicher, was bedeutet: Jemand mit einer Dietrich-Set braucht deutlich mehr Zeit als bei einem Standard-Zylinder. Im TCS-Test des Schweizer Touring Club, der 15 Schlösser unterschiedlichster Bauart gegeneinander antreten ließ, wurde das Orbit als besonders sicher eingestuft – und dabei als auffällig leicht für seine Klasse bezeichnet. Das 120-cm-Modell bringt rund 1.250 Gramm auf die Waage, was für ART2-Niveau tatsächlich wenig ist. Einen Vorbehalt gibt es: 100 oder 120 Zentimeter Länge sind in manchen Situationen knapp. Wer ein großes Rad und einen dicken Laternenmast hat, muss gelegentlich genau schauen, ob das Seil reicht. An engeren Objekten ist das kein Problem.

Vorteile: Leicht für seine Sicherheitsklasse, keine Kratzer am Lack, einfaches Click & Go System, kein Klappergeräusch, gute Optik. 
Nachteil: In manchen Situationen etwas kurz.

Eyelet-Set mit U/X-Lock: das flexible Schloss für unterwegs

© Gerd Blank // Campermen

Das Eyelet-Set kombiniert ein Textifseil mit drei gummierten Metallösen und einem Bügelschloss. Beim U/X-Lock-Bundle kommen zwei Bügel unterschiedlicher Länge, was unterschiedliche Anschlusssituationen abdeckt. Das Prinzip heißt Loop-Through: Man führt das Textilseil durch Rahmen und Rad, hängt die Ösen in den Bügel des Bügelschlosses ein und schließt ab. Das Schloss sichert damit beides – das Seil und sich selbst. Diebstahl erfordert also zwei separate Angriffe. Für den Anhänger auf der Dänemark-Tour war das Eyelet-Set das richtige Schloss. Flexibel, reichweitenstark, und das Seil lässt sich ums Rad legen wie ein Schal – auch um enge Stellen, die einem Kettenschloss Probleme bereiten würden. Die Textil-Oberfläche verhält sich auch hier genau so wie beim Orbit: weich, still, lackschonend.

Die Sicherheitsstufe ist ART*2, die Sold-Secure-Zertifizierung lautet Gold. Unabhängige Tests wie der des fahrradmagazin.net bewerteten die Kombination aus Textilseil und Bügelschloss gut und betonten insbesondere die Flexibilität als entscheidenden Alltagsvorteil gegenüber starren Schlössern. Das Gewicht liegt unter dem vergleichbarer Kettenschlösser derselben Sicherheitsklasse. Wichtig zu verstehen: Das Textilseil allein ist kein Schloss. Wer das Eyelet-Seil ohne das Bügelschloss verwendet, sichert nichts. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern das Prinzip – das Seil ist der flexible Anteil, das Bügelschloss der Kern. Stiftung Warentest hat in einem früheren Test genau das kritisiert: ein frühes Eyelet-Modell ohne Bügelschloss. Das ist aber nicht die Anwendung, für die das Schloss gebaut ist – und seitdem hat Tex-Lock sowohl die Materialien als auch die Kommunikation darüber nachgeschärft.

Vorteile: Hohe Flexibilität beim Anschließen, leicht, zwei Bügellängen, geeignet für Anhänger und ungewöhnliche Anschlusssituationen. 
Nachteil: Ohne Bügelschloss nicht nutzbar – wer das vergisst oder verliert, hat ein Problem.

Eyelet-Set mit D-Lock: wenn es ernst wird

© Gerd Blank // Campermen

Das Eyelet-Set mit D-Lock funktioniert nach demselben Loop-Through-Prinzip wie das U/X-Lock-Bundle, hat aber ein anderes Bügelschloss: Das D-Lock ist größer, massiver und schwerer als der U/X-Lock-Bügel – und entsprechend sicherer. Das hat Konsequenzen für die Zertifizierung: ART*3 und Sold Secure Diamond. Das ist die höchste Stufe, die für Fahrräder vergeben wird. Drei Schlüssel liegen bei. In Lüneburg, wo ich die Schlösser jetzt für mehrere Räder nutze, ist das D-Lock-Bundle das, das ans teure Rad kommt. Nicht weil ich dem U/X-Lock misstraue, sondern weil ich das Prinzip schätze: je wertvoller das Rad, desto mehr Aufwand muss ein Diebstahl bedeuten. Das Schloss ist das schwerste der drei, das Seil das längste, und der Gesamteindruck ist der eines Systems, das gebaut wurde um zu halten. Ob das optisch noch zur orangefarbenen Orbit passt – das Eyelet-Set in Spring Green am Anhänger, das D-Lock-Bundle an einem weiteren Rad – ist eine andere Frage. Tex-Lock hat das gut gelöst: Die Farboptionen sind konsequent durchgezogen, man kann abstimmen oder bewusst kontrastieren.

Eine Anmerkung zur Sicherheitsdiskussion: Wer die älteren Stiftung Warentest-Ergebnisse zu Tex-Lock kennt und deshalb zögert, sollte wissen, dass die damaligen Kritikpunkte das Eyelet-Seil allein betrafen – und eine Materialfrage beim Übergang von Seil zu Öse, die laut Hersteller 2021 behoben wurde. Das aktuelle D-Lock-Bundle ist ART*3 zertifiziert und von Sold Secure Diamond bestätigt. Das sind keine Herstellerversprechen, das sind unabhängige Prüfungen mit konkreten Angriffsmethoden.

Vorteile: Höchste Fahrrad-Sicherheitszertifizierung (ART*3, Sold Secure Diamond), Loop-Through-Prinzip erfordert zwei separate Angriffe, flexibles Seil trotz hoher Sicherheitsstufe. 
Nachteil: Das schwerste und teuerste Modell der drei – für ein Alltagsschloss fürs Stadtrad ist das Mehr an Sicherheit vielleicht unnötig.

Fazit

Zurück zum Holländer auf Fyn. Ich hätte ihm auch sagen können: ART*2, Sold Secure Diamond, Schließzylinder mit Pickingschutz, getestet vom TCS in der Schweiz. Hätte er wahrscheinlich genickt und wäre trotzdem nicht klüger gewesen. Das Richtige an der Antwort war das Prinzip dahinter: Ein Schloss soll abschrecken und den Aufwand erhöhen. Tex-Lock tut beides – und zwar mit einem Gewicht und einer Optik, die dazu führen, dass man das Schloss tatsächlich dabei hat, statt es zu Hause zu lassen, weil es zu klobig ist. Das ist am Ende der entscheidende Punkt. Das sicherste Schloss der Welt hilft nicht, wenn es beim Rad-Ausflug daheim auf dem Haken hängt.

In Leipzig produziert, von Hand gemacht, in mehr Farben verfügbar als einem Fahrradschloss eigentlich zustehen – und dabei ernsthaft sicher. Das reicht für eine klare Empfehlung.

Die wichtigsten Fakten

OrbitEyelet + U/X-LockEyelet + D-Lock
TypSeilschlossTextifseil + BügelschlossTextilseil + Bügelschloss
SicherheitART*2ART*2, Sold Secure GoldART*3, Sold Secure Diamond
Länge100 cm (S) / 120 cm (M)80 / 120 / 160 cm80 / 120 / 160 cm
Gewicht~1.250 g (120 cm)leichter als D-Lock-Bundleschwerstes Bundle
Schlüssel223
BesonderheitClick & Go / Click & Connect2 Bügellängen im SetHöchste Fahrradsicherheitsstufe
OberflächeTextil (lackschonend)Textil (lackschonend)Textil (lackschonend)
HerstellungMade in Germany (Leipzig)Made in Germany (Leipzig)Made in Germany (Leipzig)
Preisab ~109 €ab ~139 €ab ~159 €

Links 
Hersteller: tex-lock.com 
Orbit: tex-lock.com/fahrradschloesser/orbit 
Eyelet-Set: tex-lock.com/fahrradschloesser/eyelet-set