Mit dem Camper in Den Urlaub – Die ultimative Checkliste

Der Sommer steht vor der Tür, und ich wette, du denkst gerade dasselbe wie ich: Raus. Einfach raus. Türe zu, Motor an, irgendwo hinfahren, wo es schön ist. Und genau das ist das Großartige am Camper – du hast dein Zuhause dabei, egal wohin du fährst.

Aber bevor wir ins Schwärmen geraten, gibt es ein paar Dinge, über die wir reden müssen. Dinge, die zwischen einem perfekten Urlaub und einer teuren Panne auf der Autobahn entscheiden. Ich hab die meisten Fehler selbst gemacht – also hör kurz zu.

Teil 1: Vor der Reise

Richtig beladen – dein Camper ist kein Umzugswagen

Ich sage das ohne Umschweife: Die meisten von uns beladen ihren Camper falsch. Wir packen rein, was reingeht, wundern uns, warum das Fahrzeug sich seltsam anfühlt, und fahren trotzdem los. Das ist, gelinde gesagt, keine gute Idee.

Dein Wohnmobil hat drei Zahlen, die du kennen musst, bevor du auch nur eine Kiste einräumst:

Leergewicht – das ist, was dein Fahrzeug ohne dich, deine Familie, deinen Hund und deine Kaffeemaschinen-Sammlung wiegt. Steht im Fahrzeugschein unter Punkt G.
Zulässiges Gesamtgewicht – das Maximum, das dein Fahrzeug wiegen darf, wenn es vollständig beladen auf der Straße unterwegs ist. Steht im Fahrzeugschein unter Punkt F.1.
Zuladung – der entscheidende Unterschied zwischen beiden Zahlen. Das ist alles, was du mitnehmen darfst: Personen, Gepäck, Wasser, Gas, Fahrräder, Vorzelt, Grillkohle, deine fünf Paar Wanderschuhe und den Rest.

Das klingt nach viel Spielraum – ist es aber oft nicht. Ein vollständig befüllter Frischwassertank allein wiegt schnell 100 Kilogramm. Zwei Erwachsene bringen weitere 150 Kilo mit. Fahrräder auf dem Träger? Nochmal 30 bis 50 Kilo. Und plötzlich ist die Zuladung aufgebraucht, bevor du überhaupt den Koffer eingeladen hast.

Fazit: Kenne deine Zahlen, bevor du packst – nicht nachdem du losgefahren bist.

Achslasten – das unterschätzte Thema

Selbst wenn dein Gesamtgewicht noch im grünen Bereich liegt, kann die Verteilung der Last ein echtes Problem sein. Dein Fahrzeug hat eine Vorderachslast und eine Hinterachslast – beide haben eigene Maximalwerte, die ebenfalls im Fahrzeugschein stehen.

Wer alles Schwere nach hinten packt – Wasserkanister, Werkzeug, Bierkisten, den schweren Campingtisch – überlastet die Hinterachse. Das Fahrzeug wird hinten tief, vorne leicht, und die Lenkung verliert spürbar an Präzision. Nicht dramatisch, bis es dann doch dramatisch wird.

Die Faustregel ist simpel: Schwere Lasten so tief wie möglich und so nah wie möglich an die Fahrzeugmitte. Niemals alles auf eine Seite. Und was aufs Dach kommt – Markise, Dachbox, Solarpanels – erhöht den Schwerpunkt und verändert das Fahrverhalten spürbar. Fahrräder auf dem Heckträger sind fast immer die bessere Wahl als auf dem Dach.

Fazit: Gleichmäßige Lastverteilung ist keine Empfehlung, sondern Physik.

Wiegen – einmal, aber richtig

Der einzige Weg, wirklich zu wissen, ob alles stimmt, ist die Waage. Viele Recyclinghöfe, Speditionen und Futtermittelhandlungen bieten das gegen eine kleine Gebühr oder sogar kostenlos an. Mein Rat: Fahrzeug so beladen, wie du es auf der Reise dabeihast – mit Wasser, Gas, Gepäck und allen Personen. Dann einmal auf die Waage. Was danach kommt, ist kein Rätsel mehr.

Aber mal ehrlich – nicht jeder fährt vor jeder Reise extra zur nächsten Fahrzeugwaage. Zum Glück gibt es ein paar praktische Methoden, um zumindest eine gute Orientierung zu bekommen, bevor man sich auf den Weg macht.

Die Personenwaage ist die einfachste Lösung für einzelne Gegenstände: erst sich selbst wiegen, dann nochmal mit dem Gegenstand in der Hand. Die Differenz ist das Gewicht. Funktioniert gut für Gasflaschen, Fahrräder, Koffer und Kisten bis etwa 30 bis 40 Kilogramm.

Zwei Personenwaagen kombinieren – ist ein Gegenstand zu sperrig oder schwer zum Tragen, einfach auf einem Brett ablegen, das beide Waagen berührt, und die Werte addieren. Grobe Näherung, aber für Campingzwecke ausreichend.

Eine Kofferwaage – auch Hakenwaage genannt – kostet zwischen 10 und 20 Euro und ist für Camper eigentlich ein Muss. Einhängen, hochheben, ablesen. Trägt meist bis 50 Kilogramm, manche Modelle bis 100 Kilogramm. Perfekt für Gasflaschen, Fahrradtaschen, Kisten und Rucksäcke. Klein genug, um immer dabei zu haben.

Die Küchenwaage hilft für alles unter 5 Kilogramm – Lebensmittelvorräte, Elektronik, Kleidungsstücke portionsweise wiegen und addieren. Klingt mühsam, aber wer einmal eine Packliste mit Gewichten führt, hat die Zuladung dauerhaft im Griff.

Eine Packliste mit Gewichten ist der unterschätzte Profi-Tipp schlechthin: einmal alle Ausrüstungsgegenstände wiegen und in einer Liste speichern. Beim nächsten Urlaub einfach die Liste durchgehen und addieren – spart Zeit und gibt Sicherheit, ohne jedes Mal zur Waage zu fahren.

Der wichtigste Grundsatz bleibt dabei: Einzelgewichte schätzen ist okay zur Orientierung, aber vor einer großen Auslandsreise sollte das Fahrzeug vollständig beladen auf eine echte Fahrzeugwaage. Denn Gasflaschen, Wasser, Fahrräder und Dachbox summieren sich schnell auf 200 bis 400 Kilogramm – und die unterschätzen fast alle.

Wo du eine Fahrzeugwaage in deiner Nähe findest, habe ich weiter unten verlinkt.

Fazit: Eine Stunde Aufwand vor der Reise kann eine Menge Ärger, Bußgeld und schlimmstenfalls echte Gefahr auf der Straße ersparen.

Gas im Ausland – der Adapter, den du vergessen wirst

Frankreich hat andere Gasanschlüsse als Deutschland. Spanien auch. Die Niederlande ebenfalls. Klingt nach einem Detail, ist aber der Unterschied zwischen warmem Essen und kaltem Brot am zweiten Abend. Die Lösung ist denkbar simpel: vor der Reise kurz recherchieren, welche Gasanschlüsse in den Zielländern üblich sind, und die passenden Adapter besorgen. Kostet ein paar Euro und spart eine Menge Frustration.

Fazit: Gasadapter einpacken. Immer. Ohne Ausnahme.

Maut, Vignetten und Umweltzonen – Europas Bürokratiemarathon

Jedes Land macht es ein bisschen anders, und das ist tatsächlich so nervig, wie es klingt.

Frankreich hat Mautstationen auf fast allen Autobahnen. Mit einem großen Fahrzeug zahlst du automatisch in einer höheren Kategorie – das wird teurer als erwartet. Vorab kalkulieren lohnt sich, zum Beispiel auf viamichelin.com.
In Frankreich gelten in vielen Städten und Ballungsräumen Umweltzonen, die sogenannten Zones à Faibles Émissions (ZFE). Für die Einfahrt in diese Zonen ist die französische Umweltplakette Crit’Air erforderlich, die Fahrzeuge je nach Schadstoffausstoß in verschiedene Klassen einteilt. Die Plakettenpflicht gilt auch für ausländische Fahrzeuge. Umweltzonen gibt es unter anderem in den Großräumen von Paris, Lyon, Grenoble, Strasbourg, Toulouse und Montpellier. Wer ohne gültige Crit’Air-Plakette in eine Umweltzone einfährt, muss mit Bußgeldern rechnen.
Die offizielle Bezugsquelle für die französische Umweltplakette Crit’Air ist die Website der französischen Regierung. Hier geht es zur  Umweltplakette: Crit’Air – Offizielle Website

Italien hat ebenfalls Maut und zusätzlich in vielen Städten ZTL-Zonen – Verkehrsbeschränkungszonen, die für Wohnmobile oft gesperrt sind. Wer da reinfährt, merkt es erst auf dem Bußgeldbescheid, der Wochen später nach Hause kommt.

Österreich und Schweiz verlangen Vignetten. In Österreich gibt es diese in 2026 das letzte mal zum Kleben, danach nur noch digital – kaufen vor der Einreise geht einfach auf asfinag.at.

Tschechien und Slowenien haben ebenfalls digitale Vignetten. Hier lauern inzwischen gefälschte Websites, die ungültige Vignetten verkaufen. Immer nur über die offiziellen Anbieter kaufen: edalnice.cz für Tschechien und dars.si für Slowenien.

Umweltzonen kennst du aus deutschen Städten – aber auch in Frankreich, Italien und anderen Ländern gibt es solche Zonen mit Einfahrtbeschränkungen für ältere Fahrzeuge. Der Umwelt-Plakette-Checker hilft dabei, den Überblick zu behalten.

Fazit: Vor der Reise einmal alle Länder auf Maut, Vignetten und Umweltzonen prüfen. Das dauert 20 Minuten und kostet sonst deutlich mehr.

Teil 2: Spritsparen unterwegs – weil Diesel nicht günstiger wird

Mit einem Wohnmobil zu fahren ist nicht billig. Ein großes Fahrzeug mit schlechter Aerodynamik und vielleicht 3,5 Tonnen Gesamtgewicht auf der Autobahn – da kann der Verbrauch schnell bei 14, 15 oder sogar 16 Litern auf 100 Kilometer landen. Ein Wohnmobil ist aerodynamisch ungefähr so elegant wie ein Schrank auf Rädern. Und genau deshalb wirken sich kleine Veränderungen beim Fahrstil hier deutlich stärker aus als bei einem normalen Pkw. Schon 10 bis 15 Prozent weniger Verbrauch können auf einer langen Urlaubsreise mehrere hundert Euro sparen.

Geschwindigkeit – der größte Hebel von allen

Das ist die unbequeme Wahrheit: Wer langsamer fährt, spart massiv. Und hier kommt etwas, das viele überrascht – nämlich die Mathematik dahinter.

Unser Gehirn berechnet den Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Zeitersparnis intuitiv falsch. Wir denken: schneller fahren spart viel Zeit. Die Realität sieht anders aus. Nehmen wir 100 Kilometer Strecke als Beispiel:

Mit 100 km/h bist du nach 60 Minuten am Ziel. Mit 120 km/h nach 50 Minuten – das sind 10 Minuten gespart. Mit 130 km/h nach 46 Minuten – also nochmal nur 4 Minuten mehr. Mit 150 km/h nach 40 Minuten – nochmal nur 6 Minuten mehr als bei 130.

Du trittst das Gaspedal also deutlich tiefer – mit allem, was das bedeutet: mehr Verbrauch, mehr Risiko, mehr Stress – und sparst auf 100 Kilometern gegenüber 130 km/h gerade mal 6 Minuten. Der Grund: Die Zeitersparnis flacht mit zunehmender Geschwindigkeit immer weiter ab. Der erste Sprung von 100 auf 120 bringt noch 10 Minuten. Alles danach wird immer weniger.

Dazu kommen Baustellen, Staus und Ampeln, die die paar gesparten Minuten sofort wieder zunichte machen. Für Camper ist das besonders relevant: Ein Wohnmobil mit 130 km/h statt 100 km/h zu fahren kostet auf 500 Kilometern locker 15 bis 20 Liter mehr Diesel – bringt aber weniger als eine halbe Stunde frühere Ankunft. Auf einer 8-Stunden-Reise kaum spürbar – dafür teurer, lauter und anstrengender.

Der Luftwiderstand steigt übrigens nicht linear, sondern quadratisch mit der Geschwindigkeit. 90 statt 110 km/h spart oft 10 bis 20 Prozent Kraftstoff. 100 statt 130 km/h kann sogar 20 bis 30 Prozent bringen. Wer entspannt mit 95 bis 100 km/h rollt, spart mehr als durch jede technische Maßnahme.

Fazit: Die letzten 10 bis 20 km/h sind die teuersten – und bringen kaum etwas. Der sparsamste Liter Diesel ist der, den man gar nicht erst verbraucht.

Tempomat – aber mit Verstand

Viele glauben, Tempomat bedeutet automatisch sparsamer fahren. Nicht unbedingt. Auf hügeligen Strecken versucht der Tempomat oft krampfhaft, die eingestellte Geschwindigkeit zu halten – und gibt dabei unnötig viel Gas. Besser: Tempomat aus, vor der Steigung leicht beschleunigen, am Berg etwas Geschwindigkeit verlieren lassen und bergab wieder Schwung aufnehmen. LKW-Fahrer machen das seit Jahrzehnten, und es funktioniert.

Fazit: Tempomat auf flachen Strecken sinnvoll – auf hügeligen Strecken lieber selbst steuern.

Schwung nutzen – Energie nicht verschwenden

Jede unnötige Bremsung vernichtet Energie, die zuvor teuer mit Diesel erzeugt wurde. Profis sprechen vom Momentum Driving: Kreisverkehre früh erkennen, Ampeln weit voraus beobachten, rollen lassen statt bremsen. Wer den Verkehrsfluss liest und vorausschauend fährt, kommt mit deutlich weniger Kraftstoff ans Ziel.

Fazit: Vorausschauendes Fahren kostet nichts – und spart trotzdem bares Geld.

Dachlast – der stille Verbrauchsfresser

Ein beladener Dachträger kann den Verbrauch um 5 bis 20 Prozent erhöhen. Fahrräder, Dachboxen, Kajaks oder Surfbretter erzeugen enormen Luftwiderstand. Heckträger sind fast immer effizienter als Dachträger. Noch besser: Fahrräder innen transportieren und das Dach so frei wie möglich halten. Was nicht zwingend nach oben muss, gehört nach innen oder bleibt zu Hause.

Fazit: Das Dach frei halten ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Sparmaßnahmen überhaupt.

Reifendruck – unterschätzt und vernachlässigt

Bereits 0,3 bis 0,5 bar zu wenig erhöhen den Rollwiderstand spürbar. Viele Camper fahren dauerhaft mit zu niedrigem Druck, weil sie den Wert für das unbeladene Fahrzeug nutzen. Vor längeren Reisen: Reifendruck kalt messen, Beladungszustand berücksichtigen und die Herstellerangaben für Volllast nutzen.

Fazit: Reifendruck prüfen dauert fünf Minuten. Es lohnt sich.

Gewicht reduzieren – was schleppt du eigentlich mit?

Viele Camper transportieren dauerhaft Werkzeug, Ersatzteile, volle Getränkekisten, Winterausrüstung im Sommer und doppelte Campingausrüstung. Oft kommen so mehrere hundert unnötige Kilogramm zusammen. Und 100 bis 150 Liter Frischwasser für die Anreise? Für die Fahrt dorthin reicht eine Teilfüllung – vor Ort kann man auffüllen.

Fazit: Wann hast du zuletzt bewusst entschieden, was wirklich mitfährt – und was einfach immer drin bleibt?

Früh hochschalten, Motor schonen

Moderne Dieselmotoren mögen niedrige Drehzahlen. Der wirtschaftlichste Bereich liegt bei den meisten Campern zwischen 1.500 und 2.200 Umdrehungen pro Minute. Wer den Motor unnötig hochdreht, erzeugt mehr Lärm, mehr Verbrauch – und keinen Zeitgewinn. Und noch eine alte Gewohnheit, die sich hartnäckig hält: den Motor nach dem Start erst mal im Stand warmlaufen lassen. Besser ist es, direkt loszufahren und die ersten Kilometer moderat zu fahren. So erreicht der Motor schneller seine Betriebstemperatur.

Fazit: Früh schalten, niedrig halten, entspannt ankommen.

Klimaanlage, Wind, Tanken und Planung – die letzten Prozent

Die Klimaanlage kostet Leistung. Morgens lüften statt sofort kühlen, Frontscheibenabdeckung nutzen, das Fahrzeug im Schatten parken – wer den Innenraum erst gar nicht auf 45 Grad aufheizen lässt, braucht deutlich weniger Kühlleistung.

Ein Faktor, den viele unterschätzen: Gegenwind. Starker Gegenwind kann den Verbrauch stärker erhöhen als eine hügelige Strecke. Bei spürbarem Wind das Tempo einfach um 10 km/h reduzieren – der Verbrauch sinkt oft deutlich.

Beim Tanken gilt: Autobahntankstellen sind fast immer die teuerste Option. Schon wenige Kilometer abseits können mehrere Cent pro Liter sparen. Apps wie Tankerkönig helfen im Inland, Fuel Prices Europe im Ausland.

Und dann ist da noch die Reiseplanung selbst – denn die meisten Liter werden nicht durch den Motor verschwendet, sondern durch unnötige Umwege, tägliches Standortwechseln und Stadtverkehr. Wer länger an einem Ort bleibt und Ausflüge mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV macht, spart mehr Sprit als durch jede technische Optimierung. Frühmorgens zu fahren lohnt sich dabei gleich doppelt: weniger Verkehr, kühlere Luft, weniger Stop-and-Go.

Wer seinen Verbrauch wirklich verstehen will, führt ein kurzes Verbrauchstagebuch: Kilometer, Liter, Durchschnittsgeschwindigkeit, Wetter, Beladung. Nach wenigen Reisen erkennt man sehr schnell, welche Geschwindigkeit optimal ist, wie stark Gegenwind wirklich wirkt – und welche Ausrüstung auf dem Dach richtig teuer wird.

Fazit: Alle Maßnahmen zusammen ergeben bei vielen Campern realistisch 1 bis 2 Liter weniger auf 100 Kilometern. Der größte Hebel ist dabei nicht Technik, sondern Verhalten: langsamer fahren, Schwung nutzen, Gewicht reduzieren, Dach frei halten, vorausschauend fahren.

Teil 3: Die Maschen der Camper-Mafia – was du wissen musst, um dich zu schützen

Das ist das Thema, über das niemand gerne redet, weil es den Urlaub ein bisschen trübt. Aber ich halte es für wichtiger, darüber zu sprechen, als so zu tun, als wäre es kein Thema. Denn es gibt organisierte Gruppen in Europa, die sich auf Campingurlauber spezialisiert haben – und die arbeiten erschreckend professionell.

Unterwegs auf der Straße

Der Spiegeltrick ist wohl die bekannteste Masche, vor allem in Italien – rund um Florenz, Bozen und auf Sizilien. Betrüger behaupten, man habe im Vorbeifahren ihren Außenspiegel beschädigt. Als Beweis zeigen sie einen schwarzen Streifen – der ist aufgemalt. Sie fordern sofort Bargeld. Das Gegenmittel ist denkbar einfach: sofort auf Polizei bestehen. Wer das Handy zückt und ankündigt, die Polizei zu rufen, bringt die Täter in fast allen bekannten Fällen dazu, umgehend das Weite zu suchen.

Der Reifenstecher ist besonders häufig in Spanien. Täter lassen an Tankstellen oder Mautstationen Luft aus dem Reifen oder beschädigen ihn leicht. Kurz nach der Weiterfahrt signalisieren sie hektisch, dass ein Reifen platt ist. Sobald man anhält, wird man abgelenkt, während Komplizen das Fahrzeug ausräumen. Gegenmittel: Nie an einsamen Stellen anhalten. Immer an belebten Rastplätzen oder Tankstellen stoppen – und niemals alle Türen offen lassen.

Die vorgetäuschte Panne ist vor allem auf Rastplätzen rund um Barcelona und Valencia bekannt. Ein Unbekannter weist auf vermeintlichen Rauch am Hinterrad hin. Sobald man nachschaut, drängt ein Komplize zur Seite und greift Handtasche oder Rucksack aus dem Fahrzeug. Gegenmittel: Bei fremden Helfern immer alle Türen verriegeln, bevor man aussteigt.

Der Eier-Trick funktioniert so: Täter werfen Eier gegen die Windschutzscheibe. Der Reflex, sofort Scheibenwischer und Waschanlage einzuschalten, verschmiert die Scheibe und erzwingt einen Stopp – dann schlagen sie zu. Vor allem aus Italien und Spanien gemeldet, aber auch auf deutschen Autobahnen bekannt. Gegenmittel: Wischer nicht einschalten, ruhig bleiben, die nächste beleuchtete Ausfahrt ansteuern.

Ablenkung durch Komplizen ist ein Klassiker auf Campingplätzen, Raststätten und Fährterminals. Während eine Person in ein Gespräch verwickelt, durchsucht ein Komplize unbemerkt das Fahrzeug. Gegenmittel: Bei unaufgeforderten Gesprächen das Fahrzeug immer im Blickfeld behalten und Türen abschließen.

Auf dem Campingplatz

Einbruch nachts oder beim Ausflug – Wohnmobile und Vans gelten als lohnende Ziele, weil Täter davon ausgehen, dass Wertsachen, Bargeld und Elektronik an Bord sind. Gegenmittel: Wertsachen nie sichtbar lassen, Zusatzschlösser an Türen und Heckklappen, Alarmanlage nachrüsten.

Fake-Campingplätze und überhöhte Rechnungen tauchen besonders in touristischen Hochsaisongebieten auf. Man wird auf einen vermeintlich offiziellen Stellplatz gelotst, der sich als privat und teuer herausstellt – oder die Rechnung enthält plötzlich viele Zusatzposten, die vorher nie erwähnt wurden. Gegenmittel: Preise und Leistungen immer vorher schriftlich bestätigen lassen.

Grundregeln für alle Situationen

Ein paar Dinge, die in jeder Lage gelten:

Bargeld und Dokumente immer am Körper tragen – nie im Fahrzeug lassen, wenn man es verlässt. Bei verdächtigen Situationen sofort 112 anrufen – europaweit kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Eine Dashcam kann bei Unfallbetrug entlasten und ist in vielen Ländern zulässig. Im Zweifel nicht anhalten, sondern ruhig weiterfahren bis zur nächsten belebten Tankstelle oder Raststätte. Und eine Reiseversicherung mit Assistance-Leistung abschließen – sie hilft nicht nur bei Pannen, sondern auch bei Diebstahl und deckt oft mehr ab, als man erwartet.

Fazit: Die meisten Menschen in Europa sind freundlich und hilfsbereit. Aber wer die gängigen Maschen kennt, reagiert ruhiger, klüger – und fällt nicht darauf herein.

Zum Schluss

Ich hoffe, dieser Beitrag hilft dir, entspannter und besser vorbereitet in den Sommer zu starten. Ein gut beladener Camper, ein paar kluge Entscheidungen unterwegs und das Wissen um die gängigsten Tricks – das ist alles, was du brauchst.

Damit du nichts vergisst, habe ich drei Dokumente für dich vorbereitet:

Checkliste für die Reise im Wohnmobil
Alles, was vor der Abfahrt erledigt sein sollte – von Technik über Dokumente bis zum Kühlschrank.

Gewichtsschätzungen für die Zuladung
Eine praktische Liste mit Richtwerten für typische Gegenstände, damit du deinen Camper grob einschätzen kannst, bevor du zur Waage fährst.

Wo kann ich mein Wohnmobil wiegen lassen?
Eine Übersicht mit Standorten und Tipps, wo du dein Fahrzeug im vollbeladenen Zustand auf die Waage bringen kannst.

Gute Fahrt – und einen unvergleichlichen Urlaub wünsche ich euch.

 

Diese Rad-Ausrüstung macht voll POC

Eine Radtour nach Dänemark? Dafür braucht man nicht nur das passende Fahrrad, sondern auch die richtige Ausrüstung. Sonst tut nach ein paar Kilometern nicht nur der Hintern weh. Es geht um Schutz, es geht um Gewicht und es geht am Ende auch immer um den guten Geschmack. Gerd nimmt auf seine Tour nach Dänemark Bike-Gear der Firma POC mit. Helm, Brille, Hose oder Jacke: Diese Ausrüstung sorgt für pures Rad-Vergnügen.

Calyx Helm

© Gerd Blank // Campermen

Helme sind für mich ein großes Problem. Nicht, dass ich keine tragen mag. Sicherheit geht vor, ich trage einen Helm, wenn es sein muss. Wenn ich Ski fahre oder auf dem Motorrad. Beim Fahrradfahren habe ich mich bisher immer geweigert. Die meisten Helme sind furchtbar hässlich. Oder sie passen mir einfach nicht. Ich habe einen Kopfumfang von 62 cm. Auf meinen Helmen stehen Bezeichnungen wie XL oder XXL. Schaut Euch die Kavenzmänner mal an, wenn ihr einen in die Hände bekommt. Ich sehe damit häufig aus wie Calimero. Ihr wisst schon, der mit dem Sombrero. Ich habe dann den Calyx von POC entdeckt. Der Helm ist optisch eine Mischung aus Ski-Helm oder Skater-Helm. Und tatsächlich kann man ihn für viele Abenteuer nutzen. Laut Beschreibung kann er in den Bergen, auf der Piste oder eben auf dem Rad genutzt werden. Für den Winter und bei Wind sind ansteckbare Ohrenschützer dabei. Beim Radfahren sorgen wiederum Belüftungslöcher für eine kleine Erfrischung auf der Kopfhaut. Was mich aber viel mehr gefreut hat, dass er trotz der Größe etwas dezenter daherkommt, als viele seiner Artgenossen. Die Innenschale lässt sich mit einem Drehrad auf die richtige Größe einstellen. An der hinteren Innenseite sitzt wiederum eine verstellbare Kopfstütze, damit der Helm nicht nach hinten rutscht. Und tatsächlich: Der Calyx sitzt optimal. Klar, mit so einem großen Kopf kann man keinen unsichtbaren Helm tragen. Aber er wirkt trotz des dicken Polsters und der Stabilen Form relativ dezent. Das liegt sicher an der Farbe.

© Poc
© Poc
© Poc
Produkt Calyx Helm
Extras Abnehmbare Ohrpolster, Nackenwärmer inkludiert, in verschiedenen Größen und Farben erhältlich
Preis (UVP) 250 Euro
Link https://poc.com/de/product/calyx-uranium-black-matt

Devour Photochromic Sportbrille

© Gerd Blank // Campermen
© Gerd Blank // Campermen

Es gibt zwei Dinge, die mich auf längeren Radtouren nerven: Wenn die Sonne ins Gesicht scheint und wenn kleine Fliegen im Auge landen. Früher bin ic immer mit einer normalen Sonnenbrille gefahren. Das half zwar gegen Sonne, war aber blöd, wenn die Sonne wieder weg war. Und Fliegen fanden immer ihren Weg. Standardbrillen sind nicht optimal für sportliche Zwecke. Bei der Devour hat keine Fliege eine Chance. Die Gläser sind sehr groß und dank der leichten Wölbung schmiegen sie sich fast ans Gesicht. Sie erinnert ein wenig an eine Skibrille – und das ist auch so gewollt. Was auf der Piste funktioniert, ist auch auf der Straße praktisch. Die Gläser sind unglaublich leicht, die Brille wiegt nur etwa 40 Gramm. Den absoluten Clou sieht man aber erst, wenn die Sonne scheint. Aus einer Klarsichtbrille wird eine getönte Brille. Je stärker die Sonne, desto dunkler wird’s. Und schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, wird das Glas wieder heller. Ich bin so begeistert vom Konzept, dass ich die Brille inzwischen auch ab und zu einfach so trage. Ich habe sie beim Spaziergang in die Stadt kaum auf der Nase gespürt und schon vergessen, dass sie einen Großteil meines Gesichts einnimmt. Erst als mich einige Passanten seltsam anschauten, erinnerte ich mich. Vielleicht hielten die mich für Ski Aggu?

Produkt Devour Photochromic Sportbrille
Extras Gläser verdunkeln automatisch bei Sonnenschein. Gläser lassen sich auswechseln
Preis (UVP) 300 Euro
Link https://poc.com/de/product/devour-photochromic-translucent-black-clarity-photochromic-changeable-grey

Cadence Cargo Bib Shorts

© Gerd Blank // Campermen

Ich habe lange gebraucht, um mich mit dem Thema Radhose anzufreunden. Nicht weil ich etwas gegen enge Hosen hätte. Sondern weil man damit auf dem Rad sitzt wie auf einem mittelprächtig gepolsterten Bürostuhl und das nach zwei Stunden merkt. Ich habe verschiedene Modelle ausprobiert. Immer war irgendwas. Zu wenig Polsterung hier, zu viel Druck dort. Und dann dieses generelle Gefühl, als würde man auf einem Kieselstein sitzen. Die Cadence Cargo Bib Shorts von POC haben mich eines Besseren belehrt. Das fängt schon beim Sitzpolster an. POC nennt es das „Novus“ und es ist tatsächlich patentiert. Das klingt nach Marketing, fühlt sich aber anders an. Die Form basiert auf einer Druckpunktanalyse, also echten Messdaten. Das Polster ist breiter und enthält zusätzlich Gel-Einsätze, die Vibrationen schlucken. Das merkt man. Wundstellen und Reibungspunkte, die ich von anderen Hosen kannte, blieben aus. Dazu gibt es einen zentralen Kanal im Polster, der den Blutfluss unterstützt. Klingt medizinisch, ist aber beim Fahren spürbar. Was mich außerdem überzeugt hat: die Passform. Die Hose ist anatomisch geformt und berücksichtigt die männliche Anatomie explizit. Das klingt selbstverständlich, ist es aber offenbar nicht. Der 4-Wege-Stretch lässt volle Bewegungsfreiheit, die Träger sind dehnbar und lassen sich leicht herunterziehen. Wer schon mal mit Trägerhosen auf öffentlichen Toiletten gekämpft hat, weiß, wie wichtig das ist. Und dann ist da noch das perforierte Material am Rumpf, das für Luftzirkulation sorgt. Keine Ahnung, wie ich damit früher ohne ausgekommen bin. Mit 220 Gramm ist die Hose außerdem kaum zu spüren. Fast so, als würde man gar nichts tragen. Fast.

Produkt Cadence Cargo Cycling Bib Shorts
Patentiertes Sitzpolster, in verschiedenen Größen verfügbar
Preis (UVP) 180 Euro
Link https://poc.com/de/product/ms-cadence-cargo-bib-shorts-uranium-black

Motion MTB Shorts

© Gerd Blank // Campermen

Ich fahre kein Mountainbike. Noch nicht. Aber ich habe verstanden, dass man für den Trail andere Klamotten braucht als fürs Rennrad. Auf dem Trail regnet es häufiger, die Hose berührt gelegentlich den Boden oder einen Ast, und man bewegt sich schlicht anders. Die Motion MTB Shorts von POC sind genau für diese Situationen gemacht. Ich finde sie auch jenseits des Trails ziemlich praktisch. Die Hose ist aus recyceltem Polyamid gefertigt, das ich als angenehm leicht beschreiben würde. Nur 190 Gramm. Und obwohl das Material robust ist und dem ein oder anderen Kontakt mit Trail-Hindernissen stand hält, fühlt es sich nicht nach Outdoor-Ausrüstung aus den Neunzigern an. Die Imprägnierung ist C0/PFAS-frei, was bedeutet, dass Wasser bei leichtem Regen einfach abperlt, ohne dass chemischer Schnickschnack im Spiel ist. Bei stärkerem Regen gibt es dann die passende Regenjacke, aber dazu gleich mehr. Was mir besonders gut gefällt: Der Schnitt. Ein Zwickel im Schritt verhindert unangenehme Reibung, der Bund lässt sich verstellen, und die Hose passt über Knieschoner, ohne zu zwicken. Zwei Reißverschlusstaschen halten alles sicher an Ort und Stelle. Ich habe die Shorts zuletzt auf einer längeren Tour getragen und war überrascht, wie gut sie für alles Mögliche taugen. Manchmal reicht eben ein guter Schnitt.

Produkt Motion MTB Shorts
Extras Verschiedene Größen und Farben verfügbar. Komfortabel und leicht.
Preis (UVP) 100 Euro
Link https://poc.com/de/product/ms-motion-shorts-uranium-black

Motion MTB Regenjacke

© Gerd Blank // Campermen
© Gerd Blank // Campermen

Es gibt eine Wahrheit über Radfahren, die man lieber früh akzeptiert: Man wird nass. Irgendwann. Man kann die Ausfahrt so gut planen, wie man will – das Wetter kümmert das nicht. Ich habe jahrelang auf Regenfahrten verzichtet oder mich mit einer normalen Windbreaker-Jacke beholfen, die nach zwanzig Minuten Regen aufgegeben hat. Und dann ist man trotzdem klatschnass, aber zusätzlich eingepackt wie ein Müllbeutel. Die Motion Rain Jacket von POC ist in dieser Hinsicht ein anderes Kaliber. Sie besteht aus dreilagigem Nylon mit Ripstop-Konstruktion und einer PFC-freien DWR-Imprägnierung. Kein Wasser dringt ein, und das Material hält trotzdem was aus. Die Jacke ist mit 295 Gramm kein Fliegengewicht, aber für das, was sie leistet, erstaunlich kompakt. Ich trage sie zusammengerollt im Rucksack, bis der erste Regentropfen fällt. Besonders durchdacht finde ich die Kapuze. Sie lässt sich vollständig anpassen und sitzt auch unter dem Helm, was bei Regenjacken überhaupt nicht selbstverständlich ist. Wer schon mal versucht hat, eine normale Kapuze über einen Radhelm zu ziehen, kennt das Theater. Hier klappt das. Elastische Bündchen an den Ärmeln und am Saum halten alles dicht, perforierte Zonen unter den Armen sorgen gleichzeitig dafür, dass man sich beim Fahren nicht wie in einer Sauna fühlt. Reflektierende Streifen auf der Rückseite machen die Jacke bei schlechter Sicht sichtbarer. Eine Jacke, die mitdenkt.

Produkt Motion Rain MTB Jacket
Extras Verschiedene Farben und Größen verfügbar, helmkompatible Kapuze, reflektierende Rückenstreifen
Preis (UVP) 270 Euro
Link https://poc.com/de/product/ms-motion-rain-jacket-sylvanite-grey

Wo der Kaiser regiert – Wintervergnügen mit Haltung, Humor und Hochgenuss

Ein Reisebericht aus der Ferienregion Wilder Kaiser.

Es gibt Ferienregionen, die schreien einem schon beim Ankommen entgegen: höher, steiler, extremer. Und dann gibt es die Ferienregion Wilder Kaiser mit der SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental. Die steht einfach da. Selbstbewusst. Gelassen. Mit einem Blick, der sagt: Ich muss niemandem etwas beweisen.

Mit bis zu 1.869 Metern Seehöhe kratzt die Ferienregion Wilder Kaiser zwar nicht an den ganz großen alpinen Zahlenfetischen, aber das ist ungefähr so relevant wie die Höchstgeschwindigkeit eines Traktors auf der Autobahn. Entscheidend ist, was man mit dem Gelände macht – und hier wird sehr viel richtig gemacht. Dank moderner Beschneiung und obsessiv genauer Pistenpräparation liefern die Schneeexperten des Gebiets selbst in schneearmen Wintern Bedingungen, die so ordentlich sind, dass man fast vom Boden essen könnte. Was man aber natürlich nicht tut, weil man gerade Ski fährt.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil: Die Ferienregion Wilder Kaiser mit seiner SkiWelt ist das erste große Skigebiet Tirols direkt hinter der deutschen Grenze. Von München aus sind es gerade einmal 110 Kilometer. Das bedeutet weniger Zeit im Auto, mehr Zeit auf der Piste – und deutlich weniger Gelegenheit, sich über Staus aufzuregen.

Wilder Kaiser, Zahmer Kaiser – eine kaiserliche Verwirrung, einfach erklärt

Der Name sorgt regelmäßig für Stirnrunzeln. Wilder Kaiser? Zahmer Kaiser? Kaisergebirge? Klingt nach einer sehr komplizierten Monarchie. Tatsächlich ist es ganz einfach: Der Wilde Kaiser ist der markante, schroffe Gebirgszug, der der Region ihren Namen gibt. Gemeinsam mit dem Zahmen Kaiser im Norden und dem Niederkaiser im Osten bildet er das Kaisergebirge.

Das gesamte Gebiet steht unter Naturschutz – und zwar konsequent. Liftanlagen? Fehlanzeige. Eine einzige Ausnahme gibt es: den Kaiserlift in Kufstein, der ins wunderschöne Kaisertal führt. Mehr nicht. Und das ist gut so. Denn während der Wilde Kaiser unberührt, majestätisch und ein bisschen einschüchternd bleibt, spielt sich das eigentliche Skivergnügen gegenüber, auf den sanften Grashügeln der Kitzbüheler Alpen ab. Ergebnis: perfekte Pisten – mit ständigem Blick auf wilde, unangetastete Natur. Ein seltenes, fast schon luxuriöses Zusammenspiel.

Pisten, die niemanden überfordern – und alle zufriedenstellen

Die Ferienregion Wilder Kaiser ist kein Gebiet für Profilneurotiker, die schwarze Pisten nur deshalb fahren, weil sie schwarz sind. Sie ist ein Skigebiet für Menschen. Für Familien. Für Genussfahrer. Für Anfänger. Für Fortgeschrittene, die lieber elegant als verbissen unterwegs sind.

Mit 275 Pistenkilometern, überwiegend blau und rot, ist das Gelände angenehm weitläufig, aber nie einschüchternd. Vier Orte – Ellmau, Going, Scheffau und Söll – sind über moderne Lifte perfekt verbunden. Insgesamt sorgen 80 hochmoderne Liftanlagen dafür, dass Wartezeiten eher ein Gerücht als Realität sind.

Und dann wären da noch die 80 Hütten. Von groß bis herrlich gemütlich. Von Sonnenterrasse bis Holzstube. Kulinarisch überraschend ambitioniert, aber nie abgehoben. Man isst gut, trinkt besser und fragt sich kurz, warum man eigentlich jemals woanders Ski gefahren ist.

Eisstockschießen bei Flutlicht

Gewachsene Dörfer statt Retortenromantik

Was die Region besonders macht, ist nicht nur das Skigebiet, sondern das Drumherum. Die Orte sind keine gesichtslosen Zweckbauten, sondern gewachsene Dörfer mit traditioneller Architektur, kleinen Höfen, familiengeführten Pensionen und Hotels. Große Hotelketten? Sucht man hier vergebens.

Das Verhältnis von 13.000 Gästebetten zu 10.000 Einwohnern spricht Bände. Tourismus ja – Massentourismus nein. Die Gastgeber sind Eigentümer, keine Manager. Der Service ist herzlich, nicht einstudiert. Und das Essen? Tirol eben. Ehrlich, deftig, überraschend fein.

Ein schönes Beispiel für den Charme der Region ist die Berg-Erlebnis-Welt Hexenwasser in Söll. Ein kostenloses Angebot, bei dem unter anderem Kinoabende, Kinderprogramme und kleine Events stattfinden. Offen ist es – herrlich unprätentiös – nur dann, wenn die Wäsche draußen hängt. Wer es genauer wissen will, schaut einfach ins Programm auf der Website. Ordnung muss sein.

JÄNNERplus – Winterurlaub mit eingebautem Mehrwert

Falls jemand glaubt, 275 Pistenkilometer seien nicht genug, hat die Region noch ein Ass im Ärmel: JÄNNERplus. Dieses Programm startet jedes Jahr im Januar und bietet Gästen ein erstaunlich umfangreiches Zusatzangebot – kostenlos.

Mit der Wilder Kaiser GästeCard, die jeder Übernachtungsgast erhält, kann man an Aktivitäten teilnehmen, für die man anderswo tief in die Tasche greifen würde: Schneeschuhwanderung, Nachtrodeln, Lama trekking (ja, wirklich), Pistenbullyführung, Schnapstour mit Brennereibesichtigung, Skiguiding Anmeldung online, hingehen, genießen. Kein Haken. Kein Kleingedrucktes. Einfach so.

Kleine Schnapslehre – zu Besuch beim Wagnerhof

Ein besonderer Programmpunkt von JÄNNERplus ist die Schnapsbrenner-Tour, etwa am traditionsreichen Wagnerhof. Und plötzlich versteht man, warum ein guter Obstbrand nichts mit dem zu tun hat, was im Supermarktregal steht.

Ein echter Brand entsteht aus Frucht, Zeit und Geduld. Für einen Liter Apfelbrand braucht man rund 15 Kilogramm Obst, für Himbeere sogar bis zu 40 Kilogramm – was den Preis erklärt. Gebrannt wird ausschließlich mit vergorenen Früchten, nicht mit Industriealkohol und Aroma. Letzteres ist leider der Standard im Massenmarkt.

In Tirol besitzt übrigens jeder Bauernhof ein Brennrecht, ein Relikt aus der Zeit Maria Theresias. Rund 4.000 Brennereien gibt es im Bundesland – bei 800.000 Einwohnern. Das sagt alles.

Am Wagnerhof werden jährlich etwa 20.000 Kilo Obst verarbeitet. Verkostet wird bei Zimmertemperatur, im richtigen Glas, in kleinen Schlucken. Der Brand hat Vorlauf, Mittellauf (das eigentliche Produkt, etwa 75 %) und Nachlauf. Was verwendet wird, entscheidet – ganz analog – der Gaumen.

Besonders spannend: der Zirbengeist. Die Zapfen werden nur Anfang Juli, etwa 14 Tage lang, von Hand gepflückt. Hoch oben am Baum. Danach geschnitten, angesetzt, gebrannt. Ein Produkt mit Charakter. Wie sein Brennmeister Hermann Bichler.

Anreise – unkompliziert bis vor die Haustür

Mit der Bahn geht es bequem per ICE nach München, weiter mit der Regionalbahn nach Kufstein, von dort etwa 20 Minuten mit dem Taxi ins Brixental. Mit dem Auto ist man von München aus in gut anderthalb Stunden da.

Auch Camper sind willkommen: vom Kaiser Camp in Scheffau über den Franzlhof in Söll bis zum Bruggerhof in Reith bei Kitzbühel, direkt am Schwarzsee.
Fun Fact: Der Schwarzsee ist ein Naturmoorsee mit einem öffentlichen Strandbad in einem Naturschutzgebiet und dank seiner Beschaffenheit heizt er sich schon im Frühling so schnell auf, dass ein frühes „Anbaden“ bei angenehmen Temperaturen problemlos möglich ist.

Fun Facts & besondere Orte

Majestätisch erhebt sich der Wilde Kaiser über der Ferienregion – unberührt, ursprünglich und bewusst unerschlossen. Weder Lifte noch Pisten führen in das markante Massiv. Nur Tourengeher im Winter und Wanderer im Sommer dürfen sich dem Naturdenkmal nähern.

Glamour trifft alpine Tradition im 5-Sterne-Hotel Stanglwirt: Ein Refugium für internationale High Society und Prominenz, eingebettet in die Kulisse des Brixentals.

Kultstatus genießt die Rübezahl Alm am Wilden Kaiser. Die niedrige Eingangstür von gerade einmal 1,50 Metern macht den Besuch zur sportlichen Übung – einst Treffpunkt der Limbotänzer, heute legendärer Promi-Hotspot.

Kulinarisch wärmt der „Heiße Opa“: eine süße Winterspezialität aus Pistazienlikör, verfeinert mit Sahne – überraschend, cremig, kultig.

Für nächtliche Action sorgt das Nachtrodeln am Astberg. Von Mittwoch bis Samstag geht es auf einer 4,5 Kilometer langen, mittelschweren Strecke talwärts – beleuchtet bis Mitternacht.

Auch Familien kommen auf ihre Kosten: Die Simonalm begeistert mit kostenlosen Kräuterschulungen und liebevoll gestalteten Angeboten für Kinder.

Fazit: Ein Kaiser, der nichts beweisen muss

Die Ferienregion mit der SkiWelt Wilder Kaiser–Brixental ist kein Skigebiet für Extreme. Sie ist eines für Menschen mit Geschmack. Für Familien. Für Genießer. Für alle, die lieber gut als spektakulär Ski fahren, lieber herzlich als hip wohnen und lieber Qualität als Quantität schätzen.

Mit dem JÄNNERplus-Angebot bekommt ihr drei Wochen lang im Januar zahlreiche exklusive Aktivitäten auf und abseits der Piste kostenlos. Von Schlittenfahrten, Nachtrodeln, Eisstockschiessen und vielen Genuss-Highlights ist ganrantiert für jeden etwas dabei. Mitmachen ist ganz einfach: Auf der Website die JÄNNERplus Angebote durchgehen, Buchen und jeden Tag etwas neues Erleben. Alles ohne zusätzliche Kosten und doppelten Boden mit der  Wilder Kaiser GästeCard.

Wer gerne die Hände frei hat und stressfrei Anreisen möchte, wählt die Bahn und das Winterrail Angebot für Österreich. Und wenn ihr rechtzeitig bucht, sind günstige Spartarife drin und so ist das erste Schnitzel quasi schon bezahlt. 

Klingt alles zu schön um Wahr zu sein, oder? Ok, wer das Haar in der Suppe suchen will, wird vielleicht anmerken, dass am Wilden Kaiser Kartenzahlung häufig nicht möglich ist, was aber auch einen Vorteil sein kann. So gibt es nach euer Reise bei der Abrechnung keine bösen Überraschungen und Geldautomaten sind natürlich überall vor Ort zu finden.   

Der Wilde Kaiser bleibt wild. Die SkiWelt bleibt zugänglich. Und genau darin liegt ihre Stärke.

Fotos: Björn Ahrndt, Henning Pommée, Chris Thomas Christoph Reiter

Urlaub auf Korsika mit dem Camper

Es beginnt, wie solche Ideen immer beginnen: mit dem unschuldigen Vorschlag, „einfach eine entspannte Campingrunde auf Korsika“ zu machen. Ein Satz, der so harmlos klingt wie eine Katze im Mittagsschlaf – bis sie plötzlich beschließt, dein Wohnzimmer in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Denn kaum setzt man sich an die Reiseplanung, merkt man, dass „einfach“ sich heimlich verabschiedet hat. Zurück bleiben Fährpläne, die sich anfühlen wie ein Rätselspiel, Campingplätze, die entweder paradiesisch oder vollständig ausgebucht sind, und eine Insel, deren Straßenführung offenbar von Menschen entworfen wurde, die viel zu viel Freude an Serpentinen hatten.

Man stöbert durch Karten, die suggerieren, dass alles nah beieinanderliegt – bis man die Realität erfährt: Auf Korsika ist die kürzeste Strecke immer diejenige, die man am langsamsten fährt. Und natürlich taucht die große Frage auf: im oder gegen den Uhrzeigersinn? Eine Entscheidung, über die in Foren mit der Inbrunst eines philosophischen Grundsatzstreits diskutiert wird.

Doch genau darin steckt der Charme. Reiseplanung ist hier kein administrativer Akt, sondern ein Abenteuer – gewürzt mit mediterraner Gelassenheit und einer Prise Chaos. Am Ende wird man reich belohnt: mit Stränden, die aussehen wie digitale Postkarten, Felslandschaften, die jedem Fantasyfilm Ehre machen würden, und Campingplätzen, die einen so entschleunigen, dass man beinahe vergisst, wie viel Mühe die Planung war.

Also hinein in eine Route, die die Tücken umarmt, statt sie zu fürchten – und zeigt, warum Korsika zu Recht als eine der schönsten Campingdestinationen des Mittelmeers gilt.

Anreise mit der Fähre
Start mit der Reederei Moby. Frühzeitig am Hafen sein, da Check-in und Verladung je nach Saison etwas Zeit brauchen. Die Überfahrt lädt ein, direkt in den Urlaubsmodus umzuschalten.

Die schönsten Campingplätze auf Korsika

Camping San Damiano
Nur wenige Minuten von Bastia entfernt, direkt am langen Sandstrand. Idealer erster Stopp nach der Fähre. Gute Infrastruktur, viel Schatten.

Camping Kalliste
Weiterfahrt nach Saint-Florent — hübsches Hafenstädtchen mit mediterraner Atmosphäre. Vom Campingplatz aus ist die Altstadt gut erreichbar. Bootsfahrten zur Saleccia-Bucht lohnen sich.

Camping de L’Ostriconi
Naturbelassen, ruhig und direkt an einer der wildesten Buchten Korsikas. Perfekt für Strandtage in unberührter Umgebung.

Camping Paduella
Fußläufig zu Calvi. Angenehmer Platz zwischen Kiefern, gute Sanitäranlagen. Idealer Ausgangspunkt für die Zitadelle, Restaurants und den langen Sandstrand.

Camping Les Oliviers
Mit Pool, Olivenbäumen und Bergen direkt im Blick. Sehr gut geeignet für Besuche der Calanche oder Bootsfahrten nach Scandola.

Camping Chez Antoine
Ländlich, ruhig, authentisch. Hervorragend für alle, die Abwechslung zum Küstenbetrieb suchen und das korsische Hinterland erleben möchten.

Bonifacio
Spektakulär auf weißen Kalkfelsen über dem Meer. Rundweg durch die Oberstadt und Bootstour entlang der Steilküste sind Pflicht.

Camping U Farniente
Moderner Campingplatz mit Pool und viel Schatten. Gute Basis, um Bonifacio ohne Stress zu besuchen.

Stellplatz Pini
Einfach, strandnah, funktional – perfekt für eine kurze Übernachtung.

Plage de Palombaggia
Berühmter Strand mit türkisfarbenem Wasser und malerischen Kiefern. Frühe Ankunft ratsam.

Camping Arinella Bianca
Großer Platz mit sehr guter Ausstattung, Poollandschaft und viel Komfort. Ideal für ein paar entspannte Tage zwischendurch.

Camping Tuani
Im Hochgebirge des Niolo-Tals gelegen. Kühler, bergiger, perfekt für Wanderungen und einen eindrucksvollen Abschluss der Reise.

Praktische Tipps für die Reise

Beste Reisezeit

Mai–Juni: Mild, weniger voll, perfekt zum Wandern.

Juli–August: Hochsaison; Plätze frühzeitig reservieren.

September: Warmes Wasser, angenehme Temperaturen, moderate Besucherzahlen.

Fahrtrichtung

Die Rundtour gegen den Uhrzeigersinn bietet entspannte Aussichtslagen entlang der Westküste und reduziert Gegenverkehr auf schmalen Strecken.

Straßen & Fahrzeiten

Korsika ist bergig. Rechnet mit langsameren Durchschnittsgeschwindigkeiten und mehr Pausen. Besonders rund um Porto sind die Straßen kurvig, aber landschaftlich großartig.

Reservierungen

In der Hauptsaison sind Reservierungen unverzichtbar, vor allem in Calvi, Bonifacio und Ghisonaccia.

Einkaufen

Große Supermärkte in Bastia, Ile Rousse, Corte und Porto-Vecchio. Frische Produkte auf Wochenmärkten unbedingt probieren.

Ausrüstung

Schattenplätze sind wertvoll; Sonnenschutz und ausreichend Trinkwasser ebenso. Badeschuhe sind an einigen Buchten hilfreich.

Wandern

Im Landesinneren existieren viele gut ausgeschilderte Wege. Im Sommer früh starten, im Gebirge immer auf Wetterumschwünge achten.

Und so endet diese kleine Odyssee über eine Insel, die gleichzeitig genial, wunderschön und gelegentlich vollkommen unvernünftig ist. Man kehrt zurück mit Sand in allen erdenklichen Taschen, einem leichten Sonnenbrand und der Erkenntnis, dass Planung auf Korsika eher eine höfliche Empfehlung ist als ein tatsächliches Konzept. Aber genau das macht den Reiz aus. Denn wenn man abfährt, denkt man nicht an die hitzigen Diskussionen über Routen oder die zehnte Serpentine. Man denkt an türkisfarbenes Wasser, Nächte unter Pinien und das leise Gefühl, dass man gerade an einem der besten Orte Europas war. Und vielleicht ist das der eigentliche Triumph: dass man trotz all der kleinen Tücken sofort wieder hin möchte – was vermutlich das sicherste Zeichen ist, dass die Reise ein voller Erfolg war.

Text: Henning Pommée 
Recherche & Fotos: Nadine Wenzlick

Mit dem Camper von der Schweiz nach Italien ins Piemont

Das war der Plan – Camping in der Schweiz, Lenzerheide, Idylle pur. Oder?

Stellt euch das vor: Ihr habt euren Bulli gepackt, das Dachzelt montiert, die Kühlbox gefüllt und träumt von kristallklarer Bergluft und einem Kaffee mit Blick auf die Lenzerheide. Der Campingplatz St. Cassian ruft.
Aber was ihr bekommt? Regen. Viel Regen. Ohne. Eine. Pause.
Willkommen in der Alpenversion von „Waterworld“.

Glück im Unglück: Ich hatte mir noch rechtzeitig die Taiss HS Hooded Jacket Men von Mammut gegönnt – eine Regenjacke, die nicht nur dicht hält, sondern auch dabei hilft, stilvoll durch den Monsun zu marschieren. Darunter: T-Shirt, und die Ultimate VIII SO Vest Men – winddicht, leicht, angenehm.
Rosie, unser Hund, fand den Regen super. Flynn, mein Sohn, auch, aber eine Woche lang (laut Wetter-App) waren dann doch zu viel.

Zubehör-Tipp:
Was uns zusätzlich gerettet hat – und das meine ich absolut ernst – war das Light Awning von Roof Space.
Eine Art minimalistisches Vorzelt, das man in wenigen Minuten aufspannt. Hält die Sonne draußen (die wir nie gesehen haben) – und vor allem den Regen ab (den wir nie nicht gesehen haben).
Das Ganze wirkt ein wenig wie ein mobiles Beduinenzelt – fast schon Lawrence von Arabien, nur mit Bulli statt Kamel.

Und dann war da noch das leidige Thema Roaming.
Die Schweiz ist ja, trotz aller Alpenromantik, nicht in der EU. Wer also nicht aufpassen will, zahlt für ein paar Megabyte Daten den Preis eines Kleinwagens.
Meine Lösung: Eine eSIM über die Saily App – unkompliziert, fairer Preis, sofort nutzbar. Ergebnis: LTE-Empfang selbst im Wolkenkessel über 1.000 Metern.

Aber nach zwei Nächten im Dauerregen wurde uns klar: Hier wird es keine Aussicht geben. Keine trockenen Schuhe (ich habe die Gassi-Beutel für Rosie als zusätzliche Stümpfe in meinen Wanderschuhen getragen, um keine nassen Füße zu bekommen – unbeutzt natürlich) . Keine Lagerfeuerromantik.
Also – Roof Space eingeklappt, en Rest nass in den Bulli geworfen und ab in den Süden. Italien wartet. Mit Sonne. Hoffentlich.

Der Exodus – raus aus dem Regen, rein ins Gesso-Tal

Über den San Jorio Pass, vorbei an Mailand, suchten wir Sonne.
Alle Camper Europas schienen dieselbe Idee zu haben – die Alpen waren wie ausgewrungen, und die Ferienzeit machte die Platzsuche zu einem Strategiespiel.

Ziel: Das kaum bekannte, aber wunderschöne Gesso-Tal im Piemont.
Fund: Der charmante Campingplatz Valle Gesso – gefunden über die ACSI App, die ich jedem empfehlen kann, der spontan campen will, ohne an einem geschlossenen Tor zu stranden.

Italienischer Minimalismus trifft Campingtaktik

Der Campingplatz: voller Italiener und Niederländer, etwas in die Jahre gekommen – aber mit Charakter.

Der Pool? Herrlicher Bergblick, aber: Badekappenpflicht. Kein Witz. Keine Kappe, kein Schwimmen. Punkt.
Und als wäre das nicht schon speziell genug: Wer ins Wasser wollte, musste vorher durch eine Waschstraße, ausgelöst von Lichtschranken.
Ob du willst oder nicht – durch da!
Auch die italienische Oma, die eigentlich nur auf der Liege dösen wollte, wurde sanft aber bestimmt vom Sensor zur Dusche geschickt. Herrlich.

Das Klo? Nun ja. Einige Toiletten entsprachen eher archäologischen Relikten als modernen Sanitärstandards:
Ein Loch im Boden, flankiert von zwei Riffelplatten für die Schuhe – eine Art Yogaübung mit Wasseranschluss.
Nach intensiver Suche fanden wir dann aber einen der raren „modernen“ Sitze, was vor allem Flynn überglücklich machte. (Mich auch, ehrlich gesagt.)

Dolce Vita, Seealpen-Luft und digitale Fahrradträume

Nur zehn Minuten zu Fuß: das entzückende Dorf Entracque.
Auf dem Platz: Caffè für 1,30 €, Cappuccino für 1,50 €, dazu ein kleiner Aperitivo-Snack – und du fühlst dich wie ein Filmkomparse in einer italienischen Sommerkomödie.

Einkaufen? Tja. Supermarkt gibt’s nicht. Nur kleine Läden mit Spezialitäten, die man in Hamburg für teures Geld in Feinkostläden sucht. Tipp: Großeinkauf vorher erledigen – Como ist ja nicht weit.

Direkt unter dem Campingplatz fließt der Fluss Gesso – wild, kalt, wunderschön.
Unser Nachmittagsprogramm: Picknick am Wasser, Steine hüpfen, kalte Füße. Flynn und Rosie waren stundenlang beschäftigt. Ich auch – mit Staunen.

Mountainbike, App-Zauber und clevere Technik

Wir haben uns vor Ort E-Mountainbikes ausgeliehen – und ohne Motor wären wir ehrlich gesagt nicht weit gekommen. Die Berge hier meinen’s ernst.

Navigation via Outdooractive App – funktioniert super, auch offline.
Um nicht ständig das Handy rauszufummeln, hatte ich das VACUUM uni phone case von Fidlock dabei – wasserdicht, staubdicht, hält bombenfest am Lenker und lässt dich auch durch die Schutzfolie problemlos scrollen.
Technik, wie sie sein sollte. Clever, nicht kompliziert.

Rückreise mit Aussicht – und deutschem Zwischenstopp

Zurück ging es über den spektakulären San-Gotthard-Pass – Panorama-Ausblicke, Serpentinen, Gänsehaut.
Dann: ein letzter Stopp bei Würzburg, gefunden über die Park4Night App – bevor wir nach Hamburg zurückrollten, erschöpft, glücklich und voller neuer Erinnerungen.

Fazit: Gesso-Tal statt Gletscherregen – die (See)Alpen können auch italienisch

Wenn du die Berge, die italienische Sprache und einen Appertitivo um 17 Uhr liebst – dann fahr nach Entracque ins Gesso-Tal.
Charmanter Campingplatz, ehrliche Preise, herzliche Menschen, und ein Fluss, der so klar ist, dass man fast reinbeißen möchte. Und mit dem richtigen Equipment wird selbst der Regen zum Erlebnis.

Top-Ausrüstung & Apps aus dem Reisebericht:

Hinweis für Erstcamper: Nehmt eure eigene Badekappe mit, die Kostet vor Ort 5€.
Und vermeidet Toiletten mit Bodenkontakt, wenn ihr eure Oberschenkelmuskulatur nicht trainieren wollt.

Ciao, euer Henning !

Campervan-Test: Der Ford Nugget als Festival-Mobil

Ein Sommer, vier Reifen und fünf Festivals: In diesem Jahr ging es für Gerd in einem Ford Nugget auf die Äcker des Landes. So schlägt sich der Campervan bei widrigen Wetterbedingungen, schlechten Bodenverhältnissen und lautem Umfeld.

Manchmal entwickle ich unter der Dusche Ideen. So auch Anfang des Jahres, als mir nach einer kurzen Nacht kaltes Wasser über den Kopf lief. „Das ist ja wie auf einem Festival“, dachte ich und musste grinsen. Denn ich hatte wieder einmal Lust auf ein Wochenende voller Musik, wenig Schlaf und vor allem auf Camping mit Gleichgesinnten und guten Gesprächen. Festivals sind für mich eine Parallelwelt. Hier kann ich dem Alltag für eine Weile entfliehen. Ich lerne jedes Mal nette Menschen kennen, mit denen ich ein paar Stunden oder sogar mehrere Tage eine gute Zeit verbringe. Aber weil ein Festival auch immer ziemlich anstrengend ist, hatte ich mir nach dem letzten Mal geschworen, dass ich mir das nicht mehr antun möchte. Doch was kümmert mich mein Geschwätz vom letzten Jahr? Je mehr ich über Festivals nachdachte, desto größer wurde mein Hunger darauf. Da kam mir eine verrückte Idee: Warum nur ein Festival? Ich könnte endlich meinen alten Traum erfüllen und mehrere Musik-Events besuchen. Nur eine Sache stand für mich fest: Auf keinen Fall würde ich auf drei oder mehr Festivals zelten. Das hat nicht nur mit den Wetterbedingungen zu tun. Ich möchte komfortabel reisen, privates und berufliches Gepäck sicher verstauen, Nahrungsmittel kühlen und ein bisschen Hygiene sollte auch möglich sein. Da mein Camper im vergangenen Jahr gestohlen wurde und ich noch keinen Ersatz habe, war ich auf der Suche nach einer Alternative. Und bei Ford habe ich ihn gefunden.

Wie erzählt man einem Unternehmen, dass man eine tolle Idee hat und dafür Unterstützung benötigt? Ich habe es so probiert: „Hey, ich möchte ein paar Wochen auf Festivals fahren und brauche etwas, um meine Getränke zu kühlen. Es wird wahrscheinlich sehr matschig werden, und die Festivals werden garantiert Spuren hinterlassen.“ Mein Glück war, dass der Ansprechpartner selbst gerne mit dem Camper unterwegs ist und viele Festivals besucht. Ich musste gar nicht viel erklären. „Wann geht’s los? Wie lange willst du bleiben? Ich bin ganz schön neidisch!“, waren seine Antworten. Kurze Zeit später drückte er mir den Schlüssel für einen neuen Ford Nugget in die Hand.

Kleiner Wagen, großer Kompromiss

Campervans sind stets ein Kompromiss aus Größe, Preis und Komfort. Die Hersteller versuchen, in ein möglichst mobiles Fahrzeug viele praktische Dinge zu integrieren. Die wichtigsten Fragen sind dabei immer: Wo und wie schläft man? Was kann man mitnehmen? Wie sieht es mit Kochen und Waschen aus? Vans wie der Nugget sind von der Größe her limitiert. Der Vorteil: Er fährt sich im Straßenverkehr wie ein Pkw, Parkplätze sind kein Problem und auf Reisen kann man damit häufig Plätze nutzen, die für größere Fahrzeuge gesperrt sind. Ein Nachteil ist das Raumangebot. Oft muss man sich zwischen möglichst viel Gepäck oder möglichst viel Komfort entscheiden. Niemand möchte im Urlaub täglich zweimal Dinge hin- und hertragen, nur um einen Sitzplatz freizuräumen oder einen Kaffee zu kochen. 

Das Nugget-Konzept versucht, viele Wünsche zu berücksichtigen. Mit einer Länge von 5,05 Metern passt es auf jeden Parkplatz. Der Fahrgastraum bietet Platz für fünf Personen: zwei vorne und drei auf der Rückbank. Die Rückbank lässt sich zu einem Schlafplatz für zwei Personen umbauen. Der Clou und zugleich das Alleinstellungsmerkmal ist die Küche im Heck: Trotz der geringen Abmessungen befindet sich im hinteren Teil eine vollwertige Küche mit Schubladen-Kühlschrank, Zweiflammenherd und Spülbecken. Zusätzlich gibt es Schränke für Lebensmittel und Kleidung. Selbst für eine Trenntoilette ist Platz – ich hatte mich für die Trelino Origin XS entschieden.

Fünf Festivals to go

Diesmal geht es mit allem Komfort zu den Festivals. Auf dem Programm stehen das Hurricane Festival in Scheeßel, das Deichbrand-Festival bei Cuxhaven und das Roskilde Festival in der Nähe von Kopenhagen. Anschließend schaue ich noch auf dem Dockville-Festival in Hamburg vorbei und beende die Tour auf dem Vanlife-Ferropolis, wo ich mit Henning sogar auf der Bühne stehe. Bevor ich losfahre, werfe ich einen kurzen Blick auf die Technik und Ausstattung des Ford Nugget. Es handelt sich um das Titanium-Modell mit kurzem Radstand. Es gibt auch noch die Active-Variante mit anderen Design-Details, die Motorisierung ist allerdings identisch. Zur Wahl stehen Automatik und Gangschaltung, sogar eine Allrad-Option ist verfügbar. Wer die Version mit langem Radstand (L2) wählt, hat 40 cm mehr Platz. Das zeigt sich vor allem im Heck: Der Stehbereich ist größer und es gibt mehr Staufläche dank zusätzlicher Schränke.

Im Aufstelldach befindet sich das Bett. Hierzu wird die manuelle Verriegelung oberhalb der Deckklappe geöffnet und das Dach wird einfach nach oben gedrückt. Das Bett ist etwa 200 × 130 cm groß und bietet genug Platz für zwei Personen. Allerdings braucht man etwas Übung, um zu zweit darin zu schlafen und ins Bett zu gehen. Eine Leiter wird im Seitenschrank eingehängt und dient als Zugang zur Küchenzeile.

Alternativ kann man, wie ich, die Trenntoilette als Trittstufe nutzen. Das Bett ist relativ bequem. Das Kopfteil lässt sich etwas aufrichten, im Fußteil fehlt die Polsterung. Praktisch ist die angebrachte Beleuchtung an der Decke. Auf dem Seitenschrank gibt es außerdem eine Möglichkeit, ein Smartphone kabellos aufzuladen. Wenn man das Bett nicht braucht, kann man es hochdrücken und mit zwei Halterungen am Dach befestigen. So kann selbst ich mit meinen 193 cm im Fahrzeug stehen und mich relativ frei bewegen.

Platz ist in der kleinsten Hütte

Selbstverständlich habe ich die Festivals auch dazu genutzt, meine Campingausrüstung zu testen. Diese musste ich im Fahrzeug unterbringen und sicher verstauen. Außerdem galt es, genügend Vorräte für jeweils vier bis fünf Tage mitzunehmen, inklusive Getränke. Außerdem mussten meine Klamotten mit, eine Mischung aus sommerlicher Kleidung und Regenschutz. Hier zeigt sich dann doch, dass es sich um ein kleines Fahrzeug handelt. Technik wie Stromkabel passt gut unter dem Sitz im Wohnraum. Nahrungsmittel und Getränke habe ich unter der Spüle platziert. Der 33 Liter fassende Kühlschrank bietet genug Platz für Butter, Käse, Gemüse und weitere verderbliche Leckereien. Meine Kleidung konnte ich größtenteils im seitlichen Schrank unterbringen. Damit war jeder Platz genutzt. Ein großer Lautsprecher fuhr in der Küche mit. Eine Powerstation und eine größere Lampe musste ich dagegen vor der Rückbank auf dem Boden platzieren. Alles Weitere packte ich in eine Kiste, die ich während des Festivals auf den Fahrersitz stellte. Man muss schon Ordnung lieben und jeden Tag dafür sorgen, alles wieder an seinen Platz zu packen. Das funktioniert im Nugget alleine hervorragend, zu zweit ist es umständlicher, da immer jemand dem anderen im Weg steht. Glücklicherweise ist man ohnehin nur bei schlechtem Wetter im Wagen, da Festivals Outdoor-Events sind.

Die meisten Festivals finden auf eigentlich landwirtschaftlich genutzten Flächen statt. Die Stellplätze befinden sich also auf einem Acker. Der Boden ist uneben und häufig weich. Ich hatte ein bisschen Sorge, ob ich mit dem Nugget geradestehe oder gar im matschigen Untergrund steckenbleiben könnte. Auf dem Stoppelfeld des Hurricane Festivals sprangen bei meiner Platzsuche tatsächlich die Sensoren an und gaben ein paar Warnsignale zu möglichen Hindernissen. Aber meine Sorge war unbegründet. Der starke 170-PS-Motor und das Automatikgetriebe mit acht Gängen hatten keinerlei Probleme abseits der regulären Wege. 

Ohne Strom nichts los

Auf Festivals gibt es nur selten Plätze mit Stromanschluss. Dabei müssen nicht nur Getränke und Nahrungsmittel gekühlt werden, sondern auch mein Arbeitsgerät braucht Energie. Die Bordbatterie des Nugget versorgt vor allem den Kühlschrank mit Strom. Auch die Beleuchtung, die Spüle, die Außendusche, die Zündung des Kochers und die diversen USB-C-Anschlüsse werden von der Batterie mit Strom versorgt. Es gibt auch zwei klassische Steckdosen an Bord, allerdings keinen Wechselrichter, um 12 Volt in 220 Volt umzuwandeln. Eine Kaffeemaschine kann also nur bei externer Stromzufuhr betrieben werden. Ein Solarpanel ist ebenfalls nicht auf dem Dach montiert und es gibt auch keinen Außenanschluss für das Solarpanel, das ich für die Powerstation mitgenommen habe. Ich muss also während des Festivals mit dem Strom haushalten. Den Kühlschrank habe ich auf die kleinste Stufe gestellt, was absolut ausgereicht hat. Die Spüle habe ich nur zum Abwaschen und Händewaschen genutzt, sodass die 33 Liter des Wassertanks mehrere Tage reichten. Die Beleuchtung habe ich selten genutzt, da ich Akku-Lampen dabei hatte.

Lediglich mein Smartphone habe ich ab und zu aufgeladen. So reichte der Strom der Bordbatterie drei Tage lang. Das war überraschend lang, aber dennoch zu kurz für ein komplettes Festival. Meine Lösung, um mehr Strom zu erhalten, war sicher nicht perfekt: Ich habe den Motor des Wagens eine Stunde lang laufen lassen und anschließend meine Powerstation an die Außensteckdose angeschlossen. So hatte ich für die letzten beiden Tage genug Strom für den Kühlschrank. Wäre es mein Wagen, hätte ich nach dieser Erfahrung einen Außenanschluss für ein Solarpanel verbaut.

Apps und andere Funktionen

Besonders praktisch finde ich die Nutzung der zusätzlichen Apps. Mit FordPass kann ich beispielsweise den Status des Nugget überprüfen, die Türen öffnen und schließen, den Standort des Fahrzeugs anzeigen und sogar den Motor starten. Mit „CamperControl” kann ich wiederum die Beleuchtung im Innenraum regeln oder überprüfen, ob das Fahrzeug gerade steht. Noch komfortabler wird die Bedienung der vielen Funktionen über den großen Touchscreen im Heck. Besonders viel Spaß hat es mir gemacht, die Beleuchtung zu justieren. Neben der Helligkeit lassen sich auch die Farbwerte der gesamten Innenbeleuchtung einstellen. So habe ich den Wagen häufig in ein Diskomobil verwandelt: rotes Licht im Heck, grün und blau im vorderen Bereich. Lediglich ein Pulsieren im Takt der Musik fehlt noch – aber vielleicht ist das ja eine Idee fürs nächste Software-Update.

Beim ersten Festival hatte ich noch einen Pavillon von Dometic dabei. Aber der Wagen hat eine große und gute Markise an der Seite. Die Beine lassen sich zudem mit Erdnägeln befestigen. Auch Campingstühle muss man nicht mitschleppen, da in der Heckklappe zwei ziemlich bequeme Stühle integriert sind. In der Schiebetür ist ein Tisch mit Klappbeinen integriert, der sehr stabil ist, wenn er aufgebaut ist. Auch wenn mir Stühle, Markise und Tisch vielleicht nicht unbedingt gefallen, sind sie schlicht und praktisch. Und jedes Teil, das ich nicht extra mitnehmen muss, spart Platz im Fahrzeug.

Die Ausstattung ist nicht speziell für Festivals optimiert, sondern eher für einen Kurztrip an die See oder in die Berge. So schirmt das Dachzelt beispielsweise keinen Lärm ab, weshalb sich empfindliche Schläfer einen Gehörschutz einstecken sollten. Allerdings schläft man selbst bei schlechtem Wetter mit Wind und Regen gut und trocken. Ich mag die kurze Bauform des Nugget sehr, wenn ich alleine unterwegs bin. Zu zweit wäre die längere Variante wahrscheinlich angenehmer, vor allem bei längeren Touren. Da ich alleine oder mit meiner Frau auf den Festivals war, diente das Dachzelt als Schlafplatz. Wenn ein Freund mitgekommen wäre, hätte es mich genervt, dass ich für die Nacht das untere Bett aufbauen und tagsüber wieder Platz im Innenraum schaffen musste. 

Küchenparty unter der Heckklappe

Insgesamt ist der Wagen ein hervorragender Festivalbegleiter. Ich habe den großzügigen Platz im Innenraum sehr genossen, als ich mit Freunden einen Drink nehmen wollte, es draußen aber zu kalt wurde. Die Küche ist im hinteren Teil perfekt positioniert und der Kühlschrank ist groß genug für ein verlängertes Wochenende. Dank der Heckklappe ist man auch bei leichtem Regen gut geschützt. Auf einem Festival haben wir darunter eine Küchenparty gefeiert. 

Dennoch würde ich den Nugget nicht nur für Festivals nutzen. Für mich ist er ein Campervan für alle Gelegenheiten. Ich war damit sowohl in großen Städten als auch auf dem Land unterwegs. Ich war auf Stellplätzen am Meer und in den Bergen. Für ein Wochenende reicht der Strom, wer länger unterwegs ist, muss leider immer wieder extern nachladen, da der Akku noch recht schmal bemessen ist. Der Frischwassertank mit 33 Litern ist dagegen ausreichend groß. Überrascht hat mich, wie viel Zeug in die Schränke passt, wenn man etwas Ordnung hält.

Die Oberflächen sind etwas empfindlich, denn man sieht sofort jeden Fleck und jeden Dreck. Ich habe deshalb sehr häufig Wischlappen, Handfeger und Schaufel in die Hand genommen, um den cleanen Look zu bewahren. Schlafen im Zelt ist sicher nicht jedermanns Sache, aber mir gefällt es gut. Und während andere Hersteller ein vollautomatisches Aufstelldach anbieten, gefällt mir, dass das Aufstelldach des Nugget von Hand hochgedrückt und heruntergezogen wird. Für alle, denen Zelten nicht zusagt: Inzwischen kann man auch eine Variante mit festem Hochdach ordern. Dann entfällt der Aufbau, man hat mehr Platz für Gepäck, Wintercamping ist möglich und beim Schlafen bleibt der Lärm draußen. Vielleicht ein Modell für den nächsten Festival-Sommer?

Ich muss mal eben bei Ford anrufen …

Festival-Tour: Vom Zuschauer zum Mitmacher

„ich bin dann mal auf Festival-Tour“, sagt Gerd – und packt schon mal seinen Camper vor. Er will nicht auf einer Bühne stehen, sondern davor tanzen und feiern. Und das nicht alleine, sondern mit alten und neuen Freunden. Auf dem Programm stehen das Hurricane Festival in Scheeßel, das Roskilde-Festival in der Nähe von Kopenhagen und das Deichbrand-Festival bei Cuxhaven. Mindestens.


Drei Festivals, tausend Beats und ein Sommer des Lebens

Der Sommer 2025 läuft. In Deutschland ist das Wetter so naja, aber irgendwie bietet er das passende Klima für Festivals. Denn wer sein Wochenende mit viel Camping und noch mehr Musik verbringt, kennt die Kapriolen, die ein Wetter schlagen kann. Auch ich mache mich Mitte Juni fertig, denn ich habe eine ganz besondere Tour vor mir. Ich möchte möglichst viele Festivals besuchen. Als erstes geht es zum Hurricane, wo ich schon seit mehr als 20 Jahren zu Gast bin. Und das Wetter ist dort häufig eher so mittel. Aber das Festival heißt ja nun einmal Hurricane und nicht Sunshine.

Aber egal, ob es nun regnet oder heiß wird – für mich wird’s sehr komfortabel, denn ich reise mit einem Ford Nugget in der Titanium-Ausstattung. Ford war so freundlich und hat mir das Fahrzeug für meine Festival-Tour zur Verfügung gestellt. Damit wird mein Aufenthalt sehr bequem. Ich schlafe unterm hochstelldach, unten kann ich sitzen und arbeiten, in der Heckküche koche ich meinen Kaffee und bereite mein Essen zu. Richtig gut finde ich die Außendusche und dass ich eine Trenntoilette an Bord habe.

Aber im Prinzip hätte ich auch einfach nur mit sauberer Wäsche anreisen können. Wer bei Festivals an Dosenravioli, Schlamm und Teenie-Exzesse denkt, sollte umdenken. Denn die neue Generation der Open-Air-Events ist erwachsener, kuratierter – und dabei so exzessiv wie stilvoll.

Hurricane Festival: Heimspiel mit 80.000 Freunden

Zwischen Wäldern und Feldern, im beschaulichen Scheeßel, pulsiert vom 20. bis 22. Juni eine Energie, die selbst Metropolen neidisch macht. Es ist die Zeit der Mittsommernacht, es will und will nicht dunkel werden. Das macht etwas mit dem Biorhythmus, das Feier-Gen wird aktiviert. In diesem Jahr stehen Acts wie Green DayApache 207AnnenMayKantereit und The Prodigy ganz oben im Line-up. Ich muss zugeben, dass ich nicht zu 100 Prozent von der Zusammenstellung überzeugt bin, aber den meisten Gästen gefällt. Es gibt eben keine Genregrenzen – und genau deshalb funktioniert es. Der Vibe? Laut, ungekünstelt und verdammt authentisch. Das Publikum bewegt sich irgendwo zwischen College-Charme und urbaner Coolness – Sneaker neben Gummistiefeln, Vintage-Lederjacke trifft Techwear. Die Organisation? Die ist wie in jedem Jahr eine Punktlandung. Es gibt gratis Trinkwasser, nachhaltige Konzepte und ein Sicherheitsteam, das sich fast wie ein wie Concierge-Service anfühlt. Wer hier campt, weiß: Das ist nicht Woodstock, das ist Wildnis mit WLAN – und einer ganz eigenen Attitüde.

Hurricane Festival: https://hurricane.de/de/
Tickets: https://www.ticket-onlineshop.com/ols/hurricane/

Roskilde: Understatement trifft globalen Sound

So sehr ich es liebe, Jahr für Jahr zum Hurricane zu fahren: Irgendwie wirkt das Festival immer wieder etwas hemdsärmelig. Das liegt auch daran, dass hier alles immer nur für ein paar Tage aufgebaut wird. Eine große Zeltstadt halt, von der schon im Juli nichts mehr zu sehen ist. Das Roskilde-Festival ist da schon ein ganz anderer Schnack. Seit mehr als 50 Jahren findet Skandinaviens größtes Festival inzwischen statt. Die Hauptbühne bleibt auch danach stehen – so wie einzelne Aufbauten. In diesem Jahr geht es am 28. Juni los, der letzte Tag ist der 5. Juli. Die kleine Stadt in der Nähe von Kopenhagen wird in dieser Zeit zum Epizentrum musikalischer Weltgewandtheit. Aber Vorsicht: Wer am ersten Tag anreist, sollte mit seinen Kräften haushalten: Hier findet man von Minute eins auf jedem Campingplatz unzählige Partys. Wer sich mitreißen lässt, ist nach ein paar Tagen schnell durchgefeiert. Und dann fehlt die Kraft für das Hauptprogramm – und das wäre doch schade. Denn mit 185 Acts aus 45 Ländern – darunter Olivia RodrigoBeth GibbonsNine Inch Nails und das Hip-Hop-Duo Kenny – setzt Roskilde ein Statement: Musik kann mehr als unterhalten – sie verbindet. Das Publikum? Eine faszinierende Melange aus Weltenbummlern, Kreativen und Hedonisten, die lieber ins Kunstzelt schlendern als in der Schlange für Insta-Pics zu stehen. Hier wird Nachhaltigkeit gelebt, nicht gepostet. 30.000 Volunteers, barrierefreie Zugänge, zukunftsorientiertes Design – das alles macht Roskilde zum Festival für Menschen, die Verantwortung genauso feiern wie gute Beats. Und das Beste: Kein Ort fühlt sich so sehr nach Gemeinschaft an – inmitten von 130.000 Fremden.

Roskilde-Festival: https://www.roskilde-festival.dk/en
Tickets: https://www.roskilde-festival.dk/en/tickets

Deichbrand: Ekstase am Meer

Zum Abschluss der kleinen Tour geht es vom 17. bis 20. Juli an die Nordseeküste. Willkommen beim Deichbrand Festival – der charismatischen Fusion aus urbanem Rave und familiärer Feiereuphorie. Zum 20. Jubiläum treten Szenegrößen wie DeichkindK.I.ZMacklemoreFritz Kalkbrenner und The Kooks auf. Das zeigt eindrucksvoll, wie ein Sound-Spektrum, das von Techno über Indie bis Deutschrap reicht. Das Gelände befindet sich am ehemaligen Flugplatz und bietet alles, was das moderne Festivalherz begehrt: Green Camping, Comfort Villages, ein eigener Supermarkt – ja, sogar Flat Whites und vegane Bowls sind hier längst Standard. Richtig klasse ist das drumherum. Es gibt ein gewaltiges Schwimmbad inklusive DLRG, Ruhezonen und Newcomer-Bühnen. Aber vor allem so richtig nette Leute. Selbst wenn man alleine anreist bleibt man es nicht lange. Das Deichbrand ist kein Festival – es ist ein kuratiertes Erlebnis für Menschen, die wissen, wie man sich verliert, ohne den Überblick zu verlieren.

Deichbrand Festival: https://www.deichbrand.de
Tickets: https://www.ticket-onlineshop.com/ols/deichbrand/de/festivaltickets/channel/shop/index

Festivals für Hedonisten mit Haltung

Ob man beim Hurricane mit Bier in der Hand durch die Moshpits tanzt, in Roskilde ein globales Musik-Kunst-Symposium erlebt oder beim Deichbrand mit Sonnenbrille und Champagnerflöte bis in die Morgendämmerung feiert – Der Sommer 2025 ist groß. Eins ist klar: Das ist nicht einfach nur ein Festival-Sommer. Das ist ein Statement.

Campermen in Australien: Mit dem Wohnmobil durch Queensland

G’Day Australia: Henning & Gerd von den Campermen sind mit einem Wohnmobil an der Küste von Queensland unterwegs. Ein Roadtrip mit Kängurus, Korallen und cool Camping.

Ein schwarzes Känguru auf gelbem Grund – dieses Verkehrsschild kennt wohl jeder. Es prangt auf T-Shirts, ist im Internet verbreitet und steht wohl wie kaum ein anderes Symbol für Australien. Doch wenn man es am Straßenrand sieht, während man mit dem Wohnmobil an der Ostküste Queenslands unterwegs ist, bekommt es eine ganz neue Bedeutung. „Mein Gott, wir sind wirklich im Land der Kängurus“, rufe ich Henning zu, während er das Wohnmobil steuert. Manchmal braucht es wohl einen solchen Moment, um Traum und Wirklichkeit zu trennen. Als wir von Tourism Australia die Einladung bekommen, Down Under mit dem Wohnmobil zu entdecken, fühlt es sich an wie ein Traum. Wenige Tage vor unserer Abreise ist die Reise noch nicht wirklich in unseren Köpfen angekommen. In Hamburg ist es Ende Januar eisig kalt – und wir sollen bald in kurzen Hosen und barfuß an den schönsten Stränden der Welt herumlaufen? Ja, nee, klar. Aber irgendwann sickert die Realität ein und vermischt sich mit dem Traum. Spätestens als das gelbe Schild mit dem schwarzen Känguru auftaucht, ist klar: Wir sind tatsächlich in Queensland und fahren die Traumroute vieler Camper entlang der schönsten Küstenabschnitte im Osten dieses großen Landes. Unser Ziel ist Cairns im Norden.

Erst einmal ankommen: eintauchen in Brisbane

Zwei Tage zuvor sind wir nach einem langen Flug in Brisbane angekommen. Rund 24 Stunden waren wir von Hamburg mit Zwischenstopp in Dubai unterwegs. Um die Reise und die neun Stunden Zeitverschiebung zu Deutschland zu verdauen, bleiben wir zwei Nächte in Brisbane. Unser Designhotel Crystalbrook Vincent liegt direkt am Brisbane River an der Story Bridge. Die Lage ist perfekt, um das Zentrum der pulsierenden Stadt zu Fuß zu erkunden. Dafür holen wir uns Unterstützung. Cheryl von Urban Tours zeigt uns bei einem Spaziergang einige Highlights von Brisbane. Wir besuchen historische Gebäude, laufen durch versteckte und faszinierende Orte und erleben die Geschichte und den einzigartigen Vibe von Brisbane hautnah. Ein Highlight ist – im wahrsten Sinne des Wortes – der Star Tower mit seiner gläsernen Plattform. Von hier aus hat man einen perfekten Blick über ganz Brisbane. Nach dem Rundgang geht es beim Story Bridge Adventure Climbgleich wieder hoch hinaus: In der Abenddämmerung klettern wir am Startpunkt Howard Smith Wharves auf die Träger der ikonischen Story Bridge – natürlich perfekt gesichert. Als Belohnung winkt ein atemberaubender Blick auf die nächtliche Skyline – und ein paar Erinnerungsfotos. Die machen wir auch reichlich im Lone Pine Koala Sanctuary vor den Toren der Stadt. Hier kommen wir zum ersten Mal mit der australischen Tierwelt auf Tuchfühlung. Wir streicheln Koalas, füttern Kängurus und erleben eine spektakuläre Flugshow mit Eulen und Adlern. Ganz klar: Wir sind angekommen.

Einzug ins Wohnmobil: Viel Platz und ein besonderer Look

Und damit der Campingausflug auch wirklich losgehen kann, holen wir unser Fahrzeug ab. Dazu fahren wir an den Stadtrand zu Apollo Camper und holen unser bestelltes Fahrzeug ab. Es ist ein Euro Deluxe mit einem ganz besonderen Design. Der farbenfrohe und unverwechselbare Look wurde von einheimischen Künstlern kreiert. Und das gefällt nicht nur uns: Unterwegs werden wir immer wieder darauf angesprochen, der Camper wird unzählige Male fotografiert. Und auch die inneren Werte stimmen. Vom großen Kühlschrank bis zu Geschirr und Besteck ist alles an Bord, was wir brauchen. Mehr noch: Das Fahrzeug ist für bis zu sechs Personen ausgelegt. Für zwei Personen ist es eigentlich etwas zu groß. Aber für uns ist es perfekt, denn so haben wir zwei getrennte Schlafbereiche und zusätzlich noch einen Arbeitsplatz.

Wir wollen in zwei Wochen von Brisbane bis hoch nach Cairns fahren, immer entlang der Ostküste von Queensland. Da ist das Plus an Platz und Komfort sehr willkommen. Der Clou ist aber, dass wir das Fahrzeug nach der Tour im Norden abstellen können und nicht wieder zurückfahren müssen. So war jedenfalls unser Plan. Aber manchmal ändern sich Pläne.

Camping in Australien: Ein Tête-à-Tête mit Kängurus

Einer der Gründe für eine Reise nach Australien ist sicherlich das Eintauchen in die unvergleichliche Natur dieses grandiosen Landes. Vor allem beim Campen kommt man den Tieren ganz nah. Auf fast allen Plätzen stehen wir in direkter Nachbarschaft zu Kängurus. Papageien sitzen in den Bäumen über unseren Köpfen. Zikaden geben laute Konzerte, nachts flattern Fledermäuse umher. Im Habitat Noosa, einem Campingplatz mitten im Naturschutzgebiet, steht man zum Beispiel mit dem Wohnmobil direkt an einem See. Frühmorgens, wenn die Sonne über dem Wasser aufgeht, treffen sich hier die Kängurus, den Rest des Tages faulenzen sie zwischen den Campern. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Städtchen Noosa, ein Hotspot für Surfer. Hier zeigt sich der australische Way of Life, wie man ihn sich vorstellt. Hier ist man entspannt, genießt das Strandleben bei gutem Essen und kühlen Drinks. Der Main Beach bietet perfekte Wellen für Anfänger und Profis, im Nationalpark wandert man dagegen auf weitläufigen Küstenwegen und sieht mit etwas Glück sogar Delfine. 

Insel-Träume und Schnorcheln über Korallen

Wenn man wie wir nur eine relativ kurze Zeit in Australien ist, muss man sich auch entscheiden, was man dort macht. Die Entfernungen sind riesig, man kann in 14 Tagen einfach nicht alles sehen, was man vielleicht gerne gesehen hätte. Der Bundesstaat Queensland ist zum Beispiel viermal so groß wie Deutschland. Deshalb haben wir uns entschieden, an der Küste zu bleiben und auf das Hinterland zu verzichten. Dafür wollen wir ein paar Inseln besuchen. Die erste ist K’gari, die bis 2023 Fraser Island hieß und Namensgeberin für den Küstenabschnitt Fraser Coast ist. Man erreicht die Insel mit einer Fähre, die im kleinen Hafen von Harvey Bey ablegt. Unser Camper musste allerdings auf dem Festland bleiben. K’gari ist die größte Sandinsel der Welt, unser Fahrzeug würde keine zwei Meter weit kommen, hier fährt man Allrad. Wer einen 4×4 hat, findet hier auch wunderschöne Campingplätze direkt am Strand. Der fast 100 Kilometer lange Strand ist übrigens auch Landebahn für Kleinflugzeuge und Schnellstraße für Autos. Ob Urwälder, Süßwasserseen oder Sandsteinhügel, die Natur hat sich hier einiges einfallen lassen. K’gari heißt in der Sprache der Einheimischen übrigens Paradies. Das passt.

Weiter nördlich liegt Lady Elliot Island an der Südspitze des Great Barrier Reefs. Die Fläche des Riffs hat in etwas die Größe von Japan oder Italien. Wenn man das im Hinterkopf hat, wird klar, dass man zur Insel mit einem Flugzeug anreist. Startpunkt ist die Stadt Bundaberg, unseren Camper haben wir am Flughafen stehen lassen. Lady Elliot war einmal eine Vogel-Insel, auf der es vor allem Guano gab. Inzwischen wird sie aufgeforstet, die Einnahmen durch den Tourismus helfen dabei, dieses Kleinod zu schützen. Von der Insel geht es zu Fuß direkt ins Riff und beim Schnorcheln entdeckt man die bunte Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Wir sind auch mit Schildkröten geschwommen, die auf der Insel einen perfekten Brutplatz gefunden haben. Lady Elliot ist ein echtes Öko-Paradies und ganz auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Wer in einer der gemütlichen Hütten oder in den luxuriösen Glamping-Zelten übernachtet, muss trotzdem auf keinen Komfort verzichten – außer auf Handyempfang. Digital Detox ist hier angesagt – und zwar richtig!

Schildkröten und andere Amphibien

Es ist kaum möglich, allen Etappen den Raum zu geben, den sie verdienen. Hinter jeder Biegung landen wir in einer neuen, spektakulären Welt. So muss sich auch Kapitän James Cook gefühlt haben, als er 1770 in Queensland an Land ging. Genau an dieser Stelle liegt heute der Ort Seventeen Seventy, dessen Name an dieses wichtige Datum erinnert. Hier startet auch eine ganz besondere Tour in die nähere Umgebung. Mit dem pinkfarbenen Amphibienfahrzeug von 1770 LARC-Tours geht es zu Land und zu Wasser durch die Küstenregion. Und während unser Guide Anthony uns ein leckeres Mittagessen direkt am Strand serviert, erzählt er uns Geschichten. Einen weiteren ganz besonderen Moment erleben wir in Turtle Sands. Allein der moderne Campingplatz ist einen Besuch wert. Wir stehen direkt am Strand, der nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr betreten werden darf. Der Grund: Hier legen die Schildkröten ihre Eier ab. Ein paar Schritte weiter liegt das Mon Repo Turtle Centre und dort wird es magisch, denn wir dürfen bei der Geburt der Schildkröten dabei sein. 

Übernachten auf dem Riff

Die Plattform am Riff von Cruise Whitsundays

Nach einer Nacht mit Kängurus im wunderschönen Cape Hillsborough Nature Tourist Park und einem gemeinsamen Good Morning Ritual am Strand ging es sehr früh weiter nach Arlie Beach. Wir mussten die Fähre der Cruise Whitsundays erreichen. Unser Ziel: eine Plattform direkt am Great Barrier Reef. Die Fähre hätte knapp zwei Stunden gebraucht. Aber es geht auch schneller und vor allem spektakulärer, wenn man auf Hamilton Island in den Helikopter steigt und das Riff aus der Luft bestaunt. Nach der Landung auf der zweistöckigen Plattform schlüpft man in die Schnorchelausrüstung und schwebt direkt über dem wunderschönen Riff. Wer möchte, kann sogar ein paar geführte Tauchgänge machen. Übernachtet wird sogar auf dem Oberdeck der Plattform in sogenannten Swags unter freiem Sternenhimmel. Aber auch ohne Übernachtung ist ein Tagesausflug zu diesem abgelegenen Spot einfach toll. Das Smartphone kann übrigens auch hier in der Tasche bleiben, denn es gibt keinen Empfang. Deshalb haben wir auch erst auf dem Rückweg erfahren, dass sich unser Tourenplan geändert hat.

Neue Route, neues Glücksgefühl     

Camper wissen, dass es oft keine Wettergarantie gibt. Das gilt auch für die schönsten Plätze der Welt. Weil im Norden von Queensland ein Unwetter drohte, änderten wir unsere Reisepläne. Statt nach Cairns ging es zurück in den Süden. Und auch das kennen wir Camper: Manchmal ist Plan B mindestens genauso schön wie die ursprüngliche Idee. In Yeppon an der Capricorn Coast übernachteten wir auf dem kleinen aber feinen Beachside Holiday Caravan Park. Nur ein Zwischenstopp, denn unser Ziel ist Great Keppel Island. Bei Freedom Fast Cats buchen wir einen Tagesausflug inklusive Transfer zur Insel, einer Fahrt mit dem Glasbodenboot über das Riff, Schnorchelzeit und Mittagessen. Im Nachhinein fragen wir uns, warum wir diesen Ausflug nicht sowieso auf unserer Liste hatten. Zumal der Tag mit einem leckeren Drink am Strand perfekt ausklang.

Nach so viel Strand und Korallen war es an der Zeit, auch andere Seiten von Queensland zu entdecken. Im Outback, etwa 500 Kilometer von der Küste entfernt, liegt der Carnavon Gorge Nationalpark. Der Weg dorthin ist lang, immer wieder fällt der Blick auf den Füllstand des Tanks. Etwa 50 Kilometer vor dem Park gibt es die letzten Tank- und Einkaufsmöglichkeiten, die man auch nutzen sollte. Dann breitet sich der Park wie ein Gemälde vor den Augen aus: Riesige Sandsteinwände ragen in den Himmel, Eukalyptuswälder wachsen neben Palmen und riesigen Farnen. Vom Breeze Holiday Park sind es nur wenige Autominuten bis zum Ausgangspunkt einer unglaublichen Wanderung durch den Park. Auf dem Weg liegen magische Orte, die schon von den australischen Ureinwohnern als heilige Stätten verehrt wurden. Zurück im Camp geht es abends an den Gemeinschaftsgrill, wo wir mit den anderen Campern kochen und bei guten Gesprächen und Getränken die Erlebnisse des Tages austauschen. Und auch hier sind wieder unzählige Kängurus anwesend, die aufmerksam zuhören.

Es geht zurück, die Eindrücke bleiben

Jede Reise geht einmal zu Ende. Wir haben in dieser kurzen Zeit so viele Eindrücke gesammelt, dass es für mehrere Reisen gereicht hätte. Und doch haben wir noch lange nicht genug. Mit dem großen Wohnmobil lässt es sich in Queensland gut reisen. Die Campingplätze sind groß und bieten allen Komfort. Die Straßen sind breit und trotz Linksverkehr gut befahrbar. Australien ist ein Land der Camper – und wir haben auf unserer Wohnmobiltour nur einen Bruchteil von dem gesehen, was es zu sehen gibt. Auf jedem Campingplatz trafen wir australische Camper, die uns mit einem breiten Grinsen von ihren ganz persönlichen Highlights im ganzen Land erzählten. Und vielleicht ist es das, was am Ende des Tages am meisten in Erinnerung bleibt: die freundliche und offene Art der Australier. Wir fühlten uns überall willkommen, die Gespräche waren herzlich. Offensichtlich sind sich die Menschen hier sehr bewusst, in welchem Naturschatz sie leben. Sie gehen sorgsam damit um, schützen es – und freuen sich, wenn Besucher sich ebenso dafür begeistern können.

Das hat geklappt.

Links zum Bericht

Christalbrook Vincent: https://www.crystalbrookcollection.com/vincent
Howard Smith Warves: https://howardsmithwharves.com
Urban Tours: https://www.urbantours.com.au
Story Bridge Climb: https://storybridgeadventureclimb.com.au
Lone Pine Koala Sanctuary: https://lonepinekoalasanctuary.com
Apollo Camper: https://www.apollocamper.com
Habitat Noosa: https://habitatnoosa.com.au
K’gari: https://www.australia.com/de-de/places/brisbane-and-surrounds/guide-to-kgari.html
Bundaberg: https://www.bundabergregion.org
Lady Elliot Island: https://ladyelliot.com.au
1770 LARC! Tours: https://1770larctours.com.au
Turtle Sands: https://www.turtlesands.com.au
Cape Hillsborough Nature Tourist Park: https://www.capehillsboroughresort.com.au
Cruise Whitsundays: https://www.cruisewhitsundays.com
Beachside Holiday Caravan Park: https://www.beachsidecaravanparkyeppoon.com.au
Carnavon Gorge Nationalpark: https://www.queensland.com/de/de/places-to-see/destinations/capricorn/carnarvon-gorge
Breeze Holiday Park Carnavon Gorge: https://breezeholidayparks.com.au/httpswww-big4porthughes-com-auparks/carnarvon-gorge/

Kampieren, Kultur und Kulinarik in Brecia und Bergamo,

Das Herz der Kunst schlägt 2023 in der Lombardei, wo die Städte Bergamo und Brescia als diesjährige Kulturhauptstädte Italiens mit einem umfangreichen Programm und einer atemberaubenden Landschaft aufwarten.

Fotos: Henning Pommée

Meine Reise beginnt in Brescia, einer Industriestadt, die mit rund 200.000 Einwohnern nach Mailand die größte Stadt der Lombardei ist. Umgeben von grünen Hügeln, die angeblich schon Leonardo da Vinci als Hintergrund für seine Mona Lisa genutzt hat. Ob es wirklich so war, wird wohl für immer das Geheimnis des Meisters bleiben. Eindeutig sind hingegen die drei Seen, die Brescia umgeben: Der Gardasee, der Idrosee und der Iseosee. Letzterer schaffte es 2016 mit „The Floating Piers“ von Jeanne-Claude und Christo weltweit in die Medien. 
In Brescia beginnt meine Reise auf der Piazza della Vittoria, dem Platz, von dem aus auch dieses Jahr wieder am 14. Juni um 14 Uhr 375 Oldtimer auf die berühmte „Mile Miglia“ starten, um hier nach der dreitägigen Rundfahrt den Sieger zu küren.

Brescia, Start und Ziel der Oldtimer-Rallye „Mille Miglia“

Für das Kulturereignis wurden rund 158 Millionen Euro in die Infrastruktur der Region investiert, wovon auch größere Reisemobile profitieren, die sich auf den breiten Straßen von Brescia gut zurechtfinden. Den wohl schönsten Blick auf die Stadt hat man vom Hügel Cidneo, auf dem auch die imposante Burg von Brescia steht. Leider gibt es in der Nähe der Stadt keinen Campingplatz, daher würde ich als Stellplatz für das Wohnmobil den Idio-See oder Bergamo empfehlen.
Wer die Gegend mit dem Fahrrad erkunden möchte, kann dies problemlos auf dem Radweg tun, der beide Städte verbindet. Auf 76 km sind viele Informationstafeln über die Region aufgestellt und in kleinen Bauernhöfen kann man sich stärken und teilweise auch übernachten.

Mit George Clooney am Lago d’Iseo

Rund um den Iseosee gibt es zahlreiche Campingplätze mit Stellplätzen, die meist direkt am Iseosee mit freiem Blick auf die Insel „Monte Isola“ liegen.
Bekannt ist der See für seine Sardinen, die eigentlich „Sardina o Agone“ heißen und außer der Tatsache, dass sie mit Salz zubereitet werden, nichts mit der Salzwassersardine gemein haben. Ein Ausflug auf die autofreie Insel mit ihrem 600 Meter hohen Berg lohnt sich. Kleine Restaurants und Läden mit Devotionalien laden zum Einkaufen ein. Im Norden der Insel liegt eine kleine Privatinsel mit einem Turm, den angeblich George Clooney kaufen wollte. Doch der Blankoscheck des Hollywoodstars blieb leer und die Insel im Besitz eines Geschäftsmannes aus Brescia.

Ab 17.00 Uhr trinkt der Italiener einen Apperitivo. Dazu werden kleine Snacks gereicht.

Sekt aus der Region Franciacorta

Oberhalb des Iseosees, auf einer fruchtbaren Endmoräne aus der Eiszeit, liegt das Weingut Ronco Calino. Der bio-zertifizierte Betrieb mit 20 Prozent Pinot Noir und 80 Prozent Chardonnay an den Hängen beschäftigt sieben Mitarbeiter und jedes Jahr werden hier die Trauben noch traditionell von Hand gelesen, um dann als edler Schaumwein in 70.000 Flaschen pro Jahr in alle Welt verkauft zu werden. Verkostungen können vor Ort gebucht werden und auch die Besichtigung der Produktions- und Lagerräume ist sehr interessant.

Bergamo – zwischen Città Bassa und Città Alta 

Unterstadt und Oberstadt, das ist Bergamo. Doch die 100 Meter höher gelegene Altstadt hat eindeutig die Nase vorn. Von der belebten Unterstadt mit dem Teatro Donizetti aus betrachtet, wirkt die Città Alta wie eine uneinnehmbare Festung aus einer Fantasy-Saga – dafür sorgt neben der Hügellage vor allem die gut fünf Kilometer lange, vollständig erhaltene venezianische Stadtmauer. 

Beide Stadtteile haben ein Opernhaus, und im Mittelpunkt des Kultursommers in Bergamo steht der Sohn der Stadt – Gaetano Donizetti. Ihm zu Ehren findet 2023 rund um seinen Geburtstag am 29. November ein zweiwöchiges Opernfestival statt.

Der Komponist wurde in der Oberstadt geboren und trat zeitlebens nie aus dem Schatten des in Mailand wirkenden Verdi heraus. 

Die autofreie Oberstadt mit ihrer typisch italienischen Gemütlichkeit erreicht man mit der Funicolare. Die Standseilbahn verbindet die Viale Vittorio Emanuele am nördlichen Rand der Unterstadt mit der Piazza Mercato delle Scarpe in der südlichen Oberstadt. 

Das traditionelle Gericht Bergamos ist die Polenta.  Früher war die Region so arm, dass es kaum Salz gab und die Polenta nur sonntags mit einer salzigen „Sardinia o Agone“ aus dem Iseo-See gewürzt wurde. Heute ist auch die süße Polenta mit Marzipan und Zartbitterschokolade sehr beliebt. Bergamo ist nicht nur für seine traditionellen Maisgerichte bekannt, sondern gilt auch als „Hauptstadt des Käses“, denn hier gibt es nicht weniger als 9 DOP-Käsesorten (DOP steht für Denominazione di Origine Protetta, also geschützte Ursprungsbezeichnung).

Im Herzen des Lago d'Iseo liegt die schöne Insel Monte Isola
Der Showroom des Weingutes Ronco Calino

„Mach hinne“ für die Bergamaschi!

Wer sich in diesem Sommer auf seiner Kulturreise so richtig ins Zeug gelegt hat und den Verkehr hinter sich blockiert, dem kann es durchaus passieren, dass hinter ihm ein Bergamaschi „Laurà, Laurà, Laurà“ ruft. Damit ist keineswegs eine Frau gemeint, sondern der Ausruf basiert auf einem Sprichwort, das für den Eifer und Fleiß der Bergamasker steht. Heute ist Bergamo eine reiche Stadt, und wenn ein Lastwagenfahrer hinter einem Laurà Laurà! rufen und hupen sollte, dann folgt er nur dem produktiven Geist seiner Vorfahren. Also nicht böse sein und am besten etwas beeilen.

Randnotiz: Die Pressereise fand auf Einladung statt. Es wurde seitens des Gastgebers keinerlei Einfluss auf Art, Inhalt und Umfang eines Beitrages genommen.

Essen:

Trattoria Sant’Ambroeus, Bergamasker Spezialitäten, www.trattoriasantambroeus.it

Osteria Al Gigianca, ausgezeichnete Küche der Region, www.algigianca.com. 

Kulturhauptstadt:
Kulturelle Highlights und Termine im Kulturhauptstadtjahr

bergamobrescia2023.it/en/

Generelle Info zu Städten und Region:

Bergamo

www.visitbergamo.net/de/ 

Brescia

www.bresciatourism.it/de

Camping Vela
Kleiner Campingplatz mit 40 Plätzen, die meisten direkt am Wasser. 
Camping Vela

Camping Iseo
Gepflegter Campingplatz direkt am See, besteht aus 56 Rasen-Stellplätzen, mit 2 Rampen für den Zugang zum See und zum Bootsplatz, zusätzlich kleine, fest gemauerte Appartements und Parkplätze.
www.campingiseo.it

Bergamo
Stellplatz mit 52 Plätzen im Norden von Bergamo. Der Platz ist ausgestattet mit Wasser, Strom, Recycling-Containern, WLAN und einem Supermarkt nur 30 Meter entfernt.
www.areacamperbergamo.it