Dasselbe in Grün

Wir alle reisen gerne. Auch in der Ferne. In Zeiten von Corona wird das deutlich wie nie. Aber Reisen ist nicht mehr so unbeschwert wie es einmal war. Oder soll ich sagen, wir reisten noch nie so bewusst wie heute. Vorbei sind die Zeiten ,wo die Senator-Karte der Vielflieger bei der Fluglinie mit dem Kranich ein Statussymbol war. Heute achten wir auf die CO2-Bilanz, den Fussabdruck und das alles aus einem sehr guten Grund – es geht um unser aller Planeten, unsere Zukunft. 

Aber jetzt ganz auf die Traumreise nach Fernost verzichten und dafür auf den Bauernhof in Mecklenburg reisen? Die Vorstellung fällt schwer, und schließlich sind es doch immer die anderen, die noch mehr Dreck machen, oder? Umweltschutz fängt bei jedem selber an und wer aus dem Status anderen die Schuld für die Erderwärmung zu geben noch nicht raus ist, wird es wohlmöglich nie kapieren. 

Für alle die, denen die Natur genauso am Herzen liegt wie uns Campermen, empfehle ich das Buch: „Dasselbe in grün“ aus dem The Fernweh Collective in Berlin. Die Autorin Elisaveta Schadrin-Esse hat auf 224 Seiten ein Ratgeber zusammen gestellt, der euch bei euren Reisen begleitet und dabei hilft, bewusster in den Urlaub zu fahren. 

Mit ist beim Lesen des Buches ein wenig der Spass auf die nächste Reise vergangen, weil in „Dasselbe in Grün“ die Auswüchse des Massen-Tourismus in seinem ganzen Umfang beschrieben werden. Aber keine Angst, „Dasselbe in Grün“ ist kein wissenschaftliches Werk, sondern ein praktisches Handbuch für grünes Reisen, das euch dabei helfen kann, ein Gespür für die Nachhaltigkeit im Tourismus zu entwickeln und dazu inspiriert, das Thema Umwelt unterwegs mehr im Blick zu haben. Illustriert ist das Buch mit wunderschönen Bildern von Dana Lungmuss, der es mit ihrer Kunst gelingt das ein oder andere Thema nicht mehr allzu schwer zu empfinden.

„Dasselbe in Grün“ ist im The Fernweh Collective Verlag erscheinen und kostet 22 Euro.

Mehr Infos unter: www.thefernweh.co 

Unterwegs mit dem Paddelbrett

Stand Up Paddeling – oder kurz SUP – liegt im Trend. Aber damit verrate ich nun wirklich kein Geheimnis. Jeder, der in den letzten Jahren schon einmal an irgendeinem stehenden oder fließenden Gewässer war, hat gesehen, wie ein Mensch auf einem Brett vorbeifuhr. Ist ja auch klar, schließlich gibt es kaum einen Wassersport, der so zugänglich für jedermann ist. Alles was man braucht ist ein Brett und ein Paddel. Kombiniert man beide Begriffe, landet man beim tollen SUP-Board „Paddelbrett„. Vor einem Jahr habe ich Christoph, den Kopf hinter dem Brett, auf einer Outdoor-Messe getroffen. Zuerst ist mir das Board aufgefallen, denn das Design hat mich total angesprochen. Wo die meisten anderen Hersteller verschwenderisch mit Farben und Mustern umgehen, setzt Christoph beim Design of klare Linien und monochrome Optik. Das perfekte Board für Minimalisten. Wenn ich unterwegs bin, versuche ich nur wenige Dinge mitzunehmen, aber diese sollen von guter Qualität sein und dazu ein möglichst schlichtes Design haben, damit sie zum meinem Camper passen. Und weil ich mich vor einem Jahr in das Paddelbrett ein wenig verknallt hatte, stellte ich es im Podcast vor – ohne jemals damit unterwegs gewesen zu sein.

© Henning Pommée

Das ging so natürlich nicht. Daher habe ich Christoph bequatscht, mir das Brett für ein paar Ausfahrten zu leihen, damit ich etwas mehr über die Fahreigenschaften und die Verarbeitungsqualität erfahre. Und was soll ich sagen: Meine Begeisterung ist nur noch mehr gewachsen. Aber fangen wir mal am Anfang an. Das Lieferpaket ist umfangreich, zum aufblasbaren Board gibt es noch viel Zubehör dazu. Neben Rucksack, Trockentasche, Finne, Leaches und natürlich einem Paddel sind auch noch Flickset, Solarlampe und Taschenmesser mit Schraubenzieher dabei. Das Board wiegt knapp elf Kilo, das Aufpumpen ging durch die Doppelhubpumpe schnell von der Hand. Man kann dabei auch nicht viel verkehrt machen: Auf der Pumpe wird angezeigt, wann genügt Druck aufgebaut wurde, die Anleitung ist zudem so einfach, dass selbst Lesefaule alles verstehen müssten.

Das Board ist riesig, viel größer, als die meisten SUPs, die ich sonst so sehe. Für mich persönlich ist das aber ein großer Vorteil. Ich bin Anfänger – und je größer das Board ist, desto mehr Stabilität habe ich mit meinen 95 kg. Meine erste Tour fand auf dem Eichbaumsee in Hamburg statt. Ein toller Ort für Anfänger und Fortgeschrittene. Mit dem Camper kann man hier gut stehen, der Fußweg zum Wasser ist dann nicht weit. Zuerst war es trotz optimaler Bedingen ein wenig wackelig, ich musste mich erst daran gewöhnen, auf dem Brett zu stehen. Also war erst einmal hinknien angesagt. In dieser Haltung ging es erst einmal ein paar Züge im Kreis herum. Später traute ich mich dann auch, im Stehen zu paddeln, denn mir ist dann endlich eingefallen, dass ich im schlimmsten Fall nur ins nicht so kalte Wasser falle. Plötzlich wackelten die Beine nicht mehr, mit jedem Paddelschlag wurde fiel es mir leichter, es machte mir immer mehr Spaß.

© Paddelbrett

Das Paddelbrett ist für Anfänger wie mich großartig, der Ein- und Aufstieg ist simpel. Allerdings ist es auch kein günstiger Start in den SUP-Sport. 939 Euro kostet das umfangreiche Set. Aber im Gegensatz zu günstigeren Anbietern ist eben gleich alles dabei, was man braucht. Dazu achtet Christoph bei der Herstellung sehr auf die Qualität seiner Produkte. Im Interview verrät er, dass es bei mehr als 200 verkauften Brettern bisher noch keinerlei Reklamationen gab. Doch nicht nur Anfänger haben ihren Spaß mit dem Brett, schließlich hat Christoph es vor allem als Tourenbrett entworfen. Die Länge gibt dem Paddelbrett eine Spursicherheit auch auf längeren Strecken und bei ungleichmäßigen Bedingungen. Zudem kann man sich gut darauf hinlegen und ein bisschen treiben lassen.Henning und seine Freundin haben das Brett mit nach Fehmarn genommen und es auf der Ostsee ausprobiert. Und auch dort hat es sich trotz des kabelligen Wassers sehr gut geschlagen.

Im Podcast erzählt Christoph, wie er auf die Idee zum Paddelbrett gekommen ist, wo er es herstellen lässt und er verrät, wie sich der Preis zusammensetzt. Außerdem gibt er noch ein paar Tipps für feine SUP-Touren. Wer mehr über das Paddelbrett und weitere SUP-Angebote von Christoph erfahren möchte, findet die Infos auf seiner Seite: www.paddelbrett.de

Campernen #31
Auf die Bretter, fertig, los!
Campernen #31Auf die Bretter, fertig, los!

Skotti: Bei dem Gasgrill bist du platt

Ein Feuer, ein Stück Tier – seit Menschen von Bäumen gestiegen sind, brauchen sie kaum mehr, um kulinarisch beglückt durchs Leben zu gehen. Der moderne Mensch tickt da nicht anders, auch wenn Essen inzwischen kaum noch selbst erlegt oder geerntet wird. Und auch beim Feuer wird heute nichts mehr dem Zufall überlassen, es wird gegrillt. Und wie. Man könnte meinen, dass das Grillen des Deutschen liebste Freizeitbeschäftigung ist und dass es bei einem Grill kaum noch etwas Neues zu erzählen gibt. Die Geschichte ist auserzählt. Dachte ich. Pustekuchen.

© Gerd Blank

Erst kürzlich habe ich mir fürs Wohnmobil einen kleinen Holzkohlegrill gekauft, den Knisper habe ich hier auch schon vorgestellt. Cooles Ding, klein und dennoch ausdauernd. Vor allem kann man es überall mit hinnehmen, eine zusätzliche Halterung fürs Fahrrad macht es möglich. Kaum hatte ich den Grill in Betrieb, entdeckte ich Skotti. Nein, nicht der Bordtechniker von der Enterprise, sondern den kleinen Gasgrill. Obwohl: Technik stimmt schon, denn Skotti ist tatsächlich so etwas wie die Neuerfindung des Gasgrills. Beim Kauf wundert man sich bestimmt erst einmal darüber, dass man lediglich eine flache Tasche aus LKW-Plane in der Hand hält. Und wo ist der Grill?

Als ich die beiden Seiten der Tasche auseinandergezogen habe, fand ich den Grill, oder besser: seine neun Einzelteile. Ich musste, nein, ich durfte ihn erst einmal zusammenbauen. Ganz ehrlich: So etwas macht mir großen Spaß, seit ich Überraschungseier, Yps und Ikea kenne. Und im Gegensatz zu den Produkten des schwedischen Möbelhauses klappt das auch ohne die beigelegte Anleitung. Beim ersten Mal brauchte ich etwa vier Minuten für den Zusammenbau – was aber nur daran liegt, dass ich zwei Seitenteile vertauscht hatte.

Die Teile sind präzise gefertigt und so robust, dass ich ruhig ein bisschen Druck ausüben konnte, damit der ganze Grill am Ende perfekt zusammengebaut war. Ich bin immer noch total verblüfft, dass man gar nicht sehen kann, dass der Skotti einfach nur aus zusammengesteckten Teilen besteht. Alles wirkt solide, alles hält bombenfest. Nur noch die Gaskartusche anschrauben und los darf es gehen.

© Gerd Blank

Gemüse ist mein Fleisch

Da ich kein Fleisch esse und auch nicht so gerne Fertigprodukte auf den Grill lege, muss ich mir meine Gerichte selbst zubereiten. Gleichzeitig liebe ich gute Burger und versuche immer wieder neue Buletten zu kreieren. Für den Skotti-Ersteinsatz gab es Burger-Patties aus Rote-Beete und Kidneybohnen. Rezept gefällig? Ich versuche es, denn ich koche immer frei nach Schnauze, meistens gelingt es. Also: Ich habe zwei größere Rote-Beete-Knollen geraspelt. Dazu habe ich eine kleine Dose Kidneybohnen in Chili-Soße genommen, da ich mir so ein wenig Würze gespart habe. Die Bohnen habe ich abtropfen lassen, mit einer Zwiebel, einer Knoblauchzehe, einen Schuss Soja-Soße und ein paar Gewürzen in den Mixer gepackt. Diese grobe Matschepampe habe ich dann zur Beete getan und dann nach Gefühl Leinsamen und Haferflocken reingepackt, damit die Flüssigkeit gut aufgesogen wird. Kurz in den Kühlschrank mit der Masse und dann Patties formen. Bei mir kamen etwa zwölf Stück dabei raus, aber ich habe sie wegen der Stabilität auch recht klein gemacht. Wei ich die Dinger etwas vorgaren wollte, kamen sie zehn Minuten in den Backhofen (200 Grad) – und dann direkt auf den Grill. Für den Burger brauchte ich jeweils zwei, die restlichen Patties habe ich eingefroren. Ach ja, als Gemüse gab es dazu dünne Kohlrabi-Schreiben, die ich etwas mit Öl und Gewürzen mariniert und dann ebenfalls mit dem Skotti gegrillt habe. Was soll ich sagen: Es war köstlich!

Fürs Grillen muss Skotti nicht lange vorgeheizt werden, er kommt schnell auf Betriebstemperatur. Eine Piezozündung fehlt, gestartet wird das Ding mit einem Feuerzeug. Minimalismus ist eben auch hier trumpf. Aber so kann auch weniger kaputt gehen. Ich hätte mir einen Deckel gewünscht, weil ich das inzwischen sehr zu schätzen gelernt habe. Aber wie mir Christian, der Erfinder von Skotti im Interview für Folge 30 verriet, wird dieser demnächst verfügbar sein. Und der Vater von Skotti erzählt noch mehr, zum Beispiel woher der Name kommt, wie lange es dauert, bis ein Grill genehmigt wird und wie er überhaupt auf die verrückte Idee gekommen, einen weiteren Grill herzustellen.

Skotti-Erfinder Christian zeigt, wie schnell der Grill aufzubauen und einsatzbereit ist

Der Skotti-Grill kostet 159 Euro. Sicher kein ganz günstiger Spaß. Aber mich hat vor allem überzeugt, dass der Grill nach Gebrauch schnell auseinandergenommen werden kann. Zum Reinigen einfach die Teile in die Spülmaschine oder mit dem Stahlschwamm bearbeiten – Skotti mag hart rangenommen werden. Und dann kommen die Teile wieder in die Tasche und nehmen so kaum Platz weg. Und wenn ich das nächste Mal mit dem Rad an den Strand fahre, passt Skotti auch in den Rucksack. Und ich brauch nicht einmal eine zusätzliche Halterung dafür.

Website von Skotti: https://skotti-grill.eu

Canpermen
#30: Grill mit System und Stimme aus dem Jenseits
Canpermen#30: Grill mit System und Stimme aus dem Jenseits

Game Of Thrones – Die Trockentoilette Miniloo von Kildwick

Ich fahre gerade auf den weichen Sand von St.Peter Ording und suche mir meinen Platz. Der erste Block verrät sofort, dass ich um 9:00 Uhr etwas zu spät am Strand ankomme, um einen der begehrten Plätze in erster Reihe zu ergattern. Kurzerhand entscheide ich mich für die kleine Sanddüne inmitten des Strandparkplatzes und stoppe meinen Bulli als ich meinen Sohn höre:„Papa, ich muss auf Klo, ganz dringend!“ Routiniert frage ich: „Groß oder klein?“ „Beides!!!“ ertönt es etwas gequält. 

Früher wäre der schnelle Marsch zu den 400 Meter entfernten Toiletten eine Mischung aus „Du-machst-dir-nicht-in-die-Hose-Coaching“ und „Was-passiert-wenn-doch-Gedanken“. Aber nicht diesmal, ich öffne lässig den Deckel der Miniloo von Kildwick, setze meinen Kleinen auf Holzbrille auf dem noch unbehandelten Birkenkolzkasten und höre nur das Vertraute „Machst du die (Schiebe)Tür zu.“

Gamechanger!

Warum die Miniloo von Kildwick mich komplett überzeugt hat, ihr nicht mehr als einen Hammer, ein Handy und rudimentäre IKEA-Skillz benötigt und Christiane und Alex (die Macher von Kildwick) Nachhaltigkeit konsequent zuende gedachte haben, besprechen wir im Interview mit den Zwei in unserem Campermen Podcast #29

Kildwick – Wie alles begann

Kildwick wurde 2016 von Colin Ives und seiner Frau im gleichnamigen Ort nordöstlich von Leeds in England gegründet. Colin hat das Unternehmen bewusst so genannt, da Thetford, ein anderer Hersteller von Camping-Toiletten, ihr Unternehmen ebenfalls nach dem Ortsnamen benannt haben. Englischer Humor halt 😉

Zeitgleich tüftelten in Leipzig Christiane und Alex an einem Prototypen für eine „trockene“ Festivaltoilette. Aus verschiedenen Gründen ist Festivalklo nie zur zur Serienreife gelangt. 

2019 meldete Kildwick dann nach der Trennung der zwei Gründer Insolvenz an. Zur gleichen Zeit haben Christian ein Alex angefangen ihren MB 814, der liebevoll Schrotti genannt wird, zum Wohnmobil auszubauen. Und das Thema Trockentoilette wurde wieder aktuell. Die Suche nach einer passenden Lösung brachte die zwei auf das zum Verkauf stehenden Kildwick. Die beiden Entwickler fanden nicht alles gut, was Kildwick bisher entwickelt hatte , sahen aber soviel Potential, dass Sie zuschlugen.

Im April 2019 find das neue Kildwick-Team an die komplette Produktion auf maximale Umweltfreundlichkeit umzustellen. Dabei wurde bevorzugt mit Unternehmen aus der Region und Deutschland zusammen gearbeitet. Am 22.07.2019 ging dann der Onlineshop an den Start. Mit ihrer neuen Interpretation von Kildwick hat das Paar dann Colin England besucht. Eigentlich hatte er mit dem Thema Trockentoilette emotional abgeschlossen, bis er „die neue Kildwick“ in der Hand hatte. Seitdem ist Colin wieder part of the family und leitet nun das UK-Office. 

Fotos: Henning Pommée

Die Miniloo von Kildwick kostet 399 Euro

www.kildwick.com

Take Me to the Lakes

Wie findet man heraus, welcher See einen Ausflug wirklich wert ist? Wo hat man den schönsten Blick ins Grüne? Wo ist das Wasser am klarsten? Welcher Strand gefällt der ganzen Familie? Und wohin sollte man sich treiben lassen, wenn man eine Auszeit von der Großstadt braucht? Das sind nur einige Fragen, sich die Macher von „Take Me to the Lakes“ gestellt haben. Das Ergebnis kann sich sehen und lesen lassen – unser Lesetipp für den Sommer am See.

Mit Handtüchern und Sonnencreme im Gepäck haben sich Karolina Rosina und Nils Kraiczy die vergangenen Sommer an den schönsten Seen um Hamburg, Berlin, München und in NRW verbracht. Nach unzähligen Sandstränden, Wiesen, Stegen und Sonnenuntergängen verraten sie uns nun in ihren TMTTL-Büchern, wo ihre Lieblingsorte sind.

© Anthony Georgis

Ausgewählt wurden sie anhand der Wasserqualität, der einzigartigen Badeplätze und der unberührten Natur, die sie umgibt. Take Me to the Lakes lädt dazu ein Badestellen nördlich, südlich, östlich und westlich des Stadtzentrums zu entdecken.

Der Verlag

The Gentle Temper ist ein unabhängiger Berliner Verlag mit Fokus auf Design, Reisen und Kultur, der 2016 von Karoline Rosina und Nils Kraiczy gegründet wurde. Das Duo konzentriert sich in seinen Veröffentlichungen auf das Ziel, die Beziehungen zwischen Mensch, Natur und den Dingen, die uns täglich umgeben, ästhetisch an-sprechend und kulturell wertvoll zu gestalten.

Fotos: The Gentle Temper, Henning Pommée

Take Me to the Lakes kostet 19,90 Euro

www.takemetothelakes.com

Hängematten-Test: Willkommen im Häng-Schwingerclub!

Wie ihr ja wisst, fahre ich am liebsten mit leichtem Gepäck oder, anders gesagt, mit gut verstaubarem Gepäck. Ein Bulli bietet eben nicht so viel Platz und jeder Zentimeter will sinnvoll gefüllt werden. Ok, das klappt nicht immer aber die Hängematte von Häng hat einen Stammplatz in meinem Auto verdient. 

Der kleine, leichte Sack mit dem großen Häng-Logo kommt unscheinbar daher und das zweifarbige Tuch lässt schon die Farben der Hängematte erahnen – Blau, Hellblau. Im Sack befindet sich alles, was ich zum Abhängen brauche: Zwei Gurte, die Hängematte aus Ballonseide mit Karabinern an jedem Ende, um die Matte in die Gurte einzuhängen. So gut so einfach denke ich, aber welchen Baum muss ich jetzt suchen, wie weit soll das alles auseinander stehen und vor allem, brauche ich Äste oder Gabelungen am Stamm des Baumes, um die Matte sicher aufzuhängen? Um es kurz zu machen: ihr braucht zwei Haltepunkte und einen schönen Ort, den Rest macht die Häng 😉

Zuerst fädelt ihr den Gurt durch die Schlaufe am Ende und zieht ihn fest um den Baum. Ich hin an einer Tanne, deren Rinde guten Widerstand gegen das abrutschen bot. Das gleiche macht ihr an einem anderen Baum und dann hängt ihr die Karabiner in eine der zahlreichen Schlaufen am Gurt ein. Fertig. Anfangs hatte ich etwas Sorge, dass der leichte Stoff nicht hält, aber keine sorge. Dei Fallschirmseide ist doppellagig verarbeitet und die Liegefläche zudem schön groß und breit. 

Einmal eingestiegen wird die Verpackung zum Staufach und der Aufenthalt im Wald, am Strand oder wo auch immer zur genussvollen Hängeparty.

Wenn ihr erfahren wollt wie Tobi, einer der Gründer von Häng, auf die Idee gekommen ist Hängematten herzustellen, wie Hängen ohne Bäume geht (es geht!) und wie man richtig hängt, dann hört in unsere Podcastfolge! 

Fotos: Henning Pommée

Die getestete Hängematte kostet 89,90 Euro

www.we-hang.com

Lil‘ Buddy: Millennial trifft Bonanza-Rad

Okay, wir geben es zu, wir haben uns verknallt. Unser Objekt der Begierde hat den Shape eines 70er-Jahre-Models, zwei dicke Dinger und ordentlich Power. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir sprechen von unserem kleinen Kumpel, oder genauer vom Lil‘ Buddy, dem coolen E-Bike von Ruff-Cycles.

Wir sind ja immer auf der Suche nach sinnvollen Gadgets, mit dem das Camping-Glück noch größer wird. Wer uns kennt oder schon länger unseren Podcast hört, der weiß, dass wir ganz tief in uns drinnen noch Jungs sind. Und es stimmt, eigentlich müsste der Podcast Camperboys heissen. Es geht uns nicht immer nur um „Hauptsache praktisch“, die Dinge müssen uns auch Spaß bringen und cool aussehen – im besten Falle alles zusammen. Das nur zur Erklärung, wieso wir ein Fahrrad getestet haben, bei dem schon auf dem ersten Blick klar ist, dass hier Style vor Sinn steht. Aber für uns gehört das eben zusammen. Jeder weiß doch wie sehr es nervt, auf einem Campingplatz von seinem zugewiesenen Platz viele Meter zu den Waschräumen zu fahren oder Brötchen zu kaufen. Aber mit dem Lil‘ Buddy werden kleine und große Ausfahrten zu einem Erlebnis und zu einem großen Auftritt. Es gibt keinen, den der Anblick dieses kleinen Kumpels kalt lässt. Selbst wenn man ein bisschen schüchtern ist, lernt man garantiert Leute kennen. Naja, wenn man ehrlich ist, wollen sie eigentlich nur das Fahrrad kennenlernen.

Auch wenn Lil‘ Buddy ein wenig wie ein Besucher aus den USA aussieht: Das Rad stammt aus Regensburg. Dort hat Ruff-Cycles ihren Sitz, eine Fahrradschmiede, die schon mit ihren Beach-Cruisern weltweit für Furore gesorgt hat. Eine verlorene Wette brachte den Chef Pero Desnica dann dazu, ein E-Bike auf die Straße zu bringen. Aber – und das war ihm wichtig: Es sollte ein Spaßmobil für jung und alt werden und nur aus den besten am Markt verfügbaren Teilen bestehen. Und da der Markt nicht genügen Teile hatte, die seinen Ansprüchen genügten, hat er diese in seinem Unternehmen selbst entworfen und gebaut. Der Motor stammt von Bosch, die Schaltung wird ebenfalls eingekauft, fast alle anderen Teile werden in den eigenen Werkstätten hergestellt und lackiert.

Der Preis des Rades geht bei 2.500 Euro los, wer mehr Ausstattung und Leistung will, muss auch mehr Kohle hinlegen. Das mag teuer klingen – bis man weiß, wie das Rad entsteht. Es ist ein deutsches Produkt, welches in Europa hergestellt wird. Man sieht und spürt die hohe Verarbeitungsqualität. Jedes Rad wird in Handarbeit zusammengesetzt und – je nach Kundenwunsch – mit Extras ausgestattet. Die günstigste Version kommt fast nackt zum Kunden, Licht und Schutzbleche können dazu bestellt werden. Beim Motor gibt es die Wahl zwischen zwei Varianten – was sich aber nicht auf die Geschwindigkeit auswirkt: In Deutschland sind maximal 25 km/h erlaubt. Die reichen aber für eine entspannte Tour durchs Viertel, am Strand, im Wald oder eben über den Campingplatz. Auf dem Bananensattel, der bewusst an den Sitz der alten Bonanza-Räder erinnert, haben selbst große Hintern genügend Platz. Eigentlich fehlen nur ein Fuchsschwanz und ein paar Spielkarten in den Speichen – und schon ist die Zeitreise perfekt. Für 1.200 Euro gibt es das Rad auch ohne Motor und Akku – aber wo bleibt denn da der Spaß?

Mit einer vollen Akku-Ladung kommt man im Turbo-Modus auf eine Reichweite von rund 50 Kilometern. Vier Modi stehen zur Verfügung, mit denen locker auch mal 130 Kilometer gefahren werden können. Aber jetzt mal ehrlich: Wer auf dem Ding sitzt, will volle Power. Dann muss man halt öfter an die Stromtankstelle. Der Akku sitzt unter dem Sattel und wird mit einem Schloss gesichert. An der Steckdose dauert es dann etwa vier Stunden, bis die Batterie wieder voll ist.

Wir waren mit dem Lil‘ Buddy am Elbstrand und in Parks, fuhren durch die Stadt und verbrachten damit ein paar Tage am Strand von St. Peter-Ording. Ganz egal, auf welchem Gelände wir fuhren: Das Bike brachte uns sanft und sicher überall hin, ganz entspannt und ohne große Anstrengung. Doch auch für den sportlichen Kick bringt Lil‘ Buddy genügend Power mit: Bei einer kleinen Downhill-Fahrt steigt der Puls, die Konzentration steht auf Anschlag, der Fun strömt aus jeder Pore. Ein Tipp: Wer mit dem Rad unterwegs ist, sollte eine Pumpe dabei haben. Denn auf unwegsamen Gelände oder am Strand empfiehlt es sich, den Reifendruck zu reduzieren, um so eine bessere Federung zu bekommen – sonst fühlt man jeden Huckel. Auf der Straße darfs es dann wieder ein bisschen mehr Luft sein.

Und ist das Rad nun praktisch? Gegenfrage: Braucht man in der Stadt SUVs? Darum geht es nun wirklich nicht. Wir sind der Meinung: Das Bike macht Spaß – und darauf kommt es doch am Ende an. Es ist eigentlich einen Tick zu schwer für einen mobilen Mitfahrer, dafür bietet es dann vor Ort viel mehr, als es jedes „normale“ Rad je könnte. Und wenn es nur nette Gespräche mit den Stellplatznachbarn sind. Ganz klar: Wir haben mit dem coolen Rad einen kleinen Kumpel fürs Leben gefunden. Auch wenn wir den Lil‘ Buddy nach dem Test wieder zurück nach Regensburg schicken, werden wir ihn immer in guter Erinnerung behalten. Im Podcast stellen wir nicht nur das Rad noch einmal vor und erzählen von unseren Erlebnissen mit dem Lil‘ Buddy. Wir sprechen auch mit Pero über die Geschichte hinterm dem Bike, über seine Firma Ruff-Cycles, aber auch über seine eigenen Outdoor-Touren durch Nordafrika.

Fotos: Henning Pommée

Website von Ruff-Cycles: https://www.ruff-cycles.com
Lil‘ Buddy Infos, Preise und Konfigurationen: https://www.ruff-cycles.com/ruff-cycles-ebikes/lil-buddy-bosch-ebike-pedelec.html

Küchenhelfer: Faltschüssel von Ortlieb

DEs ist schwer, in einem Bus die wichtigen Accessoires von den überflüssigen zu trennen. Schnell kommen Liebhaberstücke in das kleine Zuhause, die nicht praktisch sind oder gar kostbaren Raum „verschwenden“. Das Fängt beim Abspülen an. Gestartet bin ich mit einer Art Mülleimer aus hartem Plastik. Der Kasten stand immer im Weg. Lewis sich schlecht tragen und wenn das saubereGeschirr eingeräumt war versuchte ich den Stauraum im Inneren des Plastikkastens sinnvoll zu füllen. Vor meinem letzten Trip habe ich mich für eine Faltschlüssel von Ortlieb entscheiden. Und was soll ich sagen: der Plastiksack ist super praktisch, sehr durabel und vielseitig einsetzbar. 

Zum Wäschewaschen. Die Spülbecken sind oft ohne Stöpsel oder, wenn ihr zeltet, habt ihr vielleicht gar keinen Zugang zu einem Spülbecken. Die Schüssel eignet sich hervorragend zum Wäschewaschen, und ihr könnt sie zusammen mit der darin befindlichen Wäsche zusammenfalten, um überschüssiges Wasser herauszudrücken.

Sammelt Wasser zum Filtern. Wir sammeln eine große Menge Wasser in der Schüssel, um es in unsere Flaschen zu filtern, wenn wir an Orten sind, an denen wir dem Wasser nicht trauen können.

Beim Duschen. Benutzt die Schüssel, um alles, was ihr zum Duschen braucht, zwischen den Badezimmern und dem Bus hin und her zu tragen. Wenn ihr wild zeltet, könnt ihr die Schüssel auch dazu benutzen, Wasser aus einem Bach oder Fluss für eine Eimerdusche aufzufangen. Und wenn ihr zu zweit seid, könnt ihr euch gleich gegenseitig das Wasser aus der Faltschüssel über den Kopf giessen. 

Geschirr spülen. Werft alles mit ein wenig Spülmittel (mein Tipp: Biologisch abbaubar) in die Faltschale, und ihr habt ein Sofortwaschbecken oder benutzt das Teil einfach, um alles zum Waschplatz zu tragen.

Lebensmittel reinigen. Ihr könnt große Mengen Gemüse zum Waschen in die Schüssel werfen. Ich verwende unsere viel für Salatblätter, die zu sperrig sind, um sie in unseren Töpfen zu reinigen. Ihr könnt die Schüssel auch als zusätzliche Servierschüssel (eher bei den kleinen sinnvoll) verwenden. Anrichten und würzen von Salaten geht direkt in der Schüssel. Achtet nur darauf, dass die gesamte Seife aus der Wäscherei gut ausgewaschen ist 😉

Babypool: Für Neugeborene kann das große Modell (50 Liter) durchaus als Badewanne für den frischgeschlüpften Nachwuchs dienen. Aber immer schön dabei bleiben. 

Die praktische Spüle (oder was immer ihr daraus macht) gibt es in den Größen 10, 20 und 50 Liter. Ich habe mich für die 20 Liter Version entscheiden, um auch einen Topf und einfach alles transportieren zu können. Das Packmaß unterscheidet sich im zusammengefalteten Zustand bei den zwei Kleinen nur unwesentlich. 

Fotos: Henning Pommée

www.ortlieb.com

Das Nicht-Smartphone MP02

Wenn ich unterwegs bin, möchte ich zwar einerseits mit der hinter mir liegenden Welt verbunden bleiben, andererseits möchte ich nicht die ganze Zeit von digitalen Dingen abgelenkt werden. Allerdings gelingt mir das mit meinem Smartphone häufig nicht: Da möchte ich einfach nur mal schnell die Mail checken – und plötzlich habe ich mich dann doch wieder viel zu lange bei Facebook/Instagram/Twitter/undsoweiterundsofort verirrt. Die Selbstkontrolle ist eine Bitch.

Das Buch „Digital Minimalism“ von Cal Newport hat mir die unbequeme Wahrheit vor Augen geführt: Es ist eine Sucht. Aber vor allem im Wohnmobil habe ich gar keine Lust dazu, per Handy dauernd ins Leben anderer Leute, in deren Gedanken und Aktivitäten einzutauchen. Und wenn ich mich nicht selbst beherrschen kann, brauche ich Hilfe, im besten Fall eine technische. Ein anderes Handy muss her, damit das Smartphone während des Wohnmobil-Trips die meiste Zeit im Schrank liegen bleiben kann. Trommelwirbel, Auftritt MP02 von Punkt.

Diese Schweizer wieder. Von Design und Präzision verstehen sie was. Das MP02 fühlt sich fantastisch an, die Rückseite hat einen Buckel, der sich perfekt in die gewölbte Hand schmiegt. Die Vorderseite hätte genauso gut von Dieter Rams gestaltet sein können: Große Tasten, cleaner Look – wer alte Taschenrechner oder moderne Macs nutzt, fühlt sich gleich Zuhause. Aufgeladen wird es per USB-C, darüber hinaus funkt es im LTE-Netz. Letzteres klingt erst einmal sinnlos bei einem Telefon ohne Internet-Browser und App-Store. Aber für mich war das schnelle Netz ein Hauptgrund dafür, das MP02 mitzunehmen. Na gut, neben dem genialen Design.

Wenn ich einmal ins Internet muss, um berufliche Mails zu bearbeiten oder irgendwelche Daten herunterzuladen, kann ich mit dem Mobiltelefon einen Hotspot einrichten und so per WLAN surfen. Das klingt erst einmal nicht besonders, da dies inzwischen jedes Smartphone kann. Aber normale Tastentelefone können das nur selten – und wenn doch, dann kauft man sich diese Funktion häufig mit Verbindungsproblemen ein. Die Leitung mit dem MP02 ist stabil.

Und was kann das Telefon sonst so? Telefonieren, SMS senden und empfangen und einen Wecker hat es auch noch. Es war schon eine Umgewöhnung, wie früher eine Kurznachricht mit den Tasten zu schreiben. Aber dafür halte ich mich bei meinen Antworten jetzt sehr kurz. Anfangs vermisste ich Messenger wie Whatsapp, aber dann genoss ich es, nicht immer auf jedem Kanal sofort erreichbar zu sein. Wenn ich unterwegs bin, versuche ich jetzt höchstens einmal am Tag das Smartphone anzuschalten. Das klappt noch nicht immer, aber immer öfter.

Mir fehlen aber auch ein, zwei Dinge. Ich hätte gerne einen Musikplayer an Bord, um darüber meine Musik abzuspielen. Spotify wäre fein, eine Kamera ein netter Bonus. Halt, wenn ich jetzt weiter aufzähle, kann ich auch gleich wieder zum Smartphone greifen. Für die Musik habe ich einen alten iPod rausgekramt und ihn mit Songs für den Roadtrip gefüllt. Fotos mache ich mit meiner großen Kamera – oder ich verzichte einfach mal, ständig alles zu fotografieren, da ich die meisten Bilder eh nie wieder anschaue.

Mir gefällt das MP02 sehr gut. Allerdings ist der Preis mit 329,– Euro zu hoch für ein Stück Technik, was eigentlich kaum etwas kann. Oder ich muss es anders betrachten: Wenn ich eine teure Uhr tragen, kann die auch nicht viel mehr, als die Zeit anzuzeigen. Und beschwere ich mich da über den Preis? Nein, eben. Design und Style darf man nicht nach den Funktionen bewerten, sondern ganz schlicht danach, ob es in den eigenen Lifestyle passt. Und dieses dumme Ding passt – als Zweithandy – einfach perfekt in meinen..

Biobecher von Kupilka

Die klobigen Becher der Firma Kupilka erinnern etwas an ein Gelage bei dem der Met in strömen fliest. Mit Mittelalter haben sie aber nichts zu tun, vielmehr mit der Definition von Ergonomie made in Finnland. Und da uns die Nordvölker schon lange vormachen wie Nachhaltigkeit geht, sind die Produkte aus einem Biomaterial hergestellt. Die besondere Textur erhalten sie dank eines Naturfaser-Verbundmaterials, das zu 50% aus Holzfasern und 50% aus Plastikmaterial (Polypropen) zusammengesetzt ist.

Begonnen hat die Geschichte im Jahr 2003 als die Kubik 21 in Serie ging. Bis auf das Kupilka Besteck, wurden alle Produkte in Kooperation mit dem finnischen Industriedesigner Heikki Koivurova entwickelt. Das KUPILKA Besteck wurde von Kari Kuisma gestaltet.

KUPILKA bedeutet „kleine Tasse“ und ist abgeleitet von, „Kuppi“, dem finnischen Wort für Tasse. Ihren Ursprung hat die Tasse zur Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als sich finnische Frauen und Männer während der harten Winter beim Trinken mit der „Kupilka“ die Hände aufgewärmt haben.

Die kleinen Tassen und das Besteck findet ihr bei Kupilka (https://kupilka.fi/de)

Und wie Kupilka richtig ausgesprochen wird, erfahrt ihr hier.