JBL Bandbox Solo: Die Box, die dich zur Band macht

Ich war mal Sänger. In einer echten Band, mit echtem Schlagzeuger, echtem Gitarristen, dem ganzen Chaos. Dann zog der Gitarrist nach Schweden, und der Rest verlief sich im Sand. So stirbt Rockmusik. Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Umzugswagen Richtung Stockholm.

Seitdem singe ich alleine. Was bedeutet: Ich singe gegen eine Stille, die bewertet. Kein Schlagzeug trägt einen, keine Gitarre fängt einen auf. Wer schon mal versucht hat, sich selbst zu einer Aufnahme vorzustellen, in der man eigentlich fehlt, weiß: Es klingt ungefähr so inspirierend wie das Probe-Sitzen auf einem IKEA-Sofa.

Dann kam die JBL BandBox Solo auf meinen Schreibtisch. Und ich will ehrlich sein: Ich habe sie erst nicht ernst genommen. Sie ist 15 Zentimeter breit, 8,7 Zentimeter hoch, 5,5 Zentimeter tief und wiegt 530 Gramm. Das ist kleiner als mein Wörterbuch und leichter als meine Erwartungen.

Was sie kann, klingt absurd. Ist es aber nicht.

© JBL
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Das Prinzip ist so simpel wie irritierend clever: Man streamt einen Song per Bluetooth, steckt Gitarre oder Mikrofon an, und dann erledigt die sogenannte Stem AI den Rest. Sie trennt in Echtzeit Gitarre, Gesang und Schlagzeug aus dem Mix. Man blendet die Spur aus, die man selbst übernehmen will, und spielt. Einfach so. Der Original-Sänger macht Pause, man selbst übernimmt.

Das klingt nach einem dieser Gadget-Versprechen, die im Video toll aussehen und in der Realität nach zwanzig Sekunden enttäuschen. Tat es nicht. Die KI-Trennung funktioniert sauber, bei vernünftig produzierter Musik überraschend präzise. Natürlich ist sie kein Wunder: Bei Lo-Fi-Produktionen aus den Siebzigern mit allem auf einer Spur wird es unscharf. Aber das weiß man auch, bevor man anfängt.

18 Watt RMS liefert die Box, ein 2,25-Zoll-Fullrange-Treiber mit einem Frequenzgang von 73 Hz bis 20 kHz. Das ist kein Profi-Monitor und soll keiner sein. Für eine Übungssession im Wohnzimmer reicht der Klang, mit Kopfhörern klingt es sogar richtig gut. Praktisch, denn der Nachbar schläft manchmal schon.

Gitarrenverstärker aus der Westentasche

© JBL

Neben der KI-Stem-Trennung hat die BandBox Solo klassische Verstärkermodelle an Bord. Vintage-Crunch, modernen Clean-Sound, Phaser, Chorus, Tremolo, Reverb. Das ist kein vollständiges Pedalboard, aber es ist auch kein Witz. Wer schon mal eine Gitarre direkt in einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher gesteckt hat und gehofft hat, dass irgendetwas Anständiges rauskommt, weiß: Der Unterschied ist enorm.

Über die JBL One App lässt sich alles steuern, Lautstärke, EQ, Tonhöhe, Verstärkermodell. Die App funktioniert stabil, was bei Hersteller-Apps nicht selbstverständlich ist. Wer den Song gerne einen Halbton tiefer hätte: Tonhöhe verschieben, fertig.

Der LED-Pixelbildschirm an der Front ist eine echte Freude, klein, aber gut lesbar, zeigt Tuner, Metronom, aktuellen Effekt. Und er dimmt sich automatisch, wenn man spielt. Wer ihm das beigebracht hat, hat verstanden, was Musiker brauchen.

Mein Freund Jens. Dänemark. E-Drum.

Ich habe die Box meinem Freund Jens mitgegeben. Jens war der Schlagzeuger unserer Band, der einzige, zu dem der Kontakt gehalten hat. Musik machen wir schon lange nicht mehr zusammen, aber er ist noch immer der Typ, der ein E-Drum mit in den Dänemark-Urlaub nimmt. Was bereits eine eigene Geschichte wäre.

Er hat das E-Drum angeschlossen, seine Lieblings-Tracks gestreamt, die Schlagzeug-Spur per KI ausgeblendet und einfach mitgespielt. Seine Rückmeldung war kurz: Es hat geklappt. Für Jens, der Musiker ist und kein Lobbyist, ist das die höchste Auszeichnung.

Was fehlt. Was nervt.

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Kein Ladegerät im Lieferumfang. Für ein Gerät dieser Preisklasse eine merkwürdige Entscheidung. 249 Euro sind nicht wenig für eine Box dieser Größe, und dann fehlt das Netzteil. Man braucht ein USB-C-Ladegerät mit 5 Volt und 3 Ampere, was man zwar in fast jedem Haushalt findet, aber trotzdem.

Die Akkulaufzeit liegt bei bis zu 6 Stunden. Das ist solide für eine Session, für einen ganzen Urlaubstag auf der Terrasse mit Jens‘ Schlagzeugausdauer nicht ganz ausreichend. Per USB-C in rund dreieinhalb Stunden wieder voll, auch das geht.

Für wen ist das hier?

Für alle, deren Band irgendwann aus logistischen oder schwedischen Gründen aufgehört hat zu existieren. Für Sänger, die die Leadstimme rausnehmen und selbst ran wollen. Für Gitarristen, die Licks lernen wollen, ohne die Hälfte des Songs wegzudenken. Für Schlagzeuger auf Reisen mit E-Drum und dänischen Ambitionen.

Und ganz besonders für alle, die mit dem Van irgendwo stehen, wo es keinen Strom gibt und die Nachbarn hundert Meter entfernt zelten. Die BandBox Solo läuft sechs Stunden auf Akku, passt in jeden Rucksack und macht mit Kopfhörern keinen Laut nach außen. Wer abends am Campingplatz nicht der werden will, über den alle reden, spielt einfach leise weiter. Die Box macht das möglich, ohne dass man auf irgendetwas verzichten muss.

Die JBL BandBox Solo kostet 249 Euro, wiegt 530 Gramm und ist die ehrlichste Antwort auf die Frage, wie man alleine spielt, ohne sich allein zu fühlen. Wer damit auf der Terrasse sitzt und seine Lieblingssongs mitsingt, füllt die Lücke nicht. Aber er macht sie kleiner.