Urlaub in Sri Lanka, Langlauf in Österreich und Abenteuer mit dem Fäkal-Taxi
Und plötzlich ist er da, der Herbst – inklusive Zeitumstellung und früher Dunkelheit. Gut, wenn man den Kopf noch voller Urlaubserinnerungen hat. Nadine zum Beispiel. Sie war mit Mann und Kind in Sri Lanka und hat so viele schöne Bilder im Kopf, dass aus den geplanten fünfminütigen Reisebericht fast eine ganze Folge wurde.
Aber nur fast, denn dann hätte Henning nicht von seinem – buchstäblich – coolen Trip nach Ramsau nichts berichten können. Er war am Dachstein im Schnee. Aber nicht für alpine Abfahrten, es zog ihn vielmehr auf die Langlauf-Loipe. Das ist toll, besonders wenn das drumherum stimmt. Aber es ist auch ganz schön anstrengend.
Nichts für Gerd, der auf seiner letzten Reise eher der faule Camper war. Er hatte einen E-Scooter von Segway dabei, den Ninebot Max G3. Früher hätte er so einen Roller eher als Fäkal-Taxi verunglimpft. Hat er seine Meinung geändert? Das hört ihr in der Folge. Den Fahrbericht könnt ihr auf Campermen lesen.
Der Weg zum Waschhaus ist normalerweise keine Expedition. In Ontario brauchte ich dafür abends trotzdem eine Lampe. Auf einigen Campingplätzen war es so dunkel, dass selbst die paar Meter vom Camper zu den Sanitäranlagen ohne eigenes Licht schwierig geworden wären. Die Stirnlampe gehörte entsprechend oft zu meiner Abendgarderobe.
Auf unseren Reisen durch Tirol, Südtirol und Kanada haben wir einiges an Ausrüstung ausprobiert. Wanderstöcke mussten auf Bergwegen und Waldboden Halt geben, Schuhe einen ganzen Tag bequem bleiben. Bei der Kleidung freute ich mich über Teile, die nach einer Tour auch noch ins Restaurant passten. Und im Van halfen ein paar ziemlich praktische Behälter dabei, Schuhe, Campingmöbel und Einkäufe unterzubringen. Hier sind 15 Produkte, die uns unterwegs begleitet haben.
Mammut Aenergy Trail All Mountain Low Men: Bequeme Schuhe für lange Tage
Bei diesen Schuhen hat sich für mich eine Nummer größer als üblich bewährt. So saßen die Aenergy ausgesprochen bequem, auch nach einem ganzen Tag auf den Beinen. Ich war damit in den Alpen und in Kanada unterwegs, bin mehrere Kilometer auf unterschiedlichen Untergründen gewandert und habe sie auch beim Radfahren getragen. Meine Füße haben sich abends nicht beschwert.
Die Belüftung funktionierte gut, die Geruchsentwicklung blieb gering. Auf unebenen Wegen fand das Profil zuverlässig Halt, ich fühlte mich im Schuh sicher. Nach einem Tritt in eine Pfütze trockneten die Schuhe schnell wieder. Viel Regen hatten wir allerdings nicht. Dazu kommt die schlichte Optik, mit der ich auch abseits des Wanderwegs etwas anfangen kann. Für meine Touren eine sehr angenehme Wahl. Die passende Größe würde ich vor dem Kauf unbedingt anprobieren.
Fakten Atmungsaktives Polyester-Obermaterial mit umlaufendem TPU-Schutzrand; Mammut CORE Plus-Zwischensohle; 8 mm Sprengung.
Mammut Runbold IV Pants Men: Wandern und anschließend ins Restaurant
Meine Runbold ist schwarz. Natürlich. Das Logo fällt kaum auf, und auf den ersten Blick sieht die Hose erfreulich wenig nach Wanderausrüstung aus. Ich konnte sie nach der Tour auch im Restaurant tragen, ohne mich umziehen zu müssen. In den Alpen und in Kanada war sie entsprechend häufig im Einsatz.
Der leichte Stoff trägt sich angenehm, die Beinlänge passte perfekt und hätte auch mit hohen Wanderstiefeln funktioniert. Bei großen Schritten hatte ich genug Bewegungsfreiheit, im Schritt rieb nichts unangenehm. Die Beine lassen sich am Knie nicht abnehmen. Wer auf der Tour von einer langen zu einer kurzen Hose wechseln möchte, braucht also ein anderes Modell. Bei Wärme ließ sich die Runbold dank des leichten Materials trotzdem gut tragen. Eine Wanderhose, die ihren Zweck erfüllt und dabei unauffällig bleibt.
Fakten 85 % recyceltes Polyamid, 15 % Elastan; 4-Wege-Stretch; vier Reißverschlusstaschen; Herstellergewicht 268 g.
Black Diamond Sequence Pants: Fast wie eine Jogginghose
Der Gummibund mit seinem Bändchen erinnert mich an eine Jogginghose. Das ist als Kompliment gemeint. Die Sequence sitzt weit und ausgesprochen bequem, bei mir dürfte sie allerdings einen Tick länger sein. Mit Stiefeln ließ sich das gut auffangen, zu meinen niedrigen Wanderschuhen passte sie ebenfalls.
In Kanada habe ich sie bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten getragen, auch in der Stadt. Ich fühlte mich darin wohl und immer richtig angezogen. Mein schwarzes Exemplar wirkte dabei eher etwas bläulich. Die Mammut Runbold empfinde ich stärker als Wanderhose, die Sequence fast als Freizeithose. Wer eine bequeme Hose für die Reise sucht, mit der er auch wandern kann, sollte sie sich ansehen. Vor allem größere Menschen sollten bei der Anprobe auf die Beinlänge achten.
Fakten Polyester-Ripstop mit wasserabweisender Ausrüstung; elastischer Bund; gerades Bein; Herstellergewicht 290 g.
Mammut Base T-Shirt Women Mini Logo: Ein gutes schlichtes Shirt
Es gibt Produkte, über die man erfreulich wenig sagen muss. Diese T-Shirts gehören dazu. Meine Frau hat sie in den Alpen getragen, eines außerdem beim Sport in Lüneburg. Die Qualität gefiel uns, die Shirts passen gut und sind etwas weiter geschnitten. Die schlichte Gestaltung macht sie unkompliziert kombinierbar.
Unter einer weiteren Schicht funktionieren sie als bequeme Grundlage fürs Zwiebelprinzip. Mammut verwendet dafür reine Bio-Baumwolle. Wer ein schlichtes Shirt für leichte Wanderungen, die Reise und den Alltag sucht, bekommt hier genau das. Große Funktionsversprechen braucht es dafür nicht.
Fakten 100 % Bio-Baumwolle; Regular Fit; Rundhalsausschnitt; Herstellergewicht 173 g.
Preis 28 Euro im Outlet, regulär 40 Euro · Zum Hersteller
Black Diamond Diverge Full Zip Hoody: Die Jacke für fast jeden Tag
In Kanada habe ich den Diverge fast täglich getragen. Beim Wandern und vor dem Camper, aber auch im Heli, auf der Fähre und an der Zipline. Manchmal reichte ein T-Shirt darunter, manchmal kam noch eine dünne Jacke darüber. Der Fleece passt mir perfekt, sein weicher Stoff fühlt sich ausgesprochen angenehm an. Er ist vergleichsweise dünn, trotzdem hatte ich immer das Gefühl, ordentlich angezogen zu sein.
Der Hoody wärmte mich und hielt unterwegs auch Wind ausreichend ab. Die Daumenöffnungen an den Ärmeln gefallen mir, ebenso die kleine Brusttasche, in der mein Smartphone Platz fand. Auf einer Bootstour habe ich die Kapuze zu schätzen gelernt. Diese Jacke würde ich ohne großes Überlegen wieder einpacken.
Fakten Fleece aus recyceltem Polyester; Kapuze und Daumenöffnungen; Brusttasche und zwei Einschubtaschen mit Reißverschluss; Herstellergewicht 452 g.
Beim Rest meiner Kleidung mag ich es meist monochrom. Bei Details wie Socken und Mützen darf Farbe ins Spiel kommen. Die rote Snow Beanie passt dazu: Sie sitzt gut, trägt sich bequem und sieht gut aus. Mehr muss eine Mütze manchmal gar nicht leisten.
Ich habe sie in den Alpen und in Kanada getragen, aber auch in der Stadt und auf einer Veranstaltung. Eine rote Mütze hat schließlich einen gewissen Wiedererkennungswert. Selbst bei Wärme fand ich sie angenehm. Dazu muss man allerdings wissen, dass ich auch im Sommer gern Mützen trage. Das ist eine persönliche Vorliebe und vermutlich keine Empfehlung für jeden. Für mich stimmen hier Sitz, Optik und Preis.
Black Diamond Midweight ScreenTap Liners: Ein bequemer erster Eindruck
Für einen ausgiebigen Handschuhtest war das Wetter in Kanada schlicht zu gut. Die Midweight ScreenTap Liners habe ich zweimal angezogen: beim Radfahren und an der Zipline. Bei beiden Einsätzen saßen sie bequem. Viel mehr kann ich aus dieser Reise noch nicht über sie berichten.
Interessant ist die vom Hersteller beschriebene leitfähige Oberfläche an Handflächen und Fingern, mit der sich Touchscreens bedienen lassen sollen. Wie zuverlässig das bei mir funktioniert und wo die Handschuhe bei längerer Kälte an ihre Grenzen kommen, habe ich nicht ausreichend ausprobiert. Deshalb bleibt es hier bei einem kurzen Praxiseindruck mit gutem Sitz.
Fakten 93 % recyceltes Polyester, 7 % Elastan; leitfähiges Material an Handflächen und Fingern; Größen XS bis XL; Herstellergewicht je nach Größe 42 bis 57 g.
Im Pitztal und rund um Lana hatten die Passport-Stöcke reichlich Gelegenheit, sich auf bergigen Wegen zu bewähren. Sie lassen sich sehr klein zusammenfalten und sind schnell wieder auseinandergezogen. Die Konstruktion wirkte stabil, auf dem Untergrund hatte ich guten Halt. Besonders praktisch finde ich, dass sich die Länge etwas verändern lässt. Meine bevorzugte Einstellung liegt ungefähr bei 118 Zentimetern.
In den Bergen nutzte ich die Metallspitzen, die dort bestens funktionierten. Für festen Untergrund liegen Gummikappen bei. Eine größere Auswahl an Aufsätzen hätte mir trotzdem gefallen. Vor dem Kauf sollte man prüfen, ob der Verstellbereich zur eigenen Nutzung passt. Günstig sind die Passport nicht. Wer auf ein kleines Packmaß Wert legt, bekommt dafür stabile Stöcke, die sich auf meinen Touren ausgesprochen nützlich gemacht haben.
Fakten DAC-Aluminiumlegierung; verstellbar von 109 bis 120 cm; Faltmaß 35 cm; Herstellergewicht 360 g pro Paar; Gummi-Spitzenabdeckungen inklusive.
Black Diamond x norda Distance Carbon Z FKT: Diese Handschlaufen gefallen mir besonders
Die Handhalterungen musste ich mir erst einmal genauer ansehen. Hat man verstanden, wie sie angezogen werden, ist das System großartig: Die Schlaufen verbinden sich magnetisch mit dem Stock und lassen sich auf Knopfdruck wieder lösen. Auf einer hügeligen Waldwanderung im Algonquin Park gefiel mir das ausgesprochen gut. Zum Aufbau zieht man die Segmente auseinander, bis sie einrasten und fest sitzen.
Gegenüber den Helinox wirken die Black Diamond noch leichter, und ihr Design gefällt mir besser. Auch beim mitgelieferten Zubehör für verschiedene Untergründe sind sie großzügiger ausgestattet. Beim Verstauen liegen für mich dagegen die Helinox mit ihrem kleineren Packmaß und den Klettverschlüssen vorn. Die Black Diamond haben außerdem eine feste Länge. Die muss vor dem Kauf passen. Mein Favorit an diesen Stöcken bleibt die Handschlaufe. Den höheren Preis gegenüber den Helinox finde ich dennoch etwas happig.
Fakten Carbon-Schäfte; magnetisch ankoppelbare Handschlaufen; feste Längen von 105 bis 130 cm; Herstellergewicht je nach Länge 294 bis 324 g pro Paar; Gummispitzen und Schneeteller inklusive.
Black Diamond Distance 15 Backpack: Viel Platz an den richtigen Stellen
Regenjacke, Kamera und ein paar Snacks: Auf unseren Ausflügen in Kanada passte in den Distance 15 alles hinein, was ich unterwegs dabeihaben wollte. Besonders gut gefällt mir, wie Black Diamond den verfügbaren Platz aufteilt. Die Wanderstöcke fanden ihre Halterung, kleine Wasserflaschen steckten in den Schulterriemen. Dort gab es sogar ein eigenes Täschchen für mein Smartphone.
Der Rucksack ist leicht und ließ sich bei meinen verschiedenen Einsätzen sehr angenehm tragen. Gerade die Aufteilung mit den zusätzlichen Fächern an den Schultergurten hat mich überzeugt. Für meine Ausflüge mit überschaubarem Gepäck war das eine ausgesprochen praktische Lösung.
Fakten 15 Liter Volumen; Herstellergewicht 330 g; Größen S bis L; Stockhalterung und zwei Flaschenfächer an den Schultergurten; Softflasks nicht enthalten.
Black Diamond Storm Plus: Licht für die dunklen Wege am Abend
Die Storm Plus habe ich in Ontario sehr häufig benutzt. Gerade auf den teilweise unbeleuchteten Wegen am Campingplatz war eine Lampe nötig. Die Kopflampe saß dabei ausgesprochen gut. An die Bedienung musste ich mich allerdings erst gewöhnen. Das Dimmen der Lichtstärke und die verschiedenen Lichtfarben waren zunächst ungewohnt, erwiesen sich dann aber als praktisch.
Besonders angenehm auf einer Camperreise: Ich konnte sie per USB-C an meiner Powerbank laden. Während der Reise musste ich das nur einmal zwischendurch tun. Für die vielen Wege im Dunkeln hat sich die Lampe bewährt. Nach der kurzen Eingewöhnung bei der Bedienung gehörte sie zu den Dingen, die ich gern griffbereit hatte.
Fakten Maximal 750 Lumen; Akku mit 2200 mAh; USB-C; weißes sowie rotes, grünes und blaues Licht; Schutzart IP67; Herstellergewicht 114 g.
Gregory Alpaca Camp Box 50: Ein fester Platz für die Schuhe
Die Camp Box wandert natürlich nicht mit auf den Berg. Auf unserer Alpentour hat sie sich trotzdem nützlich gemacht: Wir transportierten unsere Schuhe darin. Im Van hatten sie so ihren festen Platz. Und falls Schuhe nach einer Tour müffeln, gefällt mir eine geschlossene Kiste dafür deutlich besser als der offene Wohnraum.
Brauchten wir drinnen mehr Platz, stellten wir die Box einfach vor die Tür. Einmal blieb sie dabei auch im Regen draußen stehen. Der Inhalt war anschließend trocken. Praktisch ist der Deckel, der sich von beiden Seiten öffnen lässt. So kommt man an die Schuhe, ohne erst die ganze Kiste umdrehen zu müssen. Die stabile Bauweise passt zum Einsatz im Camper. Wer regelmäßig Ausrüstung im Wagen verstaut, kann mit so einer Box erstaunlich viel anfangen.
Fakten 50 Liter Volumen; Herstellergewicht 2,6 kg; Staub- und Wasserstrahlschutz nach IP65; transparenter, beidseitig zu öffnender und abnehmbarer Deckel.
Gregory Alpaca Gear Tote 30: Ich würde ihn Einkaufskorb nennen
Gear Tote klingt nach einer ziemlich speziellen Aufgabe. Einkaufskorb würde es für unseren Einsatz auch tun. Wir haben den Korb unterwegs für unsere Einkäufe benutzt. Der robuste Stoff und der stabile Rahmen machen dabei einen guten Eindruck, auch voll beladen ließ er sich ausgesprochen angenehm tragen.
Bei Nichtgebrauch kann man ihn flach zusammenlegen und in der mitgelieferten Schutztasche verstauen. Das ist im Camper willkommen, wo ein leerer Korb möglichst wenig Raum beanspruchen sollte. Auch für den Transport von Wäsche bietet er sich an. Ein unkomplizierter Helfer mit einem etwas aufwendigen Namen.
Gregory Alpaca Gear Basket 70: Ein Korb für fast die ganze Campingmöblierung
Zwei Helinox-Stühle, ein Tisch, das Zubehör für die Stühle und zusätzlich ein Schlafsack: Das alles habe ich im großen Gear Basket transportiert. Damit bekommt man eine recht konkrete Vorstellung davon, was in diesen Korb hineinpasst. Gerade für die Campingmöbel fand ich es praktisch, die einzelnen Teile gemeinsam unterzubringen.
Voll beladen ließ sich der Basket gut tragen, die Griffe gefielen mir besonders. Auch das Verstauen im Van funktionierte gut. Ist der Korb leer, lässt er sich flach zusammenlegen. Wer mit mehreren kompakten Campingmöbeln reist, bekommt damit eine praktische Möglichkeit, sie gemeinsam zu transportieren. Bei uns war er auf der Alpentour genau dafür im Einsatz.
Fakten 70 Liter Volumen; faltbarer Aluminiumrahmen mit integrierten Griffen; Aufbewahrungstasche inklusive; Herstellergewicht 1,18 kg.
Mammut Relax Down Bag 0C: Mein bisher liebster Schlafsack
Ich habe in meinem Leben viele Schlafsäcke benutzt. Keiner hat mir bisher so gut gefallen wie dieser. Der Stoff ist weich und richtig kuschelig, die Füllung wärmte mich gleichmäßig. In Größe L habe ich den Relax zuerst ein paar Nächte im Garten in Lüneburg ausprobiert. Bei ungefähr sieben Grad habe ich keinen Moment gefroren.
Nach Kanada kam er eigentlich mit, damit ich abends bei Bedarf eine bequeme Decke hatte. Am Ende habe ich auch im Camper darin geschlafen. Häufig eher darunter: Durch den mittigen Reißverschluss kann ich ihn öffnen und als Decke nutzen. Der Einstieg ist bequem, die Kapuze lässt sich eng um den Kopf legen. In der kleinen Innentasche sind zum Beispiel Kopfhörer gut aufgehoben.
Daune bleibt ein tierisches Material und kommt für Veganer entsprechend nicht infrage. Mir gefallen hier die Wärmeleistung und das kleine Packmaß sehr. Auch die Farben passen: außen grau, innen orange. Schlicht, mit einem erfreulichen Farbakzent. Als Extra liegen Ohrstöpsel und eine Schlafbrille bei. Die Brille hatte ihren ersten Reiseeinsatz schon auf dem langen Flug nach Kanada. Den Schlafsack selbst würde ich jederzeit wieder mitnehmen.
Fakten Getestete Größe L; 300 g Füllung aus 90 % Entendaune und 10 % Entenfedern; Herstellergewicht 960 g ohne Packsack; mittiger Zweiwege-Reißverschluss; Schlafmaske und Ohrstöpsel inklusive.
Rund drei Monate lang war ich mit dem Ninebot Max G3 D in Lüneburg unterwegs und hatte ihn beim Camping in Tirol und Südtirol dabei. Der kräftige Antrieb macht Freude, auf dem Campingplatz erleichtert der Scooter viele Wege. Anheben möchte ich ihn allerdings möglichst selten.
Teil 2 der Ontario-Reise mit Knastbesuch, Ressort-Camping, großen Fällen und Toronto-Leckereien
Im zweiten Teil des Kanada-Specials geht es für Henning und Gerd zuerst einmal in den Knast. In Kingston steht das älteste Gefängnis des Landes. Seit einigen Jahren sitzt niemand mehr im Kingston Penitentiary seine Strafe ab, dafür können Besucher einen Blick in die Zellen werfen. Eine Radtour mit Ahoy Rentals durch die Kleine Stadt rundet den Kingston-Besuch perfekt ab.
Nächster Halt: das Elmhirst’s Resort am Nordufer des Rice Lake. Peter Elmhirst und seine Frau Anne Marshall bieten auf dem weitläufigen Grundstück Ferienhäuser an. Wer mag, kann auch mit dem Wohnmobil kommen, denn per Harvest Host kann man einen Platz buchen.
Eine exzellente Weinprobe mit Vadim Chelekhov gab es in der Palatine Hills Winery. Dann gab es zwei Fälle für zwei: Henning und Gerd fuhren zu den Niagara-Fällen – mit angrenzendem Vergnügungspark. Das volle Programm gab es zum Abschluss auch in Toronto. Highlight war ganz klar das Dinner im Actinolite und – buchstäblich – der Besuch des CN Towers.
Lest den Bericht zur Reise durch Ontario auf campermen.de
Teil 1 der Kanada-Reise: Kanutour im Algonquin Park, indigene Perspektiven und eine Inselwelt aus der Luft.
Die Campermen sind mal wieder gemeinsam unterwegs. Diesmal sind Henning und Gerd in Kanada, genauer: in Ontario. Der kanadische Bundesstaat hat in etwa die dreifache Fläche von Deutschland. Klar also, dass in zehn Tagen nicht ganz Ontario erfahren werden kann. Aber dennoch steht viel auf dem Programm der Tour. So viel, dass eine Folge nicht genügt, um darüber zu sprechen. Aus diesem Grund ist dies der erste Teil, die Fortsetzung hört ihr in der nächsten Folge.
Los geht es in Toronto. Henning und Gerd haben den Wagen bei Cruise Canada abgeholt. Von dort ging es in den Algonquin Park. Mit Guides der Algonquin Outfitters wurde gewandert und Kanu gefahren. Auf der Mādahòkì Farm gab es eine Einführung in die indigene Kultur. In Ottawa gab es einen Rundgang zu dem indigenen Hintergrund der Stadt und zur Stärkung eine Foodtour . Und zum Schluss ging es zu den 1000 Islands – per Heli und Fähre.
Lest den Bericht zur Reise durch Ontario auf campermen.de
Camping in Ontario. Zwischen Kanutouren im Algonquin Provincial Park, Begegnungen in Ottawa und einem Flug über die Thousand Islands bleibt auch Zeit, am See einfach die Beine hochzulegen. Eine Rundreise durch den kanadischen Herbst, bei der die Menschen mindestens so viel Eindruck hinterlassen wie die Landschaft.
110 Liter Benzin floßen in den Tank. Und dennoch war unser Ford anschließend immer noch nicht richtig satt. Henning und ich haben das Wohnmobil inzwischen Godzilla getauft. Der Name passt zu seinem Appetit, aber auch zum tiefen Brummen des V8, mit dem er uns durch Ontario schiebt. Auf dem Display stehen zeitweise 22 Liter auf 100 Kilometer. Hier ist halt alles etwas größer, auch der Hunger. Dafür haben wir reichlich Platz im Innenraum, kommen entspannt über die Hügel und können unser Zuhause mitnehmen, wenn uns der nächste See noch besser gefällt.
Wir sind Anfang Oktober unterwegs, weil wir den kanadischen Herbst sehen wollen. Bunte Laubbäume, Wasser, Wälder und am Abend ein Lagerfeuer vor dem Camper. Natürlich sind das Klischees. Aber es gibt schließlich einen Grund, weshalb sie sich so hartnäckig halten. Rund 1.500 Kilometer werden wir auf unserer Reise fahren, vom Großraum Toronto in den Algonquin Provincial Park, weiter nach Ottawa, zu den Thousand Islands und nach Kingston, über den Rice Lake und Peterborough bis nach Niagara. Am Ende geht es zurück nach Toronto. Klingt nach viel. Aber ein Blick auf die Karte zeigt schnell, dass das nur eine kleine Ecke dieser riesigen Provinz ist. Ontario ist etwa dreimal so groß wie Deutschland. Natürlich können wir in nur zehn Tagen nicht ganz Ontario bereisen, geschweige denn ganz Kanada. Aber wir haben eine Route gewählt, die uns in dieser Zeit viel von dem zeigt, was man mit Kanada verbindet. Die Fahrt soll zudem perfekt für den ersten Besuch sein: möglichst unkompliziert, einfach zu fahren und gleichzeitig mit vielen Highlights, die auf unserer Wunschliste für Kanada stehen.
Erst einmal ankommen
Als wir in Toronto landen, ist es noch taghell. Wir sind nach Westen geflogen, der Tag hat sich gedehnt, nur unsere Körper haben davon offenbar nichts mitbekommen. Nach dem langen Flug sind wir ziemlich übernächtigt und froh, dass wir zunächst im Sandman Signature Toronto Airport Hotel einchecken können. Zum Haus gehört das Restaurant Moxies. Für den ersten Abend ist es angenehm, wenn zwischen Essen und Bett kein großes Besichtigungsprogramm mehr liegt.
Am nächsten Tag übernehmen wir bei Cruise Canada in Bolton, nordwestlich von Toronto, unseren Ford. Vor uns steht ein Wohnmobil mit einer Kabine, die sich mit Platzproblemen gar nicht erst lange aufhalten will. Ein Informationsvideo erklärt die Grundlagen, anschließend zeigt uns eine Mitarbeiterin das Fahrzeug. Die Übernahme ist unkompliziert. Trotzdem lohnt es sich, aufmerksam zuzuhören. Wasser, Strom und Abwassertanks funktionieren hier etwas anders als in Deutschland und sind auf einer solchen Reise schließlich bald Teil des Alltags.
Geschirr und Bettwäsche gehören zu den zusätzlich buchbaren Ausstattungspaketen. Dazu bekommen wir blaue Klappstühle, auf denen man zwar sitzen kann, aber vermutlich keine eigene Campingmöbel-Marke gründen würde. Praktischer ist ein Tisch an der Station, auf dem andere Reisende Dinge zurückgelassen haben, die sie nicht mit nach Hause nehmen wollten: Spülmittel, Salz, Lappen, sogar Kaffeemaschinen. Man darf sich bedienen. Für uns ist das eine ziemlich gute Form der Begrüßung, weil vieles davon genau zu den Kleinigkeiten gehört, die man sonst beim ersten Einkauf vergisst.
Die Größe des Fahrzeugs verlangt anfangs Aufmerksamkeit. Auf den breiten Straßen wird daraus aber schnell Routine. Auch die mehrspurigen Freeways erleben wir überwiegend als entspannt. Für uns fühlt sich Camping mit einem großen RV hier erstaunlich selbstverständlich an. Auf dem Campingplatz merkt man später, dass auch die Parzellen auf solche Fahrzeuge vorbereitet sind.
Nach einigen Stunden Fahrt erreichen wir den Algonquin Provincial Park. Der Park ist rund 7.630 Quadratkilometer groß. Wir lernen vor allem den Bereich entlang des Highway 60 kennen, mit seinen erreichbaren Seen, Wanderwegen und Campingplätzen. Für eine erste Begegnung mit dieser Landschaft reicht das vollkommen aus. Colin von Algonquin Outfitters führt uns zu mehreren schönen Stellen und einem Aussichtspunkt. Vor uns liegen Hügel, Wasser und Bäume in den Farben, für die wir gekommen sind. Die Fotos, die man vor einer solchen Reise gesehen hat, wirken plötzlich sehr vernünftig. Allerdings können sie kaum vermitteln, wie es ist, selbst zwischen diesen Wäldern zu stehen und hinter der nächsten Biegung schon wieder einen See zu entdecken. Colin erzählt von seinem Kanada, während wir durch die Landschaft laufen. Solche Begegnungen geben einem Ort etwas, das auf einer Karte fehlt. Man erfährt, worauf jemand achtet, der hier lebt, und sieht anschließend selbst genauer hin. Für uns ist das ein guter Einstieg in die Reise.
Unser erstes Quartier ist der Lake of Two Rivers Campground. Zwischen den Bäumen haben wir eine große Parzelle mit einer eigenen Feuerstelle und einem Picknicktisch. Mit dem Lagerfeuer wird es am ersten Abend allerdings nichts, weil es regnet. Der Boden unserer Parzelle ist nicht überall eben. Auffahrkeile wären jetzt hilfreich, gehören aber nicht zu den Dingen, die wir vom Tausch-Tisch an der Vermietstation mitgenommen haben. Der See liegt gleich am Platz, die Waschhäuser mit Duschen sind ordentlich. Nachts wird es allerdings sehr dunkel. Ich war froh, dass ich eine Kopftaschenlampe mitgenommen habe.
In der Nähe gibt es den Lake of Two Rivers Store mit Lebensmitteln, Outdoor-Zubehör und Souvenirs sowie das Café & Grill. Wer nach einer Wanderung keine Lust auf den eigenen Herd hat, muss also nicht weit suchen. Der Platz ist für uns genau richtig, um anzukommen und den Park kennenzulernen. Vieles ist bequem erreichbar, trotzdem stehen wir mitten zwischen den Bäumen. Für den Besuch der Parkeinrichtungen braucht man ein gültiges Permit. Wer im Park campiert, hat die Tagesnutzung für den Zeitraum seines Camping-Permits bereits dabei. Besonders in der Herbstlaub-Saison sollte man die Reservierung vorher erledigen, denn gerade an Wochenenden können die Tageskontingente ausverkauft sein. Auch das Holz fürs Lagerfeuer wird vor Ort gekauft. Mit mitgebrachtem Brennholz können Schädlinge und Krankheiten reisen, die man in diesen Wäldern möglichst nicht haben möchte.
Am nächsten Morgen treffen wir Tia von Algonquin Outfitters am Lake Opeongo. Sie begleitet uns auf einer geführten Kanutour zum Hailstorm Creek. Zunächst sitzen wir in einem Motorboot. Etwa 20 Minuten bringt uns das Wassertaxi über den See, bis wir auf einer kleinen Insel in unser Kanu umsteigen. So gelangen wir direkt in den Bereich, den wir erkunden wollen, ohne erst lange über offenes Wasser paddeln zu müssen. Tia erklärt uns das Boot, dann sitzen wir zu dritt im Kanu. Das Wasser ist ruhig, an den Ufern stehen Wälder in satten Herbstfarben. Zwischen den Paddelschlägen erzählt sie von Pflanzen und Tieren, aber auch von ihren eigenen Jahren in der kanadischen Wildnis. Wenn jemand seine Umgebung gut kennt und gern davon erzählt, wird aus einem Ausflug schnell mehr als eine Strecke, die man hinter sich bringt.
Wir kommen an Biberbauten vorbei und sehen einen Damm, der Wasser aufstaut. Tia erklärt uns, wie die Tiere damit ihren Lebensraum gestalten und die Eingänge ihrer Bauten unter Wasser halten. Aus dem Kanu betrachtet wirkt das sehr anschaulich. Die Biber haben hier einiges umgebaut, ohne vorher eine Landschaftsarchitektin zu beauftragen. Für Elche bietet dieses Gebiet gute Chancen. Eine Garantie gibt es natürlich nicht, und bei uns bleibt der Elch aus. Dafür schaut der Kopf eines Otters aus dem Wasser. Wir sehen Blauhäher und einen Greifvogel, hören andere Vögel und haben den Creek während unserer Tour fast für uns. Nach ungefähr vier Stunden kehren wir zurück. Die Ruhe auf dem Wasser und das Gespräch mit Tia gehören zu den schönsten Erlebnissen dieser Reise. Dass uns ein Elch fehlt, ist am Ende erstaunlich unwichtig.
Auf dem Weg nach Ottawa steht morgens Nebel über den Seen, wie Dampf über einem heißen Getränk an einem kalten Tag. Godzilla brummt weiter, wir schauen aus dem Fenster. Bevor wir in die Stadt fahren, besuchen wir die Mādahòkì Farm, einen Ort, an dem indigene Kultur vermittelt wird und ein Markt Kunsthandwerk und Produkte indigener Anbieter zusammenbringt. Hier treffen wir Stephanie, die uns von ihrer Algonquin-Herkunft erzählt. Auf der Farm lebt auch eine Herde der seltenen Ojibwe Spirit Horses. Die kleinen Pferde waren in den 1970er-Jahren beinahe ausgestorben. Heute wird die Zucht erhalten, und die Farm erzählt die Geschichte ihrer Verbindung zu indigenen Gemeinschaften. Stephanie spricht mit uns über Turtle Island, die Schildkröteninsel. In der Schöpfungsgeschichte, die sie uns erzählt, entsteht das Land auf dem Rücken einer Schildkröte. Es ist ein anderer Zugang zu dem Kontinent, über dessen Straßen wir gerade fahren. Wir hören zu und merken, wie wenig wir bisher über die Geschichten wissen, die zu dieser Landschaft gehören.
Unser Wohnmobil bleibt anschließend auf dem Wesley Clover Parks Campground, einem bewaldeten Platz im Westen Ottawas. Für den Besuch der Innenstadt nehmen wir ein Uber. Das ist bequem, und wir müssen uns zwischen den Stationen des Abends keine Gedanken über einen ausreichend großen Parkplatz machen. Mit Ottawa Food Tours erkunden wir den historischen ByWard Market. Unsere Guide Flavia ist Spanierin, lebt seit mehreren Jahren in Ottawa und hat zuvor schon an anderen Orten der Welt gelebt. Sie führt uns durch das Viertel und seine kulinarischen Angebote. Uns gefällt diese Art, eine Stadt kennenzulernen: Man läuft, hört Geschichten und bekommt zwischendurch etwas zu essen. Danach sind wir müde, satt und ziemlich zufrieden.
Am folgenden Tag gehen wir mit Jaime von Indigenous Walks erneut durch Ottawa, diesmal mit einem anderen Blick auf die Stadt. Bei ihrem Rundgang stehen indigene Perspektiven auf Orte, Geschichte und das heutige Leben im Mittelpunkt. Unser Spaziergang führt uns auch nach Little Italy und Chinatown. Dass man eine Stadt mehrfach durchlaufen kann und dabei jedes Mal etwas anderes mitnimmt, macht solche Führungen für uns interessant. Zum Mittagessen sitzen wir im Mill Street Brew Pub am Ottawa River, mit Blick auf die Anlagen am Fluss. Später geht es zurück zum Campingplatz. Dort klappt endlich auch das Lagerfeuer, das uns im Algonquin Park der Regen verdorben hatte. Eine eigene Feuerstelle direkt an der Parzelle ist eine Ausstattung, an die man sich sehr schnell gewöhnt.
Von Ottawa fahren wir weiter nach Gananoque. Unterwegs bekommt Godzilla jene 110 Liter Benzin, die den Tank nicht komplett füllen und daher seinen Namen endgültig rechtfertigen. Danach geht es für uns erst einmal ohne Ford weiter, denn bei 1000 Islands Helicopter Tours steigen wir in einen Helikopter. 20 Minuten fliegen wir über die Inselwelt im Sankt-Lorenz-Strom, während der Kommentar auf Deutsch aus dem Kopfhörer kommt. Unter uns ziehen die Brücken des Thousand Islands Bridge Systems, die Villen der Millionaire’s Row und die Manhattan-Inselgruppe vorbei. Von oben wirkt die Landschaft wie ein Puzzle, bei dem zwischen den einzelnen Teilen sehr viel Wasser übrig geblieben ist. Manche Inseln bieten reichlich Platz für ein Haus und einen Garten, andere wirken, als hätte jemand gerade noch einen Baum unterbringen können. Die Region liegt zwischen Kanada und den USA. Vom Helikopter aus sieht man vor allem, wie wenig sich das Wasser für diese Grenze interessiert. Die Inseln, Häuser, Brücken und Boote gehören zu einer gemeinsamen Landschaft, auch wenn auf der Karte zwei Länder daraus werden.
Nach einer Mittagspause bei Laverne’s Eatery in Gananoque wechseln wir erneut das Verkehrsmittel. Mit City Cruises Gananoque sind wir drei Stunden auf dem Sankt-Lorenz-Strom unterwegs, auch durch amerikanische Gewässer. Wir sehen einige der Inseln wieder, die morgens noch unter uns lagen. Vom Boot aus bekommen die Häuser und Ufer andere Proportionen. Beide Ausflüge am selben Tag zu machen, ist für uns deshalb eine ziemlich gute Kombination. Ein Höhepunkt ist der Blick auf Boldt Castle auf Heart Island bei Alexandria Bay. Der Hotelier George Boldt, der das Waldorf Astoria in New York führte, ließ das Schloss als Liebeserklärung an seine Frau Louise bauen. Als sie 1904 starb, stellte er die Arbeiten ein. Die Geschichte erklärt, weshalb dieses große Gebäude auf seiner kleinen Insel weit mehr ist als ein besonders auffälliges Ferienhaus.
Zur Region gehört auch das Thousand Island Dressing. Über seine Entstehung kursieren mehrere Geschichten, einige davon mit einer Verbindung zu Boldt und seinem Umfeld. Für eine eindeutige Erfinder-Zuschreibung reichen sie nicht aus. Die Gegend hat offenbar genug Stoff für Landschaftsbilder, Liebesgeschichten und Salatsaucen zugleich. Am Abend stehen wir auf dem Ivy Lea Campground am Thousand Islands Parkway. Unsere Parzelle liegt in einer kleinen Senke direkt am Fluss. Nach dem Flug und der Bootsfahrt ist das eine sehr angenehme Fortsetzung des Tages: Wir müssen für den Blick aufs Wasser einfach nur aussteigen.
In Kingston fällt uns der Kalkstein auf, aus dem viele historische Gebäude bestehen. Die Stadt trägt den Beinamen Limestone City und ist mit der Queen’s University auch eine Universitätsstadt. Unser erstes Ziel ist allerdings ein Gebäude, in dem die Aufenthaltsdauer früher selten freiwillig gewählt wurde. Das Kingston Penitentiary wurde 1835 eröffnet und 2013 geschlossen. Bei der etwa anderthalbstündigen Führung gehen wir durch Zellen und Arbeitsbereiche, deren Geschichte teilweise bis in die Anfangszeit zurückreicht. Ehemalige Mitarbeiter erzählen vom Alltag im Gefängnis, von Aufständen und Ausbrüchen. Ihre Erinnerungen geben den Räumen eine zusätzliche Bedeutung. Heute wird die Anlage auch für Film- und Fernsehproduktionen genutzt.
Anschließend sitzen wir im Juniper Café am Tett Centre. Das Café liegt in einem historischen Gebäude der früheren Morton’s Brewery & Distillery direkt am Ontariosee. Auf der Terrasse ist der Abstand zum Wasser angenehm klein. Nach den Gefängnismauern tut dieser offene Blick besonders gut. Am Nachmittag fahren wir mit unserem Guide Steve ungefähr eine Stunde durch Kingston. Die Räder kommen von Ahoy Rentals, einem Verleiher, der seit 1997 am Wasser aktiv ist. Unser Ausgangspunkt ist der Portsmouth Olympic Harbour. Ein Teil der Strecke führt über den Great Lakes Waterfront Trail. Das gesamte Wegenetz ist inzwischen rund 3.600 Kilometer lang. Für einen Nachmittag bleiben wir bei einem überschaubaren Ausschnitt. Das Rad ist eine gute Ergänzung zum RV. Wir kommen durch die Stadt, halten leicht an und sehen mehr, als wir während der Weiterfahrt aus dem Ford mitnehmen könnten. Danach geht es für Godzilla wieder auf die Straße, bis zum Rice Lake.
Ein Tag ohne Weiterfahrt
Im Elmhirst’s Resort bei Keene bleibt das Wohnmobil stehen. Wir haben einen ganzen Tag, an dem wir nirgendwo anders sein müssen. Nach den vielen Stationen tut das gut. Schon beim Frühstück kommt Peter Elmhirst an unseren Tisch und beginnt zu erzählen. Der Familienbetrieb besteht inzwischen über fünf Generationen, Peter selbst gehört zur dritten. Gemeinsam mit seiner Frau Anne Marshall hat er das Resort über viele Jahre geprägt. Während er später seine Rinder von einer Weide zur nächsten bringt, berichtet er davon, wie er das Land von seinen Eltern übernahm und den Tourismusbetrieb ausbaute. Nach seiner Erinnerung war der dafür aufgenommene Kredit dreimal so hoch wie der damalige Jahresumsatz. Wenn man heute die Ferienhäuser am See sieht, lässt sich leicht vergessen, welches Risiko am Anfang solcher Geschichten steht.
Die Cottages bieten Platz für Familien und Gruppen. Zum Resort gehört weiterhin eine Farm, deren Produkte in der eigenen Küche verarbeitet werden. Unter dem Namen Elmhirst’s Own wird diese Verbindung zwischen Landwirtschaft und Gastronomie sichtbar. Dazu kommen Solaranlagen und eine Pelletanlage, die das Hauptgebäude und die Pools beheizt. Das sind konkrete Bestandteile des Betriebs, die Peter und seine Familie über die Jahre aufgebaut haben. Wer aktiv werden möchte, findet Kanus, Kajaks und Paddleboards, Spazierwege und Zugang zum nahen Trans Canada Trail. Es gibt einen Innenpool, Sauna, Spa-Angebote, Weinproben und ein Escape Maze. Für einen Tag könnte man sich damit wieder einen ziemlich vollen Plan zusammenstellen. Wir verbringen einen guten Teil des Nachmittags aber am Picknicktisch, legen die Beine hoch und schauen auf den See. Am von uns besuchten Ufer wirkt der Einstieg ins Wasser flach, der Boden ist allerdings steinig. Fürs Baden wären entsprechende Schuhe praktisch. An diesem Nachmittag reicht uns der Ausblick. Später essen wir im Restaurant des Resorts, ebenfalls mit Blick auf den Rice Lake.
Peter und Anne sind selbst gern unterwegs. Sie erzählen von Reisen mit dem Motorrad und von einem kleinen Camper, mit dem sie unter anderem Europa und Island erkundet haben. Vielleicht erklärt das auch, weshalb wir uns mit unserem großen Ford hier so gut aufgehoben fühlen. Für eine Anreise mit dem RV sollten Reisende die Übernachtungsmöglichkeit und ihre Bedingungen direkt mit dem Resort absprechen. Die Geschichte dieses Ortes hören zu dürfen, ist für uns ohnehin fast noch schöner als sein Ausblick.
Kanada lässt sich auch am Kanu erklären
In Peterborough besuchen wir das Canadian Canoe Museum. Nach der Tour mit Tia interessiert uns erst recht, wie unterschiedlich ein Boot aussehen kann, das man mit einem Paddel bewegt. Das Museum betreut nach eigenen Angaben die weltweit größte Sammlung von Kanus, Kajaks und anderen Paddelbooten. Mehr als 650 gehören dazu, über 100 davon werden in der Exhibition Hall gezeigt. Der Neubau am Little Lake wurde im Mai 2024 eröffnet. Kurator Jeremy Ward und Geschäftsführerin Carolyn Hyslop führen uns durch die Ausstellungsräume und die Collection Hall, in der ein großer Teil der Sammlung untergebracht ist. Wir sehen Birkenrindenkanus, Kajaks und Boote aus unterschiedlichen Regionen und Kulturen. Ihre Formen erzählen davon, welche Materialien verfügbar waren, welches Wasser sie bewältigen mussten und wofür sie gebraucht wurden. Wer nur an Freizeit auf dem See denkt, versteht hier schnell, wie viel Geschichte in diesen Booten steckt.
Auch Gordon Lightfoot, einer der bekanntesten kanadischen Singer-Songwriter, hat mehrere seiner Kanus an das Museum gegeben. Sie gehören zu den Booten, an denen persönliche Reisegeschichten und die Kultur des Landes zusammenkommen. Außerdem dürfen wir einem Bootsbauer über die Schulter schauen. Das Museum bewahrt solche Fertigkeiten und vermittelt sie auch durch sein Builders-in-Residence-Programm. Der weitläufige Neubau, das Außengelände und das kleine Bootshaus passen zu einem Museum, das direkt am Wasser liegt. Nach der Führung essen wir im Silver Bean Café im Haus. Die Verbindung von Sammlung, Handwerk und See macht diesen Besuch für uns zu einem der besonders schönen Zwischenstopps der Reise.
Wein vor dem großen Wasser
Weiter südlich besuchen wir die Palatine Hills Estate Winery an der Lakeshore Road in Niagara-on-the-Lake. Unter dem Namen Ramblers Supply Co hat das Weingut einen entspannten Treffpunkt geschaffen, an dem man draußen sitzen, verschiedene Weine probieren und etwas dazu essen kann. Es gibt Cider und Boards mit lokalem Käse und anderen Produkten. Auch Hunde sind willkommen. Wir treffen Winemaker Vadim Chelekhov. Er erzählt, dass er schon als Jugendlicher durch seinen Großvater mit dem Weinmachen in Berührung kam. Seine Familie stammt aus Kaliningrad, er studierte Chemie und widmete sich später ganz dem Wein. Auch hier bekommt die Landschaft ein Gesicht, sobald jemand von seinem Weg dorthin erzählt. An der Bar fällt uns eine Bestenliste auf. Das Weingut verbindet Wein auch mit Bewegung: Im September fand der Ramblers Run statt, außerdem gibt es einen Run Club mit Belohnungen für die Läufer. Wir haben an diesem Tag bereits genug Strecke hinter uns, wenn auch überwiegend sitzend, und bleiben beim Besuch des Weinguts.
Am nächsten Morgen stehen wir gegen halb zehn an den Niagarafällen. Das Wetter ist gut, die Sicht frei und bei unserem Besuch noch vergleichsweise wenig los. Rund um die Fälle hat sich eine Unterhaltungswelt mit Minigolf, Geisterbahnen und allerlei Gastronomie entwickelt. Wir nehmen sie wahr, aber dann stehen wir vor dem Wasser. Für einen Moment fällt uns dazu tatsächlich wenig ein. Manche Orte dürfen einen sprachlos machen, selbst wenn man sie vorher hundertmal auf Bildern gesehen hat. Henning und ich teilen uns auf. Er fährt mit Niagara City Cruises auf der rund 20-minütigen Voyage to the Falls in die Gischt vor den Horseshoe Falls. Ich nehme die Zipline to the Falls von WildPlay. Sie führt 670 Meter an der Schlucht entlang, mit Blick auf die American Falls und die kanadischen Horseshoe Falls. Laut Betreiberangaben werden Geschwindigkeiten von mehr als 70 Kilometern pro Stunde erreicht. Das ist eine sehr direkte Art, sich diese Aussicht einzuprägen.
Anschließend treffen wir uns bei Journey Behind the Falls. Mit dem Aufzug geht es rund 38 Meter nach unten. Tunnel führen zu Öffnungen hinter dem fallenden Wasser und zu einer Aussichtsplattform an den Horseshoe Falls. Die Geschichte der Anlage reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Das heutige Tunnelsystem wurde später erneuert. Vor Ort interessiert uns vor allem, wie nahe man diesem Wasser kommen kann und wie deutlich es sich dabei bemerkbar macht. Früh zu kommen hat sich für uns gelohnt. Eine Garantie für kurze Wartezeiten ist das natürlich nicht, aber an unserem Vormittag funktioniert es gut. Danach geht es zur Rückgabe des Wohnmobils und weiter nach Toronto. Für die eigene Reiseplanung muss man diesen letzten Campertag sorgfältig mit der vereinbarten Rückgabezeit abstimmen. Zwischen den Fällen und der Vermietstation liegt schließlich noch eine Fahrt.
Nach den Wäldern, Seen und Campingplätzen wirkt Toronto auf uns erst einmal wie ein deutlicher Wechsel des Programms. Gleichzeitig ist uns das Großstadtgefühl vertraut. Henning und ich kennen Hamburg gut, und es macht Spaß, nach den Tagen in der Natur wieder durch eine Stadt zu laufen. Wir checken im Union Hotel an der York Street ein, nur wenige Schritte von der Union Station entfernt. Von hier können wir Downtown gut zu Fuß erkunden. Zum Abendessen fahren wir ins Actinolite an der Ossington Avenue. Das von Justin Cournoyer mitgegründete Restaurant wird im MICHELIN Guide geführt und arbeitet mit einem wechselnden Menü, das sich an den Zutaten der Saison orientiert. Das Essen ist so gut, dass wir vergessen, die Gänge zu fotografieren. Erst hinterher bitten wir noch einmal um eine Aufstellung. Darauf findet sich zum Beispiel ein Pflaumen-Maiskuchen mit Concord-Trauben in Ingwersaft. Die Erinnerung an diesen Abend braucht bei uns offenbar mehr als eine Reihe von Tellerfotos. Nach vielen schönen Orten kommt nun noch ein Essen dazu, über das wir weiter sprechen werden. Am letzten Tag gehen wir auf den CN Tower, schlendern am Ufer des Ontariosees entlang und besuchen ein Foodfestival. Zum Abschluss sitzen wir im Beertown Public House an der Wellington Street. Mit rund 40 Bieren vom Fass bietet der Laden genügend Auswahl für ein letztes gemeinsames Bier. Wir belassen es bei einer sehr kleinen Stichprobe.
Rund 1.500 Kilometer sind wir durch Ontario gefahren. Die Provinz ist mit ihrer Gesamtfläche aus Land und Wasser ungefähr dreimal so groß wie Deutschland, gesehen haben wir also nur einen Bruchteil. Trotzdem war erstaunlich viel von dem dabei, was wir uns gewünscht hatten: die bunten Wälder, große Seen, ruhiges Wasser unterm Kanu und Campingplätze, auf denen unser ziemlich großes Wohnmobil einfach Platz hatte. Eine spektakuläre Begegnung mit Elch oder Bär blieb aus. Dafür haben wir Menschen getroffen, die uns ihre Heimat gezeigt und ihre Geschichten erzählt haben. Colin, Tia, Stephanie, Flavia, Jaime, Steve, Peter und Vadim gehören für uns jetzt zu dieser Reise, genauso wie die Aussicht auf den Hailstorm Creek oder die Thousand Islands. Ob alle Menschen in Kanada so freundlich sind, wissen wir natürlich nicht. Diejenigen, denen wir begegnet sind, haben es uns jedenfalls sehr leicht gemacht.
Die Bilder vom kanadischen Herbst waren vorher schon in unseren Köpfen. Jetzt wissen wir auch, wer uns durch diese Landschaft begleitet hat. Und wir wissen, dass ein Camper namens Godzilla zwischendurch ziemlich viel Benzin braucht.
Infos für die Reise
Route und Zeit: Unsere Rundreise führte vom Großraum Toronto über den Algonquin Provincial Park nach Ottawa, weiter nach Gananoque und Kingston, zum Rice Lake bei Keene, nach Peterborough und über Niagara zurück nach Toronto. Wir waren etwa elf Tage unterwegs und fuhren rund 1.500 Kilometer. Für zusätzliche Wanderungen, Kanutouren und Tage ohne Weiterfahrt lohnt es sich, mehr Zeit einzuplanen.
Reisezeit: Im Algonquin Park liegt die Herbstlaub-Saison üblicherweise zwischen Mitte September und Mitte Oktober. Der genaue Verlauf verändert sich von Jahr zu Jahr. Hilfreich ist der Fall Colour Report. Anfang Oktober sollten Campingplätze und Aktivitäten vorab gebucht oder angefragt werden. Einzelne Angebote beenden ihre Saison bereits zu dieser Zeit.
Wohnmobil: Die Toronto-Station von Cruise Canada liegt in Bolton. Laut den aktuell veröffentlichten CANUSA-Mietinformationen beginnt die reguläre Übernahme ab 13 Uhr, die Rückgabe erfolgt üblicherweise zwischen 9 und 11 Uhr. Mit dem vorab gebuchten Early-Bird-Paket ist die Übernahme zwischen 9 und 12 Uhr und die Rückgabe bis 15 Uhr vorgesehen. Maßgeblich sind die eigene Buchung und die vereinbarten Stationszeiten. Das ist besonders wichtig, wenn Niagara noch am Rückgabetag besucht werden soll. Ausstattungspakete, Kilometer, Generatornutzung und Kraftstoff gehören mit in die Kostenplanung. Die 22 Liter auf 100 Kilometer in diesem Bericht sind ein von uns beobachteter Anzeigewert, kein ermittelter Durchschnittsverbrauch.
Camping: Lake of Two Rivers ist 2026 vom 8. Mai bis 25. Oktober geöffnet, Wesley Clover Parks vom 1. Mai bis 13. Oktober und Ivy Lea für reguläres Camping vom 8. Mai bis 17. Oktober. Die genauen Platzpreise hängen von Saison, Stellplatz und Ausstattung ab und stehen in den jeweiligen Buchungssystemen. Für das Elmhirst’s Resort die Möglichkeit einer RV-Übernachtung, Gebühren und etwaige Restaurantbedingungen direkt anfragen. Lampe und Auffahrkeile sind sinnvoll; Brennholz wird möglichst am jeweiligen Platz gekauft. Im Algonquin Park ist das Büro des Lake of Two Rivers Campground seit 2026 geschlossen. Für Informationen, Permits und Brennholz verweist Ontario Parks auf das Mew Lake Campground Office. Der separate Store mit Café ist ein anderes Angebot.
Algonquin-Permit: Wer auf dem Highway 60 nur durch den Park fährt, braucht dafür kein Permit. Für die Nutzung von Parkeinrichtungen und Wanderwegen ist es erforderlich. Ein gültiges Camping-Permit deckt die Tagesnutzung für seine Gültigkeitsdauer ab. Tages-Permits können bis zu fünf Tage im Voraus gebucht werden. Für einzelne stark besuchte Wege gelten zusätzliche Zugangsvorgaben; Hinweise dazu stehen bei Ontario Parks.
Ausflüge und Kosten: Die folgenden Werte sind veröffentlichte Anbieterpreise vom 12. Oktober 2026, keine Aufstellung unserer Reisekosten. Alle Beträge in kanadischen Dollar. Bei Preisen ohne ausdrücklichen Hinweis auf Steuern und Gebühren zählt der Endbetrag im Buchungssystem.
Guide, Kanu, Ausrüstung und Wassertaxi enthalten; mit größerer Gruppe sinkt der Pro-Kopf-Preis. Park-Permit separat, sofern nicht bereits durch Camping abgedeckt.
Eintritt mit Zeitfenster; höhere Aussichtsebene „The Top“ als Zusatzangebot.
Städte und Restaurants: Für Ottawa kann sich der Visit Ottawa Pass lohnen. Er umfasst die Auswahl von fünf teilnehmenden Premium-Angeboten und weitere Rabatte; einzelne Termine müssen zusätzlich reserviert werden. Laverne’s Eatery ist derzeit montags, dienstags sowie donnerstags bis sonntags von 8 bis 15 Uhr geöffnet, mittwochs geschlossen. Das Juniper Café am Tett Centre öffnet von Mai bis Oktober montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 18 Uhr und sonntags von 9 bis 17 Uhr. Palatine Hills nennt für Mai bis Oktober täglich 10 bis 18 Uhr, für November bis April 11 bis 17 Uhr. Im Canadian Canoe Museum gelten regulär täglich 10 bis 17 Uhr, das Silver Bean Café öffnet bereits um 9 Uhr. Actinolite nennt Mittwoch bis Samstag von 17.30 bis 22.30 Uhr; das Full Menu kostet laut Website 135 CAD, das dreigängige Neighbourhood Menu 60 CAD. Öffnungszeiten können sich saisonal oder für Veranstaltungen ändern.
Thousand Islands: Die dreistündige Bootsfahrt ab Gananoque führt an Boldt Castle vorbei. Wer das Schloss selbst besuchen möchte, braucht ein Angebot mit Landgang und muss die dafür geltenden US-Einreisevoraussetzungen beachten. Die eigene Buchung sorgfältig mit der gewünschten Route vergleichen.
Ein Van aus Norddeutschland, ein leuchtendes Seil und Retro-Camping in Holland
Gerd war mit dem Prestige Van 640 ET der Firma Hobby im Tirol und Südtirol unterwegs. Der große Camper bietet viel Platz und Komfort. Es sind die vielen cleveren Details, die Spaß machen. Aber ein Manko gibt es auch.
Henning hat eine beleuchtete Abspannleine dabei. Oder eine Lichterkette, die auch abspannen kann. Egal: Sie ist hell und stabil – dazu sieht sie auch noch gut aus.
Reinald war mit Frau und Hunden in den Niederlanden. Ziel war sein Lieblingscampingplatz, auf denen Bauwollzelte neben herrlichen Oldtimer-Bussen stehen.
Henning war in Österreich, Gerd bringt Strom mit und Reinald will basteln
Henning war im Burgenland. Das liegt im Osten von Österreich, nur eine halbe Stunde von Wien entfernt. Hier befindet sich auch der Neusiedlersee, einer der größten Seen Europas, aber auch einer der flachesten. Henning trainierte Tiere, probierte Raketen-Weine und badete im Bodenkontakt.
Gerd hat sich Strom im Taschenformat von der Firma Anker besorgt: eine Powerbank, ein Ladegerät und einen Reiseadapter, mit dem er auf seiner Reise nach Kanada jederzeit genug Energie hat.
Reinald hat vielleicht ein neues Bastelobjekt: Er ist auf der Suche nach einem Toyota Land Cruiser, dem er dann einen neuen Antrieb einbauen kann.
Campingmöbel sehen häufig so aus, als hätten sich die Designer nicht zwischen Anglerbedarf und Kindergeburtstag entscheiden können. Ich bin eher der Schwarz-Weiß-Typ und habe mich deshalb für zwei schwarze Sunset Chair (re), den ebenfalls schwarzen Table One Hard Top und einiges an Zubehör von Helinox entschieden. Mitgenommen habe ich die kleine Kollektion auf meiner Reise mit dem Hobby-Van durch Tirol und Südtirol. Die erste Überraschung gab es noch vor der Abfahrt: Sämtliche Teile passten gemeinsam in eines der Fächer im Heck. Campingmöbel für zwei Personen, verstaut auf dem Raum einer eher überschaubaren Sporttasche.
Der Sunset Chair (re) wiegt inklusive Tasche knapp 1,7 Kilogramm, also ungefähr so viel wie drei große Dosen Bier. Dafür trägt er bis zu 145 Kilogramm. Der Aufbau erklärt sich beim ersten Mal noch nicht komplett von selbst, ist aber schnell verstanden: Gestänge zusammenstecken, Sitzbezug darüberziehen, fertig. Inzwischen steht der Stuhl bei mir nach rund 20 Sekunden. Beim Abbau zeigt sich ein Detail, das man erst dann richtig schätzt, wenn man schon einmal mit widerspenstigen Campingmöbeln gekämpft hat: Die Packtasche lässt sich dank ihrer großen Öffnung und der beiden Reißverschlüsse weit aufklappen. Man muss das Gestänge also nicht millimetergenau hineinoperieren.
Das „(re)“ im Namen steht nicht bloß für eine neue Farbe oder ein kleines Facelift. Helinox hat die Konstruktion überarbeitet und nennt das Ergebnis „(re)Tension Design“. Eine zweite Spannungslinie verteilt das Gewicht besser über den Rahmen und verhindert, dass der Stoff zu stark durchhängt. Genau das spürt man beim Sitzen. Der Bezug ist so über das Gestänge gespannt, dass eine erstaunlich bequeme Sitzschale entsteht. Man sitzt nicht einfach auf einem Stück Stoff, sondern wird gestützt, ohne darin zu versinken. Dazu kommen verstärkte Ecken, neue Verbindungselemente und längere Beine, die das Aufstehen erleichtern. Das Gestänge besteht außerdem aus wiederverwendetem Aluminium, für Bezug und Netzflächen verwendet Helinox recycelte, bluesign-zertifizierte Stoffe.
Mit meinen 1,93 Metern bin ich bei Campingstühlen ein eher unangenehmer Testfall. Im Sunset Chair (re) kann ich trotzdem bequem sitzen und den Kopf an die 97 Zentimeter hohe Rückenlehne legen. Seitlich befindet sich eine Einschubtasche für Smartphone oder Buch. Das klingt nebensächlich, verhindert aber, dass beides irgendwann im Gras liegt. Mit einer Packlänge von nicht einmal 48 Zentimetern verschwindet der Stuhl nach Gebrauch wieder im Heck des Campers.
Richtig interessant wird er durch das Zubehör. Der High-back Seat Warmer wiegt knapp ein halbes Kilo und verwandelt den luftigen Sitzplatz in eine gefütterte Höhle für den Hintern. Gerade an kühlen Abenden ist das deutlich angenehmer, als der etwas sachliche Name vermuten lässt. Die Air Headrest wiegt samt Beutel nur 85 Gramm, weniger als eine Tafel Schokolade, und polstert Kopf und Nacken ordentlich. Ganz überzeugen konnte mich die Befestigung allerdings nicht. Trotz der Kopfstützenlasche des neuen Stuhls rutschte das Kissen bei mir immer wieder etwas hin und her.
Mein Lieblingszubehör sind ohnehin die Rocking Feet. Die beiden Aluminiumkufen werden unter die Stuhlbeine gesteckt und machen aus dem Campingstuhl einen Schaukelstuhl. Braucht man das? Natürlich nicht. Will man nach fünf Minuten noch einmal darauf verzichten? Ebenfalls natürlich nicht.
Table One Hard Top: weniger als ein Liter Wasser, belastbar wie ein Umzugskarton
Der Table One Hard Top wirkt beim Auspacken zunächst wenig vertrauenerweckend. Die zusammenfaltbare Tischplatte fühlt sich in der Hand eher nach einer flexiblen Unterlage als nach einem richtigen Tisch an. Sobald sie jedoch aufgeklappt und an vier Punkten in das Gestänge geklickt wird, ändert sich das Bild. Im Inneren versteckte Polycarbonatplatten erzeugen eine ebene und erstaunlich stabile Fläche. Der Tisch wiegt verpackt etwas mehr als 900 Gramm, damit weniger als eine Literflasche Wasser, soll aber bis zu 50 Kilogramm tragen. Für Getränke, Snacks, Bücher und den üblichen Kleinkram vor dem Camper reicht das locker. Selbst gefüllte Gläser standen darauf sicher. Mit 38 Zentimetern ist der Table One Hard Top niedrig, passt damit aber gut zu den Sunset Chairs. Man kommt bequem an Getränke und Snacks, ohne sich jedes Mal aus dem Stuhl falten zu müssen. Steffi hat den Tisch zwischendurch sogar als Fußablage benutzt. Das funktionierte ebenfalls, auch wenn Helinox ihn dafür nicht gebaut hat und ich daraus keine offizielle Empfehlung ableiten würde. Bemerkenswert bleibt, wie viel Tisch aus einem Paket kommt, das zusammengefaltet gerade einmal 41 Zentimeter lang ist.
Ich hatte noch einen Becherhalter bestellt, um ihn an einen Stuhl zu befestigen. Nun ja, lesen hilft: Der passt zwar an fast allen älteren Modellen, aber am Sunset Chair (re) kann er nicht befestigt werden. Dieses Modell führt Helinox sogar ausdrücklich als nicht kompatibel auf. Immerhin lässt er sich am Tisch befestigen und erfüllt dort seinen Zweck – auch wenn das eigentlich etwas sinnlos ist. Außerdem wirkt die Halterung mit dem harten Kunststoff unnötig starr. Ein weicheres, flexibleres Material würde besser zum leichten Tisch passen und sich vermutlich auch angenehmer verstauen lassen.
Hier sitzt man richtig gut – und teuer
Ja, Helinox ist teuer. Zwei Sunset Chair (re) kosten zusammen knapp 390 Euro, der Table One Hard Top noch einmal rund 170 Euro. Mit Sitzwärmer, Kopfkissen, Kufen und Becherhalter wird aus der Campinggarnitur schnell eine kleine Investition. Dafür wirken die Möbel nicht wie Ausrüstung für zwei Sommer, sondern wie eine Anschaffung für viele Jahre. Das Gestänge ist stabil, die Stoffe sind kräftig, das Design ist angenehm zeitlos und das Packmaß passt auch in einen Van, dessen Stauraum nicht im Überfluss vorhanden ist. Helinox gibt zudem fünf Jahre Garantie auf Herstellungsfehler.
Einen Nachteil haben die Stühle trotzdem: Nicht nur ihre Besitzer finden sie ziemlich gut. Wer am Abend in den Camper geht, sollte sie deshalb besser einpacken, statt sie als freundliche Einladung vor dem Wagen stehen zu lassen. Das geht ganz fix. Und am nächsten Morgen sind sie noch da und stehen wieder in 20 Sekunden.
Der Hobby Prestige Van First Edition 640 ET will ein Reisemobil für zwei sein, das sich auch auf langen Strecken und bei schlechtem Wetter nicht nach Verzicht anfühlt. Auf unserer Tour von Norddeutschland über das Pitztal und Lana bis an den nördlichen Gardasee musste der 6,36 Meter lange Kastenwagen zeigen, ob das mehr ist als ein schönes Versprechen.
Ein Fahrzeugtest beginnt selten dort, wo das Fahrzeug gebaut wurde. Den Hobby Prestige Van First Edition 640 ET holte ich allerdings direkt im Werk in Fockbek ab, ganz in der Nähe von Rendsburg. Bevor es auf die Straße ging, bekam ich noch eine Führung durch die Produktion. Ich konnte zusehen, wie Wohnwagen und Wohnmobile entstehen. Das war eindrucksvoll und hatte einen angenehmen Nebeneffekt: Nach der Besichtigung betrachtet man Schränke, Kabel, Leitungen und Wandverkleidungen mit etwas anderen Augen. Was später wie ein fertiger Raum wirkt, ist vorher ein ziemlich großes Puzzle.
Unser Puzzle war bereits zusammengesetzt und wartete draußen auf seine erste große Reise. Lanzarote Grey, roter Akzentstreifen, 6,36 Meter lang. Das Ziel lag deutlich weiter südlich: erst das Pitztal, dann Lana in Südtirol und schließlich der nördliche Gardasee. Autobahn, Bergstraßen, enge Ortsdurchfahrten und Campingplätze. Also ziemlich genau das Programm, bei dem sich schnell zeigt, ob ein großer Kastenwagen nur auf dem Prospekt gut aussieht oder auch unterwegs funktioniert.
180 PS gegen die Alpen
Unter dem grauen Blech steckt ein Fiat Ducato mit 180 PS und Achtgang-Automatik. Das klingt für einen Camper zunächst nach reichlich Leistung. Auf dem Weg in die Alpen fühlt es sich vor allem passend an. Der Prestige Van ist kein Sportwagen, aber auch kein Fahrzeug, dem man an jeder Steigung gut zureden muss. Die Automatik nimmt viel Arbeit ab und sorgt dafür, dass man sich auf kurvigen Strecken auf die Straße konzentrieren kann, statt ständig den richtigen Gang zu suchen.
Natürlich schrumpft ein 6,36 Meter langer Kastenwagen nicht, nur weil der Motor kräftig ist. Auf schmalen Straßen bleibt er 2,05 Meter breit und in engen Kehren muss man vorausschauend fahren. Trotzdem ließ sich der Hobby erstaunlich entspannt durch die kurvigen Strecken in Österreich und Südtirol bewegen. Der Wendekreis ist für diese Fahrzeuggröße passabel, die Lenkung leichtgängig und die Sitzposition gibt einen guten Überblick.
Beim Rangieren helfen die Rückfahrkamera und die Parksensoren. Zum Assistenzpaket gehören außerdem unter anderem ein automatisches Bremssystem mit Fußgängererkennung, Spurhalte- und Verkehrszeichenassistent, ein adaptiver Tempomat, ein Totwinkelassistent und eine Querbewegungserkennung. Das macht aus dem langen Van noch keinen Kleinwagen, nimmt ihm aber etwas von dem Respekt, den 6,36 Meter beim Blick in den Rückspiegel zunächst auslösen.
Bergab gilt trotzdem: 3,5 Tonnen bleiben 3,5 Tonnen. Die Automatik macht das Fahren bequemer, die Physik schaltet sie nicht aus. Wer frühzeitig Geschwindigkeit herausnimmt und vorausschauend fährt, kommt mit dem Ducato aber sehr angenehm durch die Berge. Auf den langen Autobahnetappen zeigt sich ohnehin die größte Stärke der Kombination aus kräftigem Motor und Automatik: Man kommt entspannt an.
Ein Van für Menschen mit Gepäck
Nach der Werksführung hatte ich bereits eine Ahnung davon, wie ernst Hobby das Thema Möbelbau nimmt. Im Alltag wurde daraus Gewissheit. Dieser Van hat Schränke. Sehr viele Schränke. Wahrscheinlich gibt es kleinere Wohnungen mit weniger Stauraum. Unter den Betten im Heck befinden sich mehrere Fächer und zwei Schubladenschränke. Ein Teil des Bettes lässt sich hochklappen, sodass im Mittelgang Platz für sperrige Ausrüstung oder sogar Fahrräder entsteht. Rund um den Schlafbereich hängen fünf weitere Schränke, im vorderen Teil geht es weiter. Jacken, Schuhe, Kabel, Campingzubehör, Lebensmittel: Für fast alles findet sich ein fester Platz. Das ist angenehm, weil ein aufgeräumter Kastenwagen sofort größer wirkt. Es ist allerdings auch eine Einladung, mehr mitzunehmen, als man braucht.
Gerade deshalb sollte man die Zuladung im Blick behalten. Der Prestige Van bleibt in dieser Version bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Je nach Ausstattung kann die reale Reserve vergleichsweise knapp ausfallen. Zwei Menschen, Wasser, Gasflaschen, Gepäck und eventuell Fahrräder bringen Gewicht zusammen. Vor dem Kauf lohnt deshalb nicht nur der Blick in die Schränke, sondern auch in die konkreten Fahrzeugpapiere.
Das Schlafzimmer wird zum zweiten Zimmer
Im Heck liegen zwei Längsbetten. Eine Seite misst 2,01 Meter, die andere 1,82 Meter. Mit der Bettverbreiterung entsteht eine große Liegefläche. Das ist komfortabel und funktioniert auch für Menschen, die nachts nicht regungslos auf ihrer Hälfte liegen bleiben. Für uns war das Bett nicht nur zum Schlafen da. Steffi setzte sich tagsüber gern mit einem großen Rückenkissen, das wir von zu Hause mitgebracht hatten, bei geöffneter Hecktür dorthin und arbeitete. Vorne saß ich in der Sitzgruppe, hinten hatte sie ihren Platz. Plötzlich besaß unser Van zwei Zimmer. Nur der Flur dazwischen war etwas schmal.
Die vielen Hängeschränke schaffen Stauraum, rücken aber naturgemäß nah an die Liegefläche. Wer im Bett gern aufrecht sitzt und liest, sollte das vor dem Kauf ausprobieren. Sehr große Menschen werden die 2,01 Meter lange Bettseite schätzen, müssen sich aber beim Aufrichten ein wenig mit den Schränken arrangieren. An den Fenstern sitzen zweiteilige Plissees für Verdunkelung und Insektenschutz. Das ist praktisch, wirkt aber nicht besonders robust. Im Schlafbereich befinden sich zwei davon an den Hecktüren direkt neben den Köpfen, weitere an den Seitenfenstern. Nachts kommt man schnell mit Kissen, Arm oder Schulter an den Stoff. Ob das auf Dauer gutgeht, wird sich zeigen. Ich hätte mir an dieser Stelle eine unempfindlichere Lösung gewünscht.
Die Sitzgruppe kann bleiben, der Tisch muss gehen
Vorne ist die Sitzgruppe angenehm großzügig. Die Bank ist relativ bequem, ihre Sitzposition lässt sich allerdings nicht verändern. Beide Vordersitze können gedreht werden. Ich sitze abends gern auf dem Beifahrersitz und lege die Füße auf den Fahrersitz. Das ist nicht unbedingt die Haltung, die man in einem Katalog fotografieren würde, aber eine sehr gute Art, einen Reisetag zu beenden. Der Tisch lässt sich durch ein herausdrehbares Element vergrößern. Das ist praktisch, wenn gegessen oder gearbeitet wird. Braucht man ihn gar nicht, wird es umständlicher. Er lässt sich nicht einfach wegklappen, sondern muss ausgehängt und an anderer Stelle verstaut werden. Bei uns landete er auf dem Bett. Das funktioniert, wirkt bei einem ansonsten so durchdachten Innenraum aber ein wenig wie eine nachträgliche Lösung.
Für die Fahrt sind vier Sitzplätze mit Gurten vorhanden. Der vordere Bereich kann außerdem zu einem zusätzlichen Schlafplatz umgebaut werden. In der Theorie macht das den Van flexibler, in der Praxis bleibt es ein Notbett. Für eine Nacht mit Besuch mag das gehen. Als regelmäßiger Schlafplatz für eine Familie wäre es mir zu umständlich und zu knapp.
Kleine Küche, großer Kühlschrank
Die Küchenzeile folgt dem klassischen Kastenwagen-Grundriss. Es gibt einen Zweiflammengasherd, eine Spüle und eine kleine ausklappbare Erweiterung der Arbeitsfläche. Trotzdem bleibt der Platz zum Schneiden, Abstellen und Vorbereiten begrenzt. Wer auf Reisen aufwendig kochen möchte, wird schnell anfangen, Deckel auf den Herd, Bretter auf die Spüle und Schüsseln auf den Tisch zu verteilen. Van-Küche eben. Beim Stauraum spart Hobby dagegen nicht. Drei große Schubladen und ein Hängeschrank nehmen Geschirr und Vorräte auf. Der 90-Liter-Kompressorkühlschrank sitzt angenehm hoch im Schrank. Darunter befindet sich noch ein weiteres Fach mit Kleiderstange. Das klingt zunächst wie eine ungewöhnliche Nachbarschaft, funktioniert aber erstaunlich gut.
Kurz gesagt: Die Küche ist für Kaffee, Frühstück, Pasta und ein vernünftiges Abendessen völlig ausreichend. Wer im Urlaub täglich ein Drei-Gänge-Menü zubereiten möchte, sollte entweder sehr gut organisiert sein oder die riesige Markise herauskurbeln und nach draußen umziehen.
Ein erstaunlich brauchbares Bad
Kompaktbad klingt häufig nach einer freundlichen Umschreibung für einen Raum, in dem man beim Zähneputzen gleichzeitig drei Wände berührt. Im Prestige Van ist das Bad klein, aber clever eingerichtet. Die Toilette lässt sich zur Seite drehen. Beim Duschen wird sie mit einer ausziehbaren Kunststoffabdeckung geschützt. So entsteht mehr Bewegungsfreiheit, ohne dass eine sperrige Schwenkwand den halben Raum blockiert. Ein kleiner Hängeschrank nimmt die wichtigsten Hygieneartikel auf. Besonders gut gefällt mir die große Spiegelfläche. Darüber sitzen zwei weitere offene Fächer. Das Bad wird dadurch nicht zur Wellnessoase, aber es ist vollwertig nutzbar. Für einen Kastenwagen dieser Größe ist das entscheidend.
Zur Wintertauglichkeit tragen die Isolierung, die Gasheizung und der beheizte 90-Liter-Abwassertank bei. Auf unserer Tour wurden die Nächte bereits kühl. Im Wagen blieb es trotzdem so angenehm, dass wir die Heizung noch nicht einmal anschmeißen mussten. Das ist natürlich kein Wintertest bei zweistelligen Minusgraden, aber ein gutes Zeichen dafür, dass die Wärme nicht sofort durch jede Fuge verschwindet.
Viel Licht, zu wenig Schalter
Lampen gibt es im Hobby reichlich. Bei den Schaltern war man offenbar sparsamer. Im Eingangsbereich sitzt ein Schalter für die Beleuchtung im Fußraum. Die beiden Lampen über den Vordersitzen werden per Touch bedient. Das Bad hat einen eigenen Schalter, ebenso jede Bettseite. Für Küche und Sitzgruppe fehlt mir dagegen ein direkter Zugriff. Diese Leuchten werden über das Sieben-Zoll-Touchpanel oberhalb der Schiebetür gesteuert. Dort lässt sich auch ihre Helligkeit regeln. Das funktioniert, ist aber im Alltag unnötig umständlich. Wenn ich in der Küche kurz Licht brauche, möchte ich einen Schalter drücken und kein Menü öffnen.
Das Panel selbst liefert einen guten Überblick über die Bordtechnik. Es zeigt unter anderem den Füllstand von Frisch- und Abwassertank sowie die Stromversorgung an und steuert verschiedene Funktionen im Wohnraum. Für Heizung und Warmwasser gibt es ein separates Bedienteil. Nach kurzer Eingewöhnung ist das verständlich. Nur die Aufteilung zwischen klassischen Schaltern und Bildschirm wirkt nicht an jeder Stelle zu Ende gedacht.
Steckdosen gibt es dafür dort, wo man sie braucht. 12 Volt, 230 Volt sowie USB-A und USB-C finden sich sowohl in der Sitzgruppe als auch im Schlafbereich. Das klingt nach einem Detail, ist auf einer Reise mit Telefonen, Kameras, Laptops und sonstiger Technik aber sehr schnell eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale.
Innen eher Yacht als Lieferwagen
Von außen bleibt der Prestige Van trotz grauer Lackierung und rotem Streifen ein Fiat Ducato. Innen gelingt Hobby der deutlich größere Schritt. Anthrazit trifft auf helles Grau, dazu kommen zurückhaltende Holzdetails. Der Kunststoffboden sieht aus wie Schiffsplanken. Hobby spricht vom Yacht-Stil. Das ist ein großes Wort für einen Kastenwagen, aber die Richtung stimmt. Vor allem wirkt der Innenraum ruhig. Es gibt keine wilden Muster, keine glänzenden Fronten und keinen Versuch, auf wenigen Quadratmetern möglichst viel Luxus zu simulieren. Die Farben halten sich zurück, die großen Schrankflächen schaffen optische Ordnung und das Panoramadach über dem Fahrerhaus bringt zusätzlich Licht in den vorderen Bereich. Das Raumgefühl hat mich überzeugt. Zu zweit standen wir uns nicht ständig im Weg. Wenn Steffi hinten arbeitete und ich vorn saß, fühlte sich der Van sogar erstaunlich großzügig an. Genau darin liegt seine Stärke: Er versucht nicht, auf 6,36 Metern ein Familienwohnmobil zu spielen. Er macht zwei Menschen das Reisen sehr angenehm.
Für wen der Hobby Prestige Van 640 ET passt
Der Prestige Van First Edition 640 ET ist ein Fahrzeug für Paare und Alleinreisende, die länger unterwegs sein wollen und dabei nicht jeden Abend ihr halbes Zuhause umbauen möchten. Die festen Betten, das brauchbare Bad, der große Stauraum und die vollständige Ausstattung machen ihn zum komfortablen Reisewagen. Der kräftige Motor und die Achtgang-Automatik passen zu langen Strecken und nehmen auch Alpenpässen einen Teil ihres Schreckens.
Weniger gut passt er zu Familien. Vier Menschen dürfen mitfahren, aber regulär schlafen können nur zwei, optional kommt ein eher schmaler Zusatzplatz hinzu. Auch die Küche wäre mir für den dauerhaften Alltag mit mehreren Personen zu klein. Hinzu kommt die Zuladung, die bei voller Besatzung genau geprüft werden sollte. Einige Details nerven: der Tisch, der zum Verschwinden ausgehängt werden muss, die empfindlichen Plissees am Bett, die knappe Arbeitsfläche und die Lichtsteuerung über das Panel. Das sind keine Kleinigkeiten, die man im Alltag komplett vergisst. Sie ändern aber nichts am überzeugenden Gesamteindruck.
Ich mag diesen Wagen. Vor allem, weil er nicht nur beim Einsteigen gut aussieht, sondern unterwegs funktioniert. Er fährt sich trotz seiner Länge angenehm, bietet sehr viel Stauraum und schafft innen eine Atmosphäre, in der man sich auch an einem kalten oder verregneten Tag gern aufhält. Und wenn bei geöffneter Hecktür hinten gearbeitet wird, während vorn schon der Kaffee kocht, fühlt sich der Kastenwagen tatsächlich ein wenig wie eine kleine Wohnung an. Nur mit dem besseren Ausblick.
Die wichtigsten Daten
Modell: Hobby Prestige Van First Edition 640 ET, Modelljahr 2026
Basisfahrzeug: Fiat Ducato Light Chassis, Frontantrieb
Heckbett: Längsbetten mit 2,01 beziehungsweise 1,82 m Länge, mit Bettverbreiterung bis 1,87 m breit
Kühlschrank: 90 Liter, davon 9 Liter Gefrierfach
Frischwasser: 95 Liter
Abwasser: 90 Liter, beheizt
Gas: Auszug für zwei 11-kg-Flaschen
Bordbatterie: 95 Ah
First-Edition-Ausstattung unter anderem: Panoramadach, Ambientebeleuchtung, Sieben-Zoll-Touchpanel, Dometic 2-in-1-Kombiladegerät, Dometic-Verdunkelung für das Fahrerhaus, Dachmarkise, Voll-LED-Scheinwerfer, Lounge-Paket und Fahrassistenzsysteme
Geeignet für: Paare und Alleinreisende, auch für Wintercamping ausgelegt
Hinweis zur Zuladung: Die konkrete fahrbereite Masse hängt von Sonderausstattung und Zubehör ab. Vor dem Kauf sollte deshalb die tatsächliche Zuladungsreserve des einzelnen Fahrzeugs geprüft werden.
Transparenzhinweis: Hobby hat uns den Prestige Van First Edition 640 ET für diese Reise zur Verfügung gestellt.