Drei Stühle, eine Wahrheit: Sitzen ist unterschätzt

Es gibt Menschen, die beim Camping ihren Stuhl mit derselben Ernsthaftigkeit auswählen wie andere ihren Lebenspartner. Ich bin einer von ihnen. Und nein, ich schäme mich nicht dafür. Ein Test der neuen Outwell-Stühle Tidal, Ripple und Breaker.

Wer denkt, ein Campingstuhl sei ein Campingstuhl, hat noch nie nach einem langen Wandertag auf dem falschen Modell gehockt. Ich meine diese Sorte Klappmöbel, die aussieht wie ein orthopädischer Albtraum aus den Neunzigern: das Gewissen eines schwedischen Möbelkonzerns, der Komfort eines Gefängnisstuhls. Ich kenne das. Ich war dabei. Ich werde es nie vergessen.

Outwell hat mit Tidal, Ripple und Breaker drei Stühle gebaut, bei denen man das Gefühl hat, dass endlich jemand das Sitzen draußen so ernst nimmt wie das Schlafen drin. Alle drei haben dasselbe Grundgerüst: pulverbeschichteter Stahl, Duraflexi-Gewebe aus 100 Prozent Polyester, 120 Kilogramm Traglast. Was sie unterscheidet, ist ihre Persönlichkeit.

Getestet habe ich alle drei in meinem Garten. Wer jetzt denkt, das sei kein richtiger Test, hat noch nie in einem schlechten Stuhl im eigenen Garten gesessen und gemerkt, dass er eigentlich lieber drinnen wäre. Der Garten lügt nicht.

Der Tidal: Für Menschen, die auch beim Nichtstun Haltung bewahren wollen

Der Tidal ist der Patriarch der Gruppe. Hohe Rückenlehne, vier verstellbare Positionen, und das Gefühl, dass man sich hier für den Rest des Abends einrichtet. Ich saß darin und starrte in die Abendsonne, während nebenan jemand erklärte, dass man Zelte heute mit einer App aufpumpen kann. Ich hörte nur halb zu. Der Stuhl erlaubte es mir.

Die Sitzhöhe beträgt 45 Zentimeter. Das ist ungefähr die Höhe, ab der man beim Aufstehen nicht mehr seufzt. Das Packmaß von 19 mal 18 mal 94 Zentimetern passt problemlos in jeden Kofferraum, und mit 5 Kilogramm ist er der Schwerste im Trio. Diesen Unterschied spürt man beim Tragen, nicht beim Sitzen. Und Sitzen ist der Punkt.

Das Duraflexi-Gewebe gibt beim Zurücklehnen federnd nach, ohne einen durchsacken zu lassen. Man schwitzt nicht, weil das Material atmet. Was für eine Selbstverständlichkeit, die viel zu selten selbstverständlich ist.

Der Ripple: Der Stuhl für alle, die sagen, sie brauchen keinen besonderen Stuhl

Der Ripple ist das Gegenteil von Aufsehen. 4,4 Kilogramm, 69,95 Euro, keine Montage, keine große Geschichte. Genau darin liegt sein Charme.

Er ist breiter gebaut als der Tidal und hat extra große Standfüße für Untergründe, auf denen andere Stühle wie betrunken wirken. Wer schon mal erlebt hat, wie ein Campingstuhl auf feuchtem Rasen nach innen kippt und einen dabei auf die Knie zwingt wie bei einem unfreiwilligen Gebetsmoment, weiß was ich meine. Mein Rasen war nach dem Regen der Vortage eine gute Prüfung. Der Ripple bestand sie kommentarlos.

Aufgeklappt misst er 64 mal 58 mal 90,5 Zentimeter, die Rückenlehne ist etwas niedriger als beim Tidal, der Komfort vergleichbar. Ich saß darin beim Frühstück und dachte: Das ist der Stuhl, über den man hinterher nicht redet, weil er einfach funktioniert hat. Empfehlung für alle, die weniger Stuhl-Diskussionen und mehr Kaffee wollen.

Der Breaker: Bodennah und unentschuldigt

Der Breaker ist für alle, die verstehen, dass Niedrig-Sitzen keine Niederlage ist. Mit 32 Zentimetern Sitzhöhe bringt er einen 13 Zentimeter näher an den Boden als die anderen beiden. Näher ans Feuer, näher ans Wesentliche. Er ist für Strand und Lagerfeuerkultur gemacht, und man merkt das sofort: Die Perspektive ändert sich. Gespräche werden anders. Abende werden länger. Mein Garten hat keine Meeresbrandung, aber der Breaker machte auch vor einem selbstgebauten Feuerschalenabend eine gute Figur.

Drei verstellbare Positionen statt vier wie beim Tidal. In der Praxis völlig ausreichend. Mit 4,7 Kilogramm liegt er zwischen Ripple und Tidal, das Packmaß von 19 mal 19 mal 75 Zentimetern ist das kompakteste der drei. Ein Stuhl, den man noch schnell einwirft, wenn man eigentlich schon fertig gepackt hat.

Was den Breaker von einem schlichten Strandliegestuhl unterscheidet: Er ist kein Kompromiss, sondern eine Entscheidung. Man wählt ihn bewusst, weil man nah am Boden sein will, Flammen beobachten oder Sterne zählen möchte.

Und die Frage, die sich alle stellen: Welchen nehmen?

Ich habe alle drei an einem Wochenende getestet, im Garten, mit Kaffee, Buch und gelegentlichem Regen. Morgens der Ripple zum Kaffee, nachmittags der Tidal zum Lesen, abends der Breaker nah am Feuer. Kein echter Feldtest, zugegeben. Aber wer seinen Stuhl zu Hause nicht mag, wird ihn unterwegs erst recht nicht mögen.

Für Campingplatz-Alltag mit gemischten Ansprüchen ist der Ripple die solideste Wahl. Wer maximalen Sitzkomfort will, greift zum Tidal. Und wer das Feuer näher braucht als das gesellschaftliche Urteil über Sitzhöhen, für den ist der Breaker gemacht.

Alle drei falten sich in Sekunden, ohne Anleitung, ohne klemmende Mechanismen. Das klingt banal. Wer schon mal 20 Minuten mit einem Campingstuhl gekämpft hat, weiß: Es ist alles andere als selbstverständlich.