Tex-Lock im Test: Drei Schlösser in Dänemark

Irgendwann auf einem Campingplatz auf Fyn kam ein Holländer auf mich zu, zeigte auf mein Schloss und fragte, ob das wirklich sicher sei. Ich habe kurz überlegt und dann gesagt: Mein Fahrrad steht noch, insofern ja. Das war keine besonders erhellende Antwort, aber eine ehrliche. Wer ein Schloss kauft, kauft eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit. Tex-Lock hat mir dabei geholfen, diese Wette etwas selbstbewusster einzugehen. Diese Schösser hatte ich im Gear-Test: Tex-Lock Orbit, Eyelet-Set mit U/X-Lock, Eyelet-Set mit D-Lock

Tex-Lock. Leipzig. Zwei Frauen. Ein Patent.

Alexandra Baum und Suse Brand haben Tex-Lock 2014 in Leipzig erdacht und 2016 auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter war simpel und trotzdem neu: ein Fahrradschloss aus Hightech-Textilfasern, die auch in der Automobilindustrie und der Raumfahrt verbaut werden. Leicht, flexibel, lackschonend – und mit einem Stahlkern, der Sägen und Bolzenschneider auf Abstand hält. Das Unternehmen produziert bis heute in Leipzig, im Westteil der Stadt, von Hand, Stück für Stück. Made in Germany ist bei Tex-Lock kein Aufkleber, sondern eine Adresse: Ludwig-Hupfeld-Straße 16, 04178 Leipzig. Materialausschuss nahezu null, regionale Lieferanten, reparierbare Produkte. Für diesen Ansatz gab es 2020 den Titel „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“. Das klingt nach Preis für gute Absichten, zeigt aber in diesem Fall auch, was aus einer Idee werden kann, wenn man sie konsequent verfolgt. Kein Schloss ist unknackbar. Das sagen übrigens auch Baum und Brand selbst. Es geht immer nur darum, den Aufwand für einen Diebstahl so hoch zu machen, dass sich jemand ein einfacheres Ziel sucht.

Orbit: das Seilschloss für jeden Tag

© Gerd Blank // Campermen

Das Orbit ist Tex-Locks Seilschloss. Aufbau klassisch: ein Schlosskörper, ein textiles Seil mit gehärtetem Stahlkern, zwei Schlüssel. Man legt das Seil um den Gegenstand, führt das Ende in den Schlosskörper, zieht zu. Ohne Schlüssel, einfach durch Zuziehen – Tex-Lock nennt das Click & Go. Zum Öffnen braucht man den Schlüssel. Zum Verbinden zweier Orbits gibt es das System Click & Connect: Man kann ein zweites Schloss anhängen und so die Reichweite verdoppeln. In Orange macht das Schloss auf dem schwarzen Ruff Cycles Lil‘ Buddy eine exzellente Figur. Das ist keine Nebensache. Wer ein Rad fährt, das gut aussieht, will kein Schloss daran, das wie ein Stück Kette aus dem Baumarkt wirkt. Das Orbit passt. Die textile Oberfläche ist weich, hinterlässt keine Kratzer am Lack, klappert nicht beim Fahren. Kleine Details, die nach einer Saison anfangen, einem wichtig zu sein.

© Gerd Blank // Campermen

Die Sicherheit ist ART2-zertifiziert, die höchste Stufe der niederländischen ART-Stiftung für Fahrradschlösser. Der Schließzylinder ist pickingsicher, was bedeutet: Jemand mit einer Dietrich-Set braucht deutlich mehr Zeit als bei einem Standard-Zylinder. Im TCS-Test des Schweizer Touring Club, der 15 Schlösser unterschiedlichster Bauart gegeneinander antreten ließ, wurde das Orbit als besonders sicher eingestuft – und dabei als auffällig leicht für seine Klasse bezeichnet. Das 120-cm-Modell bringt rund 1.250 Gramm auf die Waage, was für ART2-Niveau tatsächlich wenig ist. Einen Vorbehalt gibt es: 100 oder 120 Zentimeter Länge sind in manchen Situationen knapp. Wer ein großes Rad und einen dicken Laternenmast hat, muss gelegentlich genau schauen, ob das Seil reicht. An engeren Objekten ist das kein Problem.

Vorteile: Leicht für seine Sicherheitsklasse, keine Kratzer am Lack, einfaches Click & Go System, kein Klappergeräusch, gute Optik. 
Nachteil: In manchen Situationen etwas kurz.

Eyelet-Set mit U/X-Lock: das flexible Schloss für unterwegs

© Gerd Blank // Campermen

Das Eyelet-Set kombiniert ein Textifseil mit drei gummierten Metallösen und einem Bügelschloss. Beim U/X-Lock-Bundle kommen zwei Bügel unterschiedlicher Länge, was unterschiedliche Anschlusssituationen abdeckt. Das Prinzip heißt Loop-Through: Man führt das Textilseil durch Rahmen und Rad, hängt die Ösen in den Bügel des Bügelschlosses ein und schließt ab. Das Schloss sichert damit beides – das Seil und sich selbst. Diebstahl erfordert also zwei separate Angriffe. Für den Anhänger auf der Dänemark-Tour war das Eyelet-Set das richtige Schloss. Flexibel, reichweitenstark, und das Seil lässt sich ums Rad legen wie ein Schal – auch um enge Stellen, die einem Kettenschloss Probleme bereiten würden. Die Textil-Oberfläche verhält sich auch hier genau so wie beim Orbit: weich, still, lackschonend.

Die Sicherheitsstufe ist ART*2, die Sold-Secure-Zertifizierung lautet Gold. Unabhängige Tests wie der des fahrradmagazin.net bewerteten die Kombination aus Textilseil und Bügelschloss gut und betonten insbesondere die Flexibilität als entscheidenden Alltagsvorteil gegenüber starren Schlössern. Das Gewicht liegt unter dem vergleichbarer Kettenschlösser derselben Sicherheitsklasse. Wichtig zu verstehen: Das Textilseil allein ist kein Schloss. Wer das Eyelet-Seil ohne das Bügelschloss verwendet, sichert nichts. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern das Prinzip – das Seil ist der flexible Anteil, das Bügelschloss der Kern. Stiftung Warentest hat in einem früheren Test genau das kritisiert: ein frühes Eyelet-Modell ohne Bügelschloss. Das ist aber nicht die Anwendung, für die das Schloss gebaut ist – und seitdem hat Tex-Lock sowohl die Materialien als auch die Kommunikation darüber nachgeschärft.

Vorteile: Hohe Flexibilität beim Anschließen, leicht, zwei Bügellängen, geeignet für Anhänger und ungewöhnliche Anschlusssituationen. 
Nachteil: Ohne Bügelschloss nicht nutzbar – wer das vergisst oder verliert, hat ein Problem.

Eyelet-Set mit D-Lock: wenn es ernst wird

© Gerd Blank // Campermen

Das Eyelet-Set mit D-Lock funktioniert nach demselben Loop-Through-Prinzip wie das U/X-Lock-Bundle, hat aber ein anderes Bügelschloss: Das D-Lock ist größer, massiver und schwerer als der U/X-Lock-Bügel – und entsprechend sicherer. Das hat Konsequenzen für die Zertifizierung: ART*3 und Sold Secure Diamond. Das ist die höchste Stufe, die für Fahrräder vergeben wird. Drei Schlüssel liegen bei. In Lüneburg, wo ich die Schlösser jetzt für mehrere Räder nutze, ist das D-Lock-Bundle das, das ans teure Rad kommt. Nicht weil ich dem U/X-Lock misstraue, sondern weil ich das Prinzip schätze: je wertvoller das Rad, desto mehr Aufwand muss ein Diebstahl bedeuten. Das Schloss ist das schwerste der drei, das Seil das längste, und der Gesamteindruck ist der eines Systems, das gebaut wurde um zu halten. Ob das optisch noch zur orangefarbenen Orbit passt – das Eyelet-Set in Spring Green am Anhänger, das D-Lock-Bundle an einem weiteren Rad – ist eine andere Frage. Tex-Lock hat das gut gelöst: Die Farboptionen sind konsequent durchgezogen, man kann abstimmen oder bewusst kontrastieren.

Eine Anmerkung zur Sicherheitsdiskussion: Wer die älteren Stiftung Warentest-Ergebnisse zu Tex-Lock kennt und deshalb zögert, sollte wissen, dass die damaligen Kritikpunkte das Eyelet-Seil allein betrafen – und eine Materialfrage beim Übergang von Seil zu Öse, die laut Hersteller 2021 behoben wurde. Das aktuelle D-Lock-Bundle ist ART*3 zertifiziert und von Sold Secure Diamond bestätigt. Das sind keine Herstellerversprechen, das sind unabhängige Prüfungen mit konkreten Angriffsmethoden.

Vorteile: Höchste Fahrrad-Sicherheitszertifizierung (ART*3, Sold Secure Diamond), Loop-Through-Prinzip erfordert zwei separate Angriffe, flexibles Seil trotz hoher Sicherheitsstufe. 
Nachteil: Das schwerste und teuerste Modell der drei – für ein Alltagsschloss fürs Stadtrad ist das Mehr an Sicherheit vielleicht unnötig.

Fazit

Zurück zum Holländer auf Fyn. Ich hätte ihm auch sagen können: ART*2, Sold Secure Diamond, Schließzylinder mit Pickingschutz, getestet vom TCS in der Schweiz. Hätte er wahrscheinlich genickt und wäre trotzdem nicht klüger gewesen. Das Richtige an der Antwort war das Prinzip dahinter: Ein Schloss soll abschrecken und den Aufwand erhöhen. Tex-Lock tut beides – und zwar mit einem Gewicht und einer Optik, die dazu führen, dass man das Schloss tatsächlich dabei hat, statt es zu Hause zu lassen, weil es zu klobig ist. Das ist am Ende der entscheidende Punkt. Das sicherste Schloss der Welt hilft nicht, wenn es beim Rad-Ausflug daheim auf dem Haken hängt.

In Leipzig produziert, von Hand gemacht, in mehr Farben verfügbar als einem Fahrradschloss eigentlich zustehen – und dabei ernsthaft sicher. Das reicht für eine klare Empfehlung.

Die wichtigsten Fakten

OrbitEyelet + U/X-LockEyelet + D-Lock
TypSeilschlossTextifseil + BügelschlossTextilseil + Bügelschloss
SicherheitART*2ART*2, Sold Secure GoldART*3, Sold Secure Diamond
Länge100 cm (S) / 120 cm (M)80 / 120 / 160 cm80 / 120 / 160 cm
Gewicht~1.250 g (120 cm)leichter als D-Lock-Bundleschwerstes Bundle
Schlüssel223
BesonderheitClick & Go / Click & Connect2 Bügellängen im SetHöchste Fahrradsicherheitsstufe
OberflächeTextil (lackschonend)Textil (lackschonend)Textil (lackschonend)
HerstellungMade in Germany (Leipzig)Made in Germany (Leipzig)Made in Germany (Leipzig)
Preisab ~109 €ab ~139 €ab ~159 €

Links 
Hersteller: tex-lock.com 
Orbit: tex-lock.com/fahrradschloesser/orbit 
Eyelet-Set: tex-lock.com/fahrradschloesser/eyelet-set

#253: Romantik am Lagerfeuer

Campermen Cover (500 Pixel) mit Gerd Blank und Henning Pommeé

 

Camping mit Hygge, Licht von der Rolle und Tipps für Sparfüchse

Noch einmal nimmt Gerd Euch mit nach Dänemark. Diesmal geht es zum Falsled Strand Camping. Der kleine Platz direkt an der Ostsee ist eine echter Perle. Die Betreiber haben in den vergangenen sechs Jahren einen alten Campingplatz komplett nach ihren Vorstellungen umgebaut und in ein Schmuckstück verwandelt. Feuerstellen für alle, Kanuverleih, großartige Tiny Homes und Glamping-Zelte und dazu eine Freundlichkeit, die man sich im Urlaub wünscht. Hier stimmt alles.

Henning hat sich eine neue Lichterkette gekauft. Die ist klein, lässt sich aufrollen und so gut verstauen – ganz ohne Kabelsalat.

Ein mit dieser Folge könnt Ihr bares Geld sparen: Wir verraten Euch, wie ihr beim nächsten Camping-Trip das Budget schonen könnt – ohne auf etwas zu verzichten. Gerd hatte dazu auch für den SPIEGEL einen Text geschrieben.

Und dann haben wir noch ein Anliegen, nämlich die Petition „Mit Campermen ans Lagerfeuer“: Wir laden Euch ein, mit uns bei CampfireFM einen Platz zu schaffen, wo wir miteinander über aktuelle Folgen sprechen können. Damit wir zusammen dort über Plätze, Menschen und Gadgets sprechen können, brauchen wir Eure Unterstützung. Wenn genügend Camping-Freunde finden, die bei der Petition mitmachen, werden wir Teil der CampfireFM-Gemeinschaft. Wir würden uns freuen, Euch dort zu treffen! https://www.joincampfire.fm/petition/Campermen

Links zur Folge:
Falsled Strand Camping: https://en.falsledstrandcamping.dk
Rezension zu Falsled Strand Camping: https://campermen.de/falsled-strand-camping-ein-fast-verstecktes-paradies-am-meer/
Lichterkette: https://www.amazon.de/Ollny-Lichterkette-Wiederaufladbare-Beleuchtungsmodi-Wasserdichte/dp/B0DNW8P9HY
Gerds Spartipps beim Camping auf Spiegel.de: https://www.spiegel.de/reise/camping-elf-tipps-mit-denen-sie-richtig-geld-sparen-a-ed43b9b9-c8c0-4cb1-8a3d-3e0cc4559064

Campermen-Umfrage „CampfireFM“: https://www.joincampfire.fm/petition/Campermen

Campermen auf Instagram: https://www.instagram.com/thecampermen

Campermen-Radio auf Spotify: https://open.spotify.com/playlist/4exlZlowhPdviX3dU1qQE9?si=8f50e8d4fb8646cf

#252: Kleiner Hafen, großes Glück

Campermen Cover (500 Pixel) mit Gerd Blank und Henning Pommeé

Ein Platz in Winsen, ein Zelt mit gutem Klima und Musik für den Sommer

Henning hat einen kleinen Stellplatz in der Nähe von Winsen an der Lohe entdeckt. Hafen2wo ist einer dieser Plätze, die man einerseits nicht verraten möchte, weil man so froh ist, eine ganz besonderen Ort gefunden zu haben. Dieser soll so bleiben wie er ist, vor allem möchte man immer, wenn man Lust hat, dort übernachten können. Andererseits hat der Betreiber Ole es verdient, dass möglichst viele Menschen diesen Platz kennenlernen – und so verstehen, was Camping auch sein kann. Ruhig, ohne großen Klimbim, einfach mal kurz aussteigen. Dennoch alles vor Ort haben, was man so braucht. Es ist familiär, so, wie man es sich wünscht, wenn man an Camping denkt. Henning hat mit Ole über den Platz und über weitere Pläne gesprochen.

Gerd hat wieder ein Zelt mitgebracht, diesmal ein sehr großes, welches eher für Familien gedacht ist. Doch das Birdland TC von Outwell macht auch Spaß, wenn man alleine oder zu zweit unterwegs ist. Es hat einen großen Vorraum und zwei Schlafkammern. Eine kann auch gut als Abstellkammer für all die Ausrüstung genutzt werden, die man nicht jederzeit braucht. Der Clou ist aber das Material: Ein Baumwollgemisch sorgt für ein tolles Klima, die Fenster sind abgedunkelt. Und die Beleuchtung ist auch noch dabei. Tipp: Man sollte auch noch die Zeltplane als Unterlage und einen Teppich für den Vorraum gleich dazu bestellen. Die ausführliche Rezension zum Zelt lest Ihr übrigens hier: https://campermen.de/outwell-birdland-4-tc-29-kilo-zelt-mit-viel-platz-und-gutem-klima/

Nadine stellt drei Alben vor, die ihr gerade besonders Spaß bringen. Von Violet Grohl hat sie „Be Sweet To Me“ dabei.
The Haunted Youth überzeugt mit „Boys Cry Too„. Und bei Dogstar hat „All In Now“ echte Starpower.

Und dann haben wir noch ein Anliegen, nämlich die Petition „Mit Campermen ans Lagerfeuer“: Wir laden Euch ein, mit uns bei CampfireFM einen Platz zu schaffen, wo wir miteinander über aktuelle Folgen sprechen können. Damit wir zusammen dort über Plätze, Menschen und Gadgets sprechen können, brauchen wir Eure Unterstützung. Wenn genügend Camping-Freunde finden, die bei der Petition mitmachen, werden wir Teil der CampfireFM-Gemeinschaft. Wir würden uns freuen, Euch dort zu treffen! https://www.joincampfire.fm/petition/Campermen: https://www.joincampfire.fm/petition/Campermen

Links zur Folge:
Stellplatz Hafen2wo: http://hafen2wo.de
Zelt Outwell Birdland 4 TC: https://www.outwell.com/de-de/ecommerce/zelte/4-personenzelt/birdland-4-tc
Rezension des Zeltes auf Campermen: https://campermen.de/outwell-birdland-4-tc-29-kilo-zelt-mit-viel-platz-und-gutem-klima/

Alben für den Sommer
Violet Grohl „Be Sweet To Me“l: https://open.spotify.com/album/0x4K7avY6nlNEppKxJg6fu?si=n81y7kCmRU6lrG4GUavX2A
The Haunted Youth „Boys Cry Too“: https://open.spotify.com/intl-de/album/1dNC3LocONxgz5YiSE6yzG?si=X7fys0lIRCu8-SS2JwBC4A
Dogstar „All In Now“: https://open.spotify.com/intl-de/album/1fxFvw95DNNmV4Zzoc5pvC?si=7rJ9QGxCRp-kCyV0C8g1qg

Campermen auf Instagram: https://www.instagram.com/thecampermen

Campermen-Radio auf Spotify: https://open.spotify.com/playlist/4exlZlowhPdviX3dU1qQE9?si=8f50e8d4fb8646cf

#251: Ab nach Fyn

Campermen Cover (500 Pixel) mit Gerd Blank und Henning Pommeé

Gerd und seine Steffi sprechen über ihre Dänemark-Reise

Fast zwei Wochen war Gerd auf Fyn unterwegs. Die Planung zur Reise war sehr wechselhaft. Erst wollte er alleine mit einem Fahrrad nach Dänemark fahren. Dann stand fest, dass seine Frau Stefanie Adam mitkommt. Die zwei E-Bikes waren bestellt, dann kam ein Job dazwischen. Die Fahrt mit den Rädern hätte nicht mehr funktioniert, also ging es mit dem Ford Nugget in den Norden, an Bord das Lil‘ Buddy von Ruff Cycles. Vor Ort war das Wetter dann mies. Statt Zelt schliefen sie im Wagen, statt Rundtour gab es viele Ausflüge mit dem Rad.

Also ja, es war eine Radtour. Irgendwie. Aber ohne Auto hätten Steffi und Gerd nur einen Bruchteil von den tollen Dingen mitmachen und Orten besuchen können, die es am Ende waren. Es ging hoch in die Luft, ans Wasser und ins Museum. Es gab Schlösser und Shelter. Es wurde lecker und nachhaltig. Es gab viel Musik und es hat ordentlich geknallt. Übernachtet wurde auf unglaublichen Plätzen, meistens direkt am Wasser.

Gerd und Steffi haben also viel zu erzählen von einer abgefahrenen Reise.

Die Reise wurde von Destination Fyn ermöglicht. Destination Fyn ist die Organisation hinter VisitFyn und ist eine gemeinnützige Tourismusorganisation im Besitz der 10 Gemeinden auf Fyn sowie engagierten Mitglieder, zu denen verschiedene Akteure der Tourismusbranche auf Fünen gehören, wie beispielsweise Hotels, Campingplätze, Sehenswürdigkeiten und Restaurants.

Links zur Folge:
Homepage von Stefanie Adam: https://stefanieadam.de

Infos und Apps
Visit Fyn: http://www.visitfyn.de/
Radknotennetz: https://www.visitfyn.de/radknotenpunktnetz
Herrenhausroute: Etappen mit gpx tracks: https://herregaardsruten.dk/de/startseite/
Parken in Odense: https://www.q-park.dk

Campingplätze
Vejby Fed Strand Camping: https://vejlbyfedstrandcamping.dk
Camp Hverringe: https://www.camphverringe.dk
Stellplatz am Lundeborg Hafen: https://www.visitsvendborg.de
Falsled Strand Camping: https://en.falsledstrandcamping.dk/
Hotel Christiansminde: https://www.christiansminde.dk
Autocamperplads på Klintebjerg Havn: https://www.visitnordfyn.dk
Svendborg Sund Camping: https://svendborgsund-camping.dk
Emmerbølle Strand Camping: https://www.feriepark-langeland.de/emmerboelle
Rezension auf Campermen: https://campermen.de/emmerbolle-strand-camping-das-ende-der-welt-aber-das-gute/
Shelterplatz Millinge Klint: https://bookenshelter.dk

Ausflüge
Bridgewalking: https://bridgewalking.dk
CLAY – Dänemarks Museum für Keramik & Porzellan: https://claymuseum.dk
Angeln / Projekt Havørred Fyn: https://de.seatrout.dk
Fjord & Bælt: https://fjordbaelt.dk/was-ist-fjordbaelt/?lang=de
Villa Skovly: https://www.villa-skovly.dk/
Over Ild: http://overild.dk
Blaffen / Tag mig med (Nimm mich mit): https://www.visitfyn.de/fyn/outdoor-og-bike/tag-mig-med
Unsichtbares Theater „Unter dem Eis“: https://usynligtteater.dk/de/unter-dem-eis/
App BaggaardTeatret: https://usynligtteater.dk/de/download-app-de/
Øhavsmuseet: https://www.ohavsmuseet.dk
App: Rejsekort: https://www.rejsekort.dk/da/rejsekort_app
Hans Christian Andersens Hus: https://hcandersenshus.dk/de/
Heartland Festival: https://heartlandfestival.dk
Schloss Egeskov: https://egeskov.dk/de
Europas erstes Outdoor- und Camping-Museum: https://egeskov.dk/oplevelser/udstillinger/camping-outdoor-museum
Valdemars Slot: https://www.valdemarsslot.dk/
Langelands Maxiudlejning „Knaller“ Puch Maxi Leihstation Langeland: https://langelands-maxiudlejning.understory.io

Essen und Trinken
Restaurant Remisen: https://restaurantremisen.dk/
Nyborg Destilleri: https://nyborgdestilleri.dk/
Vesterports Bageri: https://vesterportbageri.dk/
Færgekiosken: https://www.visitdenmark.se/danmark/planera-resan/faergekiosken-gdk1156468
Storms Pakhus: https://stormspakhus.dk/en/

Campermen auf Instagram: https://www.instagram.com/thecampermen

Campermen-Radio auf Spotify: https://open.spotify.com/playlist/4exlZlowhPdviX3dU1qQE9?si=8f50e8d4fb8646cf

#250: Ein Gefühl von Freiheit

Campermen Cover (500 Pixel) mit Gerd Blank und Henning Pommeé

Camping auf Langeland, Hilfe bei Hitze, Zweirad-Tour mit Motor und eine lebensverändernde Reise

Wow. 250 Folgen Campermen. Da darf man auch ein bisschen stolz sein. Henning, Gerd und Nadine sprechen über den Anfang und werfen einen Blick hinter die Kulissen. Aber der Rückblick ist nicht so ganz deren Sachen, lieber schauen sie nach vorn, um sprechen über das nächste Abenteuer.

Gerd war zum Beispiel während seiner Dänemark-Rundreise (mehr dazu in der kommenden Folge) auf der Insel Langeland. Sein Lager für die Nacht hat er auf Emmerbølle Strand Camping aufgeschlagen. Eigentlich mag er keine großen Campingplätze. Doch hier, im Nordwesten der kleinen Insel, wäre er gerne länger geblieben. Der Campingplatz wurde mehrfach als bester Platz Dänemarks ausgezeichnet. Der Grund dafür ist klar: Hier gibt es alles, was man für einen tollen Urlaub benötigt. Die einen mögen es ruhig, die anderen lieben den Trubel. Obwohl das unvereinbar klingt, gelingt es der Besitzerin Mia und ihrem Team, genau diese Mischung anzubieten. Für Gerd war der Strandzugang von seinem Stellplatz grandios, seine Frau fand dagegen das Schwimmbad mit der 25-Meter-Bahn perfekt. Und das sind nur zwei Highlights von vielen. Mehr hört ihr in der Folge. Mehr lest ihr in seiner Rezension auf Campermen: :https://campermen.de/emmerbolle-strand-camping-das-ende-der-welt-aber-das-gute/

Henning bereitet sich gerade auf seinen Urlaub vor, es geht in den Süden. Dort wird es sehr heiß, vor allem im Dachzelt. Kurzerhand hat er einen kleinen Ventilator gekauft, der mit Akku betrieben und per Fernbedienung gesteuert wird. Ach ja: Eine Lampe ist auch noch eingebaut. Wir haben während der Aufnahme getestet, wie leise sich der Ventilator sich dreht. Könnt Ihr ihn hören?

Hören kann man auf jeden Fall den Motor der Puch Maxi, mit der Gerd auf Langeland unterwegs war. Bei Langelands Maxiudlejning kann man sich die historische Mofa ausleihen und ganz gemütlich (mit ein wenig Krach) durch die Landschaft brausen. Beim Verleiher gibt es Helm und einen Ersatzkanister mit Treibstoff. An der Puch hängt ein Fuchsschwanz, ein Kasten für Picknickzubehör ist auch montiert. Richtig cool: Auf Langeland (und ganz Fyn) gibt es mehrere tausend Kilometer ausgeschilderte Radwege. Und so eine Mofa muss auf dem Radweg fahren. Man hat also genug Spielfläche für sichere Touren.

Und manchmal schlägt das Leben dann doch Kapriolen. So wie bei Tino Wendelken. Er ist ein Macher und Autonarr. Erfolgreich im Job, ein Leben nach Plan und auf der Überholspur. Bis der Burnout kommt. Nichts geht mehr. Bis zum Entschluss, dem Leben eine neue Richtung zu geben. Er baut einen Land Rover Defender Pulse Ambulance zum Reisemobilsteigt aus, steigt mit seiner Frau ein und bricht mit ihr zu einer mehrmonatigen Reise auf. Sie führt in den Balkan und darüber hinaus. Zurück in Deutschland schreibt er seine Gedanken in seinem Buch „Mit dem Land Rover in die Freiheit“ auf. Nicht nur als Erinnerung, sondern vor allem, um anderen einen Ausweg aus der gedanklichen Sackgasse aufzuzeigen. Eine bewegende Reise, eine bewegende Geschichte, über die Tino mit uns im Interview spricht.

Links zur Folge:
Emmerbølle Strand Camping: https://www.feriepark-langeland.de/emmerboelle
Infos zum Campingplatz: https://www.feriepark-langeland.de/emmerboelle/informationen/information
Info-Brochure (PDF): https://www.feriepark-langeland.de/images/ristinge/praktisk/pdf/Emmerbollede.pdf
Rezension auf Campermen: https://campermen.de/emmerbolle-strand-camping-das-ende-der-welt-aber-das-gute/

Langelands Maxiudlejning „Knaller“ Puch Maxi Leihstation Langeland: https://langelands-maxiudlejning.understory.io

Tino Wendelken auf Instagram: https://www.instagram.com/landrowendis/

Campermen auf Instagram: https://www.instagram.com/thecampermen

Campermen-Radio auf Spotify: https://open.spotify.com/playlist/4exlZlowhPdviX3dU1qQE9?si=8f50e8d4fb8646cf

Emmerbølle Strand Camping: Das Ende der Welt, aber das gute

Eine Nacht auf Langeland, eine Campingplatzbesitzerin namens Mia und die verstörend tröstliche Entdeckung, dass man sich in Dänemark nie wirklich verloren fühlt – selbst wenn man Lüneburg dabei hat.

Langeland ist eine dieser Inseln, die man auf der Landkarte suchen muss, weil man zunächst nicht glaubt, dass sie wirklich existiert. Schmal, lang, im Südfünischen Inselmeer zwischen Fünen und dem Nichts gelegen, knapp 12.000 Einwohner, gefühlt dreimal so viele Windräder. Ich bin am Ende meiner Reise durch Fyn hier gestrandet — gewollt, versteht sich, aber mit jenem leichten Anflug von Wehmut, der einen immer dann überkommt, wenn man weiß, dass es der letzte Abend ist. Morgen geht es nach Hause, über Kolding und Flensburg, nicht per Fähre über Puttgarden, weil das die poetischere Route ist und ich dazu neige, auf solche Details Wert zu legen, selbst wenn sie eine Stunde länger dauern. Aber heute Abend: Stellplatz 15, Emmerbølle Strand Camping, direkter Strandzugang, Wasser vor der Tür.

Es gibt Orte, die man schon vom Einfahren her mag. Das Emmerbølle ist so ein Ort.

Mia, die Camping-Geschichte und das Deutsch

Die Rezeption liegt gleich am Eingang, und dahinter steht Mia. Mia ist Mitbesitzerin des Platzes, gemeinsam mit Lasse, und sie hat diese entspannte Freundlichkeit, die man in Skandinavien so oft antrifft und die man im besten Fall mit nach Hause nimmt — und die leider meistens auf der Autobahn irgendwo zwischen Flensburg und Hamburg verloren geht. Mia spricht Deutsch, und zwar nicht dieses zögerliche Touristen-Deutsch mit langen Pausen zwischen Artikel und Substantiv, sondern echtes, fließendes Deutsch. Wir reden. Über den Platz, über die Jahre, die sie und Lasse hineingesteckt haben, und dann über ihre eigene Camping-Geschichte — denn natürlich hat Mia eine. Alle Menschen, die Campingplätze gut führen, haben irgendwo in ihrer Biografie diese Kindheitssommer unter Zelttuch und die Jugend mit Mücken und Lagerfeuergeruch in den Haaren.

Was Mia und Lasse aus Emmerbølle gemacht haben, ist beeindruckend. 2024 bester Campingplatz auf Fyn und den Inseln. 2025 wieder. Dazu der Danish Camping Award in der Kategorie „Danmarks Bedste Udlejning“ — beste Vermietung Dänemarks. Nicht schlecht für einen Platz, der geografisch gesehen am Ende der Welt liegt. Wobei — man gewöhnt sich ans Ende der Welt, wenn es so aussieht.

Stellplatz 15 und das Glück der richtigen Parzelle

Stellplatz 15 hat direkten Strandzugang. Das bedeutet: ein paar Schritte Kies, dann Sand, dann Wasser. Es ist der Unterschied zwischen dem Urlaub, von dem man erzählt, und dem Urlaub, dem man hinterhersehnt. Ich parke den Ford Nugget so, dass die Schiebetür direkt auf die Pforte zum Strandzugang zeigt — ein kleines Kunststück der Einparklogistik, das sich hinterher unverhältnismäßig befriedigend anfühlt. Dann schaue ich aufs Wasser und tue das, was man tut, wenn man allein an der Küste steht und weiß, dass man morgen wieder nach Hause muss: sehr, sehr wenig. Absichtlich sehr, sehr wenig. Das klingt einfacher, als es ist.

Der Platz ist terrassenförmig angelegt, viele Stellplätze haben Meerblick, die Strandparzellen wie meine sind das Sahnehäubchen. Die Größe ist großzügig — mindestens 60 Quadratmeter für die Strandplätze — und das Gras ist das dänische Gras, das immer ein bisschen grüner wirkt als das deutsche, was natürlich eine optische Täuschung ist, aber eine angenehme.

Die Nachbarn aus Lüneburg

Das mit Lüneburg muss ich kurz erklären. Ich komme aus Lüneburg. Das ist eine mittelgroße Stadt in Niedersachsen mit einer Altstadt, die man gerne ins 15. Jahrhundert datieren würde, und einem Stadtbild, das an bestimmten Stellen tatsächlich schief steht — weil der Untergrund aus abgelaugtem Salzgestein besteht und die Häuser das im Laufe der Jahrhunderte kommentieren, auf ihre eigene Art. Es ist eine Stadt, die man liebt, wenn man dort aufgewachsen ist, und die man anderswo nicht erwartet.

Meine Nachbarn auf dem Platz kommen aus Lüneburg.

Das ist der Moment, in dem Dänemark kurz aufhört, fremdes Land zu sein, und sich stattdessen anfühlt wie ein Wohnzimmer, in dem jemand das Sofa umgestellt hat. Wir reden natürlich sofort — über die Theorie und Praxis des dänischen Campingurlaubs, über die beste Einfallstraße von der A7 und über die gemeinsame Überzeugung, dass Langeland unterschätzt wird. Es ist diese Art von Begegnung, für die man keinen Plan braucht und die man trotzdem nicht vergisst.

Über den Platz

Emmerbølle ist kein romantisch-schlichter Campingplatz, der seinen Charme aus Verzicht bezieht. Es ist ein moderner Ferienpark, der seinen Charme daraus bezieht, dass er trotz allem keinen Momenten des Nichtstuns abhold ist. Das Angebot ist, um es vorsichtig zu formulieren, beachtlich.

Das Schwimmbad hat eine 25-Meter-Bahn. Meine Frau, die regelmäßig schwimmt und Campingplatzbäder üblicherweise mit der Begeisterung einer Lebensmittelkontrolle beäugt, war zufrieden. Das bedeutet mehr, als es klingt. Das beheizte Becken misst zehn mal 25 Meter, hat einen Kinderbereich, und man kann es als Gast frei nutzen — im Preis inbegriffen, wie auch Fitnessraum, Duschen und WLAN. Wer dann noch nicht genug hat, probiert die Multiarena mit Kunstrasen für Fußball, Basketball und Tennis oder sucht einen der Spielplätze auf, die über den Platz verteilt sind. Es gibt Kinderanimation, Sportplatz, Spielzimmer für Regentage — die ja auch in Dänemark vorkommen, wenngleich man das dort deutlich gelassener nimmt als anderswo.

Der Supermarkt auf dem Gelände ist tatsächlich das, was das Wort verspricht: ein Supermarkt. Nicht jener verschämte Kiosk, der drei Sorten Chips und warmgewordene Milch bereithält und sich mit viel Optimismus Laden nennt. Hier gibt es Lebensmittel, frisches Brot am Morgen, einen Brötchenbestellservice — der außerhalb der Hauptsaison funktioniert, in der er leider eingestellt wird, was die einzige organisatorische Einschränkung ist, die ich notiert habe. Dazu Restaurant, Grillbereich, Snack-Bar.

Ich bin den Platz mit meinem E-Bike erkundet — einem „Lil‘ Buddy“ von Ruff Cycles, der mit seiner breiten Bereifung und dem kompakten Rahmen eher nach Strandpromenade als nach Campingplatz aussieht. Was prompt dazu führte, dass ich gefühlt alle 200 Meter angesprochen wurde. Ob das Bike zu mieten sei, wo man so etwas kaufe, was es koste. Emmerbølle ist, das merkt man schnell, ein Platz mit Publikum für solche Dinge.

Wer sich Extras gönnen möchte, findet buchbare Pakete. Das „Hoher Puls“-Paket schnürt Fahrradverleih, Tennisplatz-Nutzung, ein SUP-Board für zwei Stunden, eine Runde Minigolf, Tischtennisschläger, frische Brötchen sowie eine Flasche lokalen Apfelsaft und zwei Bølle-Biere zu einem Preis zusammen, der deutlich unter dem Einzelwert liegt. Das „Niedriger Puls“-Paket hingegen — Hängematte, Sauna, Brötchen, Apfelsaft, Bier, eine Tüte Süßigkeiten — ist eigentlich ein Manifest über den richtigen Umgang mit freier Zeit. Ich hätte es buchen sollen. Beim nächsten Mal.

Für Hunde gibt es eine eigene Dusche und einen eingezäunten Bereich, was Camper mit Hund als Zeichen eines Platzes kennen, der wirklich nachgedacht hat. Für Luxus-Aficionados gibt es die „HAUGbølle Oasen“ — Ferienhäuser mit Meerblick und eigenem Außen-Spa. Ob man Frühstückskorb, Sekt und Tapas dazubuchen kann: ja.

Die Insel selbst

Langeland verdient ein eigenes Kapitel, bekommt hier aber nur einen Absatz, weil das ehrlicher ist. Es ist eine Insel zum Verlangsamen. Die Radwege entlang der Küste sind das Beste, was man mit zwei Rädern und etwas Wind machen kann. Wer Schlösser mag, fährt nach Tranekær: Tranekær Slot ist rot, thront auf einem dieser charakteristischen Huthügel, die die Insel prägen, und ist das älteste bewohnte Haus Dänemarks — was man ihm von außen ansieht, ohne genau zu wissen warum. Es gibt eine Imkerei, historische Mühlen, einen Medizingarten mit der größten Heilpflanzensammlung Nordeuropas, das Langelandfort als Zeugnis des Kalten Krieges und am Südende der Insel die Wildpferde, die einfach so herumlaufen und sich um touristische Erwartungen wenig scheren. Rudkøbing, die Hauptstadt, hat Kopfsteinpflaster und Cafés und die Ruhe, die man in größeren Städten so schmerzlich vermisst.

Von Emmerbølle aus startet direkt am Platz der Øhavsstien, der Inselmeerpfad — ein Küstenwanderweg, der so schön ist, dass man ihn nicht für wahr halten möchte. Kajak und SUP lassen sich ausleihen, Angelausrüstung ebenfalls. Das Wasser ist hier ruhiger als man denkt und klarer als man nach all den deutschen Campingurlaubs erwartet.

Eine Nacht reicht nicht

Ich habe eine Nacht in Emmerbølle verbracht. Nur eine. Der Besuch war der krönende Abschluss meiner Reise durch Fyn, und ich meine das ohne jede Ironie: es war tatsächlich krönend. Nicht weil alles perfekt war. Das kann es gar nicht, wenn Menschen für Menschen und mit Menschen arbeiten. Geschmäcker und Bedürfnisse sind unterschiedlich. Rezensionen im Netz merken zum Beispiel an, dass die Sanitäranlagen je nach Saison und Auslastung schwanken können. Die Meinung dort: Wer Spitzenpreise bezahlt, hat das Recht auf Spitzenleistung. Nach meiner Meinung ist das dummes Zeug und Klagen auf sehr hohem Niveau. Mir fehlte dagegen eine kleine Hecke zu den Nachbarn. Die gab as an anderen Stellplätzen, die nicht am Strand lagen. Insgesamt hat der Campingplatz das richtige Verhältnis gefunden hat. Zwischen Aktivität und Ruhe, zwischen Komfort und dem Gefühl, wirklich draußen zu sein. Zwischen Trophäensammlung und den Menschen dahinter. Und zwischen familiär und professionell.

Zu Abschied fragt Mia, ob es mir gefallen hat und ob ich wiederkommen werde. Meine ehrliche Antwort: ja. Und das nächste Mal gleich mehrere Tage. Natürlich wieder mit meiner Frau, die schon für das Schwimmbad sofort zusagen würde. Mit Zeit für das Niedrig-Puls-Paket, die Hängematte und den Sonnenuntergang. Wie ich das nächste Mal anreise, weiß ich allerdings noch nicht. Vielleicht wieder mit dem Nugget, vielleicht ein Dachzelt, vielleicht nur mit Fahrrad und Zelt, vielleicht aber auch eines der Ferienhäuser mit Meerblick. Das ist das Schöne an einem Platz, der für alles gemacht ist: Man muss sich noch nicht entscheiden.

Am Morgen habe ich den Nugget beladen, noch einmal aufs Wasser geschaut und bin dann über Kolding nach Hause gefahren. Die Wehmut auf der Autobahn war real. Das ist, glaube ich, das beste Zeichen.

Emmerbølle Strand Camping, Emmerbøllevej 24, 5953 Tranekær, Langeland. Saison 2026: 27. März bis 20. September. feriepark-langeland.de/emmerboelle

In der folge „Ein Gefühl von Freiheit“ sprechen wir über den schönen Platz.