Lil‘ Buddy: Millennial trifft Bonanza-Rad

Okay, wir geben es zu, wir haben uns verknallt. Unser Objekt der Begierde hat den Shape eines 70er-Jahre-Models, zwei dicke Dinger und ordentlich Power. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Wir sprechen von unserem kleinen Kumpel, oder genauer vom Lil‘ Buddy, dem coolen E-Bike von Ruff-Cycles.

Wir sind ja immer auf der Suche nach sinnvollen Gadgets, mit dem das Camping-Glück noch größer wird. Wer uns kennt oder schon länger unseren Podcast hört, der weiß, dass wir ganz tief in uns drinnen noch Jungs sind. Und es stimmt, eigentlich müsste der Podcast Camperboys heissen. Es geht uns nicht immer nur um „Hauptsache praktisch“, die Dinge müssen uns auch Spaß bringen und cool aussehen – im besten Falle alles zusammen. Das nur zur Erklärung, wieso wir ein Fahrrad getestet haben, bei dem schon auf dem ersten Blick klar ist, dass hier Style vor Sinn steht. Aber für uns gehört das eben zusammen. Jeder weiß doch wie sehr es nervt, auf einem Campingplatz von seinem zugewiesenen Platz viele Meter zu den Waschräumen zu fahren oder Brötchen zu kaufen. Aber mit dem Lil‘ Buddy werden kleine und große Ausfahrten zu einem Erlebnis und zu einem großen Auftritt. Es gibt keinen, den der Anblick dieses kleinen Kumpels kalt lässt. Selbst wenn man ein bisschen schüchtern ist, lernt man garantiert Leute kennen. Naja, wenn man ehrlich ist, wollen sie eigentlich nur das Fahrrad kennenlernen.

Auch wenn Lil‘ Buddy ein wenig wie ein Besucher aus den USA aussieht: Das Rad stammt aus Regensburg. Dort hat Ruff-Cycles ihren Sitz, eine Fahrradschmiede, die schon mit ihren Beach-Cruisern weltweit für Furore gesorgt hat. Eine verlorene Wette brachte den Chef Pero Desnica dann dazu, ein E-Bike auf die Straße zu bringen. Aber – und das war ihm wichtig: Es sollte ein Spaßmobil für jung und alt werden und nur aus den besten am Markt verfügbaren Teilen bestehen. Und da der Markt nicht genügen Teile hatte, die seinen Ansprüchen genügten, hat er diese in seinem Unternehmen selbst entworfen und gebaut. Der Motor stammt von Bosch, die Schaltung wird ebenfalls eingekauft, fast alle anderen Teile werden in den eigenen Werkstätten hergestellt und lackiert.

Der Preis des Rades geht bei 2.500 Euro los, wer mehr Ausstattung und Leistung will, muss auch mehr Kohle hinlegen. Das mag teuer klingen – bis man weiß, wie das Rad entsteht. Es ist ein deutsches Produkt, welches in Europa hergestellt wird. Man sieht und spürt die hohe Verarbeitungsqualität. Jedes Rad wird in Handarbeit zusammengesetzt und – je nach Kundenwunsch – mit Extras ausgestattet. Die günstigste Version kommt fast nackt zum Kunden, Licht und Schutzbleche können dazu bestellt werden. Beim Motor gibt es die Wahl zwischen zwei Varianten – was sich aber nicht auf die Geschwindigkeit auswirkt: In Deutschland sind maximal 25 km/h erlaubt. Die reichen aber für eine entspannte Tour durchs Viertel, am Strand, im Wald oder eben über den Campingplatz. Auf dem Bananensattel, der bewusst an den Sitz der alten Bonanza-Räder erinnert, haben selbst große Hintern genügend Platz. Eigentlich fehlen nur ein Fuchsschwanz und ein paar Spielkarten in den Speichen – und schon ist die Zeitreise perfekt. Für 1.200 Euro gibt es das Rad auch ohne Motor und Akku – aber wo bleibt denn da der Spaß?

Mit einer vollen Akku-Ladung kommt man im Turbo-Modus auf eine Reichweite von rund 50 Kilometern. Vier Modi stehen zur Verfügung, mit denen locker auch mal 130 Kilometer gefahren werden können. Aber jetzt mal ehrlich: Wer auf dem Ding sitzt, will volle Power. Dann muss man halt öfter an die Stromtankstelle. Der Akku sitzt unter dem Sattel und wird mit einem Schloss gesichert. An der Steckdose dauert es dann etwa vier Stunden, bis die Batterie wieder voll ist.

Wir waren mit dem Lil‘ Buddy am Elbstrand und in Parks, fuhren durch die Stadt und verbrachten damit ein paar Tage am Strand von St. Peter-Ording. Ganz egal, auf welchem Gelände wir fuhren: Das Bike brachte uns sanft und sicher überall hin, ganz entspannt und ohne große Anstrengung. Doch auch für den sportlichen Kick bringt Lil‘ Buddy genügend Power mit: Bei einer kleinen Downhill-Fahrt steigt der Puls, die Konzentration steht auf Anschlag, der Fun strömt aus jeder Pore. Ein Tipp: Wer mit dem Rad unterwegs ist, sollte eine Pumpe dabei haben. Denn auf unwegsamen Gelände oder am Strand empfiehlt es sich, den Reifendruck zu reduzieren, um so eine bessere Federung zu bekommen – sonst fühlt man jeden Huckel. Auf der Straße darfs es dann wieder ein bisschen mehr Luft sein.

Und ist das Rad nun praktisch? Gegenfrage: Braucht man in der Stadt SUVs? Darum geht es nun wirklich nicht. Wir sind der Meinung: Das Bike macht Spaß – und darauf kommt es doch am Ende an. Es ist eigentlich einen Tick zu schwer für einen mobilen Mitfahrer, dafür bietet es dann vor Ort viel mehr, als es jedes „normale“ Rad je könnte. Und wenn es nur nette Gespräche mit den Stellplatznachbarn sind. Ganz klar: Wir haben mit dem coolen Rad einen kleinen Kumpel fürs Leben gefunden. Auch wenn wir den Lil‘ Buddy nach dem Test wieder zurück nach Regensburg schicken, werden wir ihn immer in guter Erinnerung behalten. Im Podcast stellen wir nicht nur das Rad noch einmal vor und erzählen von unseren Erlebnissen mit dem Lil‘ Buddy. Wir sprechen auch mit Pero über die Geschichte hinterm dem Bike, über seine Firma Ruff-Cycles, aber auch über seine eigenen Outdoor-Touren durch Nordafrika.

Fotos: Henning Pommée

Website von Ruff-Cycles: https://www.ruff-cycles.com
Lil‘ Buddy Infos, Preise und Konfigurationen: https://www.ruff-cycles.com/ruff-cycles-ebikes/lil-buddy-bosch-ebike-pedelec.html

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