„ich bin dann mal auf Festival-Tour“, sagt Gerd – und packt schon mal seinen Camper vor. Er will nicht auf einer Bühne stehen, sondern davor tanzen und feiern. Und das nicht alleine, sondern mit alten und neuen Freunden. Auf dem Programm stehen das Hurricane Festival in Scheeßel, das Roskilde-Festival in der Nähe von Kopenhagen und das Deichbrand-Festival bei Cuxhaven. Mindestens.
Drei Festivals, tausend Beats und ein Sommer des Lebens
Der Sommer 2025 läuft. In Deutschland ist das Wetter so naja, aber irgendwie bietet er das passende Klima für Festivals. Denn wer sein Wochenende mit viel Camping und noch mehr Musik verbringt, kennt die Kapriolen, die ein Wetter schlagen kann. Auch ich mache mich Mitte Juni fertig, denn ich habe eine ganz besondere Tour vor mir. Ich möchte möglichst viele Festivals besuchen. Als erstes geht es zum Hurricane, wo ich schon seit mehr als 20 Jahren zu Gast bin. Und das Wetter ist dort häufig eher so mittel. Aber das Festival heißt ja nun einmal Hurricane und nicht Sunshine.
Aber egal, ob es nun regnet oder heiß wird – für mich wird’s sehr komfortabel, denn ich reise mit einem Ford Nugget in der Titanium-Ausstattung. Ford war so freundlich und hat mir das Fahrzeug für meine Festival-Tour zur Verfügung gestellt. Damit wird mein Aufenthalt sehr bequem. Ich schlafe unterm hochstelldach, unten kann ich sitzen und arbeiten, in der Heckküche koche ich meinen Kaffee und bereite mein Essen zu. Richtig gut finde ich die Außendusche und dass ich eine Trenntoilette an Bord habe.

Aber im Prinzip hätte ich auch einfach nur mit sauberer Wäsche anreisen können. Wer bei Festivals an Dosenravioli, Schlamm und Teenie-Exzesse denkt, sollte umdenken. Denn die neue Generation der Open-Air-Events ist erwachsener, kuratierter – und dabei so exzessiv wie stilvoll.
Hurricane Festival: Heimspiel mit 80.000 Freunden

Zwischen Wäldern und Feldern, im beschaulichen Scheeßel, pulsiert vom 20. bis 22. Juni eine Energie, die selbst Metropolen neidisch macht. Es ist die Zeit der Mittsommernacht, es will und will nicht dunkel werden. Das macht etwas mit dem Biorhythmus, das Feier-Gen wird aktiviert. In diesem Jahr stehen Acts wie Green Day, Apache 207, AnnenMayKantereit und The Prodigy ganz oben im Line-up. Ich muss zugeben, dass ich nicht zu 100 Prozent von der Zusammenstellung überzeugt bin, aber den meisten Gästen gefällt. Es gibt eben keine Genregrenzen – und genau deshalb funktioniert es. Der Vibe? Laut, ungekünstelt und verdammt authentisch. Das Publikum bewegt sich irgendwo zwischen College-Charme und urbaner Coolness – Sneaker neben Gummistiefeln, Vintage-Lederjacke trifft Techwear. Die Organisation? Die ist wie in jedem Jahr eine Punktlandung. Es gibt gratis Trinkwasser, nachhaltige Konzepte und ein Sicherheitsteam, das sich fast wie ein wie Concierge-Service anfühlt. Wer hier campt, weiß: Das ist nicht Woodstock, das ist Wildnis mit WLAN – und einer ganz eigenen Attitüde.
Hurricane Festival: https://hurricane.de/de/
Tickets: https://www.ticket-onlineshop.com/ols/hurricane/
Roskilde: Understatement trifft globalen Sound

So sehr ich es liebe, Jahr für Jahr zum Hurricane zu fahren: Irgendwie wirkt das Festival immer wieder etwas hemdsärmelig. Das liegt auch daran, dass hier alles immer nur für ein paar Tage aufgebaut wird. Eine große Zeltstadt halt, von der schon im Juli nichts mehr zu sehen ist. Das Roskilde-Festival ist da schon ein ganz anderer Schnack. Seit mehr als 50 Jahren findet Skandinaviens größtes Festival inzwischen statt. Die Hauptbühne bleibt auch danach stehen – so wie einzelne Aufbauten. In diesem Jahr geht es am 28. Juni los, der letzte Tag ist der 5. Juli. Die kleine Stadt in der Nähe von Kopenhagen wird in dieser Zeit zum Epizentrum musikalischer Weltgewandtheit. Aber Vorsicht: Wer am ersten Tag anreist, sollte mit seinen Kräften haushalten: Hier findet man von Minute eins auf jedem Campingplatz unzählige Partys. Wer sich mitreißen lässt, ist nach ein paar Tagen schnell durchgefeiert. Und dann fehlt die Kraft für das Hauptprogramm – und das wäre doch schade. Denn mit 185 Acts aus 45 Ländern – darunter Olivia Rodrigo, Beth Gibbons, Nine Inch Nails und das Hip-Hop-Duo Kenny – setzt Roskilde ein Statement: Musik kann mehr als unterhalten – sie verbindet. Das Publikum? Eine faszinierende Melange aus Weltenbummlern, Kreativen und Hedonisten, die lieber ins Kunstzelt schlendern als in der Schlange für Insta-Pics zu stehen. Hier wird Nachhaltigkeit gelebt, nicht gepostet. 30.000 Volunteers, barrierefreie Zugänge, zukunftsorientiertes Design – das alles macht Roskilde zum Festival für Menschen, die Verantwortung genauso feiern wie gute Beats. Und das Beste: Kein Ort fühlt sich so sehr nach Gemeinschaft an – inmitten von 130.000 Fremden.
Roskilde-Festival: https://www.roskilde-festival.dk/en
Tickets: https://www.roskilde-festival.dk/en/tickets
Deichbrand: Ekstase am Meer

Zum Abschluss der kleinen Tour geht es vom 17. bis 20. Juli an die Nordseeküste. Willkommen beim Deichbrand Festival – der charismatischen Fusion aus urbanem Rave und familiärer Feiereuphorie. Zum 20. Jubiläum treten Szenegrößen wie Deichkind, K.I.Z, Macklemore, Fritz Kalkbrenner und The Kooks auf. Das zeigt eindrucksvoll, wie ein Sound-Spektrum, das von Techno über Indie bis Deutschrap reicht. Das Gelände befindet sich am ehemaligen Flugplatz und bietet alles, was das moderne Festivalherz begehrt: Green Camping, Comfort Villages, ein eigener Supermarkt – ja, sogar Flat Whites und vegane Bowls sind hier längst Standard. Richtig klasse ist das drumherum. Es gibt ein gewaltiges Schwimmbad inklusive DLRG, Ruhezonen und Newcomer-Bühnen. Aber vor allem so richtig nette Leute. Selbst wenn man alleine anreist bleibt man es nicht lange. Das Deichbrand ist kein Festival – es ist ein kuratiertes Erlebnis für Menschen, die wissen, wie man sich verliert, ohne den Überblick zu verlieren.
Deichbrand Festival: https://www.deichbrand.de
Tickets: https://www.ticket-onlineshop.com/ols/deichbrand/de/festivaltickets/channel/shop/index
Festivals für Hedonisten mit Haltung
Ob man beim Hurricane mit Bier in der Hand durch die Moshpits tanzt, in Roskilde ein globales Musik-Kunst-Symposium erlebt oder beim Deichbrand mit Sonnenbrille und Champagnerflöte bis in die Morgendämmerung feiert – Der Sommer 2025 ist groß. Eins ist klar: Das ist nicht einfach nur ein Festival-Sommer. Das ist ein Statement.