Hobby Prestige Van 640 ET im Test: Zwei Zimmer, acht Gänge und sehr viele Schränke

Der Hobby Prestige Van First Edition 640 ET will ein Reisemobil für zwei sein, das sich auch auf langen Strecken und bei schlechtem Wetter nicht nach Verzicht anfühlt. Auf unserer Tour von Norddeutschland über das Pitztal und Lana bis an den nördlichen Gardasee musste der 6,36 Meter lange Kastenwagen zeigen, ob das mehr ist als ein schönes Versprechen.

Ein Fahrzeugtest beginnt selten dort, wo das Fahrzeug gebaut wurde. Den Hobby Prestige Van First Edition 640 ET holte ich allerdings direkt im Werk in Fockbek ab, ganz in der Nähe von Rendsburg. Bevor es auf die Straße ging, bekam ich noch eine Führung durch die Produktion. Ich konnte zusehen, wie Wohnwagen und Wohnmobile entstehen. Das war eindrucksvoll und hatte einen angenehmen Nebeneffekt: Nach der Besichtigung betrachtet man Schränke, Kabel, Leitungen und Wandverkleidungen mit etwas anderen Augen. Was später wie ein fertiger Raum wirkt, ist vorher ein ziemlich großes Puzzle.

© Gerd Blank

Unser Puzzle war bereits zusammengesetzt und wartete draußen auf seine erste große Reise. Lanzarote Grey, roter Akzentstreifen, 6,36 Meter lang. Das Ziel lag deutlich weiter südlich: erst das Pitztal, dann Lana in Südtirol und schließlich der nördliche Gardasee. Autobahn, Bergstraßen, enge Ortsdurchfahrten und Campingplätze. Also ziemlich genau das Programm, bei dem sich schnell zeigt, ob ein großer Kastenwagen nur auf dem Prospekt gut aussieht oder auch unterwegs funktioniert.

180 PS gegen die Alpen

Unter dem grauen Blech steckt ein Fiat Ducato mit 180 PS und Achtgang-Automatik. Das klingt für einen Camper zunächst nach reichlich Leistung. Auf dem Weg in die Alpen fühlt es sich vor allem passend an. Der Prestige Van ist kein Sportwagen, aber auch kein Fahrzeug, dem man an jeder Steigung gut zureden muss. Die Automatik nimmt viel Arbeit ab und sorgt dafür, dass man sich auf kurvigen Strecken auf die Straße konzentrieren kann, statt ständig den richtigen Gang zu suchen.

Natürlich schrumpft ein 6,36 Meter langer Kastenwagen nicht, nur weil der Motor kräftig ist. Auf schmalen Straßen bleibt er 2,05 Meter breit und in engen Kehren muss man vorausschauend fahren. Trotzdem ließ sich der Hobby erstaunlich entspannt durch die kurvigen Strecken in Österreich und Südtirol bewegen. Der Wendekreis ist für diese Fahrzeuggröße passabel, die Lenkung leichtgängig und die Sitzposition gibt einen guten Überblick.

© Gerd Blank

Beim Rangieren helfen die Rückfahrkamera und die Parksensoren. Zum Assistenzpaket gehören außerdem unter anderem ein automatisches Bremssystem mit Fußgängererkennung, Spurhalte- und Verkehrszeichenassistent, ein adaptiver Tempomat, ein Totwinkelassistent und eine Querbewegungserkennung. Das macht aus dem langen Van noch keinen Kleinwagen, nimmt ihm aber etwas von dem Respekt, den 6,36 Meter beim Blick in den Rückspiegel zunächst auslösen.

Bergab gilt trotzdem: 3,5 Tonnen bleiben 3,5 Tonnen. Die Automatik macht das Fahren bequemer, die Physik schaltet sie nicht aus. Wer frühzeitig Geschwindigkeit herausnimmt und vorausschauend fährt, kommt mit dem Ducato aber sehr angenehm durch die Berge. Auf den langen Autobahnetappen zeigt sich ohnehin die größte Stärke der Kombination aus kräftigem Motor und Automatik: Man kommt entspannt an.

Ein Van für Menschen mit Gepäck

Nach der Werksführung hatte ich bereits eine Ahnung davon, wie ernst Hobby das Thema Möbelbau nimmt. Im Alltag wurde daraus Gewissheit. Dieser Van hat Schränke. Sehr viele Schränke. Wahrscheinlich gibt es kleinere Wohnungen mit weniger Stauraum. Unter den Betten im Heck befinden sich mehrere Fächer und zwei Schubladenschränke. Ein Teil des Bettes lässt sich hochklappen, sodass im Mittelgang Platz für sperrige Ausrüstung oder sogar Fahrräder entsteht. Rund um den Schlafbereich hängen fünf weitere Schränke, im vorderen Teil geht es weiter. Jacken, Schuhe, Kabel, Campingzubehör, Lebensmittel: Für fast alles findet sich ein fester Platz. Das ist angenehm, weil ein aufgeräumter Kastenwagen sofort größer wirkt. Es ist allerdings auch eine Einladung, mehr mitzunehmen, als man braucht.

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Gerade deshalb sollte man die Zuladung im Blick behalten. Der Prestige Van bleibt in dieser Version bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. Je nach Ausstattung kann die reale Reserve vergleichsweise knapp ausfallen. Zwei Menschen, Wasser, Gasflaschen, Gepäck und eventuell Fahrräder bringen Gewicht zusammen. Vor dem Kauf lohnt deshalb nicht nur der Blick in die Schränke, sondern auch in die konkreten Fahrzeugpapiere.

Das Schlafzimmer wird zum zweiten Zimmer

Im Heck liegen zwei Längsbetten. Eine Seite misst 2,01 Meter, die andere 1,82 Meter. Mit der Bettverbreiterung entsteht eine große Liegefläche. Das ist komfortabel und funktioniert auch für Menschen, die nachts nicht regungslos auf ihrer Hälfte liegen bleiben. Für uns war das Bett nicht nur zum Schlafen da. Steffi setzte sich tagsüber gern mit einem großen Rückenkissen, das wir von zu Hause mitgebracht hatten, bei geöffneter Hecktür dorthin und arbeitete. Vorne saß ich in der Sitzgruppe, hinten hatte sie ihren Platz. Plötzlich besaß unser Van zwei Zimmer. Nur der Flur dazwischen war etwas schmal.

Mit 6,40 Meter wird es manchmal eng © Gerd Blank

Die vielen Hängeschränke schaffen Stauraum, rücken aber naturgemäß nah an die Liegefläche. Wer im Bett gern aufrecht sitzt und liest, sollte das vor dem Kauf ausprobieren. Sehr große Menschen werden die 2,01 Meter lange Bettseite schätzen, müssen sich aber beim Aufrichten ein wenig mit den Schränken arrangieren. An den Fenstern sitzen zweiteilige Plissees für Verdunkelung und Insektenschutz. Das ist praktisch, wirkt aber nicht besonders robust. Im Schlafbereich befinden sich zwei davon an den Hecktüren direkt neben den Köpfen, weitere an den Seitenfenstern. Nachts kommt man schnell mit Kissen, Arm oder Schulter an den Stoff. Ob das auf Dauer gutgeht, wird sich zeigen. Ich hätte mir an dieser Stelle eine unempfindlichere Lösung gewünscht.

Die Sitzgruppe kann bleiben, der Tisch muss gehen

Vorne ist die Sitzgruppe angenehm großzügig. Die Bank ist relativ bequem, ihre Sitzposition lässt sich allerdings nicht verändern. Beide Vordersitze können gedreht werden. Ich sitze abends gern auf dem Beifahrersitz und lege die Füße auf den Fahrersitz. Das ist nicht unbedingt die Haltung, die man in einem Katalog fotografieren würde, aber eine sehr gute Art, einen Reisetag zu beenden. Der Tisch lässt sich durch ein herausdrehbares Element vergrößern. Das ist praktisch, wenn gegessen oder gearbeitet wird. Braucht man ihn gar nicht, wird es umständlicher. Er lässt sich nicht einfach wegklappen, sondern muss ausgehängt und an anderer Stelle verstaut werden. Bei uns landete er auf dem Bett. Das funktioniert, wirkt bei einem ansonsten so durchdachten Innenraum aber ein wenig wie eine nachträgliche Lösung.

Für die Fahrt sind vier Sitzplätze mit Gurten vorhanden. Der vordere Bereich kann außerdem zu einem zusätzlichen Schlafplatz umgebaut werden. In der Theorie macht das den Van flexibler, in der Praxis bleibt es ein Notbett. Für eine Nacht mit Besuch mag das gehen. Als regelmäßiger Schlafplatz für eine Familie wäre es mir zu umständlich und zu knapp.

Kleine Küche, großer Kühlschrank

Die Küchenzeile folgt dem klassischen Kastenwagen-Grundriss. Es gibt einen Zweiflammengasherd, eine Spüle und eine kleine ausklappbare Erweiterung der Arbeitsfläche. Trotzdem bleibt der Platz zum Schneiden, Abstellen und Vorbereiten begrenzt. Wer auf Reisen aufwendig kochen möchte, wird schnell anfangen, Deckel auf den Herd, Bretter auf die Spüle und Schüsseln auf den Tisch zu verteilen. Van-Küche eben. Beim Stauraum spart Hobby dagegen nicht. Drei große Schubladen und ein Hängeschrank nehmen Geschirr und Vorräte auf. Der 90-Liter-Kompressorkühlschrank sitzt angenehm hoch im Schrank. Darunter befindet sich noch ein weiteres Fach mit Kleiderstange. Das klingt zunächst wie eine ungewöhnliche Nachbarschaft, funktioniert aber erstaunlich gut.

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Kurz gesagt: Die Küche ist für Kaffee, Frühstück, Pasta und ein vernünftiges Abendessen völlig ausreichend. Wer im Urlaub täglich ein Drei-Gänge-Menü zubereiten möchte, sollte entweder sehr gut organisiert sein oder die riesige Markise herauskurbeln und nach draußen umziehen.

Ein erstaunlich brauchbares Bad

Kompaktbad klingt häufig nach einer freundlichen Umschreibung für einen Raum, in dem man beim Zähneputzen gleichzeitig drei Wände berührt. Im Prestige Van ist das Bad klein, aber clever eingerichtet. Die Toilette lässt sich zur Seite drehen. Beim Duschen wird sie mit einer ausziehbaren Kunststoffabdeckung geschützt. So entsteht mehr Bewegungsfreiheit, ohne dass eine sperrige Schwenkwand den halben Raum blockiert. Ein kleiner Hängeschrank nimmt die wichtigsten Hygieneartikel auf. Besonders gut gefällt mir die große Spiegelfläche. Darüber sitzen zwei weitere offene Fächer. Das Bad wird dadurch nicht zur Wellnessoase, aber es ist vollwertig nutzbar. Für einen Kastenwagen dieser Größe ist das entscheidend.

Zur Wintertauglichkeit tragen die Isolierung, die Gasheizung und der beheizte 90-Liter-Abwassertank bei. Auf unserer Tour wurden die Nächte bereits kühl. Im Wagen blieb es trotzdem so angenehm, dass wir die Heizung noch nicht einmal anschmeißen mussten. Das ist natürlich kein Wintertest bei zweistelligen Minusgraden, aber ein gutes Zeichen dafür, dass die Wärme nicht sofort durch jede Fuge verschwindet.

Viel Licht, zu wenig Schalter

Lampen gibt es im Hobby reichlich. Bei den Schaltern war man offenbar sparsamer. Im Eingangsbereich sitzt ein Schalter für die Beleuchtung im Fußraum. Die beiden Lampen über den Vordersitzen werden per Touch bedient. Das Bad hat einen eigenen Schalter, ebenso jede Bettseite. Für Küche und Sitzgruppe fehlt mir dagegen ein direkter Zugriff. Diese Leuchten werden über das Sieben-Zoll-Touchpanel oberhalb der Schiebetür gesteuert. Dort lässt sich auch ihre Helligkeit regeln. Das funktioniert, ist aber im Alltag unnötig umständlich. Wenn ich in der Küche kurz Licht brauche, möchte ich einen Schalter drücken und kein Menü öffnen.

Campingplatz Mountain Camp
© Gerd Blank

Das Panel selbst liefert einen guten Überblick über die Bordtechnik. Es zeigt unter anderem den Füllstand von Frisch- und Abwassertank sowie die Stromversorgung an und steuert verschiedene Funktionen im Wohnraum. Für Heizung und Warmwasser gibt es ein separates Bedienteil. Nach kurzer Eingewöhnung ist das verständlich. Nur die Aufteilung zwischen klassischen Schaltern und Bildschirm wirkt nicht an jeder Stelle zu Ende gedacht.

Steckdosen gibt es dafür dort, wo man sie braucht. 12 Volt, 230 Volt sowie USB-A und USB-C finden sich sowohl in der Sitzgruppe als auch im Schlafbereich. Das klingt nach einem Detail, ist auf einer Reise mit Telefonen, Kameras, Laptops und sonstiger Technik aber sehr schnell eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale.

Innen eher Yacht als Lieferwagen

Von außen bleibt der Prestige Van trotz grauer Lackierung und rotem Streifen ein Fiat Ducato. Innen gelingt Hobby der deutlich größere Schritt. Anthrazit trifft auf helles Grau, dazu kommen zurückhaltende Holzdetails. Der Kunststoffboden sieht aus wie Schiffsplanken. Hobby spricht vom Yacht-Stil. Das ist ein großes Wort für einen Kastenwagen, aber die Richtung stimmt. Vor allem wirkt der Innenraum ruhig. Es gibt keine wilden Muster, keine glänzenden Fronten und keinen Versuch, auf wenigen Quadratmetern möglichst viel Luxus zu simulieren. Die Farben halten sich zurück, die großen Schrankflächen schaffen optische Ordnung und das Panoramadach über dem Fahrerhaus bringt zusätzlich Licht in den vorderen Bereich. Das Raumgefühl hat mich überzeugt. Zu zweit standen wir uns nicht ständig im Weg. Wenn Steffi hinten arbeitete und ich vorn saß, fühlte sich der Van sogar erstaunlich großzügig an. Genau darin liegt seine Stärke: Er versucht nicht, auf 6,36 Metern ein Familienwohnmobil zu spielen. Er macht zwei Menschen das Reisen sehr angenehm.

Für wen der Hobby Prestige Van 640 ET passt

Der Prestige Van First Edition 640 ET ist ein Fahrzeug für Paare und Alleinreisende, die länger unterwegs sein wollen und dabei nicht jeden Abend ihr halbes Zuhause umbauen möchten. Die festen Betten, das brauchbare Bad, der große Stauraum und die vollständige Ausstattung machen ihn zum komfortablen Reisewagen. Der kräftige Motor und die Achtgang-Automatik passen zu langen Strecken und nehmen auch Alpenpässen einen Teil ihres Schreckens.

© Gerd Blank

Weniger gut passt er zu Familien. Vier Menschen dürfen mitfahren, aber regulär schlafen können nur zwei, optional kommt ein eher schmaler Zusatzplatz hinzu. Auch die Küche wäre mir für den dauerhaften Alltag mit mehreren Personen zu klein. Hinzu kommt die Zuladung, die bei voller Besatzung genau geprüft werden sollte. Einige Details nerven: der Tisch, der zum Verschwinden ausgehängt werden muss, die empfindlichen Plissees am Bett, die knappe Arbeitsfläche und die Lichtsteuerung über das Panel. Das sind keine Kleinigkeiten, die man im Alltag komplett vergisst. Sie ändern aber nichts am überzeugenden Gesamteindruck.

Ich mag diesen Wagen. Vor allem, weil er nicht nur beim Einsteigen gut aussieht, sondern unterwegs funktioniert. Er fährt sich trotz seiner Länge angenehm, bietet sehr viel Stauraum und schafft innen eine Atmosphäre, in der man sich auch an einem kalten oder verregneten Tag gern aufhält. Und wenn bei geöffneter Hecktür hinten gearbeitet wird, während vorn schon der Kaffee kocht, fühlt sich der Kastenwagen tatsächlich ein wenig wie eine kleine Wohnung an. Nur mit dem besseren Ausblick.

Die wichtigsten Daten

  • Modell: Hobby Prestige Van First Edition 640 ET, Modelljahr 2026
  • Basisfahrzeug: Fiat Ducato Light Chassis, Frontantrieb
  • Motor: 2,2-Liter-Diesel, 132 kW/180 PS
  • Getriebe: Achtgang-Automatik
  • Maße: 6,36 m lang, 2,05 m breit, 2,67 m hoch
  • Innenhöhe: 1,90 m
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Sitzplätze mit Gurt: 4
  • Schlafplätze: 2, optional 1 zusätzlicher Not-Schlafplatz
  • Heckbett: Längsbetten mit 2,01 beziehungsweise 1,82 m Länge, mit Bettverbreiterung bis 1,87 m breit
  • Kühlschrank: 90 Liter, davon 9 Liter Gefrierfach
  • Frischwasser: 95 Liter
  • Abwasser: 90 Liter, beheizt
  • Gas: Auszug für zwei 11-kg-Flaschen
  • Bordbatterie: 95 Ah
  • First-Edition-Ausstattung unter anderem: Panoramadach, Ambientebeleuchtung, Sieben-Zoll-Touchpanel, Dometic 2-in-1-Kombiladegerät, Dometic-Verdunkelung für das Fahrerhaus, Dachmarkise, Voll-LED-Scheinwerfer, Lounge-Paket und Fahrassistenzsysteme
  • Geeignet für: Paare und Alleinreisende, auch für Wintercamping ausgelegt

Hinweis zur Zuladung: Die konkrete fahrbereite Masse hängt von Sonderausstattung und Zubehör ab. Vor dem Kauf sollte deshalb die tatsächliche Zuladungsreserve des einzelnen Fahrzeugs geprüft werden.

Transparenzhinweis: Hobby hat uns den Prestige Van First Edition 640 ET für diese Reise zur Verfügung gestellt.