
© Gerd Blank
Das Pitztal zeigt sich im Spätsommer von zwei Seiten. Unten ist es grün, still und angenehm unspektakulär. Oben bereitet sich der Gletscher bereits auf den Winter vor. Dazwischen liegen ein kleiner Campingplatz, zwei Gipfel, jede Menge Höhenmeter und vier Kilometer Schotterpiste auf drei Rädern.
Für unsere Tour durch Tirol und Südtirol haben Steffi und ich einen Van von Hobby übernommen. Das Fahrzeug ist 6,40 Meter lang, bietet reichlich Platz und verlangt in manchen Tiroler Dörfern trotzdem etwas Aufmerksamkeit. Vor allem dann, wenn das Navi eine Abzweigung erst ankündigt, wenn man praktisch schon daran vorbeigefahren ist. Unsere erste Station: das Pitztal.
Ein Campingplatz ohne großes Theater
Unser Basislager war das Mountain Camp in Jerzens. Der Platz ist klein, ruhig und angenehm unaufgeregt. Kein Campingresort mit Wellnesslandschaft und Animationsprogramm, sondern ein Platz für Menschen, die tagsüber etwas vorhaben und abends einfach gut stehen wollen.

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Neben uns zelteten ein paar Jungs aus Belgien, die jeden Morgen in Richtung Berge verschwanden. Gegenüber stand ein Paar mit Bulli und E-Bikes. Dazu kamen Wanderer und Radreisende, die meist nur kurze Zeit blieben. Das passte zum Mountain Camp. Der Platz ist weniger Reiseziel als guter Ausgangspunkt, denn viele der wichtigsten Attraktionen des Pitztals liegen nur wenige Fahrminuten entfernt.
Die Sanitäranlagen sind einfach und sauber. Der Duschraum ist genderneutral eingerichtet, geduscht wird in Einzelkabinen. Muss man mögen, funktioniert aber. Zum Platz gehört auch ein Restaurant, das während unseres Aufenthalts allerdings geschlossen war. Immerhin mussten wir morgens nicht auf frisches Brot verzichten: Brötchen lassen sich vorbestellen und werden zum Platz geliefert.
Wer vom Campingplatz direkt loswandern möchte, kann sich den Weg zum Stuibenwasserfall vornehmen. Der Weg startet praktisch vor der Tür. Für Übernachtungen im Pitztal wird eine Kurtaxe fällig. Praktisch ist der digitale Urlaubsbegleiter myPitztal. Nach der Anmeldung mit den Reisedaten hat man die Gästekarte auf dem Smartphone dabei und findet dort außerdem Informationen zu Wetter, Veranstaltungen, Restaurants und Ausflugszielen.
Zwei Gipfel, zwei Wanderstöcke und eine Portion Kasspätzle
Nach einer ruhigen Nacht wollten wir hinauf zum Hochzeiger. Der ursprüngliche Plan war einfach: mit der Gondel zur Mittelstation, anschließend mit der Sesselbahn weiter nach oben und von dort zum Gipfel. Pläne sind in den Bergen allerdings vor allem eine gute Grundlage für spontane Änderungen. Also fuhren wir stattdessen mit einer Doppelsesselbahn hinauf zum Sechszeiger.

Von dort wanderten wir über die Kalbenalm hinunter zur Tanzalm. Spätestens beim Abstieg war ich froh, dass wir Wanderstöcke dabeihatten. Steffi war mit ihren Stöcken von Helinox unterwegs. Ich hatte die dabei, die mir mein Freund Martin einmal zum Geburtstag geschenkt hatte. Auch meine Wanderschuhe von Mammut mussten arbeiten. Einige Passagen waren ziemlich rutschig, ließen sich mit vernünftigem Schuhwerk aber gut bewältigen.



In der Tanzalm wartete die Belohnung in jener Form, die in Tirol besonders zuverlässig funktioniert: Kasspätzle für die herzhafte Abteilung, Kaiserschmarrn für alles Weitere. Sehr viel klassischer lässt sich eine Wanderpause kaum gestalten.
Mario gegen Luigi auf der Schotterpiste

Danach wurde aus dem Wandertag ein Renntag. An der Mittelstation liehen wir zwei Zirbencarts aus. Die geländegängigen Dreiräder werden mit der Achtersesselbahn Hochzeiger 2.5 zum Start gebracht. Von dort führt eine rund vier Kilometer lange Schotterstrecke zurück zur Mittelstation. Dazu muss man wissen, dass Steffi und ich zu Hause gern Mario-Spiele von Nintendo spielen. Sie nimmt immer Mario. Für mich bleibt Luigi. Die Rollen waren damit auch am Berg schnell verteilt.

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Wir stürzten uns also in unser persönliches Mario-Kart-Rennen. Es ging nicht nur darum, wer schneller durch die Kurven driftet, sondern auch darum, wer dabei lauter juchzt. Vermutlich hatte Steffi bei beidem knapp die Nase vorn. Sicher bin ich nur bei einer Sache: Die Fahrt war so großartig, dass wir oben sofort eine zweite Runde buchten.
Diese Carts sehen zunächst ein wenig nach Kindergeburtstag aus. Sobald sie auf der Schotterpiste Fahrt aufnehmen, ist dieser Gedanke erledigt. Man sitzt tief, spürt jeden Stein und kann das Heck in den Kurven kontrolliert versetzen. Nach vier Kilometern kommt man mit Staub auf der Kleidung und einem ziemlich breiten Grinsen wieder an der Mittelstation an. Mit der Gondel ging es anschließend zurück ins Tal.
Kaffee auf 3.440 Metern
Am letzten Tag im Pitztal wollten wir noch einmal richtig hoch hinaus. Dabei erinnerte mich die Region ein wenig an Hamburg. Meine frühere Heimatstadt erzählt gern, sie habe mehr Brücken als Amsterdam, Venedig und London zusammen. Das Pitztal kontert mit dem höchsten Café und dem höchstgelegenen Standesamt Österreichs. Zum Glück sind Steffi und ich bereits verheiratet. Wir brauchten also keinen Termin, sondern nur Kaffee und Kuchen.

Mit dem Gletscherexpress und der Wildspitzbahn ging es hinauf zum Café 3.440. Der Name ist keine kreative Verrenkung, sondern schlicht die Höhenangabe. Durch die große Glasfront blickt man direkt auf die Gletscherwelt rund um die Wildspitze. Bei guter Sicht reicht das Panorama weit über die umliegenden Gipfel. Wir konnten sogar die Zugspitze erkennen.

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Kulinarisch würde ich hier nicht zu viel erwarten. Es gibt Snacks, Kaffeespezialitäten und Kuchen. Der eigentliche Luxus ist ohnehin die Aussicht. Sie ist spektakulär und lässt sich am besten im Sitzen genießen. Das ist in dieser Höhe auch keine schlechte Idee. Wer 3.440 Meter nicht gewohnt ist, sollte langsamer gehen, sich Zeit lassen und auf den eigenen Körper hören. Für eine Pause gibt es kaum einen besseren Ort als dieses Café.
Ein stiller See vor dem Winter
Zurück an der Talstation wechselten wir fast direkt in die nächste Gondel. Die Rifflseebahn brachte uns auf gut 2.200 Meter Höhe. Dort liegt der Rifflsee, eingebettet zwischen kargen Hängen und hohen Gipfeln. Seine Farbe wechselt mit dem Licht zwischen tiefem Blau, Türkis und Grau. Wir gingen ein Stück am Ufer entlang und kehrten anschließend in der Rifflseehütte ein.

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Es ist ein eigenartiger Moment, ein Skigebiet kurz vor der Saison zu besuchen. Noch sind die Hänge nicht vollständig präpariert. Vielerorts liegen Steine und Geröll offen. Gleichzeitig läuft die Vorbereitung längst. Hubschrauber transportieren Ausrüstung und Baumaterial, Pistenraupen schieben bereits Schnee in Form. Alles wirkt gleichzeitig still und geschäftig. Ein paar Wochen später ist hier Winterbetrieb. Dann verschwinden manche Wege unter dem Schnee, Lifte laufen im Takt und auf den Hütten werden deutlich mehr Kasspätzle gebraucht. Kaum vorstellbar, wenn man zwischen Geröll und Baumaschinen steht. Und doch wiederholt sich dieses Schauspiel jedes Jahr.
Das Pitztal kann mehr als Winter
Der Tourismus prägt das Tal, doch längst geht es nicht mehr nur um die Skisaison. Wandern, Klettern, Rafting, Mountainbiken und Fahrten mit den Zirbencarts machen auch die Monate davor und danach interessant. Dazu kommen Hütten und Restaurants, die erfreulich oft vegetarische Gerichte anbieten. Unsere Campingküche blieb im Pitztal jedenfalls kalt.
Auch die Campingplätze stellen sich auf Gäste ein, die nicht nur im Hochsommer kommen. Das Mountain Camp ist ganzjährig geöffnet und eignet sich deshalb auch als Basis für einen Winterurlaub. Mit einem größeren Reisemobil sollte man bei der Anfahrt durch kleine Orte trotzdem aufmerksam bleiben. Unser Hobby-Van ist 6,40 Meter lang. Das ist noch gut handhabbar, wird in engen Gassen aber schnell interessant. Besonders dann, wenn das Navi mit seinen Hinweisen etwas spät dran ist. Nach mehreren Jahren mit dem Camper in Europa bringt mich eine Sackgasse allerdings nicht mehr aus der Ruhe.

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Das Pitztal ist ein feines Ziel für einen Wanderurlaub. Trotzdem stand für mich nach diesen Tagen fest, dass ich beim nächsten Mal im Winter kommen möchte. Ich konnte schon sehen, wie ich morgens die Pisten hinunterfahre, mittags auf einer Hütte sitze und abends müde in die Koje falle. Am nächsten Tag dann dasselbe noch einmal.
Bis dahin bleiben die Bilder dieser Reise: die schroffen Berge, das blaue Wasser des Rifflsees, der Blick vom Café 3.440 und Steffi, die als Mario auf drei Rädern vor mir über die Schotterpiste jagt. Luigi muss eben weiter trainieren.
Infos für die Reise
- Camping: Mountain Camp Pitztal, Niederhof 206, 6474 Jerzens. Ganzjährig geöffnet, 38 Stellplätze sowie eine Zeltwiese. Restaurant und Brötchenservice vorhanden. Öffnungszeiten des Restaurants vorab prüfen.
- Wandertipp ab Campingplatz: Stuibenwasserfall.
- Hochzeiger: Gondel bis zur Mittelstation auf rund 2.000 Metern. Von dort fahren im Sommer die Doppelsesselbahn Sechszeiger und die Achtersesselbahn Hochzeiger 2.5.
- Zirbencarts: Verleih an der Mittelstation. Die Strecke von der Bergstation Hochzeiger 2.5 zurück zur Mittelstation ist rund vier Kilometer lang. Ein Lichtbildausweis wird für den Verleih benötigt.
- Café 3.440: Erreichbar mit Gletscherexpress und Wildspitzbahn. Betriebszeiten und Wetterlage unbedingt vor der Fahrt prüfen.
- Rifflsee: Die Rifflseebahn startet in Mandarfen. Der See liegt auf 2.232 Metern. Für eine gemütliche Runde um den See sollte man ungefähr eine Stunde einplanen.
- Gästekarte: Die digitale Pitztaler Gästekarte ist über myPitztal abrufbar.
Hinweis: Diese Reise fand im Rahmen einer Pressereise statt. Der Van wurde uns von Hobby als Testfahrzeug zur Verfügung gestellt.
