Signal: Der Leatherman mit Pfiff

Wahrscheinlich habe ich früher zu viel „Hör mal, wer da hämmert“ geguckt. Wie Tim Taylor bin ich handwerklich ziemlich unbegabt, aber dennoch habe ich immer gerne coole Tools am Start. Und meistens kenne ich noch nicht einmal die Namen dafür. Für mich gibt es halt nur DIE Zange – und nicht 159 Zangen-Varianten. Und wo andere 100 Schraubenzieher in ihrem Sortiment haben, nutze ich eigentlich immer nur zwei, einen mit Schlitz und einen mit Kreuz. Ich musste gerade bei Wikipedia nachlesen, dass die Spitze des Schraubenziehers „Abtrieb“ heißt. Tja, wieder was gelernt.

Für mich ist ein Leatherman der perfekte Werkzeugkasten, mein immer-dabei-Werkeug. Meinen ersten Leatherman habe ich vor ein paar Jahren von meiner Frau zu Weihnachten bekommen. Sie konnte es nicht mehr mitansehen, dass ich mir an Schaufenstern die Nase plattgedrückt habe – aber einen Kauf immer ausgeschlossen hatte, weil ich doch so viele Schraubenzieher, Zangen und anderes Zeug ohne erinnerungwürdige Namen im Keller liegen hatte. Gut verstaut in Schubladen, selten genutzt. Dieses Weihnachtsfest war wie eine Offenbarung für mich – fast so wie damals, als ich von meinem ältesten Bruder die Safari-Ausstattung für Big Jim bekommen hatte, inklusive Jeep, Anhänger und Löwenkäfig. Und damit schloss sich der Kreis: Schon als Kind war ich ein Wohnzimmer-Abenteurer, baute mir dort eine Wildnis nach, jagte wilde Tiere (aus Plastik) und brauchte dafür eben die passende Ausrüstung. Mit dem Leatherman war ich nun tatsächlich bereit für den Dschungel.

© Gerd Blank

Drei Leatherman sind bei mir immer wieder im Einsatz. Der erste, ein Wave, hat so viele Werkzeuge, dass ich nach all den Jahren wahrscheinlich immer noch nicht alle kenne. Als nächstes kam der Skeletool CX hinzu und der Dritte im Bunde wurde der winzige Style CS, den ich vor allem für die Nagelpflege nutze. Der jüngste Familienzuwachs ist nun der Signal, der Speziell für Outdoor-Aktivitäten entwickelt wurde. Natürlich sind bei den insgesamt 19 Tools auch wieder die recht üblichen Werkzeuge wie Messer, Schere und Zange dabei. Doch zwei kleine Tools machen den Signal zu einen coolen Begleiter beim Camping. Da ist zuerst einmal der Namensgeber: An der Seite steckt ein kleines Plastikstück. Nimmt man dieses heraus, hält man eine kleine Pfeife in der Hand. Die Idee: In einer Notsituation kann man mit einem hohen Pfeifton anzeigen, wo man sich gerade befindet.

An der Unterseite der Pfeife befindet sich ein Streifen Feuerstahl. Reibt man diesen mit der Rückseite der Säge, entsteht ein wahrer Funkenflug. Bei einem Spaziergang im Altonaer Volkspark habe ich ausprobiert, ob ich damit in der Lage bin, ein Feuer zu machen. Ich habe mir dafür kleine Zweige gesucht, ein bisschen Rinde und anderes trockene Zeug, welches ich als Zunder einsetzen konnte. Dann suchte ich mir einen sicheren Platz, wo ich keine Sorge haben musste, als Feuerteufel in der Tagespresse zu landen. Eine kleine Flasche Wasser stellte ich ebenfalls in greifbare Nähe. Und was soll ich sagen: Es klappte auf Anhieb. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht rief ich „Ich habe Feuer gemacht!“ Meine Frau fand das niedlich. So wie bei einem Kind, dass gerade stolz eine Sandburg präsentiert, die in Wirklichkeit nur ein umgestürzter Eimer mit dreckigem Sand war. Nun denn. Liebe. Kann man nichts machen – höchstens dieses Bild weiter bedienen.

Es muss mindestens vierzig Jahre her sein, dass ich mir das letzte Mal eine Zwille gebaut habe. Auch wenn sich meine handwerklichen Fähigkeiten seit damals kaum verbessert haben, gab wir dieser Erfolg großes Vertrauen. Also ran an die Astgabel, Leatherman in die Hand, Klinge raus – und Sägespäne herstellen. Denn als erstes befreite ich den Zweig von der Rinde und schnitze ein paar Unebenheiten weg. Hier halfen Messer und Säge sehr. Leider fehlt dem Signal eine Feile, hierfür nutze ich meinen alten Wave. Bei einem Versender bestellte ich mir einen dünnen Gummischlauch, im Baumarkt etwas schwarzen Draht, den ich mit dem Drahtschneider des Signals kürzte. Mit der Ahle machte ich ein kleines Loch in ein Lederstück, die Wurftasche der Schleuder. Mit dem Messer ritzte ich noch ein paar Muster ins Holz, die ich dann mit einem Acryl-Stift anmalte. Fertig, meine erste Zwille seit langer Zeit. Wahrscheinlich werde ich sie nie einsetzen. Aber hey – haben ist besser als brauchen.

Das dachten sich wahrscheinlich auch die Designer des Signal. Denn warum die Kante oberhalb des Karabiners ein Hammer sein soll, erschließt sich mir nicht. Vielleicht, um Nüsse zu knacken. Laut Video sollen damit Heringe besser in den harten Boden gehämmert werden können. Und auch den Messerschleifer hätte ich nicht benötigt, hier wäre mir tatsächlich eine Feile lieber gewesen.

Was wiederum sehr oool ist: Den Signal kann man inzwischen in mehreren Farben kaufen. Mein Test-Multitool kam in einem Mintton, Leatherman nennt diesen „Aqua“. Nicht wirklich meine Farbe, aber immerhin findet man ihn wieder, wenn er im Wald auf den Boden fällt. Und man kann sogar einen Namen, ein Logo oder Muster auf den Signal drucken lassen. Nicht so einladend ist – zumindest auf den ersten Blick – der Preis von rund 150 Euro. Damit will ich nicht sagen, dass der nicht gerechtfertigt ist, im Gegenteil: Die Verarbeitung ist hervorragend, einige Teile lassen sich austauschen, falls doch mal etwas verloren oder kaputt geht. Außerdem gibt Leatherman 25 Jahre Garantie auf den Hosentaschen-Werkzeugkasten.

Ach nee, halt – Hosentasche war einmal – wer sich ein Multitool kauft, muss nämlich eine Sache bedenken: Laut Waffengesetz ist das Mitführen einiger Tools nicht erlaubt. Ich kann hier keine Rechtsberatung machen und auch keine Empfehlungen aussprechen. Aber lest einfach mal im Freeworker-Blog nach, dort steht, was Ihr dazu wissen müsst. Meine Leatherman-Tools liegen auf jeden Fall die meiste Zeit sicher im Schrank verwahrt und werden nur benutzt, wenn ich alleine bin. Ehrenwort.

Promovideo von Leatherman für den Signal

Website von Leatherman: www.leatherman.com