
Ich hätte es wissen müssen. Man kauft sich keinen Yeti-Stuhl und bleibt dabei vernünftig. Man kauft sich einen Yeti-Stuhl und sitzt hinterher im Garten, lässt den Kaffee kalt werden und denkt: Eigentlich müsste ich jetzt mal aufstehen. Aber warum eigentlich?
So lief der Test: Sonntagvormittag. Trailhead Field Chair, schwarze Version, frisch ausgepackt, reingesetzt – und sitzengeblieben. Ab jetzt bekomm der Stuhl einen festen Platz in meinem Stuhl-Park: auf Campingplätzen, auf Festivals und, wenn das Wetter mitspielt, einfach nur draußen in meinem Garten.
Ja, ich gebe es zu, ich habe ihn im Garten getestet. Wer jetzt die Nase rümpft und „kein echter Feldtest“ denkt, dem sei gesagt: Der Garten lügt nicht. Wenn ein Stuhl im Garten nicht überzeugt, überzeugt er auch am Lago Maggiore nicht. Und wenn er im Garten begeistert – nun ja, dann sitzt man eben im Garten und fragt sich, warum man überhaupt noch wegfahren muss.
Erster Eindruck: Das hier ist kein normaler Campingstuhl
Kurzer Rückblick auf meine Campingstuhl-Geschichte. Ich habe meinen zarten Hintern in unzähligen Klappstühlen platziert. Einige sahen aus wie orthopädische Mahnungen. Ich habe Stühle transportiert, bei denen die Transporttasche nach der ersten Reise wie ein Unfallopfer wirkte. Ich habe mich in Gestelle fallen lassen, die wackelten wie ein betrunkener Freund, der lallend erklärt, er sei noch völlig fit.
Der Yeti Trailhead Field Chair ist keiner von denen.
Der Klappstuhl kommt in einer schwarzen Tragetasche, die sich anfühlt, als wäre sie selbst schon ein eigenständiges Produkt. Dickes Gewebe, ein langer Schultertragegurt, robuster Reißverschluss. Kein Plastikbügel, kein ausgeleiertes Kordelbändchen. Man schiebt den Stuhl hinein, zieht den Reißverschluss zu, schultert die Tasche – und sieht dabei ungefähr so aus, als würde man ein Outdoor-Shooting verlassen. Nicht wie jemand, der seinen alten Klappstuhl zum Campingplatz schleppt.
Ich habe die Tasche quer über die Schulter gehängt. Saß gut. Bequem. Fast elegant. Und das bei einem Stuhl, der mit knapp vier Kilogramm nicht gerade der Federleichteste seiner Zunft ist.
Aufbauen: Fast schon unfair einfach
Aber ich will den Stuhl ja nicht durch die Gegend tragen, sondern darauf sitzen. Yeti wirbt damit, dass der Trailhead Field Chair sich fast mit einer Hand öffnen lässt. Ich war skeptisch. Diese Art von Versprechen höre ich öfter. Die Realität ist meistens, dass man zwei Hände, eine Kniescheibe und einen stillen Fluch braucht.
Nicht hier.
Man fasst den Stuhl, lässt ihn nach unten schwingen, und er entfaltet sich. Keine Clips, keine Rastnase, die man erst suchen muss, kein Teil, das irgendwo einrasten will, aber nicht will. Einfach aufklappen. Hinsetzen. Fertig. Das Aluminiumgestell spreizt sich gleichmäßig aus, der Stoff spannt sich in seine Form und plötzlich steht da ein Stuhl, der aussieht, als hätte er den ganzen Tag auf dich gewartet.



Zusammenklappen braucht dann doch beide Hände. Aber auch das geht flott, ohne Fummelei, ohne das Gefühl, man würde versuchen, ein trotziges Kind in eine Jacke zu stecken. Ein leichter Druck von links und rechts, so als würde man seine Hände sanft zueinander führen, schon ist das Stuhl bereit für die Tasche.
Was einem keiner sagt: Man setzt sich in den Yeti Trailhead Field Chair und will nicht mehr aufstehen. Ich habe das an mir selbst beobachtet, nüchtern und mit einer gewissen Hilflosigkeit. Das Twilite-Gewebe, aus dem Sitzfläche und Rückenlehne bestehen, gibt etwas nach. Nicht so, dass man einsinkt wie in einen Sumpf. Sondern so, dass es sich dem Körper anschmiegt. Weich genug zum Entspannen, fest genug, um nicht durchzusacken. Die Sitzhöhe liegt bei 44,5 Zentimetern. Das ist die Höhe, ab der man beim Aufstehen nicht automatisch stöhnt.
Ich saß an jenem Sonntagvormittag mit Kaffee (!) und einem Comic. Mit dem festen Vorsatz, nach einer halben Stunde aufzustehen und irgendetwas Sinnvolles zu tun. Nach zwei Stunden war der Kaffee getrunken, das Comic gelesen, und ich hatte noch keinen einzigen Grund gefunden aufzustehen. Der Stuhl ist schuld. Vollständig. Ich übernehme keine Verantwortung.
Das Gewebe ist UV-beständig. Das ist wichtig für alle, die ihren Stuhl nicht nach jedem Sommer verschrotten wollen. Fünf Jahre Garantie gibt Yeti obendrauf, länger als bei den meisten Konkurrenten. Man merkt, dass die das ernst nehmen.
Auffällig unauffällig
Wer uns schon etwas länger folgt, hat es sicher schon bemerkt: Ich bin der Typ, der beim Camping auf Qualität achtet. Nicht weil ich ein Snob bin oder mit Kohle um mich werfen kann. Nein, eher im Gegenteil: Ich habe einfach viel zu oft mit billigem Zeug gelitten. Und wie heißt es so schön: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Schnickschnack. Er sieht auf dem Campingplatz genauso gut aus wie im Garten. Und im Garten sah er so gut aus, dass meine Nachbarin fragte, ob ich neues Gartenmöbel habe.
Ich sagte: Ja. Ein sehr mobiles.
Ein Schmuckstück ist er trotzdem. Vielleicht auch gerade deshalb, weil er gar nicht erst versucht, eines zu sein.
Der Trailhead Field Chair hat keinen eingebauten Getränkehalter. Das ist eine bewusste Entscheidung von Yeti. Der Stuhl soll leichter und schlanker sein als sein großer Bruder, der Trailhead Camp Chair. Okay, das habe ich verstanden. Was ich aber nicht verstehe: Warum muss man den passenden Yeti Chair Cup Holder separat kaufen? Für das Säckchen werden nochmal gut 25 Euro fällig. Immerhin lässt sich dieser an beiden Seiten des Stuhls befestigen, links wie rechts, je nachdem, wo gerade der Platz oder die Laune ist. Ich habe ihn auf beiden Seiten ausprobiert, er sitzt stramm, klappert nicht, sieht ordentlich aus. Trotzdem: Bei einem Stuhl in dieser Preisklasse hätte der Halter einfach in der Tasche liegen müssen.
Der Trailhead Field Chair ist mit rund vier Kilogramm nun wirklich nicht ultraleicht. Für einen robusten Faltstuhl ist das allerdings kein Drama. Für jemanden wie mich, der den Stuhl aus dem Kofferraum zum Stellplatz trägt, ihn auf Festivals mitschleppt, ist es völlig in Ordnung. Mit der Schultertasche funktioniert der Transport gut. Der Gurt ist breit, schneidet nicht ein. Der Stuhl passt in jeden Kofferraum, jeden Stauraum im Camper, ins Stauabteil unterm Bett. Wer ihn zwei Kilometer durch den Wald zur Lagerfeuerwiese trägt, wird die vier Kilogramm merken. Wer fünfzig Meter vom Auto zum Stellplatz geht, hat kein Problem, sondern freut sich am Ziel über den hohen Sitzkomfort.
Der Preis ist nicht heiß
Nun kommen wir zum angenehmen Teil. Der Yeti Trailhead Field Chair kostet rund 250 Euro. Das ist kein Betrag, den man achtlos hinwirft. Das ist ein Betrag, über den man nachdenkt. Zweimal. Und beim dritten Mal sitzt man bereits im Stuhl und denkt nicht mehr nach. Die Qualität, die Materialien, der Aufbau, die Tasche, die Verarbeitung: alles passt zusammen. Nichts quietscht, nichts wackelt, nichts wirkt wie ein Kompromiss. Günstig ist er nicht. Das muss man wissen, bevor man kauft.
Dieser Stuhl wird mich begleiten. Auf Campingplätzen. Auf Festivals. Im Garten, wenn der Sommer es erlaubt und der Kaffee noch heiß ist. Einen zweiten werde ich mir allerdings nicht leisten können. Pech für meine Frau. Sie sitzt also auf dem Campingplatz auf einem anderen Stuhl. Das tut mir leid, ehrlich. Aber hier bin ich, das gebe ich offen zu, etwas egoistisch. Ich habe lange genug auf schlechten Stühlen gesessen und weiß jetzt, was ich mir gönne. Wie andere sitzen, ist deren Problem.
Der Trailhead Field Chair ist eh kein Stuhl für alle. Wer beim Camping jedes Gramm zählt, ist falsch hier. Wer einen ordentlichen Faltstuhl für 40 Euro sucht, ebenfalls. Wer aber auf dem Campingplatz oder beim Festival so sitzt, wie andere zuhause auf dem Sofa sitzen und dafür bereit ist, einmal richtig Geld auszugeben, der hat mit dem Yeti möglicherweise Modell gefunden. Fünf Jahre Garantie gibt Yeti schriftlich dazu. Die braucht man vermutlich nicht. Aber man hat sie.
Hinsetzen. Bleiben. Genießen.
Technische Daten: Yeti Trailhead Field Chair
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Material Sitzfläche | Twilite Fabric (UV-beständig) |
| Gestell | Aluminium, Quad-Fold |
| Sitzhöhe | 44,5 cm |
| Traglast | bis 160 kg (350 lbs) |
| Gewicht | ca. 4 kg |
| Transporttasche | Inklusive, Schultertragegurt |
| Getränkehalter | Separat erhältlich (ca. 25 €), beidseitig montierbar |
| Garantie | 5 Jahre |
| Preis | 250 € |
Link zum Hersteller: https://de.yeti.com/collections/chairs/products/trailhead-field-chair-black
