Wacaco Kaffeebereiter im Test: Vier Kaffee für ein Halleluja

Koffein für unterwegs mit den Wacaco Pixapresso, Picopresso, Minipresso GR2 und Prestina.

Ich bin kein Espressotrinker. Das ist keine Haltung, das ist einfach Biologie. Ich brauche morgens einen großen, schwarzen Kaffee, der in Ruhe läuft, zieht und dann getrunken wird. Am liebsten aus einer Thermoskanne. Wer also einen Test lesen will, der vor Crema-Enthusiasmus trieft, ist hier falsch. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, habe ich mir alle vier aktuellen Kaffeebereiter von Wacaco angesehen. Weil die Frage, wie man unterwegs vernünftig Kaffee macht, eine ist, die mich seit Jahrzehnten beschäftigt – und weil Wacaco inzwischen das vollständigste Sortiment in diesem Segment hat, das ich kenne.


Wacaco. Hongkong. Seit 2013.

Die Firma entstand, nachdem ihr Gründer in einem Hotelzimmer einen schlechten Espresso getrunken hatte. Das klingt nach Marketing-Legende, ist es wahrscheinlich auch – aber als Motivation für ein Unternehmen funktioniert es. Wacaco baut seitdem tragbare Kaffeebereiter, alle manuell bedient, alle ohne Steckdose – bis auf eine Ausnahme, die es seit Kurzem gibt. Das Sortiment hat sich von einem einzigen Gerät auf inzwischen vier entwickelt, die unterschiedliche Ansprüche und Budgets abdecken. Wichtig zu wissen: Bei drei der vier Geräte muss das Wasser schon heiß sein, bevor man anfängt. Wer das vergisst, hat ein Problem.


Pixapresso: für alle, die nicht pumpen wollen

© Gerd Blank // Campermen

Das Pixapresso ist Wacacos erstes elektrisches Gerät. Akku drin, USB-C laden, Wasser selbst erhitzen, Espresso fertig. Entweder mit gemahlenem Kaffee oder mit Nespresso-kompatiblen Kapseln. Temperatur wählbar zwischen 88, 92 und 96 Grad, Pre-Infusion optional. Auf dem Papier ist das das vollständigste Gerät im Sortiment. In der Praxis gibt es zwei Punkte, die man kennen sollte.

Erstens: Der Akku hält für wenige Cups. Wer von einem vollen Akku ausgeht und kaltes Wasser einfüllt, kommt auf etwa zwei bis drei vollständige Extraktion. Mit vorgewärmtem Wasser mehr, aber dann bringt man den Kocher sowieso mit. Aufladen dauert rund drei Stunden. Das ist nicht katastrophal, aber wer jeden Morgen auf dem Campingplatz einen Espresso erwartet, braucht entweder eine Powerbank oder eine gute Taktik.

Zweitens: Es dauert. Vom Einschalten bis zum fertigen Espresso vergehen bis zu neun Minuten. Das steht so in unabhängigen Tests, und es stimmt. Wer morgens in der Hütte steht und Hunger hat, möchte nicht zehn Minuten auf den Kaffee warten.

Der Espresso selbst ist gut. Wer Kapseln nimmt, bekommt reproduzierbare Ergebnisse. Wer mahlt, bekommt mehr Kontrolle. Tom’s Guide fasste es nüchtern zusammen: „The espresso is, to put it plainly, delicious“ – und stellte gleich danach fest, dass die Batterieprobleme ein echter Nachteil sind.

Vorteile: Kein separater Wasserkocher nötig, Kapseln und Gemahlenes möglich, kompakt. 
Nachteil: Kurze Akkulaufzeit, lange Aufheizzeit, langer Ladevorgang.


Picopresso: das Beste, was man manuell machen kann

© Gerd Blank // Campermen

Die Picopresso ist der Platzhirsch im Wacaco-Sortiment, und die meisten unabhängigen Tests sind sich einig: Kein anderes tragbares Espressogerät kommt qualitativ so nah an eine professionelle Maschine heran. Der 52-Millimeter-Siebträger ist baugleich mit dem, was in vielen Cafés im Einsatz ist. 18 Gramm Kaffee, 80 Milliliter Wasser, bis zu 18 Bar Druck per Handpumpe. Crema, Extraktion, Körper – alles da.

Wer das zum ersten Mal hört, denkt: Wie soll das mit einer Handpumpe gehen? Es geht. Aber es erfordert Übung, frisch gemahlenen Kaffee und einen guten Mahlgrad. Wer vorgemahlenen Kaffee aus dem Supermarkt verwendet, wird enttäuscht sein. Wer mit einer ordentlichen Mühle und dem richtigen Mahlgrad arbeitet, bekommt einen Espresso, der einen kurz sprachlos macht. Das Gerät ist aus Aluminium und hochwertigen Kunststoffen, fühlt sich solide an, kostet rund 125 Euro und wiegt 350 Gramm. Mitgeliefert werden Siebträger, Tamper, WDT-Tool, Dosiertrichter und eine Schutzhülle.

Was man wissen muss: Vorheizen ist Pflicht. Wer das Gerät und die Tasse mit heißem Wasser vorwärmt, bevor er brüht, bekommt deutlich bessere Ergebnisse. Wer das überspringt, bekommt eine Extraktion, die auf den letzten Metern abkühlt. Und: Man braucht einen separaten Wasserkocher oder Campingkocher. Das Picopresso heizt nichts.

Vorteile: Außergewöhnliche Espressoqualität für ein tragbares Gerät, hochwertiges Material, professionelles Zubehör.
Nachteile: Lernkurve, kein Heizelement, nicht für vorgemahlenen Kaffee geeignet.


Minipresso GR2: das unkompliziertere Gerät

© Gerd Blank // Campermen

Die Minipresso GR2 funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie die Picopresso – Handpumpe, heißes Wasser, Espresso – ist aber kleiner, einfacher und günstiger. Die Dosiermenge liegt zwischen 8 und 12 Gramm, das Ergebnis ist ein etwa 45-Milliliter-Espresso. Alle Kleinteile wie Dosierlöffel und Trichter lassen sich im 60-Milliliter-Wassertank verstauen, was beim Packen praktisch ist. Der Espresso, der dabei herauskommt, ist gut. Er erreicht nicht die Qualität der Picopresso, aber für ein Gerät unter 60 Euro ist er bemerkenswert ordentlich. Mehrere Tests – darunter Tom’s Guide und Coffeegeek – bestätigen das unabhängig voneinander. Die GR2 ist das ehrlichere Gerät: weniger Anspruch, weniger Komplexität, weniger Fehlerquellen. Einziger körperlicher Hinweis: Das Pumpen erfordert etwas Kraft, besonders wenn der Kaffee etwas zu fein gemahlen ist. Wer nach drei Wochen Campingurlaub einen definierten Unterarm hat, weiß warum.

Vorteile: Günstig, kompakt, einfacher zu bedienen als die Picopresso, praktische Verstaulmöglichkeit für Zubehör.
Nachteil: Espressoqualität unter Picopresso-Niveau, kann zur Kraftübung werden.


Prestina: für Leute wie mich

© Gerd Blank // Campermen

Das Prestina ist das jüngste Produkt im Sortiment und erst im Juni 2026 auf den Markt gekommen, vorgestellt auf der World of Coffee in Brüssel. Es hat mich am meisten interessiert, weil es das einzige Gerät ist, das nicht auf Espresso ausgerichtet ist. Das Konzept ist einfach: 15 Gramm mittelgrob gemahlener Kaffee in die Brühkammer, 240 Milliliter heißes Wasser (circa 90 Grad) drüber, kurz rühren, eine Minute ziehen lassen, dann die Tasse nach unten drücken. Das Wasser läuft durch einen dauerhaften Edelstahlfilter in die Tasse darunter. Kein Papierfilter, kein Kolben, kein Aufwand. Das Besondere: Die Tasse selbst dient als Stempel. Wacaco hat dafür ein patentiertes Ventil entwickelt, das während der Ziehphase das Wasser hält und beim Drücken progressiv öffnet. Prinzip ähnlich einer AeroPress, aber ohne Kolben.

Was man in der Tasse bekommt, ist Filterkaffee. Vollmundig durch die Immersion, ohne den Bodensatz einer French Press, weil der Edelstahlfilter feiner ist. Der Kaffee hat Körper und Textur. Er ist nicht so sauber wie ein V60, nicht so stark wie eine AeroPress, aber für unterwegs ist er genau das Richtige. Der Reinigungsaufwand ist minimal. Brühkammer abschrauben, Kaffeesatz rauswerfen, kurz abspülen. Keine Filter kaufen, keine Ersatzteile besorgen.

Jetzt die ehrliche Seite: Das Gerät ist aus Kunststoff. Polypropylene, Edelstahlfilter, Silikon-Dichtung – so steht es auf der Produktseite. Das fühlt sich beim ersten Anfassen nicht nach 30-Euro-Premium an. Es fühlt sich nach 30 Euro an. Wer eine Picopresso in der Hand hatte und dann die Prestina nimmt, merkt den Unterschied sofort. Das Plastik ist nicht billig, aber es ist Plastik.

Das ist kein Ausschlusskriterium, aber es ist ein Punkt, den man kennen sollte. Wacaco hat sich bei der Prestina bewusst für das günstigste Format entschieden. Das Ergebnis ist ein Gerät, das ich in den Rucksack stecke, ohne groß nachzudenken – und das im Zweifelsfall auch mal fallen kann, ohne dass ich schlechte Laune bekomme. Da noch kaum externe Tests vorliegen, das Gerät ist frisch auf dem Markt, gibt es wenig Langzeiterfahrungen. Was in Foren und auf der SCA-Seite (die Prestina war für den Best New Product Award der Specialty Coffee Association eingereicht) zu lesen ist, klingt gut. Ob das so bleibt, zeigt sich nach ein paar Monaten echter Nutzung. Für mich ist die Prestina das Gerät, das ich mitnehme. Nicht weil es das beste ist. Sondern weil es der einzige Kaffeebereiter im Sortiment ist, der meinen Kaffee macht.

Vorteile: Einfachstes Handling, kein Papierfilter, guter Filterkaffee, günstiger Preis, leicht zu reinigen. 
Nachteil:Komplett aus Kunststoff, kein Premium-Eindruck, Langzeiterfahrungen fehlen noch.


Die wichtigsten Fakten im Überblick

PixapressoPicopressoMinipresso GR2Prestina
TypElektrisch, selbstheizendManuell, HandpumpeManuell, HandpumpeManuell, Immer-sion
ErgebnisEspressoEspressoEspressoFilterkaffee
Kaffeemenge8–12 g (Kapseln möglich)18 g8 oder 12 g15 g
Wassermengebis 120 ml80 ml60 ml240 ml
Strom/AkkuUSB-C, 3.000 mAhkeinerkeinerkeiner
Heißwasserintegriertexternexternextern
MaterialKunststoff / Edelstahl innenAluminium / KunststoffKunststoffKunststoff / Edelstahl-filter
Gewichtca. 300 g350 gca. 200 gca. 170 g
Preisca. 160–200 €ca. 125 €ca. 50–60 €ca. 30 €

Links 
Wacaco: wacaco.com Pixapresso: wacaco.com/products/pixapresso Picopresso: wacaco.com/products/picopressoMinipresso GR2: wacaco.com/products/minipresso-gr2 Prestina: wacaco.com/products/prestina