Süd Frankreich im neuen VW Grand California

Es gibt Autos, in die steigt man ein, um irgendwohin zu kommen. Und es gibt Autos, in denen die Reise schon beginnt, bevor man den ersten Kilometer gefahren ist. Der VW Grand California gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Als wir an diesem Sommermorgen in Hamburg losfahren, steht vor uns kein vertrauter VW T5 namens „Bussi“, sondern ein ziemlich stattlicher Neuling: fast sechs Meter lang, hoch genug, dass man sich selbst als Erwachsener nicht ständig ducken muss, und mit einem Innenraum, der eher an ein kleines Apartment als an ein Auto erinnert. Das Modelljahr 2026 hat an vielen Stellen nur behutsam nachgelegt – aber genau diese kleinen Verbesserungen machen den Unterschied. Mehr Ordnung, mehr Komfort, mehr Wohngefühl. Und unterwegs fährt sich der große Kasten erstaunlich gelassen und agil.
Für meinen Sohn Flynn ist das Auto zunächst weniger Reisemobil als Forschungsstation. Was ist das? Wo kommt das hin? Kann man hier schlafen? Und warum ist der Kühlschrank größer als gedacht? Ich kenne diese Fragen. Erwachsene reisen mit einer Route. Kinder reisen mit Fragen.

Erster Stopp: Regen in Esneux

Unser erster Zwischenstopp heißt Esneux. Belgien empfängt uns nicht mit Postkartenwetter, sondern mit strömendem Regen. Das ist vielleicht der Moment, in dem wir zum ersten Mal verstehen, was dieser Grand California auf dieser Reise eigentlich sein wird. Draußen ist alles nass. Drinnen ist es warm. Wir sitzen am Tisch, während der Regen gegen die Scheiben läuft. Der Tisch ist nicht bloß ein Tisch, sondern Frühstücksplatz, Arbeitsplatz, Spieltisch und irgendwann Ablage für Dinge, die eigentlich längst hätten weggeräumt werden sollen. Der Grand California ist an diesem Abend weniger Fahrzeug als kleines Haus, das zufällig an der Rue de l’Athénée in Esneux steht.
Regen kann einem Campingurlaub ziemlich schnell die Romantik nehmen. Oder er kann sie ins Innere verlagern. Wir entscheiden uns für Letzteres.

Honfleur: Frankreich beginnt langsam

Am nächsten Tag wird der Regen weniger und Frankreich rückt näher. In Honfleur angekommen, ist die Stimmung eine andere. Der alte Hafen, die schmalen Häuser, das Wasser, die Cafés. Ein Ort, an dem man automatisch langsamer wird. Der Grand California bleibt auf seinem Stellplatz zurück. Das ist vielleicht die eigentliche Kunst eines Reisemobils: Es muss nicht immer dabei sein. Es reicht zu wissen, dass es wartet.

Wir laufen durch Honfleur, schauen Schiffe an, bleiben hier und dort stehen, essen etwas und schlendern ohne großen Plan durch die Gassen. Flynn entdeckt Dinge, die auf keinem Reiseblog stehen würden. Einen Laden mit irgendeinem Spielzeug. Einen besonders großen Eisbecher und auf dem großen Karussell versteckt er sich vor dem Kontrolleur auf der oberen Ebene und fährt so nicht nur einmal. Normalerweise hätte ich ihn ermahnt, dass so etwas nicht gehe – aber es ist Urlaub und die Paar runden mehr machen ihm so viel Spaß, dass ich mich meinen Kommentar nach der Schwarzfahrt kurzhalte. Reisen mit Kindern ist auch eine Lektion darin, Wichtigkeiten neu zu sortieren.

Zwei Tage am Mont Saint-Michel

Wir reisen wie in der Business-Klasse eines Flugzeugs, der Grand California schaltet weich in den 8 Gang und die 163 PS des 2,0-l-Turbodiesel beschleunigen uns fast lautlos auf unsere Reisegeschwindigkeit von 120 Km/h pro Stunde, alle Assistenten sind aktiv und passen akribisch darauf auf, dass ich nicht über die Spur fahre, halten automatisch den Abstand zum Vorderauto und weisen mich darauf hin, dass es Zeit ist einmal eine Pause zu machen. Gute Idee, Rosie muss sowieso mal Gassi. So entspannt bin ich lange nicht gereist. Dann taucht er auf. Zuerst nur als Silhouette. Dann wird aus dem dunklen Punkt am Horizont ein Felsen, aus dem Felsen eine mittelalterliche Stadt und aus der Stadt der Mont Saint-Michel.

Wir bleiben zwei Tage. Das klingt nach viel Zeit für einen Ort, den die meisten Besucher in wenigen Stunden abhaken. Aber genau deshalb fühlt es sich richtig an. Wir können bleiben, wenn andere zu den um 18 Uhr schließenden Parkplätzen eilen oder mit Bussen abreisen. Wir können noch einmal durch die Gassen laufen. Noch einmal nach oben schauen. Noch einmal warten, bis das Licht sich verändert.
Das Kloster thront über allem, aber das eigentliche Erlebnis ist das Dazwischen: die Wege, die Mauern, die Blicke aufs Meer und das Gefühl, dass sich dieser Ort nicht beeilen lässt.

Abends radeln wir zurück zu unserem Zuhause auf vier Rädern. Rosie läuft ohne Leine, wir sind fast alleine vor der imposanten Silhouette der ikonischen Insel und alles fühlt sich leicht an, frei. Ich glaube ich werde diesen Moment aus Kinderlächeln, warmem Wind und Ruhe nie vergessen.

Die Île de Noirmoutier und die Kunst, einen Platz zu finden

Je weiter wir nach Süden kommen, desto mehr verändert sich die Reise. Die Luft wird wärmer, die Landschaft weiter. Unser Ziel ist ein Zwischenstopp an der Atlantikküste. Aber wegen der Feuer in Gironde haben sich die Gästeströme verändert und im August sind zudem Ferien in Frankreich und viele gehen Campen. Vorbei an einem uninspirierten Stellplatz den wir über die Camping Car Park gefunden haben und wo wir noch Platz untergekommen wären, lassen wir sein. Wir wagen das Risko und fahren einfach weiter. Und irgendwann sind wir auf der Île de Noirmoutier. Christoph, der auf dieser Reise meinen „Bussi“ fährt hat damals seiner Tochter aus einem Buch vorgelesen, das auf der Insel spielte.

Im August hier einen Stellplatz zu finden, ist kein Selbstläufer. Wir haben Glück und bekommen einen Platz für zwei Autos auf dem Campingplatz Les Oncheres. Für uns bedeutet das vor allem: kleines Abenteuer, kleines Glück.

Schnell einparken und ab ins Meer. Wir machen uns gar nicht die Mühe viel aufzubauen. Bussi und der Grand California passen genau auf den Platz. Mehr war nicht verfügbar, aber er passt auch mit seinen fast 6 Metern und zusätzlichem Fahrradgepäckträger von Thule gut in die Lücke. Etwas schief und wir haben keine Böcke dabei, aber für eine Nacht wird es gehen. Gekocht wird heute nicht, auf dem kleinen Platz vor dem Restaurant wärmt sich ein DJ für die abendliche Party auf, es gibt frische Austern, Pizza und Bier.  

Durch die Gironde

Dann kommt die Landschaft, über die wir auf der Reise am wenigsten unbeschwert sprechen. Schon die Wochen vor der Abreise waren vom Blick auf das Feuerradar der NASA bestimmt und wie sich die verheerenden Brände ausbreiten werden. Zum Glück wurde unser Ziel durch die zahlreichen Feuerwehrmänner geschützt.

Auf dem Weg durch die Gironde sehen wir die Spuren der Waldbrände. Stellenweise wirkt die Landschaft verwundet. Wo eben noch Wald war, bleibt eine verbrannte, dunkle Fläche zurück. Man fährt daran vorbei und kann trotzdem nicht einfach vorbeisehen. Auch weil wir Urlaub machen. Und wenn dann ein verwaistes Haus mit ausgebrannten Fahrzeugen am Straßenrand an uns vorbeifliegen, entsteht ein reales uns sehr mulmiges Gefühl.
Dieses Gefühl begleitet uns bis zum Cap Ferret. Im Kopf die Bilder der Zerstörung, vor uns der Campingplatz Truc Vert. Hier bleiben wir sieben Nächte. Der Platz ist sehr leer für diese Jahreszeit. Dort sprechen wir mit den Betreibern. Sie beruhigen uns. Gerade jetzt seien Gäste wichtig. Während der Brände mussten viele Betriebe schließen, und für die Menschen vor Ort geht es darum, wieder auf die Beine zu kommen.

Plötzlich bekommt Camping eine andere Bedeutung. Wir sind nicht nur Durchreisende. Wir bringen auch ein bisschen Leben zurück. Am Abend sitzen wir vor dem Grand California und dimmen die große Lichtleiste vor dem Ausstieg, das praktische zweiteilige Mückenplissee ist geschlossen und der Innenraum glüht im Ambientelicht zwischen den Klappen. Das Auto ist inzwischen voller Sand, Krümel, Spielzeug und kleiner Reisegeschichten. Genau genommen sieht es längst nicht mehr neu aus. Und das ist gut so. Ein neues Auto ist schön. Ein Auto, das eine Reise erlebt hat, ist etwas anderes.

Paris

Dann Paris. Für Flynn beginnt der Höhepunkt der Reise schon lange vor dem Eiffelturm. Wir fahren in die Stadt, beziehen unseren Platz auf dem Campingplatz Maison Laffitte und machen uns auf den Weg. Der Eiffelturm ist tatsächlich so groß, wie man ihn sich vorgestellt hat. Und irgendwie noch größer. Es ist sehr voll und Besucher aus aller Herren Länder warten wie wir auf den Eingang zum Eifelturm. Ganz rauf geht es nicht, nur zu Fuß auf die zweite Ebene. Der Ausblick ist atemberaubend. Wir schauen auf die Metropole, machen Fotos und atmen die Stadt ein. Paris ist laut, voll und ein bisschen überwältigend. Aber vielleicht gehört genau das dazu.

Am nächsten Tag wartet Disneyland Paris. Für Flynn ist klar: Das ist der Hauptgewinn. Für uns Erwachsene beginnt der Tag zunächst mit dem Versuch, unsere Hunde in eine Station zu geben, wo sie den Tag bleiben können, denn im Disney Land sind keine Tiere erlaubt. Die Station direkt am Eingang und hat Platz für 25 Tiere. Resevieren geht nicht, aber ein Telefonat vor Monaten hat ergeben, dass die Station noch nie ausgebucht war. Esko und Rosie sind Hund 23 und 24. Puh, das war knapp. Das Personal ist sehr professionell, freundlich und alles geht ganz schnell. Ihr müsst unbedingt den Impfpass mitbringen, sonst könnt ihr eure Lieblinge nicht einchecken. Kosten pro Tag: 25 Euro inklusive Futter – das ist fair. Das Gefühl, Rosie und Esko zurück zu lassen ist unfair, aber wir sehen sie ja etwas später zum Gassigehen, denn das dürfen die Mitarbeiter der Hundestation nicht.

Jetzt heißt erst erstmal einen Überblick zu bekommen. Zwei Parks, Sicherheitskontrolle, unglaubliche Liebe zum Detail, überall Disney-Figuren aus der Kindheit und mein Sohn der fast vor Freude zerspringt. Dann geben wir die Kontrolle ab, es übernehmen die Attraktionen.

Wir laufen. Und laufen. Und laufen.

Am Ende stehen mehr als 31.000 Schritte auf der Uhr. So viel zu der Idee, dass Erwachsene irgendwann vernünftig werden. Wenn man Disneyland Paris besucht, lohnt es sich, beide Parks einzuplanen. Wer möglichst viel erleben möchte, kann außerdem den Disney Premier Access Ultimate nutzen, um bei vielen Attraktionen lange Wartezeiten zu umgehen. Alternativ lassen sich einzelne Premier-Access-Pässe über die App buchen. Die App selbst ist ohnehin praktisch, weil sie Wartezeiten, Attraktionen und gebuchte Pässe zusammenbringt. Und wer in einem der Restaurants essen möchte, sollte früh reservieren. Aber all diese Tipps sind am Ende Nebensache. Denn irgendwann steht Flynn einfach da, mitten in diesem künstlichen Wunderland, mit großen Augen und einem Gesichtsausdruck, der sagt: Genau dafür bin ich hier. Und dann weiß man wieder, warum man reist.

Flynns Top 3 Attraktionen: 1. Big Thunder Mountain, 2. The Twilight Zone Tower of Terror 3. Star Wars übernimmt Space Mountain

Hennings Top 3 Attraktionen: 1. Ratatouille, 2. The Twilight Zone Tower of Terror 3. Peter Pan

Ein Auto, das Zuhause war

Am nächsten Morgen fahren wir zurück Richtung Hamburg. Die Strecke ist lang. Aber sie fühlt sich nicht mehr wie der Anfang der Reise an, sondern wie deren Nachspann. Der Grand California hat inzwischen alles gesehen: belgischen Dauerregen, französische Hafenromantik, mittelalterliche Klostermauern, Atlantikluft, verbrannte Wälder und 31.000 Schritte Disneyland. Er war Schlafzimmer und Küche, Rückzugsort und Transportmittel. Er hat uns vor Regen geschützt, unsere Sachen getragen und uns immer wieder ein kleines Stück Zuhause gegeben. Vor allem aber hat er etwas verändert. Mit „Bussi“ hätten wir diese Reise wahrscheinlich anders erlebt. Nicht schlechter. Nur anders.

Der Grand California hat uns mehr Raum gegeben. Für Gepäck. Für Regentage. Für müde Kinder. Für Frühstücke, bei denen niemand aufstehen musste. Für spontane Pausen. Und für die Erkenntnis, dass ein Urlaub nicht unbedingt daraus besteht, möglichst viel zu sehen. Manchmal besteht er darin, genug Zeit zu haben, um etwas wirklich zu erleben.

Für Flynn wird wahrscheinlich nicht der neue Innenraum des Grand California in Erinnerung bleiben. Nicht die Gepäcknetze hinter den Klappen der Gepächfächer, nicht der Tisch der im Innenraum und draußen vor dem Küchenblock eingehängt werden kann, nicht die smarten Funktionen und wahrscheinlich auch nicht die Frage, wie souverän sich ein fast sechs Meter langer Camper durch enge Straßen bewegt. All diese Dinge machen das Reisen angenehmer – und genau das kann der neue Grand California. Aber unvergesslich werden andere Dinge sein. Der Mont Saint-Michel. Der Eiffelturm. Disneyland Paris. Und vielleicht dieses große grau weißes Auto mit schicken schwarzen Felgen, in dem wir morgens aufgewacht sind und abends wieder angekommen sind.

Ein Auto kann einen von A nach B bringen. Der Grand California machte aus A und B eine Geschichte. Unsere begann in Hamburg. Und irgendwo zwischen Esneux und Paris wurde aus einer Sommerreise eine Erinnerung, die bleibt.

Campingplätze entlang der Reise:

Unser Reisemobil: VW Grand California
Campermen Podcast zur Reise: Family Business in Frankreich

  1. Disney Land Tipps:
    Tickets für beide Parks buchen:Es lohnt sich auf jeden Fall, beide Parks mitzunehmen – so holt ihr das Maximum aus eurem Besuch heraus.
  2. Premier Access Ultimate:Für das maximale Erlebnis empfehle ich den Disney Premier Access Ultimate Pass. Damit könnt ihr lange Warteschlangen umgehen und euch entspannt von Attraktion zu Attraktion durch den Park bewegen.
  3. Premier Access über die App:Alternativ könnt ihr auch bis zu drei einzelne Premier Access Pässe mit einem vorgegeben Zeitfenster über die Disney App buchen – praktisch, wenn ihr gezielt bestimmte Fahrgeschäfte ohne lange Wartezeit erleben möchtet.
  4. Disney App nutzen:Die App ist superpraktisch! Dort findet ihr Informationen zu den Attraktionen und aktuellen Wartezeiten. Außerdem könnt ihr eure Pässe hinterlegen und bei den jeweiligen Attraktionen ganz einfach wie in einer digitalen Wallet aufrufen – und schon geht’s los.
  5. Restaurant frühzeitig reservieren:Wenn ihr in einem Restaurant essen möchtet, solltet ihr unbedingt frühzeitig über die App einen Tisch reservieren. Die Plätze sind sehr begehrt und schnell ausgebucht.