Ninebot Max G3 im Test: E-Roller für Stadtcowboys und faule Camper

Rund drei Monate lang war ich mit dem Ninebot Max G3 D in Lüneburg unterwegs und hatte ihn beim Camping in Tirol und Südtirol dabei. Der kräftige Antrieb macht Freude, auf dem Campingplatz erleichtert der Scooter viele Wege. Anheben möchte ich ihn allerdings möglichst selten.

Vor meiner Haustür in Lüneburg beginnt jede Fahrt mit einer kleinen Geduldsprobe. Die Straße ist mit Kopfstein gepflastert, einen eigenen Radweg gibt es nicht. Auf dem Ninebot Max G3 D bekomme ich die Unebenheiten deutlich zu spüren. Dabei hat Segway dem Roller eine hydraulische Federung vorn und hinten sowie schlauchlose, selbstabdichtende 11-Zoll-Reifen spendiert. Für einen E-Scooter ist das eine ordentliche Ausstattung. Mein Kopfsteinpflaster beeindruckt sie trotzdem nur begrenzt.

© Gerd Blank

Sobald ich Asphalt unter den Reifen habe, wird die Fahrt angenehm. Der Roller lässt sich leicht lenken, ich komme zügig voran und brauche im Stadtverkehr kaum Platz. An die Haltung auf dem Trittbrett und das Lenkverhalten muss man sich allerdings erst gewöhnen. Kleine Räder reagieren anders als die eines Fahrrads.

In Lüneburg gehören E-Scooter längst zum Stadtbild. Pendler fahren damit zum Bahnhof und nehmen sie mit in den Metronom, um auch am Zielort mobil zu bleiben. Andere rollen zur Uni oder zum Job. Der Metronom erlaubt die kostenlose Mitnahme kleiner E-Tretroller, sofern genug Platz vorhanden ist. Bei anderen Verkehrsunternehmen können andere Regeln gelten.

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Viel Schub beim Anfahren

Der Max G3 D hat einen Hinterradantrieb mit 500 Watt Nennleistung und bis zu 2.000 Watt Spitzenleistung. Entscheidend ist für mich, was davon auf der Straße ankommt: Selbst mit mir als schwerem Fahrer zieht der Roller die Hügel hinauf, die auf meinen Wegen liegen. Ich bin fast durchgehend im Sportmodus unterwegs. Er ist einer von drei Fahrmodi und liefert den kräftigen Antritt, den ich an diesem Scooter mag.

Den sollte man beim Losfahren allerdings nicht unterschätzen. Zuerst stoße ich mich wie auf einem gewöhnlichen Tretroller mit einem Fuß vom Boden ab. Ab etwa 3 km/h lässt sich der Motor per Gashebel aktivieren. Dann sollten beide Füße sicher auf dem Trittbrett stehen und das Gewicht passen. Wer zu weit hinten steht und beherzt Gas gibt, riskiert einen Kaiserstart: Das Vorderrad steigt, während der Roller nach vorn will. Mir wäre das an einer Ampel beinahe passiert. Gestürzt bin ich nicht, aber die Lektion saß. Seitdem bekommt der Roller beim Anfahren etwas mehr Aufmerksamkeit. Ein Helm gehört für mich ohnehin dazu.

Bei zwanzig ist Schluss

Bei 20 km/h regelt der Antrieb ab. Das entspricht der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit, die für diese Fahrzeugklasse in Deutschland erlaubt ist. Der Motor hätte Reserven, die ich lieber an Steigungen nutze. Auf gerader Strecke ziehen deshalb immer wieder Radfahrer an mir vorbei. Daran gewöhnt man sich. Etwas weniger an den Protest des Rollers, wenn es bergab schneller wird: Dann piept er laut. Ja, verstanden. Ich bremse wieder.

Das Farbdisplay lässt sich gut ablesen. Bei den Blinkertasten muss ich anfangs genauer hinschauen, damit ich nicht die falsche erwische. Mit etwas Übung klappt auch das, und die Blinker haben einen handfesten Vorteil: Ich kann meine Richtungsänderung anzeigen und beide Hände am Lenker behalten.

Wie wichtig mir das ist, merke ich bei jeder Fahrt. Einhändig wirkt so ein Stehroller auf mich deutlich weniger vertrauenerweckend, als manche Jugendlichen demonstrieren möchten. Zur Ausstattung gehören außerdem Scheibenbremsen an beiden Rädern, Frontlicht und Bremslicht.

Reichweite und Gewicht

Für meine Alltagswege ist die Reichweite ein klarer Pluspunkt. Segway nennt für den 597-Wh-Akku bis zu 75 Kilometer bei 20 km/h und bis zu 80 Kilometer im langsameren Eco-Modus. Das sind Herstellerwerte unter festgelegten Bedingungen, unter anderem mit rund 75 Kilogramm Last auf ebener Strecke. Mein Gewicht, Steigungen und häufiges Anfahren passen nur bedingt zu diesem Szenario. Die Zahlen sollte man deshalb als Orientierung lesen.

Praktisch fürs Camping ist das eingebaute Ladegerät. Für eine normale Ladung an 230 Volt genügt das passende Netzkabel, ein separates Netzteil muss dafür nicht mit. Segway gibt rund dreieinhalb Stunden für eine volle Ladung an. Die Kehrseite bekomme ich beim Anheben zu spüren. Rund 24,6 Kilogramm wiegt der Max G3 D. Die Lenkstange lässt sich herunterklappen und verriegeln, sodass sie als Tragegriff dient. Leicht wird der Roller dadurch nicht. Ihn mit einer Hand eine Treppe hinaufzutragen, ist eine Kraftübung, die ich nicht täglich brauche.

Ich habe eine Garage direkt neben dem Haus. Dort kann der Ninebot stehen, ohne dass ich ihn durch ein Treppenhaus wuchten muss. Wer den Roller regelmäßig in eine Wohnung tragen möchte, sollte sich gut überlegen, ob er sich das antun will. Beim Pendeln können schon die Treppen am Bahnhof die Freude trüben.

Die App hilft beim Abschließen nur bedingt

Über die Segway Mobility App lässt sich einiges einstellen, etwa das Fahrverhalten oder bestimmte Tonsignale. Mit AirLock kann sich der Roller automatisch entriegeln, sobald das gekoppelte Smartphone in die Nähe kommt. Außerdem unterstützt er Apples „Wo ist?“-Netzwerk. Das sind nützliche Ergänzungen, ein ordentliches Schloss ersetzen sie für mich nicht.

Ich nutze ein dickes Tex-Lock. Über dem Vorderrad gibt es zwar eine Öffnung zum Anschließen, der Verschluss meines Schlosses passt dort aber nicht hindurch. Mit einer Knotentechnik konnte ich es trotzdem verwenden. Das funktioniert, ist für ein Fahrzeug dieser Preisklasse aber umständlicher, als ich es mir wünsche. Eine großzügigere Öse würde helfen.

Beim Camping zeigt sich der Nutzen

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Auf der Reise nach Tirol und Südtirol hatte ich den Ninebot im Van dabei. Beim Ein- und Ausladen dachte ich regelmäßig darüber nach, ob ich ihn wirklich brauche. Auf dem Campingplatz war die Antwort schnell klar. Jetzt verstehe ich besser, warum so viele Camper einen E-Scooter mitnehmen. Die Waschräume können weit entfernt liegen, der Weg zum Brötchenholen zieht sich, und für eine kurze Besorgung möchte man nicht gleich den Van bewegen. Zu Fuß geht das natürlich auch. Meiner täglichen Schrittzahl würde es vermutlich guttun. Trotzdem macht der Roller viele dieser Wege bequemer.

Bei anderen Campern fahren sogar Toilettenkassetten auf dem Roller zur Entsorgung mit. Als Transporter würde ich den Ninebot allerdings nicht einplanen. Beide Hände sollten beim Fahren am Lenker bleiben, schwere Taschen gehören laut Bedienungsanleitung nicht daran. Für Brötchen oder kleine Einkäufe ist ein Rucksack die bessere Lösung.

Besonders sinnvoll finde ich den Scooter, wenn der Campingplatz etwas außerhalb liegt und sich der Ort oder ein Supermarkt über geeignete Wege erreichen lässt. Dann erweitert er den Bewegungsradius, während der Camper auf seinem Stellplatz bleibt. Für grobes Pflaster und holprige Wege würde ich ihn nach meinen Erfahrungen allerdings nicht auswählen.

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Vor der Reise die Regeln prüfen

In Deutschland braucht der Roller für öffentliche Straßen eine Betriebserlaubnis und eine gültige Versicherungsplakette. Gefahren wird auf den dafür zugelassenen Radverkehrsflächen, fehlen diese, grundsätzlich auf der Fahrbahn. Gehwege sind ohne ausdrückliche Freigabe tabu. Die Versicherung läuft auch nicht einfach zwölf Monate ab Kauf: Das Versicherungsjahr beginnt am 1. März und endet am letzten Februartag.

Im Ausland wird es komplizierter, weil die Regeln voneinander abweichen. Italien schreibt unter anderem einen Helm vor und hat 2026 zusätzliche Pflichten zu Kennzeichnung und Haftpflichtversicherung eingeführt. Wer den eigenen Roller mitnimmt, muss deshalb vor der Reise prüfen, welche Anforderungen dort gelten und ob seine Versicherung die Nutzung abdeckt. Mit der deutschen Plakette allein ist diese Frage noch nicht geklärt. Auf dem Campingplatz kommt die Platzordnung hinzu.

Mein Fazit

Der Ninebot Max G3 D hat mich vor allem mit seinem kräftigen Antrieb und seinem Nutzen beim Camping überzeugt. Er erleichtert kurze Wege, fährt sich auf Asphalt angenehm und bietet eine umfangreiche Ausstattung. Dem stehen das hohe Gewicht, der Preis und der begrenzte Komfort auf grobem Untergrund gegenüber.

Für tägliche Treppen würde ich mir einen leichteren Roller wünschen. Wer ebenerdig parken kann und im Camper genug Platz sowie freie Zuladung hat, bekommt dagegen einen praktischen Begleiter. Ich habe mich jedenfalls schnell daran gewöhnt, mit ihm unterwegs zu sein. Nur die ersten Meter vor meiner Haustür bleiben anstrengend.

Vorteile: Kräftiger Antrieb auch an Steigungen; angenehmes Fahren auf Asphalt; Reichweite für viele Alltagswege; hoher Nutzen beim Camping; umfangreiche App-Funktionen.

Nachteile: Hohes Gewicht beim Tragen und Verladen; auf Kopfsteinpflaster weiterhin ruppig; hoher Preis; Schlossöffnung für dicke Verschlüsse zu eng.

Die wichtigsten Fakten

Technische Angaben und Reichweiten laut Hersteller. Der Preis ist die unverbindliche Preisempfehlung; tatsächliche Angebote können abweichen.

MerkmalAngabe
ModellSegway Ninebot Max G3 D
Höchstgeschwindigkeit20 km/h
MotorHinterradantrieb; 500 W Nennleistung, bis 2.000 W Spitzenleistung
Akku597 Wh
Reichweite laut HerstellerBis 75 km bei 20 km/h; bis 80 km bei 15 km/h im Eco-Modus
Ladezeit laut HerstellerCa. 3,5 Std.; ca. 2,5 Std. mit zusätzlichem optionalem Ladegerät
LadegerätIntegriert, Netzanschluss über Ladekabel
GewichtCa. 24,6 kg
Maximale Zuladung130 kg
Maße fahrbereit121,8 × 59,0 × 129,9 cm
Maße zusammengeklappt121,8 × 59,0 × 59,2 cm
Reifen11 Zoll; schlauchlos und selbstabdichtend
FederungHydraulisch vorn und hinten; hinten einstellbar
BremsenScheibenbremsen vorn und hinten
FahrmodiEco, Drive und Sport; zusätzlicher Gehmodus
Display und LichtTFT-Farbdisplay; Frontlicht, Bremslicht und Blinker
App und OrtungSegway Mobility App, AirLock, Apple „Wo ist?“
Weitere FunktionenTraktionskontrolle TCS, über App aktivierbar
SchutzklassenRoller IPX6; Akku IPX7
Preis999 Euro UVP; Angebote können abweichen