
Eine Teststrecke ist das Heiligtum eines Autoherstellers. Für einen Tag hat Ford die Türen geöffnet. Ich habe die Chance genutzt und bin 14 verschiedene Camping-Basisfahrzeuge gefahren.
Etwas südlich des belgischen Weilers Kattenbos befindet sich der Lommel Proving Ground, auch bekannt als Ford LPG. Es handelt sich dabei um ein Testgelände für Autos. Ford Europa hat das Grundstück von der Gemeinde Lommel gepachtet. Die Anlage in Lommel ist echt riesig. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 3,22 km². Das ist ungefähr so groß wie Garding, eine kleine Stadt in Nordfriesland an der Nordseeküste.
Eigentlich ist die Fläche für die Öffentlichkeit gesperrt, das Gelände wird streng bewacht. Und das aus gutem Grund: Hier werden auch neue Modelle von Ford lange vor Serienproduktion und Marktstart getestet. Ich hatte dennoch die Möglichkeit, den Top-Secret-Bereich zu besuchen und mit verschiedenen Transportern und Camping-Basismodellen von Ford ein paar Runden zu drehen. Ich musste unterschreiben, dass ich nichts von dem verrate, was ich zufällig auf der Strecke sehe, und auch meine Smartphone-Kameras musste ich abkleben. Und dann ging’s auch schon los.
In Europa ist Ford nach eigenen Aussagen die Nummer 1 im Nutzfahrzeugmarkt – und das bereits seit zehn Jahren. In Deutschland hat das Unternehmen bei den leichten und mittleren Nutzfahrzeugen einen Marktanteil von mehr als 22 Prozent (Stand Oktober 2025). Das Camper- und Wohnmobilgeschäft ist ein wichtiger Treiber des Erfolgs. Camping liegt gerade voll im Trend, und der Bau entsprechender Fahrzeuge ist für Ford ein immer wichtiger werdender Geschäftszweig. Dabei geht’s nicht nur um den hauseigenen und komplett ausgebauten Nugget, der auf dem Ford Torneo beruht. Ford baut mit dem Transit eine Plattform für Ausbauer und Wohnmobilhersteller. Dabei kann man zwischen Verbrenner, Hybrid und Elektro wählen. Auch bei Länge und Höhe gibt es verschiedene Optionen.
Starker Camping-Partner für die Wohnmobil-Branche
Im Jahr 2024 wurden rund 10.000 Nutzfahrzeuge von Ford Pro als Basisfahrzeuge für Reisemobile verwendet, also mehr als jede achte verkaufte Einheit. Im Moment läuft das Geschäft in Deutschland etwas schwächer als im Vorjahr. Aber Ford hat es geschafft, den Absatz zu stabilisieren und gleichzeitig insgesamt seinen Marktanteil auf knapp 14 Prozent zu erhöhen. Damit ist Ford in diesem Segment auf Platz 2 – hinter dem Platzhirschen Fiat. Dieser Trend liegt wohl hauptsächlich an den neuen Modellgenerationen des Transit/Tourneo Custom, der 1-Tonnen-Nutzlast-Klasse, und des großen Transit Zweitonners. Die beiden Modelle sind in ihrer Klasse die absoluten Marktführer in Europa und treiben bei Ford den Aufwärtstrend als Basisfahrzeuge für Reisemobile voran.
Damit wir mal sehen können, was die Fahrzeuge, die als Basis für Wohnmobile und Vans dienen, so draufhaben, hat Ford extra die Tore seines Testgeländes in Lommel geöffnet. Klar, natürlich nicht nur für mich. Bei der exklusiven Veranstaltung konnten sich vor allem Händler und Partner über die aktuellen Modelle informieren und diese dann auch gleich auf der imposanten Teststrecke fahren. Zusammen mit ein paar anderen Journalisten durfte auch ich ebenfalls die Ford Pro Basisfahrzeuge im Detail kennenlernen und mit verschiedenen Transit- und Transit-Custom-Modellen ein paar Runden drehen. Und das war wirklich abwechslungsreich. Ich hatte die Gelegenheit, insgesamt 14 Modelle zu fahren, auf der Straße und auch offroad, mit Vorderrad-, Hinterrad- und Allradantrieb, mit EcoBlue-Dieselmotoren, vollelektrisch und den Transit Custom auch in der Plug-in-Hybrid-Variante.
Ein Transit für alle Fälle

Die Camping- und Basis-Fahrzeuge sind im Prinzip Transits. Der kleinere Transit Custom ist schon seit Jahren der Verkaufsschlager in der 1,0-Tonnen-Nutzlastklasse in Europa. Die nächste Generation wurde komplett neu entwickelt und basiert auf einer völlig neu konstruierten Fahrzeugarchitektur. Das sorgt für mehr Ladekapazität, besseren Zugang und einen besseren Fahrkomfort. Auf der Teststrecke hat sich der Custom fast so spritzig und wendig angefühlt wie ein Pkw. Aber das kannte ich schon, schließlich ist der neue Nugget, den ich für meine Festival-Saison fahren durfte, im Inneren ebenfalls ein Transit oder Turneo Custom.

Für alle, die es etwas größer mögen oder brauchen, gibt es den klassischen Transit. Weltweit gesehen ist der Transit der meistverkaufte Transporter. Kürzlich feierte Ford den 60. Geburtstag der Transporter-Familie. Aber vom alten Eisen kann man da wirklich nicht sprechen. Beim letzten Update wurden 2024 zum Beispiel Lösungen für die Vernetzung verbessert. Die neue Achtgangautomatik, das verbesserte Chassis und die höhere Nutzlast einiger Modellvarianten sorgen zudem für bessere Ausbau-Optionen und mehr Zuladung.
Service-Versprechen für die Reise
Es ist natürlich super, einen guten und zuverlässigen Wagen für seine Camping-Abenteuer zu haben. Aber was ist, wenn auf der Reise doch mal was passiert? Für den Fall eines Falles hat Ford die Transit-Modelle in das digitale Ford Pro-Ökosystem eingebunden. Hier geht’s um spezielle Softwarelösungen und vernetzte Services. Zum Beispiel um ein System, mit dem man seinen Fuhrpark verwalten kann. Für die Endkunden ist es aber wichtiger, dass sie an Wartungs- und Service-Dienste angebunden sind. Wenn eine Reparatur fällig ist oder es einen Rückruf gibt, können Händler direkt mit dem Fahrzeug-Inhaber in Kontakt treten und einen Termin abstimmen. Oder der mobile Service kommt vorbei und kann bis zu 80 Prozent aller möglichen Probleme direkt vor Ort beheben. Wenn’s allerdings um Schäden geht, bei denen man eine Hebebühne braucht, führt kein Weg an der Werkstatt vorbei.
Vor allem der Camper Assist hat mir gefallen. Dieser Mobilitätsservice ist speziell für Camper gedacht und steht allen Kunden in den ersten beiden Jahren nach dem Kauf des Camping-Neufahrzeugs zur Verfügung. Wenn das Fahrzeug während des Urlaubs in die Werkstatt muss, gibt es zum Beispiel eine Unterkunft in einem 4-Sterne-Hotel, Hilfestellung bei der Fortsetzung der Reise, einen Ersatzwagen oder einen Abschleppdienst.
In Lommel brauchten wir diese Dienste nicht, weil alle Testfahrzeuge so funktionierten, wie sie sollten. Ich fand es echt witzig, wie einige Strecken präpariert wurden. Wir sind sogar ein paar Meter auf Kopfsteinpflaster gefahren, das ursprünglich in einer Straße in Brüssel verbaut war. Ein anderer Abschnitt war eine Schotterpiste. Die Schnellstrecke war den Sportwagen vorbehalten und nur Profis durften dort selbst fahren. Leider. Ich hätte gerne eine Runde mit einem Transit gedreht – natürlich mit Höchstgeschwindigkeit. Aber da das nicht ging, musste ich mich mit einer Runde als Beifahrer in einem Ford Mustang GT Sportscar begnügen. Mit knapp 250 Sachen ging es in die Steilkurve, der V8-Motor zeigte mal kurz, was er kann. Die Fliehkraft war schon krass, aber ich konnte nicht anders, als die ganze Zeit zu grinsen. Kurze Frage: Wie wär’s mit einem Ford Mustang mit Camping-Aufbau?
Ja, ist ja schon gut, das war ja nur eine Idee … Ich würde das auch in Lommel testen. Sicher ist sicher.
