Schnee von gestern (im besten Sinne)

Ich hatte vor dieser Reise noch nie Langlaufski unter den Füßen und ehrlich gesagt auch keine besonders hohe Meinung davon – eine Sportart für Leute, die lieber geradeaus gehen als eine Piste runterfahren, dachte ich. Nach ein paar Tagen in Ramsau am Dachstein, zweieinviertel Stunden von München, bin ich davon ziemlich gründlich abgerückt, und zwar nicht wegen eines einzelnen großen Moments, sondern weil mir dort erst richtig aufgefallen ist, wie viel in diesem einen Tal eigentlich zusammenkommt.

Langlaufen in Ramsau am Dachstein: Viel Loipe für vergleichsweise wenig Geld

Angefangen hat es mit einer Zahl, die mich überrascht hat, ohne dass ich danach gesucht hätte: Für ungefähr das, was anderswo ein einziger Tag auf dem Skilift kostet, bekommt man hier eine ganze Woche Loipe – rund 30 Kilometer, garantiert ab dem 6. November. Reini Kaurzinek von Fit&Fun Ramsau nutzt das weitläufige Loipennetz für seine Langlaufschule. Für etwa 70 Euro gibt es damit eine ganze Woche Langlaufvergnügen. Dass das keine Notlösung für ein kleines Tal ist, merkt man am Veranstaltungskalender: bei der Saisoneröffnung am 11. und 12. Dezember mit Helene Fischer, beim Austria Cup und FIS-Weltcup in der Nordischen Kombination kurz danach sowie beim Laserbiathlon, bei dem ich zum ersten Mal verstanden habe, wie viel Konzentration in dieser Sportart tatsächlich steckt. Weitere Informationen zum Loipennetz und den Langlaufangeboten gibt es bei Schladming-Dachstein – Langlaufen.

Snowfarming: Langlaufen in Ramsau schon im November

Dass in Ramsau am Dachstein die Langlaufsaison bereits Anfang November beginnt, ist kein Zufall. Möglich macht das unter anderem Snowfarming: Dabei wird Schnee aus dem vergangenen Winter über die warmen Monate hinweg in großen Depots gelagert und mit isolierenden Materialien vor dem Abschmelzen geschützt. Sobald die Temperaturen sinken, wird der konservierte Schnee wieder verteilt und für die ersten Loipen der neuen Saison präpariert. So können Langläufer hier schon früh im Winter ihre Runden drehen – unabhängig davon, ob der erste große Naturschneefall bereits eingesetzt hat. Eine ziemlich clevere Idee, die zeigt, wie viel Aufwand und Know-how hinter einem frühen Saisonstart stecken.

Langlauf für Anfänger: Aller Anfang ist eine Frage der Technik

Gelernt habe ich das Langlaufen direkt vor Ort, und ich war, offen gestanden, nicht sofort gut darin. Die ersten Versuche waren verkrampft, ich bin mindestens einmal der Länge nach im Schnee gelandet, und erst nach einer Weile hat sich dieser Moment eingestellt, in dem Gleiten und Abstoßen irgendwie zusammenpassten. Es ist keine Sportart, bei der man sich klein fühlen muss, weil man sie nicht sofort kann – eher eine, bei der man merkt, dass Geduld sich auszahlt. Wer es selbst ausprobieren möchte, findet Informationen zu Kursen und Ausrüstung bei den Langlaufschulen in Ramsau am Dachstein.

Schneeschuhwandern in Ramsau: Wintererlebnis abseits der Loipe

Wer danach noch Lust auf mehr hat, kann im selben Tal auch mit Schneeschuhen unterwegs sein, ab etwa 1.600 Metern, geführt von Walter Walcher. Das Tal selbst gilt als besonders nebel- und windarm, was an den Tagen, an denen ich dort war, auch tatsächlich zutraf – klare Sicht, kaum Wind, nur das eigene Knirschen im Schnee. Wer die Winterlandschaft lieber abseits der präparierten Loipen erkunden möchte, findet bei geführten Schneeschuhwanderungen eine schöne Alternative. Informationen gibt es beispielsweise bei der Skischule Ramsau.

Dachstein-Gletscher: Sky Walk, Himmelsleiter und Treppe ins Nichts

Und dann ist da noch der Dachstein-Gletscher, der mit der Loipe eigentlich gar nichts zu tun hat und trotzdem zeigt, wie abwechslungsreich dieser Ort ist: eine sechsminütige Fahrt mit der gläsernen Panorama-Gondel hinauf auf fast 2.995 Meter, oben der Sky Walk mit Blick über die Alpen, die „Treppe ins Nichts“ über eine 400 Meter tiefe Felswand, die Himmelsleiter und ein Eispalast mit handgefertigten Eisskulpturen tief im Gletscher. Zum Aufwärmen danach das Gletscherrestaurant, das angeblich genau auf der Grenze zwischen Steiermark und Oberösterreich liegt. Im Sommer 2026 kostete die Auf- und Abfahrt inklusive aller Attraktionen rund 73 Euro für Erwachsene. Als grobe Preisorientierung ist das hilfreich; die Wintertarife können abweichen. Am besten vor dem Besuch kurz auf der offiziellen Dachstein-Website nachsehen.

Hüttenurlaub mit Haubenküche: Richard Rauchs Almkulinarik

Am meisten überrascht hat mich aber ein Koch: Richard Rauch, der 2024 bei „Kitchen Impossible“ Tim Mälzer geschlagen hat, betreibt seit 2019 ein Netzwerk aus inzwischen 17 Hütten in der Region, die alle seine Gerichte auf der Karte haben – Kraut & Rüben, Beef Tatar, lauwarmes Damwild-Roastbeef. Man lässt sich dabei fast wie von einem Genussnavigationssystem von Hütte zu Hütte leiten und landet jedes Mal bei etwas, das deutlich mehr Sorgfalt verrät, als man auf einer Berghütte erwarten würde.

Das Konzept verbindet regionale Zutaten mit anspruchsvoller Küche und macht den Hüttenbesuch selbst zu einem kulinarischen Erlebnis. Mehr dazu gibt es bei der Almkulinarik by Richard Rauch.

Warum Ramsau am Dachstein eigentlich Rabenwiese heißt

Ein kleiner Fund am Rande: „Rams“ kommt wohl vom althochdeutschen Wort für Rabe, „-au“ bezeichnet eine feuchte Flusswiese – der Ort heißt also eigentlich „Rabenwiese“. Ein unauffälliger Name für ein Tal, das Schnee vom letzten Winter aufbewahrt, einen Fernsehkoch-Besieger beherbergt und einen halben Weltcup-Kalender hat, ohne dass einem davon irgendwo aufdringlich erzählt würde.

Ich bin mit der Erwartung hingefahren, eine Sportart auszuprobieren, die ich bis dahin eher unterschätzt hatte, und bin mit dem Eindruck zurückgekommen, dass das eigentlich die kleinste Entdeckung dieser Reise war. Wer selbst noch nie Langlaufstöcke in der Hand hatte: Es gibt kaum einen Ort, an dem man das so entspannt zum ersten Mal ausprobieren kann – und so viel anderes nebenbei entdeckt.

Service: Mit dem Camper nach Ramsau am Dachstein

Wer die Region im Winter mit dem Wohnmobil erkunden möchte, findet auch passende Campingmöglichkeiten. Zwei Adressen sollte man sich merken:

Campingplatz Ramsau Beach

  • Zwei Personen inklusive Strom und Kurtaxe: circa 53 Euro pro Nacht.
  • Lage: Ramsau am Dachstein.
  • Preisangabe als Orientierung, bitte vor der Buchung direkt bestätigen lassen.

Weitere Informationen: Campingplatz Ramsau Beach

Camping Dachstein

  • Direkt in Ramsau am Dachstein auf dem Sonnenplateau.
  • Wintersaison 2026/27: 10. Januar bis 1. März 2027.
  • Stromanschluss mit 16 A.
  • Duschen und WC mit Einzelkabinen sowie einer barrierefreien Kabine.
  • Frisch- und Grauwasserentsorgung sowie Toilettenkassetten-Entsorgung.
  • Preisstruktur als Orientierung: circa 47 Euro Grundpreis, anschließend etwa 7 Euro pro Nacht; ab dem siebten Tag kommt eine zusätzliche Abrechnung nach Kilowattstunden hinzu.

Die genaue Berechnung am besten vorab telefonisch erfragen.

Website: camping-dachstein.at

Mein Tipp: Gerade in der Wintersaison empfiehlt es sich, Verfügbarkeit, Zufahrtsbedingungen und Stromversorgung vor der Anreise direkt mit den Campingplätzen abzustimmen.