Ford Nugget im Test: Viel Platz in kleiner Hütte

Eine kurzfristige Planänderung machte aus der Radreise durch Fyn eine Tour mit Van und E-Bike. Was zunächst nach einer Notlösung klang, erwies sich ziemlich schnell als Glücksfall. Denn der Ford Nugget konnte nicht nur Fahrrad, Gepäck und Anhänger schlucken. Er passte auch erstaunlich gut zu dieser Reise.

Eigentlich wollten Steffi und ich mit dem Fahrrad durch Fyn fahren. Zwei Wochen, zwei Räder, ein Zelt und möglichst wenig Zeug. So war der Plan. Dann kam Bad Kissingen. Ein beruflicher Termin auf der Abenteuer & Allrad ließ sich nicht verschieben. Damit war die geplante Route nicht mehr zu schaffen. Wir hätten die Reise absagen oder so stark kürzen können, dass von der eigentlichen Idee kaum etwas übrig geblieben wäre. Also änderten wir den Plan.

Ford stellte mir einen Nugget Titanium mit kurzem Radstand zur Verfügung. Ein knallroter Campervan, der nun E-Bike, Gepäck und uns durch Dänemark bringen sollte. Das Fahrrad blieb ein wichtiger Teil der Reise. Es musste nur nicht mehr jeden Kilometer selbst zurücklegen. Wie daraus eine ziemlich spontane Rundreise wurde, steht im Bericht Fyn ohne Fahrplan. Rückblickend war die kurzfristige Änderung kein schlechter Tausch. Vor allem in der ersten Woche, als es regelmäßig regnete.

Fährt sich fast wie ein normales Auto

Ganz neu war mir der Nugget nicht. Ich war mit ihm bereits auf einer Tour zu mehreren Festivals unterwegs. Dort musste er sich auf Stoppelfeldern, matschigen Zufahrten und zwischen ziemlich vielen Zelten bewähren. Fyn stellte andere Fragen. Wie angenehm fährt sich der Wagen auf längeren Strecken? Kommt man damit durch kleine Orte? Findet man in der Stadt einen Parkplatz? Und wie gut funktioniert das Leben zu zweit, wenn Fahrrad, Anhänger und Reisegepäck ebenfalls mitwollen?

Der Ford Nugget benötigt mit einer Länge von knapp über fünf Metern nur einen regulären Parkplatz
Das Dach öffnet sich nach hinten, was für schöne Blicke beim Aufwachen sorgt / © Gerd Blank
In Signalfarbe findet man das rollende Zuhause immer wieder / © Gerd Blank

Der kurze Nugget ist etwas mehr als fünf Meter lang. Das klingt zunächst nicht besonders kompakt, fühlt sich im Alltag aber erstaunlich handlich an. Die Sitzposition ist hoch, die Lenkung leichtgängig und die Rundumsicht gut. Parksensoren und Rückfahrkamera helfen, wenn es enger wird. In Odense wollte ich das Hans-Christian-Andersen-Museum besuchen. Mit Günni, meinem alten Wohnmobil, hätte vorher die Parkplatzsuche begonnen. Wo darf ich stehen? Wo passe ich hin? Und wie viele Kilometer liegt der Parkplatz vom eigentlichen Ziel entfernt? Mit dem Nugget fuhr ich einfach in die Tiefgarage unter dem Museum. Natürlich sollte man vorher auf die Einfahrtshöhe schauen. Aber mit geschlossenem Aufstelldach passt der Wagen in viele gängige Parkhäuser. Das ist ein großer Vorteil, wenn ein Camper nicht nur am Strand, sondern auch in der Stadt funktionieren soll.

Auf den dänischen Landstraßen lief der Diesel ruhig und unaufgeregt. Die Achtgang-Automatik erledigte ihre Arbeit, ohne sich ständig bemerkbar zu machen. Ich war meist mit gemäßigter Geschwindigkeit unterwegs. In Dänemark ist ohnehin früher Schluss mit dem Tempo. Außerdem fährt man entspannter und verbraucht weniger Kraftstoff. Und um möglichst schnell durch Fyn zu kommen, waren wir schließlich nicht hier.

Das E-Bike fährt im Wagen mit

Der eigentliche Härtetest begann schon beim Beladen. Mit auf die Reise sollte das Lil’ Buddy von Ruff Cycles. Ein kompaktes E-Bike mit breiten Reifen und einer Optik irgendwo zwischen Bonanza-Rad, BMX und Mofa. Dazu kam ein Lastenanhänger. Ich hatte keinen Fahrradträger am Nugget. Also probierte ich, ob das Gespann in den Wagen passt. Es passte.

Da kein Fahrradträger montiert ist, fährt das Rad im Innenraum mit / © Gerd Blank

Das Lil’ Buddy und der Anhänger ließen sich quer zwischen Vordersitze und Rückbank stellen. Ich musste weder das Rad zerlegen noch Taschen und Räder auf mehrere Ecken verteilen. Dank der kompakten 20-Zoll-Räder blieb sogar der eigentliche Wohnbereich frei. An jedem Ziel musste ich das Fahrrad natürlich herausnehmen. Das war aber kaum mehr als ein zusätzlicher Handgriff. Außerdem wollte ich es ohnehin benutzen.

So entstand eine Kombination, die sehr gut zu Fyn passte. Mit dem Nugget legten wir die längeren Strecken zurück und konnten spontan den Ort wechseln. Vor Ort stieg ich aufs E-Bike und fuhr einzelne Etappen an der Küste entlang. Die ursprüngliche Radreise war damit nicht verschwunden. Sie hatte lediglich ein sehr bequemes Begleitfahrzeug bekommen.

Zwei Schiebetüren sind besser als eine

Mein Testwagen hatte auf beiden Seiten eine Schiebetür. Das kostet extra, wäre für mich aber eine sehr sinnvolle Investition. Schon beim Beladen ist der zweite Zugang praktisch. Man kommt von beiden Seiten an Taschen, Kabel oder Fahrrad. Noch besser ist die zweite Tür, wenn der Nugget auf dem Campingplatz steht. Mit geöffneten Türen wirkt der Innenraum deutlich größer. Man kann ordentlich durchlüften und muss nicht ständig um den Wagen herumlaufen. Wenn zwei Menschen gleichzeitig etwas suchen, steht auch nicht automatisch einer im Weg. Das klingt banal. In einem kompakten Camper können genau solche Kleinigkeiten über die Stimmung entscheiden.

Die beiden Schiebetüren sind sehr praktisch – und sorgen für frische Luft / © Gerd Blank

Eine Markise hatte der Testwagen nicht. Deshalb befestigte ich ein Sonnensegel an der Seite. Das sah nicht so elegant aus wie eine fest montierte Lösung, funktionierte aber. Vor dem Wagen entstand ein geschützter Platz für Tisch, Stühle und alles, was man bei Regen lieber nicht mit hineinnehmen möchte.

Tisch und Stühle können zu Hause bleiben

Auch meine Packliste wurde kürzer. In der Heckklappe stecken zwei Campingstühle von Westfalia. Sie sind schnell herausgenommen, erstaunlich bequem und nach Gebrauch ebenso schnell wieder verschwunden. Der Tisch befindet sich in einem eigenen Fach in der Schiebetür. Das Design gewinnt vermutlich keinen Möbelpreis. Unterwegs ist mir aber wichtiger, dass die Sachen funktionieren und nicht im Weg liegen. Jedes Teil, das bereits einen festen Platz im Wagen hat, muss ich nicht zusätzlich mitnehmen. Vor allem muss ich es nicht jeden Morgen suchen.

Hier wird hinten gekocht / © Gerd Blank
in wenigen Handgriffen wird aus dem Auto ein Zuhause auf Zeit / © Gerd Blank
© Gerd Blank // Campermen

Die Heckküche ist für mich weiterhin der größte Vorteil des Nugget. Bei vielen Campervans befindet sich die Küchenzeile seitlich im Wohnraum. Im Ford ist sie hinten untergebracht. Dadurch bleibt vorne Platz zum Sitzen, Arbeiten und Herumlaufen. Wird der Beifahrersitz gedreht, entsteht zusammen mit der Rückbank eine kleine Sitzecke. Steffi konnte dort arbeiten, während ich hinten das Essen vorbereitete. Wir kamen uns dabei nicht ständig in die Quere.

Der Schubladen-Kühlschrank bietet genug Platz für die Vorräte eines Kurztrips. Unter der Spüle befindet sich ein großes Fach, in dem ich Lebensmittel verstaut habe. Darunter passte meine Trenntoilette von Trelino hinein. Der Zweiflammenkocher reicht auch für Gerichte, die über das Erhitzen einer Dose Ravioli hinausgehen. Nur das Seitenfenster an der Kochstelle würde ich gerne öffnen können. Gerade beim Braten wäre etwas mehr Luft angenehm.

Ich mochte die Heckküche besonders am Abend. Wenn Steffi bereits im Bett lag, konnte ich bei geöffneter Heckklappe hinten sitzen und mir noch etwas aus dem Kühlschrank holen. Dabei blieb der vordere Bereich frei und niemand musste für ein Getränk den halben Wagen umbauen. Im Nugget hat vieles einen festen Platz. Das sorgt nicht automatisch für Ordnung. Aber es macht sie deutlich wahrscheinlicher.

Der Regen verliert seinen Schrecken

In der ersten Woche auf Fyn regnete es regelmäßig. Mit dem Zelt hätte das bedeutet: im Nassen aufbauen, am nächsten Morgen klamm einpacken und später alles wieder auseinandernehmen. Im Nugget öffnete ich die Verriegelung, drückte das Aufstelldach nach oben und das Schlafzimmer war fertig. Das Bett im Dach bietet Platz für zwei Personen. Der Einstieg braucht anfangs etwas Übung, und wer nachts häufiger rausmuss, sollte vorher klären, auf welcher Seite er schläft. Bequem ist es trotzdem. Vor allem liegt man trocken und deutlich weiter vom Boden entfernt als in einem Zelt.

Ein Farbtupfer in der idyllischen Landschaft / © Gerd Blank

Die Rückbank lässt sich ebenfalls zu einem Bett umbauen. Damit können vier Personen im Nugget schlafen. Im Alltag bietet der getestete Diesel sogar fünf Sitzplätze. Das macht ihn für Familien interessant, die nicht noch ein weiteres Auto vor die Tür stellen wollen. An einem Detail kann allerdings auch Ford nichts ändern: Das Aufstelldach besteht aus Stoff. Geräusche bleiben draußen nicht einfach stehen. Auf Festivals gehören deshalb Ohrstöpsel ins Gepäck. Wind und Regen waren dagegen kein Problem. Gerade nach einem langen Tag war es angenehm, nicht noch mit nassen Zeltstangen kämpfen zu müssen.

Vom versteckten Campingplatz zum Heartland Festival

Der Nugget passte erstaunlich gut zu den sehr unterschiedlichen Stationen dieser Reise. Bei Falsled Strand Camping führte eine unscheinbare Einfahrt zu einem Platz mit hohen Hecken, kleinen Lichtungen und Blick auf das südfünische Inselmeer. Ich parkte den Wagen, öffnete die Türen und spannte das Sonnensegel auf. Viel mehr brauchte es nicht. Wenig später stand derselbe Nugget auf dem Campingplatz des Heartland Festivals am Schloss Egeskov. Dort sorgte der rote Van für Aufmerksamkeit. Meine Nachbarn wollten wissen, wie das Dach funktioniert, wo sich die Küche versteckt und wie viele Menschen tatsächlich im Wagen schlafen können.

Bereits auf der Abenteuer Allrad in Bad Kissingen entpuppt sich der Ford Nugget als mobiles Hotelzimmer mit Komfort

Also öffnete ich Schränke, klappte Möbel aus und zeigte das Bedienteil im Heck. Wahrscheinlich hätte ich den Nugget direkt auf dem Campingplatz verkaufen können. Der große Touchscreen ist mehr als eine Spielerei. Darüber lassen sich Wasser- und Batteriestand prüfen, die Heizung steuern und die Beleuchtung einstellen. Besonders wichtig ist die Auswahl der Lichtfarbe natürlich nicht. Spaß macht sie trotzdem. Mit Rot im Heck und Blau im vorderen Bereich wird aus dem Camper schnell ein kleines Diskomobil. Nur im Takt der Musik blinkt es noch nicht. Da ist also noch Luft nach oben.

Ein Auto für ziemlich viele Gelegenheiten

Günstig ist der Nugget nicht. Die Preise beginnen inzwischen bei rund 75.500 Euro. Mit 170-PS-Diesel und Automatik liegt der Wagen bei etwa 79.300 Euro. Sonderausstattung und Überführung kommen noch dazu. Als reines Urlaubsfahrzeug ist das sehr viel Geld für einen Wagen, der wahrscheinlich einen großen Teil des Jahres herumsteht. Die Rechnung sieht anders aus, wenn der Nugget auch im Alltag genutzt wird. Er fährt sich handlich genug für Stadt und Arbeitsweg, bietet fünf Sitzplätze und passt in viele Parkhäuser. Gleichzeitig ist alles an Bord, was man für ein Wochenende am Meer, eine längere Reise oder ein Festival braucht. Auf Fyn transportierte er zwei Menschen, Gepäck, E-Bike und Anhänger. Er war Küche, Schlafzimmer, Arbeitsplatz und Rückzugsort bei schlechtem Wetter. Trotzdem musste ich mir vor dem Besuch in Odense keine Gedanken darüber machen, wo ich ein Wohnmobil abstellen kann.

Der Nugget war die schnelle Lösung für eine Reise, deren ursprünglicher Plan nicht mehr funktionierte. Am Ende passte er wahrscheinlich besser zu unserem Alltag als die reine Fahrradtour. Wir konnten viel sehen, blieben trotzdem mit dem Rad unterwegs und mussten morgens kein nasses Zelt einpacken.

Manchmal ist Plan B einfach der Plan mit Aufstelldach.

Ford Nugget Titanium L1 im Überblick

MerkmalDaten
Getestetes ModellFord Nugget Titanium, kurzer Radstand
Motor im Testwagen2,0-Liter-EcoBlue-Diesel, 170 PS
GetriebeAchtgang-Automatik
Längerund 5,05 Meter
Radstand3,10 Meter
Sitzplätzefünf
Schlafplätzevier
Dachbett1,25 × 2,05 Meter
Unteres Bett1,20 × 1,90 Meter
Kühlschrank33 Liter
Frischwassertank33 Liter
KücheZweiflammenkocher, Spüle, Schubladen-Kühlschrank
Serienmäßige CampingausstattungStandheizung, Warmwasserboiler, Außendusche, Tisch und zwei Stühle
Preisab rund 75.500 Euro
Testmotorisierungrund 79.300 Euro
PreisstandAugust 2026