
Irgendwann auf einem Campingplatz auf Fyn kam ein Holländer auf mich zu, zeigte auf mein Schloss und fragte, ob das wirklich sicher sei. Ich habe kurz überlegt und dann gesagt: Mein Fahrrad steht noch, insofern ja. Das war keine besonders erhellende Antwort, aber eine ehrliche. Wer ein Schloss kauft, kauft eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit. Tex-Lock hat mir dabei geholfen, diese Wette etwas selbstbewusster einzugehen. Diese Schösser hatte ich im Gear-Test: Tex-Lock Orbit, Eyelet-Set mit U/X-Lock, Eyelet-Set mit D-Lock
Tex-Lock. Leipzig. Zwei Frauen. Ein Patent.
Alexandra Baum und Suse Brand haben Tex-Lock 2014 in Leipzig erdacht und 2016 auf den Markt gebracht. Die Idee dahinter war simpel und trotzdem neu: ein Fahrradschloss aus Hightech-Textilfasern, die auch in der Automobilindustrie und der Raumfahrt verbaut werden. Leicht, flexibel, lackschonend – und mit einem Stahlkern, der Sägen und Bolzenschneider auf Abstand hält. Das Unternehmen produziert bis heute in Leipzig, im Westteil der Stadt, von Hand, Stück für Stück. Made in Germany ist bei Tex-Lock kein Aufkleber, sondern eine Adresse: Ludwig-Hupfeld-Straße 16, 04178 Leipzig. Materialausschuss nahezu null, regionale Lieferanten, reparierbare Produkte. Für diesen Ansatz gab es 2020 den Titel „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“. Das klingt nach Preis für gute Absichten, zeigt aber in diesem Fall auch, was aus einer Idee werden kann, wenn man sie konsequent verfolgt. Kein Schloss ist unknackbar. Das sagen übrigens auch Baum und Brand selbst. Es geht immer nur darum, den Aufwand für einen Diebstahl so hoch zu machen, dass sich jemand ein einfacheres Ziel sucht.
Orbit: das Seilschloss für jeden Tag

Das Orbit ist Tex-Locks Seilschloss. Aufbau klassisch: ein Schlosskörper, ein textiles Seil mit gehärtetem Stahlkern, zwei Schlüssel. Man legt das Seil um den Gegenstand, führt das Ende in den Schlosskörper, zieht zu. Ohne Schlüssel, einfach durch Zuziehen – Tex-Lock nennt das Click & Go. Zum Öffnen braucht man den Schlüssel. Zum Verbinden zweier Orbits gibt es das System Click & Connect: Man kann ein zweites Schloss anhängen und so die Reichweite verdoppeln. In Orange macht das Schloss auf dem schwarzen Ruff Cycles Lil‘ Buddy eine exzellente Figur. Das ist keine Nebensache. Wer ein Rad fährt, das gut aussieht, will kein Schloss daran, das wie ein Stück Kette aus dem Baumarkt wirkt. Das Orbit passt. Die textile Oberfläche ist weich, hinterlässt keine Kratzer am Lack, klappert nicht beim Fahren. Kleine Details, die nach einer Saison anfangen, einem wichtig zu sein.

Die Sicherheit ist ART2-zertifiziert, die höchste Stufe der niederländischen ART-Stiftung für Fahrradschlösser. Der Schließzylinder ist pickingsicher, was bedeutet: Jemand mit einer Dietrich-Set braucht deutlich mehr Zeit als bei einem Standard-Zylinder. Im TCS-Test des Schweizer Touring Club, der 15 Schlösser unterschiedlichster Bauart gegeneinander antreten ließ, wurde das Orbit als besonders sicher eingestuft – und dabei als auffällig leicht für seine Klasse bezeichnet. Das 120-cm-Modell bringt rund 1.250 Gramm auf die Waage, was für ART2-Niveau tatsächlich wenig ist. Einen Vorbehalt gibt es: 100 oder 120 Zentimeter Länge sind in manchen Situationen knapp. Wer ein großes Rad und einen dicken Laternenmast hat, muss gelegentlich genau schauen, ob das Seil reicht. An engeren Objekten ist das kein Problem.
Vorteile: Leicht für seine Sicherheitsklasse, keine Kratzer am Lack, einfaches Click & Go System, kein Klappergeräusch, gute Optik.
Nachteil: In manchen Situationen etwas kurz.
Eyelet-Set mit U/X-Lock: das flexible Schloss für unterwegs

Das Eyelet-Set kombiniert ein Textifseil mit drei gummierten Metallösen und einem Bügelschloss. Beim U/X-Lock-Bundle kommen zwei Bügel unterschiedlicher Länge, was unterschiedliche Anschlusssituationen abdeckt. Das Prinzip heißt Loop-Through: Man führt das Textilseil durch Rahmen und Rad, hängt die Ösen in den Bügel des Bügelschlosses ein und schließt ab. Das Schloss sichert damit beides – das Seil und sich selbst. Diebstahl erfordert also zwei separate Angriffe. Für den Anhänger auf der Dänemark-Tour war das Eyelet-Set das richtige Schloss. Flexibel, reichweitenstark, und das Seil lässt sich ums Rad legen wie ein Schal – auch um enge Stellen, die einem Kettenschloss Probleme bereiten würden. Die Textil-Oberfläche verhält sich auch hier genau so wie beim Orbit: weich, still, lackschonend.
Die Sicherheitsstufe ist ART*2, die Sold-Secure-Zertifizierung lautet Gold. Unabhängige Tests wie der des fahrradmagazin.net bewerteten die Kombination aus Textilseil und Bügelschloss gut und betonten insbesondere die Flexibilität als entscheidenden Alltagsvorteil gegenüber starren Schlössern. Das Gewicht liegt unter dem vergleichbarer Kettenschlösser derselben Sicherheitsklasse. Wichtig zu verstehen: Das Textilseil allein ist kein Schloss. Wer das Eyelet-Seil ohne das Bügelschloss verwendet, sichert nichts. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern das Prinzip – das Seil ist der flexible Anteil, das Bügelschloss der Kern. Stiftung Warentest hat in einem früheren Test genau das kritisiert: ein frühes Eyelet-Modell ohne Bügelschloss. Das ist aber nicht die Anwendung, für die das Schloss gebaut ist – und seitdem hat Tex-Lock sowohl die Materialien als auch die Kommunikation darüber nachgeschärft.
Vorteile: Hohe Flexibilität beim Anschließen, leicht, zwei Bügellängen, geeignet für Anhänger und ungewöhnliche Anschlusssituationen.
Nachteil: Ohne Bügelschloss nicht nutzbar – wer das vergisst oder verliert, hat ein Problem.
Eyelet-Set mit D-Lock: wenn es ernst wird

Das Eyelet-Set mit D-Lock funktioniert nach demselben Loop-Through-Prinzip wie das U/X-Lock-Bundle, hat aber ein anderes Bügelschloss: Das D-Lock ist größer, massiver und schwerer als der U/X-Lock-Bügel – und entsprechend sicherer. Das hat Konsequenzen für die Zertifizierung: ART*3 und Sold Secure Diamond. Das ist die höchste Stufe, die für Fahrräder vergeben wird. Drei Schlüssel liegen bei. In Lüneburg, wo ich die Schlösser jetzt für mehrere Räder nutze, ist das D-Lock-Bundle das, das ans teure Rad kommt. Nicht weil ich dem U/X-Lock misstraue, sondern weil ich das Prinzip schätze: je wertvoller das Rad, desto mehr Aufwand muss ein Diebstahl bedeuten. Das Schloss ist das schwerste der drei, das Seil das längste, und der Gesamteindruck ist der eines Systems, das gebaut wurde um zu halten. Ob das optisch noch zur orangefarbenen Orbit passt – das Eyelet-Set in Spring Green am Anhänger, das D-Lock-Bundle an einem weiteren Rad – ist eine andere Frage. Tex-Lock hat das gut gelöst: Die Farboptionen sind konsequent durchgezogen, man kann abstimmen oder bewusst kontrastieren.
Eine Anmerkung zur Sicherheitsdiskussion: Wer die älteren Stiftung Warentest-Ergebnisse zu Tex-Lock kennt und deshalb zögert, sollte wissen, dass die damaligen Kritikpunkte das Eyelet-Seil allein betrafen – und eine Materialfrage beim Übergang von Seil zu Öse, die laut Hersteller 2021 behoben wurde. Das aktuelle D-Lock-Bundle ist ART*3 zertifiziert und von Sold Secure Diamond bestätigt. Das sind keine Herstellerversprechen, das sind unabhängige Prüfungen mit konkreten Angriffsmethoden.
Vorteile: Höchste Fahrrad-Sicherheitszertifizierung (ART*3, Sold Secure Diamond), Loop-Through-Prinzip erfordert zwei separate Angriffe, flexibles Seil trotz hoher Sicherheitsstufe.
Nachteil: Das schwerste und teuerste Modell der drei – für ein Alltagsschloss fürs Stadtrad ist das Mehr an Sicherheit vielleicht unnötig.
Fazit
Zurück zum Holländer auf Fyn. Ich hätte ihm auch sagen können: ART*2, Sold Secure Diamond, Schließzylinder mit Pickingschutz, getestet vom TCS in der Schweiz. Hätte er wahrscheinlich genickt und wäre trotzdem nicht klüger gewesen. Das Richtige an der Antwort war das Prinzip dahinter: Ein Schloss soll abschrecken und den Aufwand erhöhen. Tex-Lock tut beides – und zwar mit einem Gewicht und einer Optik, die dazu führen, dass man das Schloss tatsächlich dabei hat, statt es zu Hause zu lassen, weil es zu klobig ist. Das ist am Ende der entscheidende Punkt. Das sicherste Schloss der Welt hilft nicht, wenn es beim Rad-Ausflug daheim auf dem Haken hängt.
In Leipzig produziert, von Hand gemacht, in mehr Farben verfügbar als einem Fahrradschloss eigentlich zustehen – und dabei ernsthaft sicher. Das reicht für eine klare Empfehlung.
Die wichtigsten Fakten
| Orbit | Eyelet + U/X-Lock | Eyelet + D-Lock | |
|---|---|---|---|
| Typ | Seilschloss | Textifseil + Bügelschloss | Textilseil + Bügelschloss |
| Sicherheit | ART*2 | ART*2, Sold Secure Gold | ART*3, Sold Secure Diamond |
| Länge | 100 cm (S) / 120 cm (M) | 80 / 120 / 160 cm | 80 / 120 / 160 cm |
| Gewicht | ~1.250 g (120 cm) | leichter als D-Lock-Bundle | schwerstes Bundle |
| Schlüssel | 2 | 2 | 3 |
| Besonderheit | Click & Go / Click & Connect | 2 Bügellängen im Set | Höchste Fahrradsicherheitsstufe |
| Oberfläche | Textil (lackschonend) | Textil (lackschonend) | Textil (lackschonend) |
| Herstellung | Made in Germany (Leipzig) | Made in Germany (Leipzig) | Made in Germany (Leipzig) |
| Preis | ab ~109 € | ab ~139 € | ab ~159 € |
Links
Hersteller: tex-lock.com
Orbit: tex-lock.com/fahrradschloesser/orbit
Eyelet-Set: tex-lock.com/fahrradschloesser/eyelet-set
