
Campingmöbel sehen häufig so aus, als hätten sich die Designer nicht zwischen Anglerbedarf und Kindergeburtstag entscheiden können. Ich bin eher der Schwarz-Weiß-Typ und habe mich deshalb für zwei schwarze Sunset Chair (re), den ebenfalls schwarzen Table One Hard Top und einiges an Zubehör von Helinox entschieden. Mitgenommen habe ich die kleine Kollektion auf meiner Reise mit dem Hobby-Van durch Tirol und Südtirol. Die erste Überraschung gab es noch vor der Abfahrt: Sämtliche Teile passten gemeinsam in eines der Fächer im Heck. Campingmöbel für zwei Personen, verstaut auf dem Raum einer eher überschaubaren Sporttasche.

Sunset Chair (re): sitzen, wärmen, schaukeln
Der Sunset Chair (re) wiegt inklusive Tasche knapp 1,7 Kilogramm, also ungefähr so viel wie drei große Dosen Bier. Dafür trägt er bis zu 145 Kilogramm. Der Aufbau erklärt sich beim ersten Mal noch nicht komplett von selbst, ist aber schnell verstanden: Gestänge zusammenstecken, Sitzbezug darüberziehen, fertig. Inzwischen steht der Stuhl bei mir nach rund 20 Sekunden. Beim Abbau zeigt sich ein Detail, das man erst dann richtig schätzt, wenn man schon einmal mit widerspenstigen Campingmöbeln gekämpft hat: Die Packtasche lässt sich dank ihrer großen Öffnung und der beiden Reißverschlüsse weit aufklappen. Man muss das Gestänge also nicht millimetergenau hineinoperieren.

Das „(re)“ im Namen steht nicht bloß für eine neue Farbe oder ein kleines Facelift. Helinox hat die Konstruktion überarbeitet und nennt das Ergebnis „(re)Tension Design“. Eine zweite Spannungslinie verteilt das Gewicht besser über den Rahmen und verhindert, dass der Stoff zu stark durchhängt. Genau das spürt man beim Sitzen. Der Bezug ist so über das Gestänge gespannt, dass eine erstaunlich bequeme Sitzschale entsteht. Man sitzt nicht einfach auf einem Stück Stoff, sondern wird gestützt, ohne darin zu versinken. Dazu kommen verstärkte Ecken, neue Verbindungselemente und längere Beine, die das Aufstehen erleichtern. Das Gestänge besteht außerdem aus wiederverwendetem Aluminium, für Bezug und Netzflächen verwendet Helinox recycelte, bluesign-zertifizierte Stoffe.
Mit meinen 1,93 Metern bin ich bei Campingstühlen ein eher unangenehmer Testfall. Im Sunset Chair (re) kann ich trotzdem bequem sitzen und den Kopf an die 97 Zentimeter hohe Rückenlehne legen. Seitlich befindet sich eine Einschubtasche für Smartphone oder Buch. Das klingt nebensächlich, verhindert aber, dass beides irgendwann im Gras liegt. Mit einer Packlänge von nicht einmal 48 Zentimetern verschwindet der Stuhl nach Gebrauch wieder im Heck des Campers.

Richtig interessant wird er durch das Zubehör. Der High-back Seat Warmer wiegt knapp ein halbes Kilo und verwandelt den luftigen Sitzplatz in eine gefütterte Höhle für den Hintern. Gerade an kühlen Abenden ist das deutlich angenehmer, als der etwas sachliche Name vermuten lässt. Die Air Headrest wiegt samt Beutel nur 85 Gramm, weniger als eine Tafel Schokolade, und polstert Kopf und Nacken ordentlich. Ganz überzeugen konnte mich die Befestigung allerdings nicht. Trotz der Kopfstützenlasche des neuen Stuhls rutschte das Kissen bei mir immer wieder etwas hin und her.
Mein Lieblingszubehör sind ohnehin die Rocking Feet. Die beiden Aluminiumkufen werden unter die Stuhlbeine gesteckt und machen aus dem Campingstuhl einen Schaukelstuhl. Braucht man das? Natürlich nicht. Will man nach fünf Minuten noch einmal darauf verzichten? Ebenfalls natürlich nicht.
Table One Hard Top: weniger als ein Liter Wasser, belastbar wie ein Umzugskarton
Der Table One Hard Top wirkt beim Auspacken zunächst wenig vertrauenerweckend. Die zusammenfaltbare Tischplatte fühlt sich in der Hand eher nach einer flexiblen Unterlage als nach einem richtigen Tisch an. Sobald sie jedoch aufgeklappt und an vier Punkten in das Gestänge geklickt wird, ändert sich das Bild. Im Inneren versteckte Polycarbonatplatten erzeugen eine ebene und erstaunlich stabile Fläche. Der Tisch wiegt verpackt etwas mehr als 900 Gramm, damit weniger als eine Literflasche Wasser, soll aber bis zu 50 Kilogramm tragen. Für Getränke, Snacks, Bücher und den üblichen Kleinkram vor dem Camper reicht das locker. Selbst gefüllte Gläser standen darauf sicher. Mit 38 Zentimetern ist der Table One Hard Top niedrig, passt damit aber gut zu den Sunset Chairs. Man kommt bequem an Getränke und Snacks, ohne sich jedes Mal aus dem Stuhl falten zu müssen. Steffi hat den Tisch zwischendurch sogar als Fußablage benutzt. Das funktionierte ebenfalls, auch wenn Helinox ihn dafür nicht gebaut hat und ich daraus keine offizielle Empfehlung ableiten würde. Bemerkenswert bleibt, wie viel Tisch aus einem Paket kommt, das zusammengefaltet gerade einmal 41 Zentimeter lang ist.

Ich hatte noch einen Becherhalter bestellt, um ihn an einen Stuhl zu befestigen. Nun ja, lesen hilft: Der passt zwar an fast allen älteren Modellen, aber am Sunset Chair (re) kann er nicht befestigt werden. Dieses Modell führt Helinox sogar ausdrücklich als nicht kompatibel auf. Immerhin lässt er sich am Tisch befestigen und erfüllt dort seinen Zweck – auch wenn das eigentlich etwas sinnlos ist. Außerdem wirkt die Halterung mit dem harten Kunststoff unnötig starr. Ein weicheres, flexibleres Material würde besser zum leichten Tisch passen und sich vermutlich auch angenehmer verstauen lassen.
Hier sitzt man richtig gut – und teuer
Ja, Helinox ist teuer. Zwei Sunset Chair (re) kosten zusammen knapp 390 Euro, der Table One Hard Top noch einmal rund 170 Euro. Mit Sitzwärmer, Kopfkissen, Kufen und Becherhalter wird aus der Campinggarnitur schnell eine kleine Investition. Dafür wirken die Möbel nicht wie Ausrüstung für zwei Sommer, sondern wie eine Anschaffung für viele Jahre. Das Gestänge ist stabil, die Stoffe sind kräftig, das Design ist angenehm zeitlos und das Packmaß passt auch in einen Van, dessen Stauraum nicht im Überfluss vorhanden ist. Helinox gibt zudem fünf Jahre Garantie auf Herstellungsfehler.
Einen Nachteil haben die Stühle trotzdem: Nicht nur ihre Besitzer finden sie ziemlich gut. Wer am Abend in den Camper geht, sollte sie deshalb besser einpacken, statt sie als freundliche Einladung vor dem Wagen stehen zu lassen. Das geht ganz fix. Und am nächsten Morgen sind sie noch da und stehen wieder in 20 Sekunden.
